mit Hörsaal, Vorbereitungszimmer, Sammlung, Arbeitszimmer und
Privatlaboratorium des Vorstehers, analytisches und technisches
Laboratorium für circa 25 Praktikanten, Wagen- und Bibliothekenzimmer,
Werkstätte, Vorrathsräume, Keller und Hof. Während der daselbst
verbrachten 23 Semester haben 414 Praktikanten (durchschnittlich 18
Praktikanten ohne Lehrer und Assistenten) in 10-45 wöchentlichen
Stunden regelmässig gearbeitet. Bei der im Sommer 1885 erreichten Zahl
von 41 Praktikanten waren allerdings die Nachtheile einer Ueberfüllung
stark zu spüren. Der Vorsteher wurde für die Vorlesungen und das
Praktikum, ausser von einem Diener, von je einem oder zwei, im ganzen
acht verschiedenen Assistenten unterstützt, von denen drei habilitiert
waren und in der Anstalt Spezialvorlesungen hielten.
Von wissenschaftlichen Arbeiten, die aus dem Institut hervorgegangen
sind, können summarisch erwähnt werden solche über Chrysin und
Tectochrysin, Resorcin, Nitrokresole, Cantharidin und Orthoxylol,
Protamin, Anthrachinon, chemisch-physikalische Versuche (_Piccard_ und
Schüler); ferner zahlreiche Ergänzungen in den höheren Fettreihen,
Dank einer verbesserten Methode der Destillation im luftleeren Raum
(_Krafft_ und Schüler); Untersuchungen in der unteren Fettreihe
(_Kahlbaum_); neuerdings die Entdeckung von mehrfachen Chinoylen und
Hexaoxybenzol, aus Chinon sowohl, als bei der merkwürdigen Synthese
aus Kohlenoxydkalium (_Nietzki_ und Schüler); und in anderen Gebieten
von _Hagenbuch_, _Salomon_, _Fèvre_, _Beck_ und _Passavant_, _Andeer_
u.s.w. Zahlreiche Arbeiten in der angewandten Chemie wurden endlich
vom Unterzeichneten während einer provisorischen Amtsdauer als
Kantonschemiker ausgeführt, wodurch die chemische Anstalt, soweit
als möglich ohne Beeinträchtigung ihres akademischen Charakters,
in beständiger Fühlung mit der Basler Bürgerschaft und der Basler
Industrie geblieben ist.
Die finanzielle Lage der Anstalt ist zwar im Vergleich mit ähnlichen
Instituten scheinbar sehr bescheiden, indem wir gesetzlich vom
Staate, ausser Assistenz, Bedienung, Heizung, Beleuchtung und
baulicher Unterhaltung, bloss 3000 Fr. erhalten; aber allen wirklichen
Bedürfnissen ist bisher auf die eine oder die andere Weise stets
entsprochen worden. Von der Freiwilligen Akademischen Gesellschaft, vom
Museumsverein, von zahlreichen Freunden der Universität, von chemischen
Fabrikanten, von Sanitätsbehörden für hygienische Untersuchungen
u.s.w. hat die chemische Anstalt in den elf Jahren an Geld- und
Naturalbeiträgen über 20,000 Fr. empfangen, also circa ⅖ der gesammten
Laboratoriumseinnahmen. Wir haben die auf lange Erfahrung gegründete
Ueberzeugung, dass, so lange die Anstalt ihrem wissenschaftlichen und
praktischen Zweck entspricht, sie nicht Noth leiden wird.
Jules Piccard.
8. Botanische Anstalt.
Die Geschichte der botanischen Anstalt reicht zurück bis zum Jahre
1588, als beim unteren Collegium ein kleiner botanischer Garten
angelegt wurde.
Etwas über hundert Jahre später, 1692, gründete man beim Spital auf
einem grösseren, etwa zwei Juchart umfassenden Areal einen neuen
Garten, welcher der Pflege wissenschaftlich und medicinisch wichtiger
Pflanzen gewidmet war. Um die Erweiterung und den Ausbau dieser Anstalt
machte sich besonders _Werner de Lachenal_ verdient. Im Bunde mit den
Behörden und durch Aufwendung beträchtlicher eigener Mittel gelang es
ihm, um 1777 eine ordentliche Professor-Wohnung zu erstellen, und die
Sammlungen der Anstalt, besonders die Bibliothek, nach und nach zu
erweitern.
Als jedoch im vierten Decennium unsres Jahrhunderts das neue Spital
erbaut wurde, ergab sich die Notwendigkeit, auch das Areal des
botanischen Gartens mit der neuen Anstalt zu vereinigen. In Folge
dessen kam zwischen der Erziehungsbehörde und dem Stadtrathe ein
Vertrag zu Stande, in welchem die Verlegung des botanischen Gartens
beschlossen wurde. Dieser Vertrag erhielt am 7. August 1838 die
Genehmigung des Grossen Rathes und wurde in den Jahren 1838-1842 zur
Ausführung gebracht.
Die neue botanische Anstalt wurde vor das Aeschenthor verlegt (jetzt
St. Jacobstrasse 6). Um das Areal zu beschaffen, kaufte löbl.
Spitalpflegamt das Schneider'sche Gut an, das an Flächeninhalt ungefähr
3 Juchart und 218 Ruthen betrug. Durch weiteren Ankauf Seitens löbl.
Akademischer Gesellschaft wurde dieser Raum soweit vermehrt, dass
das ganze Grundstück fast 4 Juchart umfasste. Auf diesem Gebiet fand
unter Professor _Meissner_ die Neugründung der Anstalt statt. Die
äussere Gestalt, welche dieselbe dabei erhielt, war diejenige, welche
sie bis heute behalten hat; der ganze Entwicklungsprozess aber fällt
nach Obigem in denjenigen engeren Zeitraum, welchen diese Geschichte
behandelt.
Wie die ältere, so zerfiel auch die neue Anstalt in zwei Theile, das
Institut im engeren Sinne nebst der Professor-Wohnung und den Garten
mit den Gewächshäusern.
Was zunächst den Garten anbelangt, so wurde als Eintheilungsprincip das
de Candolle'sche System zu Grunde gelegt und die annuellen Gewächse,
Stauden und Sträucher nach dem früher gebräuchlichen Verfahren auf
parallele Beete gepflanzt. Daneben wurde ein besonderes Quartier für
offizinelle Gewächse bestimmt. -- Durch die vereinte Thätigkeit der
hohen Regierung, des löbl. Stadtrathes, der löbl. Gemeinnützigen
Gesellschaft, sowie einer zu dem Zweck veranstalteten Subskription
gelang es, ein geräumiges, aus drei Abtheilungen, Kalt-, Temperirt-
und Warmhaus bestehendes Gewächshaus zu erstellen, dem sich in der
Folge ein Vermehrungs- und ein kleineres Haus zur Aufbewahrung von
Kalthauspflanzen anschloss.
Als sich in der Folge das aus Holz erstellte grosse Gewächshaus
als unzulänglich erwies, wurde es im Jahre 1862 durch ein neues,
geräumigeres und aus Eisen konstruiertes ersetzt, zu dessen Bau die
hohe Regierung Fr. 25,000 und der Reservefond der Universität Fr.
10,000 beitrug. Im Jahre 1865 wurde auf dem Areal des botanischen
Gartens ein Polizeiposten und in Verbindung damit eine Gärtnerwohnung
erbaut und endlich im Jahre 1881 an Stelle des alten, baufällig
gewordenen Vermehrungshauses ein neues, aus Eisen gefertigtes
errichtet, das sich in jeder Richtung als zweckmässig erwiesen hat.
Damit gelangen wir zur Besprechung des Instituts. Ursprünglich war
dasselbe, vom Unterrichtszwecke abgesehen, wesentlich systematischen
Aufgaben gewidmet; die verfügbaren Räume dienten lediglich zur
Aufstellung der Herbarien und der Bibliothek. Im Laufe der Zeit
machte sich jedoch mehr und mehr das Bedürfniss geltend, auch der
anatomisch-physiologischen Richtung in der Wissenschaft Rechnung zu
tragen. Nachdem schon Professor _Schwendener_ in diesem Sinne die
ersten Schritte gethan hatte, wurden seinem Nachfolger Professor
_Pfeffer_ die Mittel zur Einrichtung eines eigentlichen kleinen
Laboratoriums bewilligt und zur Unterhaltung und weiteren Ausbildung
desselben von löbl. Akademischer Gesellschaft ein jährlicher Beitrag
von Fr. 500 ausgesetzt. Mit Hilfe dieser Mittel wurden im Laufe der
letzten Jahre nach und nach die ersten und notwendigsten Apparate
herbeigeschafft, welche zur Ausführung der einfacheren physiologischen
Versuche erforderlich sind. Um endlich dem Bedürfniss nach einigen
grösseren Instrumenten und Apparaten, vor allem nach einem den heutigen
Anforderungen entsprechenden, vollständigen Mikroskope, zu genügen,
wurde im verflossenen Jahre von hoher Regierung und löbl. Akademischer
Gesellschaft ein Extrakredit von Fr. 2,500 bewilligt.
Wir dürfen diese Zeilen mit dem Bemerken schliessen, dass die
botanische Anstalt in lebendiger Entwicklung begriffen ist. Möge
sie trotz ihres Alters immer jung bleiben, wie der Gegenstand ihres
Studiums, die immer sich neu verjüngende Pflanzenwelt.
H. Vöchting.
9. Normal-anatomische Anstalt.
Im Sommersemester 1885 wurde diese Anstalt aus dem Collegienhaus am
Rheinsprung in das neuerbaute Vesalianum auf dem Werkhof-Areal verlegt
und theilt sich mit der physiologischen Anstalt in die Räume des
Erdgeschosses und des Souterrains.
Ueber die Vergangenheit der Anstalt berichtete jüngst in vortrefflicher
Weise Herr Prof. _Wilhelm His_, der Direktor des anatomischen
Institutes in Leipzig. In der Gedenkschrift zur Eröffnung des
Vesalianum (Leipzig 1885) ist »die Geschichte des anatomischen
Unterrichtes in Basel« von ihm niedergelegt und gerade jene Periode
ausführlich behandelt worden, welche die letzten sechzig Jahre umfasst.
_His_ vermochte am besten diesen Theil der Vergangenheit darzustellen,
weil er vom Jahre 1857-72 als Lehrer an der Universität gewirkt und
als geborener Basler während seiner Gymnasial- und Universitätsstudien
die ganze Reihe derjenigen Lehrer persönlich gekannt hat, welche von
_C.G. Jung_ angefangen die vereinigte anatomisch-physiologische Anstalt
geleitet haben. Seit der Berufung des Prof. _W. His_ als Professor
der Anatomie nach Leipzig ist die Anatomische Anstalt, wie an anderen
Universitäten, unter einen selbstständigen Vorsteher gestellt. Die
beträchtliche Steigerung des Besuches der Universitäten in den letzten
zehn Jahren hat sich auch auf die Universität Basel und ganz besonders
auf die medicinische Fakultät erstreckt. Bei dem Fach der Anatomie
macht sich ebenso, wie bei dem Besuch der klinischen Fächer, jede
vermehrte Frequenz doppelt fühlbar. Die Präparierübungen werden nämlich
von jedem Mediciner durch zwei Wintersemester hindurch besucht. So
kommt es, dass bei hundert Medicinern, welche sich auf vier Jahrgänge
vertheilen, die Zahl der Präparanten bis auf fünfzig steigen kann.
Bei solcher Frequenz waren die Räumlichkeiten in dem Collegienhaus
am Rheinsprung, welche kaum für zwanzig Präparanten dürftigen Platz
boten, durchaus ungenügend geworden, und die hohen Behörden gingen
in Verbindung mit der Akademischen Gesellschaft daran, für Anatomie
und Physiologie ein neues Gebäude zu errichten. (Genaueres über die
Entstehungsgeschichte siehe in dem Bericht über die physiologische
Anstalt).
In dem Neubau des Vesalianums ist die Anatomie in dem Erdgeschoss
untergebracht. Bei der Berechnung des für ein anatomisches Institut
in Basel nothwendigen Raumes wurde eine Frequenz der Anstalt von 60
Präparanten vorausgesetzt. (Im Winter 1884/85 hatten 56 Mediciner an
den Präparierübungen Theil genommen.) So enthält denn der Präpariersaal
am Westende des Gebäudes mit einer Fläche von 154 Quadratmeter für
jeden Arbeiter 2½ Quadratmeter. Dazu kommt noch in unmittelbarer Nähe
des Seciersaales eine Garderobe.
Der Hörsaal befindet sich in dem Centrum des Gebäudes, liegt nach
Norden; die Sitzbänke sind nicht amphitheatralisch, sondern senkrecht
zu drei grossen Fenstern gestellt, welche den Raum mit einem
einheitlichen Licht erfüllen. An ihn schliesst sich als nothwendige
Ergänzung ein Saal für anatomische und mikroskopische Demonstrationen,
welche in dem Hörsaal aus besonderen Gründen nicht stattfinden können,
unmittelbar an. Der Demonstrationssaal enthält eine Handsammlung für
die Studierenden der Medicin, welche in der Anstalt arbeiten. Sie
steht ebenso wie der Saal und ein daselbst befindliches Mikroskop zu
freier Verfügung. Auch der Präpariersaal enthält eine grosse Anzahl
von Präparaten, welche der freien Benutzung bei den Präparierübungen
zugänglich sind.
Eine andere Abtheilung des Erdgeschosses, welche ebenso wie der
Hör- und der Demonstrationssaal nach Norden liegt, umfasst die
Sammlungsräume mit einer Bodenfläche von 111 Quadratmetern.
Die Arbeitszimmer liegen der Südfront entlang, soweit dieselbe nicht
von dem Präpariersaal, der Garderobe, einer kleinen Treppe und dem
hellen, geräumigen Stiegenhaus eingenommen wird. Das Souterrain ist zur
Hälfte der anatomischen Anstalt zugetheilt, ebenso wie ein Theil des
Speichers.
Die anatomische Sammlung ist in drei Abtheilungen gegliedert.
Die erste Abtheilung umfasst die systematische Anatomie, und zwar mit
der bekannten Gliederung in Präparate für die Knochen- und Bänderlehre,
die Eingeweidelehre und die Sinnesorgane, die Gefässlehre, die
Nervenlehre.
Die zweite Abtheilung umfasst die Rassenanatomie; sie ist in
dem breiten Korridor des neuen Gebäudes in den besonders für
Rassenschädel konstruierten Schränken aufgestellt. Was in dieser
Abtheilung von den Herren _His_ und _Rütimeyer_ gesammelt wurde,
ist durch die Veröffentlichung eines Werkes, betitelt »Crania
helvetica«, in 4º, Basel 1864, auf die Höhe eines wissenschaftlichen
Vergleichungsmateriales gehoben worden. Keine Universität der Schweiz
besitzt eine so ausgedehnte Sammlung schweizerischer Schädel. Die
Schädel der historischen Bevölkerung sind zahlreich vertreten, aber
auch die prähistorische Bevölkerung. Aus der burgundischen und
helvetischen Periode und aus der Periode der Pfahlbauten besitzen wir
manches werthvolle Objekt.
Die dritte Abtheilung umfasst die embryologische Sammlung, und
besteht aus einer grossen Zahl vortrefflicher Wachspräparate, welche
wir, abgesehen von den Weingeistpräparaten, zum überwiegenden Theile
schenkungsweise von Herrn Prof. _His_ erhalten haben. Sie entstammen
seinen wichtigen Arbeiten über die Entwicklungsgeschichte des Menschen,
des Hühnchens und des Lachses.
Eine vierte Abtheilung umfasst die mikroskopischen Präparate. Diese
Sammlung ist in einem der nach Süden gelegenen Zimmer aufgestellt.
Als höchst interessante Reliquien für die Geschichte des anatomischen
Unterrichts sind zu verzeichnen:
1) ein weibliches Skelett, von _Felix Plater_
2) ein männliches Skelett, von _Vesal_ hergestellt.
Ueber das letztere siehe die oben citierte Abhandlung von _W. His_, S.
3.
Diese beiden Skelette sind wohl die ältesten Knochenpräparate, welche
in irgend einer anatomischen Sammlung existieren.
Die anatomische Sammlung ist für 16,000 Franken versichert.
An der Anstalt wirken zur Zeit, abgesehen von dem Vorsteher, noch ein
Prosektor, Herr Dr.med. _Gottschau_ aus Berlin, und ein Assistent,
stud. med. _VonderMühll_ aus Basel. Der Abwart der Anstalt hat im
Erdgeschoss eine Werkstätte und im Souterrain eine mit Berücksichtigung
aller sanitären Maassregeln erstellte Wohnung.
Die Länge des stattlichen Gebäudes beträgt 55.43 Meter -- die Breite in
dem Mittelbau 24.20 Meter. Die Westfront trägt in vergoldeten Lettern
den Namen »_Vesalianum._«
J. Kollmann.
10. Vergleichend-anatomische Anstalt.
Da erst vor kurzem, bei Ablauf von fünfundzwanzig Jahren seit
Uebertragung der Leitung der vergleichend-anatomischen Sammlung an den
Unterzeichneten, der Jahresbericht von 1880 einen Ueberblick über die
allmählige Entwicklung derselben gegeben hat,[34] so kann sich der
gegenwärtige Bericht hinsichtlich jener Periode kurz fassen.
Ein Keim von Lehrmitteln für vergleichende Anatomie und Zoologie wurde
zu Anfang der zwanziger Jahre, und zwar innerhalb des Rahmens der
Sammlung für menschliche Anatomie zuerst angelegt auf Anregung von
Professor _C.G. Jung_.[35] Die Hauptbestandteile derselben bildete
ein von _Fr. Nusser_, dem Prosektor von Professor Jung, hergestellter
Vorrath von Thierskeletten, hauptsächlich Säugethiere und Vögel.
Allmählig kamen dazu allerlei Geschenke, namentlich osteologischer
Natur, von dem Professor für Botanik und Zoologie, _K.Fr. Meissner_;
ferner die vortreffliche Privatsammlung von Gehörpräparaten des
1843 verstorbenen Dr.med. _Ed. Hagenbach_ als Geschenk von dessen
Erben. Später eine von Herrn Prof. _Miescher-His_ angelegte und
von ihm geschenkte, für die damalige Zeit schon ansehnliche
Sammlung wirbelloser Meerthiere, hauptsächlich aus Neapel, und bald
darauf, durch Ankauf, eine grössere, auch die Fische umfassende,
die von dem Unterzeichneten in den Jahren 1851 und 1853 in Nizza
und Palermo angelegt worden war, so wie allmählig eine Anzahl von
vergleichend-anatomischen Präparaten, welche von den verschiedenen
Inhabern des anatomisch-physiologischen Lehrstuhls, namentlich von
Professor _Alex. Ecker_ und _C. Bruch_ herrührten.
Bis zum Jahr 1855, wo zuerst (im October) ein besonderer Lehrstuhl für
vergleichende Anatomie und Zoologie errichtet und dem Unterzeichneten
anvertraut wurde, war dieser Vorrath an Lehrmitteln bereits auf circa
1000 Nummern des Präparatenkataloges angestiegen. Untergebracht
waren dieselben in dem kleineren der zwei im ersten Stock des
unteren Collegiums der menschlichen Anatomie angewiesenen Säle;
doch wurde bald nöthig, mit den grossen Skeletten in den Mittelraum
auch des grösseren Saales überzugreifen. Auch für Anschaffungen und
Präparation wurde die Sammlung anfänglich auf Aushilfe von Seiten
der anatomisch-physiologischen Muttersammlung angewiesen, was bei
den beschränkten eigenen Verhältnissen der letztern zu allerlei
Misslichkeiten hätte führen können, wenn nicht bald, schon von 1857 an,
die Berufung von Professor W. _His_ an den Lehrstuhl für menschliche
Anatomie und Physiologie ein volles Einverständniss gesichert hätte.
Immerhin betrug die Einnahme der Sammlung für vergleichende Anatomie
im Jahr 1856 nur Fr. 155 und stieg auch in den folgenden Jahren
nur langsam, sei es -- und vor allem auf Verwendung von Professor
_Jung_, -- durch gelegentliche freiwillige Zuschüsse von Seite der
medicinischen Fakultät, sei es durch ähnliche freiwillige Unterstützung
von manchen Freunden der rasch anwachsenden Sammlung, unter welchen an
Verstorbenen namentlich Prof. K. Fr. _Meissner_ und C. _Streckeisen_
dankbare Erinnerung verdienen.
Ueber die allmählige Weitergestaltung giebt etwas einlässlichere
Auskunft der Regenzbericht für 1865. Die Sammlung gliederte sich
nach und nach in drei verschiedenartige Abtheilungen: eine für
vergleichende Anatomie, eine für Zoologie, soweit solche noch nicht
im naturhistorischen Museum Pflege finden konnte, nämlich für
wirbellose Thiere und für Fische und Reptilien in Weingeist, und eine
dritte ausschliesslich aus Geschenken entstandene für Palæontologie,
vorwiegend bestehend aus Thierresten von prähistorischen Fundstellen,
wie Pfahlbauten, Knochenhöhlen u.s.w. bis in die jüngere Tertiärzeit,
letztere hauptsächlich vertreten durch Gipsabgüsse nach den
Originalsammlungen des Auslandes, namentlich Frankreichs und einer
grossen Anzahl von Museen Italiens.
Eine wesentliche Förderung wurde der Sammlung zu Theil durch das
Universitätsgesetz vom Januar 1866, das ihr in Bezug auf Einnahme
und Haushalt Selbstständigkeit und einen Jahreskredit von Fr. 1000
nebst Fr. 300 für Bedienung gewährte, wobei indess die freiwilligen
Beiträge nicht ausblieben und namentlich auch die medicinische Fakultät
Jahre lang fortfuhr, ihre Examengebühren vorwiegend dieser Sammlung
zuzuwenden. Wie denn auch der Kreis von Freunden von befreundeten
Anstalten im In- und Ausland und namentlich von Schülern, die aus dem
Ausland oft höchst werthvolle Beiträge an Naturalien, heimsandten,
sich immer mehr vergrössert hatte. An besonders ansehnlichen Beiträgen
aus früheren Jahren nennen wir die Skelettsammlung von Professor J.
J. _Mieg_, die nach dessen Tod im Jahre 1870 der Anatomie so gut als
geschenkweise zufiel, die Jahre lang wiederholten Zusendungen von Dr.
_Karl Dieterich_ aus Michigan, diejenige von _Ed. Spitteler_ in Ceylon,
von Dr. _Zahnd_ im Capland, und vor allem die von 1863-78 fast jedes
Jahr sich wiederholenden höchst werthvollen Geschenke von Dr. _Gustav
Bernoulli_ in Guatemala.[36]
Alles das nöthigte zu immer grösserer räumlicher Ausdehnung. Schon
1864 war dem dringendsten Bedarf Rechnung getragen worden durch
Glasschränke im Mittelraum des Saales; aber auch von dem Areal für
menschliche Anatomie musste immer ausgiebigerer Gebrauch gemacht
und dessen Mittelraum und Decke gefüllt werden; und von 1877 musste
man unter Entgegenkommen des Professors der pathologischen Anatomie
auch in dessen Sammlungssaal, ein Stockwerk höher, eindringen, wobei
gleichzeitig Manches an die mittlerweile entstandene Reptiliensammlung
des Museums, und auch die Gipsabgüsse tertiärer Säugethiere der
daselbst entstandenen besondern Sammlung abgegeben wurden.
Vom Jahr 1877 an bis auf 1885 fügte dann die Akademische Gesellschaft
zu den genannten Hilfsmitteln aus dem Kirchen- und Schulgut einen
jährlichen Zuschuss von Fr. 500, der namentlich erlaubt hat, dem bei
derartiger Zunahme an Inhalt und Ausdehnung immer drückenderen Bedarf
an regelmässiger Aushilfe für Bedienung zu begegnen, die bisher oft
unzureichend, oft ganz ausbleibend durch Studierende besorgt worden
war; immerhin verpflichtet auch hier, so gut wie bei Geschenken,
Dankbarkeit, aus älterer Zeit namentlich der treuen und hingebenden
Arbeit der Herren Stud. _Kossakowsky_ und _Tachella_ zu gedenken.
Die Errichtung einer besondern pathologisch-anatomischen Anstalt
eröffnete uns endlich im Jahr 1881 deren schon theilweise besetzten
Saal vollständig. Trotz der Verdoppelung des Raumes füllte sich indess
derselbe sofort so, dass nirgends merkliche Lücken entstanden und
nicht ersichtlich war, wie der frühere Zustand wieder hergestellt
werden könnte. Dasselbe lässt sich sagen von der in das gegenwärtige
Jahr fallenden schliesslichen Besitznahme auch des Überrestes der
Räumlichkeiten für menschliche Anatomie in Folge der Errichtung des
Vesalianums.
Erst hierdurch ist die vergleichend-anatomische Sammlung, freilich
immer noch zum Theil in Räumlichkeiten, über deren Ungunst die
Berichte an die Regenz seit Jahrzehnten Klage führten, völlig
unabhängig geworden (mit einem Kredit von Fr. 2100 für die Sammlung
und für Assistenz und wie bisher Fr. 900 für den im Hause wohnenden
Anatomie-Diener). Sie hat auch das frühere Areal der menschlichen und
der pathologisch-anatomischen Sammlungen völlig besetzt und ist eine
besondere Lernsammlung zum Privatstudium der Studierenden in dem alten
Seciersaal eingerichtet, während der sogenannte neue Seciersaal bereits
in diesem Sommer im Anschluss an die Vorlesungen zu Demonstrationen
unter der Leitung des Assistenten, Herrn Cand. phil. _Leuthardt_,
verwendet wurde.
Über den Inhalt der Sammlung können Zahlen je länger je weniger
richtigen Aufschluss geben. Einige Details gab der schon genannte von
der Akademischen Gesellschaft veröffentlichte Bericht für 1880, den wir
bis 1885 in folgender Weise ergänzen:
Summa der Katalognummern etwa 5500, wovon über 3000 der
vergleichend-anatomischen Abtheilung, nahezu 2000 der zoologischen und
das Übrige, meist nicht einzelne Gegenstände, sondern ganze Reihen
enthaltend, der palæontologischen zufallen. Für Spezielleres sind in
der osteologischen Sammlung, die immer noch das Schwergewicht bildet,
etwa 820 Spezies von Wirbelthieren vertreten:
Spezies von
-------------------|----------------
Säugethieren Vögeln Reptilien Fischen
durch ganze Skelette (nahezu 700) 180 127 94 71
dazu durch Schädel (nahezu 1200) 206 83 30 33
-----------------------------------
386 210 124 104 Summa 824.
In Weingeist: Wirbellose Thiere 1040, Fische 440, Batrachier und
Reptilien 350 Arten.
Vergleichend-anatomische Objekte in Weingeist circa 600 Nummern.
Wichtiger als diese Zahlen ist die Anerkennung, dass diese Hilfsmittel
den Anforderungen des akademischen Unterrichts in einer Weise
entsprechen, die während Jahrzehnten als unerreichbar erschien, und
dass einzelne Abteilungen auch für Spezialstudien eine reiche Fülle
bieten, die immer noch im Zunehmen begriffen ist durch fortdauernde
Fürsorge aus allerlei Quellgebieten, worunter wir für die letzten
Jahre besonders hervorheben die Zusendungen von Dr. _Gränicher_
(Mittelmeerfauna), von Dr. C. _Passavant_ und Dr. E. _Mähly_ aus
West-Afrika, von Dr. _Paul_ und _Friedrich Sarasin_ aus Ceylon.