Seminar für homiletische und für katechetische Uebungen zum Zweck
der unmittelbaren Vorbereitung auf den praktisch-kirchlichen Dienst.
Dasselbe wurde im Januar 1867 gegründet, nachdem schon früher Herr
Professor _Hagenbach_ und seit 1851 Herr Pfarrer (jetzt Professor)
_Stockmeyer_ die homiletischen und die Herren Professoren _Riggenbach_
und _Auberlen_, sowie Herr Pfarrer _Miville_ abwechselnd katechetische
Uebungen geleitet hatten. Seit Errichtung des Seminars pflegen
die Uebungen der homiletischen Abtheilung ausnahmslos in jedem
Semester, die der katechetischen in jedem Wintersemester abgehalten
zu werden. Vorsteher der ersteren ist seit der Gründung des Seminars
Herr Professor _Stockmeyer_ (bis 1873 für den zweiten Kursus unter
Mitwirkung von Herrn Professor _Hagenbach_), Vorsteher der letzteren
Herr Professor _Riggenbach_. Für den Eintritt ist beiderseits ein
vorangegangenes theologisches Studium von mindestens vier Semestern
als Bedingung gefordert. Die Uebungen, zu denen alle Theilnehmer
verpflichtet sind, bestehen in der Ausarbeitung und Kritik von
Predigten und Katechesen; für die homiletische Abtheilung ist ausserdem
noch in einem zweiten Kursus, der indessen nicht regelmässig abgehalten
wird, die Gelegenheit zum Vortrag der für das Seminar ausgearbeiteten
Predigten im öffentlichen Gottesdienst geboten. Durch einen von
der Regenz genehmigten Fakultätsbeschluss soll von Herbst 1885 an
dieses homiletisch-katechetische Seminar durch Heranziehung zunächst
der alttestamentlich und neutestamentlich exegetischen, sowie der
kirchengeschichtlichen Disciplin zu einem allgemein theologischen
Seminar erweitert werden, dessen einzelne Abtheilungen indessen, was
Leitung und Mitgliedschaft betrifft, von einander unabhängig sind und
dessen von der Fakultät zu ernennende Vorsteher die maassgebenden
Bestimmungen über die Art und die Bedingungen der Theilnahme je für die
verschiedenen Disciplinen zu treffen haben. Zugleich ist mit dieser
Erweiterung des Seminars die Aufstellung einer Handbibliothek verbunden
worden, deren Benützung zunächst den Mitgliedern vorbehalten ist; über
die Bücheranschaffungen entscheidet die Fakultät nach den von den
Vorstehern der einzelnen Abtheilungen gemachten Vorschlägen.
Chr. J. Riggenbach.
22. Pädagogisches Seminar.
Dieses Seminar trat mit Beginn des Wintersemesters 1873/74 ins Leben
und hat die Aufgabe, Studierende für ein höheres Lehramt vorzubereiten.
Für seine Einrichtung war die Erwägung maassgebend, dass einerseits
bei dem gegenwärtigen Zustande des Unterrichtswesens eine gewisse
Orientierung über die wichtigeren allgemeinen Probleme, wie über die
Methodik der einzelnen Lehrfächer schon während der Universitätszeit
wünschenswerth sei, dass aber andrerseits diese Beschäftigung mit der
Pädagogik sich innerhalb gewisser Schranken halten müsse, um nicht
den eigentlichen Zweck der Universitätsstudien, die Vertiefung in die
Wissenschaft selbst, zu gefährden. Die Seminarübungen sind theils
theoretischer, theils praktischer Art. Anfänglich wurden beide vom
einzigen Direktor, dem Ordinarius der Philosophie, geleitet; als aber
in Folge von Veränderungen dessen Kräfte in verstärktem Maasse für die
philosophischen Vorlesungen in Anspruch genommen wurden, übertrug die
Curatel die Leitung der praktischen Uebungen dem Rektor des Gymnasiums.
Es leiteten das pädagogische Seminar 1873/74 Professor Dr. Rud.
_Eucken_ -- 1874/75 Professor Dr. Max _Heinze_ -- 1875/81 Professor
Herm. _Siebeck_ -- 1881/83 Professor Herm. _Siebeck_ und Professor Fr.
_Burckhardt_ -- seitdem Professor Joh. _Volkelt_ und Professor Fr.
_Burckhardt_.
Fritz Burckhardt.
23. Philologisches Seminar.
Das hiesige philologische Seminar wurde, auf Antrag der philosophischen
Fakultät, zum ersten Mal im Jahre 1861 eröffnet unter der Leitung der
Herren Professoren _Gerlach_, _Ribbeck_ und _Vischer_. Sein in den
Bedürfnissen der Zeit liegender Zweck war, jungen Studierenden der
Philologie Gelegenheit zu selbstständiger Arbeit zu geben und die
Beschäftigung mit der classischen Philologie möglichst dem späteren
Wirkungskreis im theoretischen und praktischen Schulleben anzubequemen.
Der letztgenannte Gesichtspunkt braucht nun allerdings seit der
Lostrennung der pädagogischen Sektion nicht mehr strikte festgehalten
zu werden (d.h. seit der Gründung eines spezifisch pädagogischen
Seminars, 1873); doch wird er auch nicht völlig aus dem Auge gelassen,
insofern ja die Mehrzahl der Philologie-Studierenden später zur
Schulpraxis übergeht. Die Zahl der Besucher (bestehend aus ordentlichen
Mitgliedern und blossen Auskultanten) schwankte in den Jahren 1861-1872
zwischen 4 und 11, im Winter des Jahres 1872 mussten die Uebungen wegen
Mangels an Theilnehmern ausgesetzt werden. Im übrigen wurden Uebungen
im Interpretieren und in der Kritik, anfänglich sowohl in lateinischer
als auch in deutscher Sprache vorgenommen; später änderte sich dies (s.
unten). An fleissige Mitglieder wurden und werden jetzt noch jährliche
Prämien vertheilt.
Im Jahr 1874 befand sich das philologische Seminar (Direktoren die
Herren Professoren _Gerlach_ und _Nietzsche_) in grosser Zuhörernoth,
da die Zahl der Theilnehmer bis auf einen zurückging. Doch hob sich
die Zahl auf erfreuliche Weise schon in den nächsten Jahren, wo auch
Professor _Mähly_ als Mitdirektor in die Leitung des Institutes
eintrat; von 1875 an ist ein langsames, aber stetiges Steigen (6-10
Theilnehmer) zu konstatieren, -- im Winter 1880 nahmen sogar 13
Zuhörer an den Uebungen Theil -- um dann wieder ebenso langsam einem
decrescendo Platz zu machen (10, 6, 7) und wieder einen kleinen
Aufschwung zu erfahren (8, 9), bis im Sommer 1884 mit 4 Zuhörern die
kleinste Zahl seit zehn Jahren sich einstellte; im Sommer des laufenden
Jahres ist sie wieder auf 7 gestiegen. Freilich machen (mit Ausnahmen)
die ausserordentlichen, d.h. die nicht ordentlichen Mitglieder den
grösseren Bruchtheil der jeweiligen Zahl aus.
Mit dem Jahr 1878 schloss, nach mehrmaligen durch Krankheit
veranlassten längeren Pausen, die Thätigkeit Herrn Professor
_Nietzsche's_ am Seminar zugleich mit seiner akademischen ab, und an
seine Stelle trat im Winter 1879 Herr Professor J. _Wackernagel_, der
sich mit Professor J. _Mähly_ in die Direktion des Seminars theilt.
Die Uebungen finden seit einer Reihe von Jahren vier Mal wöchentlich
statt und gewöhnlich wechseln die beiden Direktoren in der Vornahme
derselben also ab, dass der gleiche in dem einen Semester die
lateinische, im folgenden die griechische Sprache und Litteratur
übernimmt. In den Stunden selber wird nur und ausschliesslich
Latein gesprochen. Die (vorwiegend kritisch behandelten) Autoren
vertraten so ziemlich nach Stoffen und Zeiten den Umkreis der
Zeit beider Litteraturen, von den homerischen Gesängen an bis auf
die griechische Anthologie, von Nævius herab bis Silius Italicus,
Epiker und Dramatiker, Lyriker und Rhetoren, Grammatiker und
Philosophen, Historiker und Scholiasten; oft auch, wo die Werke eines
Schriftstellers nicht mehr erhalten sind, wurden die gesammelten
Fragmente desselben behandelt.
Jacob Mähly.
24. Germanisch-romanisches Seminar.
Laut der Statuten hat dieses im Wintersemester 1885/86 zu eröffnende
Seminar den Zweck, das wissenschaftliche und praktische Studium der
germanischen und romanischen Sprachen zu fördern, insbesondere die
künftigen Lehrer der neueren Sprachen an Gymnasien und Realschulen für
ihren Beruf vorzubereiten.
Es zerfällt in zwei Abtheilungen, eine für germanische und eine für
romanische Philologie. Direktoren derselben sind die betreffenden
Fachprofessoren.
Die Uebungen des Seminars sind schriftliche und mündliche. Jene
bestehen in wissenschaftlichen und stilistischen Ausarbeitungen, diese
in Interpretationsübungen und mündlichen Vorträgen. Jedes ordentliche
Mitglied muss im Lauf des Semesters wenigstens eine schriftliche Arbeit
liefern oder einen Vortrag halten.
Mit dem Seminar soll eine kleine Handbibliothek verbunden werden, zu
deren Anlegung die Akademische Gesellschaft, in verdankenswerther
Weise einen Beitrag von Fr. 500 der Direktion zur Verfügung gestellt
hat. Für die Benützung der Handbibliothek wird eine besondere Ordnung
aufgestellt werden. Wer aus dem Seminar austritt, kann auf seinen
Wunsch vom Direktor ein Zeugniss über seine Leistungen im Seminar
erhalten.
Gustav Soldan.
25. Staatswissenschaftliches Seminar.
Dasselbe wurde 1877 gegründet, trat aber erst 1878 in Wirksamkeit.
Zweck desselben ist: »Erweckung und Pflege des Sinnes für das Studium
der Staatswissenschaften, sowie die Anleitung zu methodischer
Behandlung von Fragen aus den Gebieten der Nationalökonomie, der
Statistik, des öffentlichen Rechts, der Verwaltungslehre und
wirthschaftlichen Kulturgeschichte.« Behufs Unterstützung der Uebungen
besteht eine eigene Seminar-Bibliothek (im Sommer 1885 ungefähr 1800
Bände und Brochüren), welche mit einer grösseren Anzahl ausländischer
statistischer Bureaux im Schriftenaustausch steht, zu welchem Zwecke
dem Seminar die von der Regierung ausgehenden Publikationen in
einer grösseren Anzahl von Exemplaren überwiesen werden. Seminar
und Bibliothek stehen unter Leitung des jeweiligen Professors der
Nationalökonomie und Statistik. Zur Ertheilung von Prämien, sowie zu
Anschaffungen für die Bibliothek ist der Direktion ein jährlicher
Kredit bis zu Fr. 400 eröffnet. Die Frequenz schwankte zwischen vier
bis zehn Mitgliedern.
Karl Bücher.
26. Mathematisch-naturwissenschaftliches Seminar.
Das Seminar trat mit dem Sommersemester 1866 ins Leben. Es hat
den Zweck, Studierende, welche sich der Mathematik oder den
Naturwissenschaften widmen, bei der selbstständigen Bearbeitung
wissenschaftlicher Aufgaben anzuleiten und zu unterstützen.
Sämtliche Lehrer der Mathematik und der Naturwissenschaften an
der philosophischen und medicinischen Fakultät, welche sich dazu
verständigen, werden als Lehrer des Seminars betrachtet. Die Anmeldung
der Studierenden zur Betheiligung an dem Seminar geschieht bei
den betreffenden Lehrern. Zur Aufmunterung des Fleisses oder zur
Erleichterung bei den durch die Arbeiten veranlassten Unkosten können
für eingelieferte Arbeiten Prämien in Form von Geld, Apparaten oder
Büchern ertheilt werden, wofür ein jährlicher Kredit von Fr. 500
ausgesetzt ist. Eine grössere Anzahl von zum Theil trefflichen Arbeiten
vorgerückter Studierender, meist mathematischen Inhaltes, sind aus dem
Seminar hervorgegangen und mit Prämien bedacht worden.
Hermann Kinkelin.
FUSSNOTEN:
[29] Ueber die frühere Geschichte der Sammlungen s. auch P. Merian, zur
Geschichte der in dem neuen Museum aufgestellten Sammlungen (in der
Festschrift zur Einweihung des Museums, Basel 1849).
[30] Rathsherr Peter Merian. Programm zur Rectoratsfeier der
Universität Basel 1883, wobei auch zu verweisen ist auf einen viel
früheren Bericht: Festschrift zur Einweihung des Museums in Basel am
26. Nov. 1849 von P. Merian.
[31] Beilage zum Jahresbericht der Akademischen Gesellschaft für 1883.
Verhandlungen der Naturforschenden Gesellschaft in Basel. VII. 3. 1855.
[32] Ueber eine der bedeutendsten ältern Schenkungen, das im Jahr 1830
dem Museum durch Verfügung der Erben zugefallene Naturalien-Kabinet des
Stadtraths-Präsidenten Hieronymus Bernoulli, das sich über alle Arten
von Wirbelthieren, sowie über Crustaceen, Conchylien, Echinodermen
und Corallen verbreitete, aber auch namentlich an Versteinerungen
und Mineralien reich war, und das bis auf den heutigen Tag als
Grundstock des jetzigen Bestandes gelten kann, siehe auch Baslerische
Mittheilungen vom 20. März 1830. (Von der Hand von Prof. Chr.
Bernoulli).
[33] Siehe oben genannte Festschrift.
[34] Publiciert von der Akademischen Gesellschaft in der Beilage zum
Jahresbericht für 1880.
[35] S. hierüber Gedenkschrift zur Eröffnung des Vesalianum 1885.
[36] Bericht über d. vergl. anatom. Sammlung v. 1878 in der Beil. z.
Jahresb. der Akad. Gesellsch. v. 1878.
INHALT.
Seite
I. Geschichte der Organisation der Universität 5
II. Fonds der Universität 33
III. Rektoren, Lehrpersonal und Studentenschaft der Universität 42-63
A. Rektoren der Universität 42
B. Lehrpersonal der Universität 44
Alphabetisches Verzeichniss der Universitätslehrer 61
C. Studentenschaft der Universität 62
IV. Sammlungen und Unterrichtsanstalten der Universität 64-119
1. Oeffentliche Bibliothek (Universitätsbibliothek) 64
2. Kunstsammlung 68
3. Antiquarische Sammlung 71
4. Mittelalterliche Sammlung 75
5. Naturhistorisches Museum 78
6. Physikalische Anstalt 85
7. Chemische Anstalt 88
8. Botanische Anstalt 90
9. Normal-anatomische Anstalt 91
10. Vergleichend-anatomische Anstalt 94
11. Physiologische Anstalt 98
12. Pathologisch-anatomische Anstalt 100
13. Medicinische Klinik im Bürgerspitale 101
14. Chirurgische Klinik 104
15. Geburtshilflich-gynäkologische Klinik 106
16. Psychiatrische Klinik 108
17. Poliklinik des Bürgerspitals 109
18. Ophthalmologische Klinik und Poliklinik 111
19. Ohrenklinik 113
20. Kinderklinik 114
21. Theologisches Seminar 115
22. Pädagogisches Seminar 116
23. Philologisches Seminar 117
24. Germanisch-romanisches Seminar 118
25. Staatswissenschaftliches Seminar 119
26. Mathematisch-naturwissenschaftliches Seminar 119
* * * * * *
Anmerkungen zur Transkription:
Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden übernommen;
lediglich offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert.
Die erste Zeile entspricht dem Original, die zweite Zeile enthält die
Korrektur.
S. 50:
Dr.med. in Würzburg, 61
Dr.med. in Würzburg, 1861
S. 86:
in dem zeitweise vorgegerücktere
in dem zeitweise vorgerücktere
S. 112:
Die Frequenz de Klinik
Die Frequenz der Klinik
S. 113:
Studierenden Unterrricht
Studierenden Unterricht