Durch diese günstigen Verhältnisse hob sich der Zustand der meisten

Abtheilungen in ansehnlicher Art. Des regelmässigsten und reichsten

Ausbaues erfreute sich stets durch die Fürsorge ihres besonderen

Vorstehers, P. _Merian_, woran sich auch während langer Zeit Dr.

_Christ. Burckhardt_ betheiligte, die Abtheilung der Conchylien und

Petrefakten, unter welchen namentlich die Echinodermen schon frühe eine

hohe Stelle einnahmen. In gleich günstiger Lage befand sich die unter

derselben Fürsorge stehende Mineraliensammlung, welcher von auswärts

ansehnliche Geschenke, hauptsächlich von Hrn. C. _Vischer-Passavant_

in Mexico, zuflossen. Auch die Insektensammlungen, sowie diejenige

der Corallen standen in raschem Fortschritt und ebenfalls vorwiegend

durch Geschenke, unter welchen die reiche Privatsammlung von Dr. L.

_Imhoff_, die lange Zeit den Grundstock dieser Abtheilung bildete,

und die wiederholten Geschenke von Hrn. _Andr. Bischoff-Ehinger_ in

erster Linie zu nennen sind. Die eigenen Hilfsmittel des Museums wurden

dafür hauptsächlich auf Vervollständigung der früher unbedeutenderen

Abtheilungen der Säugethiere und Vögel verwendet, deren Betrag

hiedurch, wie durch die erwähnten Geschenke von auswärts, sich rasch

hob. Am weitesten zurück blieben immer noch, obschon sie mindestens

für Westafrika sehr Werthvolles enthielten, die Abtheilungen der

Reptilien und Fische, sowie, mit Ausnahme der trocken aufzubewahrenden,

diejenigen der niedern Thiere. Eine von Prof. _Alex. Ecker_ in Triest

angelegte Sammlung von Meeresthieren der Art wurde im Jahre 1847 von

der Naturforschenden Gesellschaft angekauft.

Durch all das war allmählig das im Jahre 1822 bezogene Lokal im

Falkensteiner Hof zu eng geworden. Im December 1841 entschloss sich

daher eine zu diesem Zweck gebildete Kommission, bestehend aus

Mitgliedern des Kunstvereins, der Naturforschenden Gesellschaft und der

Bibliothekskommission, zum Aufruf an die Bürgerschaft, für die Erbauung

des gegenwärtigen Museums, wozu der Grosse Rath durch Beschluss vom

21. März 1843 seine Betheiligung zusagte. An der Herstellung hat der

Staat Fr. 184,000, die Stadt 16,000, der Universitätsfond 15,000,

die Bürgerschaft nahezu 70,000 Fr. beigetragen. Schon im Spätjahr

1847 wurde das Gebäude bezogen und am 26. November 1849 eröfnet.[33]

Das Jahr 1850 fügte dazu die Stiftung des Museumsvereins, der sich

ausschliesslich die Sorge für die verschiedenen Sammlungen der neuen

Anstalt zum Zweck setzte, und dessen kräftiger Beihilfe sich auch die

naturhistorische Abtheilung besonders häufig zu erfreuen hatte.

Wenn wir uns für die fernere Entwicklung unserer Anstalt seit

diesem Wendepunkt an eine Eintheilung halten, die sich von selbst

aufdrängt, so wurden die regelmässigen Hilfsquellen, die also von

1849 an aus Fr. 800 aus dem Universitätsgut und Fr. 200 von der

Gemeinnützigen Gesellschaft bestanden hatten, schon von 1850 an von

dem Museumsverein um einen erst wechselnden, von 1857 an um einen auf

Fr. 850 festgestellten Jahresbeitrag vermehrt, wozu aber sehr häufig

ausserordentliche Beiträge kamen. Vom Jahr 1852 an wurde der Beitrag

aus dem Universitätsgut auf Fr. 1200, derjenige der Gemeinnützigen

Gesellschaft auf Fr. 300 gestellt. Von 1857 an kam zu dem ordentlichen

Beitrag aus dem Universitätsgut noch ein ausserordentlicher aus dem

Kredit für die akademischen Sammlungen, der im Durchschnitt dem

ordentlichen an Höhe gleich stand, und vom gleichen Jahre an setzte der

Museumsverein seinen jährlichen Zuschuss auf 850 Fr. Vom Jahre 1862

an flossen ferner zum ersten Mal ansehnliche Zuschüsse aus den durch

Grossrathsbeschluss dem Museum zugewiesenen Zinsen von auswärtigen

Anlagen der Universität, als »Spezialfonds für das naturhistorische

Museum.«

Durch Universitätsgesetz vom 30. Januar 1866 wurde endlich das

naturhistorische Museum abgetrennt von dem physikalischen Kabinet und

der chemischen Anstalt und unter Leitung einer besondern Kommission

von wenigstens fünf Mitgliedern gestellt, wozu die ordentlichen

Professoren der Zoologie und Geologie gehören sollten. Gewählt wurden

von der Regenz unter dem Präsidium von P. _Merian_ die Professoren

L. _Rütimeyer_ und _Albr. Müller_, ferner Dr. _Christ. Burckhardt_,

Dr. L. _Imhoff_, wovon letzterer der Kommission schon seit 1834, die

beiden vorhergenannten seit 1849 angehört hatten. 1867 kam dazu Herr

_Andr. Bischoff-Ehinger_. Nach dem nemlichen Gesetz wurde das Museum

für Unterhalt und Vermehrung zunächst auf die Eingänge des etwa

40,000 Fr. betragenden naturwissenschaftlichen Fonds und auf einen

regelmässigen Staatsbeitrag von Fr. 500 angewiesen, so dass seit diesem

Jahr die regelmässigen Einnahmen bestehen aus circa 2000 Fr. aus dem

erwähnten Spezialfond, 500 Fr. ordentlichen und seit einer Anzahl von

Jahren 500 Fr. ausserordentlichen Kredites (für die akademischen

Sammlungen) von der Kirchen- und Schulgutsverwaltung, aus dem Beitrag

von der Gemeinnützigen Gesellschaft von Fr. 300 bis 1877 und seither

Fr. 500, aus dem regelmässigen Beitrag von Fr. 700 vom Museumsverein

und, seit 1867, einem Jahresbeitrag von Fr. 115 von der Akademischen

Gesellschaft. Seit dem Tode des Herrn _Bischoff-Ehinger_ ist dazu

für die entomologische Sammlung ein besonderes Legat gekommen, das

derselben jährlich 80 Fr. abwirft.

In und ausserhalb Basel ist bekannt genug, dass dabei ausserordentliche

Hilfsquellen nicht fehlten. Wie für andere Anstalten, so sind auch

für das naturhistorische Museum, wo es sich um grössere Einrichtungen

oder besonders kostspielige Ankäufe handelte, bald die Behörden, bald

freiwillige Korporationen, in besonders kräftiger Weise vor allem der

Museumsverein hilfreich eingestanden. Zudem verzeichnet das Schenkbuch

häufig, und bei besonderen Anlässen oft sehr ansehnliche freiwillige

Beiträge von Freunden und aus Trauerhäusern, den letzten und grössten

im Jahre 1883, von den Hinterbliebenen des Mannes, der unserer Anstalt

als Mitglied der Kommission seit 1821, als Präsident derselben seit

1830 angehörte und ihr bis zu seinem Tode in stets gleicher Fülle sein

ungewöhnlich reiches Kapital an Wissen, an Einsicht und an Einfluss

zugewendet hat.

Ueber den unter solchen Verhältnissen erreichten Inhalt der Sammlungen

geben die zwei oben genannten Berichte für 1883 und 1884 einlässliche

Auskunft. Wir entnehmen denselben für die hier in Rede stehende Periode

nur folgende Zahlen:

1834 1884

Säugethiere Arten-Zahl 75 462

Vögel 545 2,361

Reptilien 136 1,287

Fische 222 623

Conchylien 653 4,464

Gliederthiere 3,480 etwa 32,000

Corallen (lebende) 100 211

Es weisen also einzelne Abtheilungen in dem Zeitraum von fünfzig Jahren

eine Verfünffachung bis Verzehnfachung der Spezies-Zahl auf. Dasselbe

würde, wenn Zählung von Spezies sich hier durchführen liesse, für die

Versteinerungen gelten, über deren Bestand der Bericht von 1884 eine

allgemeine Uebersicht giebt.

Wenn dieser Anwachs für die Pfleger der einzelnen Sammlungen vor allem

in der die Aufstellung immer bedenklicher erschwerenden Raumanfüllung

an den Tag trat, so mag er für das Publikum in umgekehrter Weise durch

scheinbare Raumvermehrung bemerkbar geworden sein. Im Jahr 1877 wurde

zuerst ein neues Lokal in dem bisherigen amphitheatralischen Hörsaal

eröffnet zu besonderer Aufnahme der Reptilien und Fische, deren

ausserordentlich starke Zunahme bezeichnet ist durch den im Jahr 1875

erfolgten Eintritt von Hrn. Dr.Fr. _Müller_ in die naturhistorische

Kommission. Im Jahr 1879 kam dazu ein neues Lokal hinter der Aula

für Aufnahme einer besondern Sammlung von fossilen Wirbelthieren.

Veranlasst war dieselbe zunächst durch den reichen Zufluss von

Gipsabgüssen von Ueberresten grösserer Säugethiere aus einer grossen

Zahl von Museen Frankreichs und Italiens. Jetzt birgt sie auch die

für die Schweiz einzig dastehende Sammlung fossiler Säugethiere

aus den Bohnerzen von Egerkingen, die uns Hr. Pfarrer _Cartier_ in

Ober-Buchsiten im Jahr 1884 zum Geschenk gemacht hat, und eine sehr

ansehnliche Originalsammlung ähnlicher Art aus Südfrankreich. 1882

wurde ein ferneres Lokal für die Aufstellung der Crustaceen, und 1883

eines für die Corallen eröffnet, beide letzteren ebenfalls besorgt von

Herrn Dr.Fr. _Müller_.

Da es nicht das Ziel dieses Berichtes sein kann, auf die Veränderungen

im Bestand der Sammlung im Detail einzugehen und ohnehin das

Wesentliche dieser Veränderung vielmehr in der allmähligen

Vervollständigung der wissenschaftlichen Bedeutsamkeit des Inhalts, als

etwa in Bauschzahlen oder Arealzunahme besteht, so ist es doch billig,

auch für die Periode seit 1849 die grössern Schenkungen, so weit dies

nicht schon geschehen ist, namentlich aufzuführen. Unablässig folgen

sich hier, wenn auch in den amtlichen Berichten selten namentlich

erwähnt, die Geschenke von P. _Merian_, vor allem auf dem Gebiet

der Versteinerungen. 1862 erfolgte durch Testament von Hrn. Fr.

_Heusler_ die Vereinigung von dessen aus 3-4000 Stücken bestehenden

Mineraliensammlung mit dem Museum. Während nahezu eines Jahrzehntes

folgten sich in den vierziger und fünfziger Jahren Zusendungen an

Naturalien verschiedener Art von Dr.C. _Dieterich_, erst aus Aegypten,

später aus Michigan. Aus derselben Zeit, etwa von 1850 an, datieren

öftere Geschenke an Insekten von Hrn. _Andr. Bischoff-Ehinger_,

welche nach dessen Tode im Jahre 1875 abschlossen mit der Vergabung

seiner gesammten, etwa 18,000 Arten umfassenden Privatsammlung, nebst

entomologischer Bibliothek und einem schon genannten Spezial-Legat für

Pflege der Sammlung. Andere Insekten-Zuflüsse verdanken wir Herrn _Rud.

Geigy_ und Herrn _Adolf Burckhardt-Bischoff_. Das Jahr 1871 brachte von

den Erben von Prof. _Schönbein_ die ungefähr 3000 Arten enthaltende

Conchyliensammlung von dessen Schwiegervater, Kanzleirath _Benz_ in

Stuttgart, das Jahr 1876 die Petrefaktensammlung des im Jahr zuvor

verstorbenen Dr. _Christoph Burckhardt_. Schon zwei Jahre vorher hatte

Herr Dr. _Victor Gilliéron_ eine ansehnliche Sammlung ähnlicher Art aus

dem Kanton Freiburg, dem Jura und der Umgebung von Basel dem Museum

zum Geschenk gemacht. Der Vogelsammlung fielen grössere Schenkungen

zu aus Ostindien im Jahr 1855 von Herrn _Rud. Geigy_, aus Australien

von Hrn. _Achilles Bischoff_, und besonders reichlich (274 Arten) aus

Brasilien von Herrn _Carl Euler_, und von eben daher 1873 von Konsul

_Heinr. David_ daselbst. 1870 fiel durch Testament die ansehnliche

Privatsammlung einheimischer Vögel (ca. 90 Arten in 600 Exemplaren)

von Prof. J.J. _Mieg_ dem Museum zu. -- Die in einigen Zahlen schon

angedeutete gewaltige Zunahme der Reptilien beruht hauptsächlich auf

den von 1864-1878 fast jährlich wiederholten Geschenken von Dr. _Gust.

Bernoulli_ in Guatemala und seit 1875 auf den an Auswahl nothwendiger

Weise immer judiziöser gewordenen von Hrn. Dr.Fr. _Müller_. Aus dem

Ausland sind dazu in den letzten Jahren wiederholt Zusendungen von Hrn.

Dr.C. _Passavant_ und Dr.E. _Mähly_ aus Westafrika und von den Herren

Dr. _Paul_ und _Fr. Sarasin_ aus Ceylon gekommen. Das letzte und eines

der reichsten von derartigen Geschenken seit fünfzig Jahren, dasjenige

von Hrn. Pfarrer _Cartier_, ist schon genannt worden.

Von dieser Aufzählung wäre es endlich unrecht die einzelnen

hervorragenden Erwerbungen auszuschliessen, welche ihrer Seltenheit

oder Bedeutung halber ein ausserordentliches Zusammenwirken von

Gesellschaften und Privaten erforderten. Dahin gehört der Ankauf

eines fossilen Krokodiles (Mystriosaurus) aus dem schwäbischen

Lias im Jahr 1865, im Jahr 1871 die Erwerbung eines damals noch

ungewöhnliche Opfer erfordernden Gorilla-Skelettes, die im Jahr 1876

als Nachgabe zu der schweizerischen Naturforscherversammlung in

Basel erfolgte Schenkung der prachtvollen Ichthyosaurus-Tafel in dem

palæontologischen Saal hinter der Aula, im Jahr 1877 die Erwerbung

des schönen fossilen Moa-Skelettes (Palapteryx) und aus neuester Zeit

die mehr als zur Hälfte durch Geschenk zu Stande gekommene prächtige

Pentacrinitengruppe, welche seit diesem Jahr den Mineraliensaal

schmückt.

Bezüglich des Personals der die Sammlungen besorgenden Kommission ist

zu dem bereits Gesagten nur nachzutragen, dass dieselbe im Jahr 1868

durch den Tod Herrn Dr.L. _Imhoff_, im Jahr 1875 die Herren Dr.Chr.

_Burckhardt_ und A. _Bischoff-Ehinger_ verlor, welche alle drei der

Sammlung durch seltene Hingabe, die bis über den Tod hinaus dauerte,

ausserordentliche Dienste geleistet hatten. Zum Ersatz traten durch

Wahl der Universitäts-Regenz ein 1875 Hr. Dr.Fr. _Müller_, 1879 Hr.

Fr. _Riggenbach-Stehlin_. Am 8. Februar 1883, zehn Tage nachdem er

mit zum ersten Mal veränderter Handschrift seinen achtundvierzigsten

Jahresbericht über das Museum niedergeschrieben hatte, schied _Peter

Merian_. Von der Regenz wurde zum Vorsteher der Kommission der

Unterzeichnete und als neues Mitglied Hr. Dr.V. _Gilliéron_ gewählt.

Schon von 1877 an war als freiwilliger Mitarbeiter an der Abtheilung

der Schmetterlinge Hr. _Hans Sulger_ beigetreten. Die besondere

Aufsicht über die Bischoff-Ehinger'sche Sammlung war nach dessen Tode

Herrn _Heinrich Knecht_ übertragen worden. Eines Präparators haben

wir uns seit 1875 enthalten und die sämmtliche Besorgung, abgesehen

vom Ausstopfen, das auswärts geschieht, ohne strenge Scheidung der

Gebiete, auf unsere Mitglieder vertheilt, an Prof. _Albr. Müller_ für

Mineralogie und einen Theil der Petrefaktensammlung, Hrn. _Hans Sulger_

und H. _Knecht_ für Insekten, Herrn Dr. Fr. _Müller_ für die übrigen

wirbellosen Thiere und für Fische und Reptilien, an den Unterzeichneten

für Vögel und Säugethiere und den übrigen Theil der Petrefaktensammlung.

L. Rütimeyer.

6. Physikalische Anstalt.

Im Jahre 1835 bildete das physikalische Kabinet einen Theil des im

Jahre 1821 gegründeten naturwissenschaftlichen Museums, und es war

ihm ein Raum im Falkensteiner Hof zu ebener Erde links eingeräumt.

Vorsteher desselben war _Chr. Fr. Schönbein_, der an der Universität

zugleich die Chemie und Physik vertrat und die letztere Wissenschaft

auch in der obersten Klasse des Pädagogiums (obern Gymnasiums) lehrte.

Die Apparate des Kabinets dienten zu den die Vorträge begleitenden

Demonstrationen, so wie auch zu den Forschungen des Professors,

die, soweit sie die Physik betrafen, hauptsächlich dem Gebiete des

Voltaismus angehörten. Im Jahre 1849 siedelte die physikalische Anstalt

mit den andern wissenschaftlichen Sammlungen in das neuerbaute Museum

an der Augustinergasse über; sie erhielt daselbst zu ebener Erde

links einen schönen grossen Saal, der sich aber der feuchten Nordlage

wegen nicht besonders zur Aufbewahrung der Instrumente eignete; der

daran stossende speziell für die physikalischen Vorlesungen bestimmte

Hörsaal wurde seiner schlechten akustischen Eigenschaften wegen nur

selten entsprechend seiner Bestimmung gebraucht und diente später

mehr als Laboratorium. Durch das Gesetz vom 30. März 1852 wurde der

Lehrstuhl der Physik von dem der Chemie abgetrennt und Herrn _Christoph

Stähelin_ sel. übertragen; Gesundheitsrücksichten nöthigten diesen,

schon nach Ablauf eines Jahres zurückzutreten, und es wurde als

Professor der Physik an der Universität Herr Dr. _Gustav Wiedemann_,

bis dahin Privatdocent in Berlin, berufen. Dieser wusste nicht nur

durch seinen frischen und anregenden Vortrag die Studierenden und ein

weiteres wissenschaftliches Publikum für die Physik zu interessieren,

sondern er hat auch in den äusserst mangelhaften Laboratoriumsräumen

bedeutende wissenschaftliche Arbeiten, besonders aus der Lehre des

Galvanismus und Magnetismus zu Tage gefördert. Im Jahre 1863 verliess

er nach zehnjähriger reicher Thätigkeit Basel und wandte sich einem

weiteren Wirkungskreise in Deutschland zu; der Lehrstuhl der Physik

in Basel wurde nunmehr dem Unterzeichneten anvertraut. Die bedeutenden

Fortschritte auf dem Gebiete der experimentellen Wissenschaften

und die damit stets wachsenden Anforderungen bezüglich passender

Einrichtungen für Forschung und Demonstration liessen den Mangel der

Räumlichkeiten im Museum stets mehr empfinden und dem Wunsche, der

Physik und Chemie eine neue Stätte zu bereiten, konnte entsprochen

werden, als die Akademische Gesellschaft sich mit der Kommission,

welche den beim Universitätsjubiläum 1860 gestifteten Sternwartefond

verwaltete, zu gemeinsamem Vorgehen verständigte und mit noch weiterer

Unterstützung von Seite des Staates, des Universitätsvermögens, der

Stadtgemeinde, des Museumsvereines, der Gemeinnützigen Gesellschaft

und mancher Freunde der Universität auf dem hohen Wall in der Nähe

des Petersplatzes eine neue Anstalt für Physik, Chemie und Astronomie

gründete, in Erinnerung an die berühmten Basler Mathematiker

_Bernoullianum_ nannte und im Jahre 1874 der Universität als Geschenk

übergab; nahezu 90% der für Bau und Ausrüstung nöthigen Summe von

ungefähr Fr. 410,000 sind auf Privatweg durch freiwilligen Opfersinn

beigesteuert worden. Die physikalische Anstalt nimmt nun die westliche

Hälfte dieses Gebäudes ein. Sie hat zu ihrer Verfügung einen hellen

trockenen Saal für die Instrumentensammlung, einen zweckmässigen

Hörsaal für die Universitätsvorlesungen, ein praktisch eingerichtetes

Laboratorium, in dem zeitweise vorgerücktere Praktikanten

wissenschaftliche Forschungen machen und regelmässig die Uebungen der

Studierenden der Medicin und der Naturwissenschaften abgehalten werden;

ferner ein Zimmer und ein Laboratorium für den Professor der Physik,

der zugleich Vorsteher der Anstalt ist, die nöthigen Lokalitäten

für Aufstellung der galvanischen Batterie, photometrische Messungen

und für Versuche, die grosse Höhe verlangen, einen Maschinenraum

und eine mechanische Werkstätte, in welcher der Gehilfe die für

Forschung und Demonstration nöthigen Konstruktionen und Reparaturen

ausführen kann. Im ersten und zweiten Stock sind die Räumlichkeiten

und Instrumente für die Meteorologie und die Astronomie; sie stehen

mit der Physik unter der gleichen Direktion und werden seit einigen

Jahren von Herrn Dr. _Albert Riggenbach_ besorgt, der freiwillig die

Assistentenstelle für die beiden genannten Wissenschaften versieht.

Ein grosser ungefähr 450 Personen fassender Hörsaal in der Mitte des

Gebäudes eignet sich auch besonders zu physikalischen Demonstrationen

und wird jeden Winter regelmässig bei öffentlichen populären Vorträgen

zur Verbreitung physikalischer Kenntnisse in weiteren Kreisen

benützt. In den verflossenen elf Jahren, während welcher die Physik

im Bernoullianum haust, wurde manches zur Vervollkommnung gethan. Der

Vorsteher war stets bestrebt, die Sammlung der Instrumente und die

Einrichtungen für Demonstration und Forschung zu vervollständigen

und, so weit es die sehr bescheidenen Mittel gestatteten, dem steten

Fortschritt der Wissenschaft entsprechend den Bedürfnissen anzupassen;

in dieser Hinsicht möchten wir besonders erwähnen die Aufstellung

der astronomischen Instrumente im Jahre 1878, worauf die Akademische

Gesellschaft etwas über Fr. 32,000 aus dem von ihr übernommenen

Sternwartefond verwandte, und die Installation eines Gasmotors und

einer Dynamomaschine mit den nöthigen Einrichtungen für Projektion mit

elektrischem Licht im Jahre 1881, wozu der Ertrag besonderer Vorträge

und freiwillige Gaben von Freunden der Wissenschaft die Mittel mit

ungefähr Fr. 11,000 liefern mussten.

Die Kosten für Laboratorium und Sammlung werden theils aus dem

Staatskredit, theils aus Beiträgen der Akademischen Gesellschaft und

des Museumsvereins, theils aus Geschenken verschiedener Freunde der

Anstalt bestritten; in den verflossenen elf Jahren kamen ausser der

auf Anschaffung der astronomischen Instrumente schon erwähnten Summe

folgende Einnahmeposten der physikalischen Anstalt zu:

vom Staate direkt Fr. 13,800.--

von freiwilligen Gesellschaften » 10,572.--

von Freunden » 19,826.--

also durchschnittlich im Jahr Fr. 4000.--, wovon der Staat 31%,

die freiwilligen Gesellschaften 24% und die Freunde 45% gaben; es

wurden somit von den Ausgaben für die physikalische Anstalt mehr als

zwei Drittel durch freiwillige Privatbeiträge gedeckt. Ausserdem

sind, wie das Schenkbuch aufweist, noch manche verschiedene theils

sehr werthvolle Apparate, wobei wir ganz besonders die von Herrn

_Handmann-Howald_ sel. uns übergebenen elektrischen Instrumente

erwähnen, so wie auch Präparate, Bücher, Photographieen und Zeichnungen

von manchen Gönnern unserer Anstalt geschenkt worden.

Nähere Auskunft über die Geschichte und Einrichtung der physikalischen

Anstalt geben folgende Druckschriften:

1. Die Eröffnungsfeier des Bernoullianums in Basel am 2. Juni 1874

mit der Festrede von Professor _Fritz Burckhardt_.

2. Bernoullianum, Anstalt für Physik, Chemie und Astronomie an

der Universität Basel. -- Beschreibung und Pläne herausgegeben

von _Eduard Hagenbach_, Professor der Physik, _Julius Piccard_,

Professor der Chemie und J.J. _Stehlin_, Architekt. Basel 1876.

3. Bericht über die Ausrüstung der astronomischen Anstalt von _Ed.

Hagenbach_. Basel 1878.

Jahresberichte über die physikalische Anstalt werden seit 1879 als

Beilage zum Jahresbericht der Akademischen Gesellschaft gedruckt.

Ed. Hagenbach-Bischoff.

7. Chemische Anstalt.

In den siebzehn ersten Jahren der Periode 1835-1885 ist die im vorigen

Abschnitt skizzierte Geschichte der physikalischen Anstalt zugleich

diejenige der Chemischen. Auch nach der im Jahr 1852 erfolgten Trennung

der Lehrstühle für Physik und Chemie blieben beide Institute, sowohl

im Falkensteiner Hof als im Museum und später im Bernoullianum neben

einander, und theilten ein so ähnliches Schicksal, dass wir -- um

bereits Gesagtes nicht zu wiederholen -- uns kurz fassen können.

Der Glanzpunkt in der Geschichte der Anstalt fällt in die Zeit

des Falkensteiner Hofes, wo, mit geringen Mitteln ausgeführt, die

Epoche machenden Arbeiten von _Schönbein_ über das Ozon und die

Schiessbaumwolle die Aufmerksamkeit der wissenschaftlichen Welt auf

Basel lenkten. Heute, nachdem die Zahl ähnlicher Fälle von Allotropie

und salpetersauren organischen Verbindungen sich ausserordentlich

vermehrt hat, ist man kaum noch im Stande, die Summe von Scharfsinn zu

würdigen, welche solche Entdeckungen erforderten, und das Aufsehen zu

begreifen, welches sie damals hervorriefen. Dass schon vor _Schönbein_

ein explodierbares Nitroamylum bekannt war, und dass nicht Er, sondern

Genfer Forscher die wahre Natur des Ozons erkannten, vermindert

durchaus nicht sein hohes Verdienst.

Durch seine geniale Persönlichkeit wirkte _Schönbein_ auch als Lehrer

äusserst anregend; aber die Spezialität seines Forschungsgebietes, die

Originalität seiner Untersuchungsmethoden, sein Bedürfniss als Pionier

der Wissenschaft, frei und unabhängig seine eigenen ungebahnten Wege

zu gehen, alles dies und wohl auch der Mangel au Platz brachten es

mit sich, dass er nur wenige Bevorzugte in sein Laboratorium aufnahm

und den praktischen Unterricht, namentlich in der Analyse und in der

organischen Chemie, nie streng schulmässig betrieb. Es fehlte in Basel

ein eigentliches Praktikantenlaboratorium im modernen Sinne. Und doch

wurde der Mangel eines solchen immer fühlbarer.

Die Erweiterung der medicinischen Fakultät, die Einführung des

schweizerischen Konkordates für ärztliche Prüfungen, der enorme

Aufschwung der organischen Chemie und der für Basel wichtigen

Fabrikation künstlicher Farbstoffe, erforderten eine Berücksichtigung

im chemischen Unterricht der philosophischen Fakultät. Dies war die

nächste Aufgabe des nach dem Tode _Schönbeins_ (1868) als dessen

Nachfolger (1869) berufenen Unterzeichneten; welcher Aufgabe, Dank

der wohlwollenden Unterstützung von Behörden und Privaten, zum Theil

schon im alten Lokal im Museum, besser im neuen Bernoullianum (1874)

entsprochen werden konnte.

Die Universität Basel in den fünfzig Jahren seit ihrer Reorganisation im Jahre 1835 · 第 9 / 13 段