Jetzt erst, nachdem für eine angemessene Aufstellung gesorgt war,

konnte das Interesse des Publikums für die Sammlung geweckt und an eine

nutzbringende Verwaltung derselben gedacht werden. Diese Verwaltung war

in die Hände des Herrn Prof. W. _Vischer_, Vater, gelegt, der von da

an bis zu seinem Tode 25 Jahre lang (1849-74) mit seltener Umsicht und

Hingebung der Kommission für die antiquarische Abtheilung des Museums

vorstand. Aus der unten folgenden Uebersicht über die hauptsächlichsten

Erwerbungen und Schenkungen lässt sich am besten erkennen, was für eine

gedeihliche Entwicklung die Sammlung unter seiner Leitung nahm. Doch

muss zur richtigen Beurtheilung noch zweierlei vorausgeschickt werden.

Einmal machte sich sehr bald, speziell bei Anlass der

Münsterrestauration im Anfange der fünfziger Jahre, das Bestreben

geltend, neben der bisher vorwiegenden Berücksichtigung des römischen

Alterthums auch mittelalterliche Kunstwerke in die Sammlung

aufzunehmen. Die grosse Zahl und der Umfang der sich darbietenden

Gegenstände machten es nöthig, einen besonderen Raum ausserhalb des

Museums für sie zu schaffen. So entstand 1855-57 die mittelalterliche

Sammlung im Conciliumssaal, die sich dann in kurzer Zeit aus einer

Filiale der antiquarischen zu einer selbstständigen und ebenbürtigen

Schwester derselben entwickelte. Die Erwerbungen der antiquarischen

Sammlung dagegen blieben fortan der Hauptsache nach auf das

vorchristliche Alterthum beschränkt.

Sodann wurde im weiteren Verlauf der fünfziger Jahre in der Kommission

die Frage erörtert, ob es nicht am Platze sei, das Augenmerk auch

auf die stets sich mehrenden Funde von Pfahlbauten zu richten,

eine Frage, welche nach der Dietrich'schen Schenkung ähnlicher

mexicanischer Alterthümer im Jahre 1857 kaum mehr anders als in

bejahendem Sinne entschieden werden konnte. Während daher einerseits

das Mittelalter und die Renaissance für die Zukunft ausgeschieden,

bezw. einer besonderen Sammlung überlassen wurden, kam andrerseits zum

griechisch-römischen Alterthum noch das prähistorische hinzu, und auch

diesem hat der damalige Vorsteher eine geraume Zeit sein lebhaftes

Interesse entgegengebracht. Erst nach seinem Tode ist zu Gunsten der

anderen Abtheilungen, um die finanziellen Kräfte nicht gar zu sehr zu

zersplittern, auf fernere Ankäufe solcher Gegenstände verzichtet worden.

Die Erwerbungen vertheilen sich daher auf mindestens fünf verschiedene

Kategorien (griechisch-römische Alterthümer, Münzen, Gipsabgüsse,

Pfahlbauten, Ethnographisches), und zwar in chronologischer Aufzählung

wie folgt:

1851. Münzfund von Reichenstein (2599 römische Münzen von Gordian III.

bis Carinus, darunter besonders viele des Probus).

1852. Ankauf der Horner-Müller'schen Vasen aus Unteritalien (44 Stück).

1855. Ankauf eines Theils der Fueter'schen Münzsammlung in Bern (257

Schweizermünzen).

1857. Schenkung des Herrn Dr. _Dietrich_ von nordamerikanischen

Steinalterthümern (ca. 1000 Stück Waffen und Werkzeuge verschiedener

Art).

1858. Ankauf der Schmid'schen Sammlung von Augst (Münzen, Inschriften,

architektonische Ueberreste, Bildwerke von Bronze, Stein und

Terracotta, Waffen und Geräthe von Augusta Rauracorum, Gräberfunde von

Kaiseraugst).

1859. Erste Ankäufe von Pfahlbautenalterthümern (aus Moosseedorf,

Pfäffikon und Biel).

1862. Schenkung des Herrn Prof. _Aeby_ von Steinwerkzeugen und Waffen

aus Dänemark.

1864. Schenkung von 141 modernen Silbermünzen (darunter 97

napoleonische Medaillen) durch Hrn. _Hoffmann-Burckhardt_. -- Schenkung

des Herrn _Ad. Krayer_ (ethnographisch interessante Gegenstände aus

China).

1865. Schenkung des Herrn _Ad. Vischer_ (212 chinesische Münzen).

1866 u. 67. Schenkung westafrikanischer Gegenstände durch die Herren

J.Fr. und E. _Vest_ aus Gorea.

1868. Ankauf von 151 griechischen Münzdoubletten aus der Imhoof'schen

Sammlung, mit Hilfe eines Kredits der Akademischen Gesellschaft. --

Schenkung des Apollokopfes von Steinhäuser durch einen Ungenannten.

1869. Nachträgliche Erwerbung des Herakles- und des Athletenkopfes von

Steinhäuser durch einige Kunstfreunde. -- Hauptschenkung des Herrn

Rathsherrn W. _Vischer_ (378 griechische Silbermünzen).

1872. Schenkung einer Sammlung griechischer und römischer Münzen durch

Herrn Ingenieur W. _Bachofen_. -- Schenkung einer Anzahl griechischer

Antiquitäten durch Herrn Rathsherrn W. _Vischer_. -- Schenkung

einer grossen Anzahl ostasiatischer Gegenstände (aus Japan, China,

Hinterindien) durch die Herren Gebrüder _Zahn_.

1874. Erwerbung einer Auswahl griechischer Vasen aus Capua.

1877. Erwerbung der in Augst zurückgebliebenen architektonischen

Ueberreste aus der Sammlung Schmid. -- Uebernahme der bisher in der

Bibliothek verwahrten grossen Gemmenabdrucksammlung von Cades (Geschenk

von Herrn Oberst R. _Merian_).

1878. Schenkung der Holzreliefs von Tikal in Mittelamerika durch Hrn.

Dr. G. _Bernoulli_.

1880. Erwerbung der Sammlung Quiquerez (Römische Alterthümer und Münzen

aus dem Bisthum, burgundische Waffen und Geräthe).

1881. Schenkung ethnographischer Gegenstände aus Sierra Leone in

Westafrika durch Herrn J.L. _Baur_.

1883. Reinigung und Aufstellung der Basler Münzstempel.

Bei dieser Uebersicht sind die von Jahr zu Jahr angekauften

Gipsabgüsse nicht mit aufgeführt, wie auch viele kleinere Erwerbungen

und Schenkungen übergangen sind. Und doch nahmen die Gipsabgüsse

jeweilen einen grossen Theil des zur Verfügung stehenden Geldes in

Anspruch; zumal seit 1875, wo ausser solchen im Durchschnitt bloss

noch vaterländische Alterthümer und etwa besonders wichtige Münzen

angekauft wurden, während die Aeufnung der prähistorischen und der

ethnographischen Sammlung lediglich Geschenken überlassen blieb. Seit

eben dieser Zeit wurde der Ankauf von Gipsabgüssen durch freiwillige

jährliche Beiträge von einer Anzahl von Kunstfreunden unterstützt. Die

Zahl der vorhandenen Stücke beläuft sich gegenwärtig auf 145 Nummern,

wovon 39 grössere Statuen oder Gruppen, 50 Büsten und Köpfe, 32 Reliefs

und 24 kleinere Gegenstände.

Im Gegensatz zu allen diesen Erwerbungen wurden im Jahre 1881 der

Kirchenschatz und die seit 1865 uns ebenfalls anvertrauten Zunftbecher

nebst den Amerbach'schen Goldschmiedmodellen an die Mittelalterliche

Sammlung abgetreten.

Was die sonstige Geschichte der Sammlung betrifft, so ist zu

bemerken, dass seit dem Bezug des Museums zwei Mal grössere

Lokalveränderungen und Umstellungen stattfanden. Das eine Mal im Jahre

1865, wo sie aus den Sälen neben der Gemäldegallerie in die frühere

Bibliothekarenwohnung hinter dem Antikensaal übersiedeln musste, bei

welcher Gelegenheit sie im Grunde wenig gewann. Das ethnographische

Kabinet und die Pfahlbauten wurden damals sammt dem Kirchenschatz im

vorderen, das eigentliche Antiquarium der Hauptsache nach im hinteren

Zimmer aufgestellt, obschon die Scheidung nicht streng durchgeführt

werden konnte. Und dann bei fortwährend sich steigerndem Raummangel ein

zweites Mal im Jahre 1877, wo endlich zwei weitere Räumlichkeiten (das

frühere chemische Laboratorium im Erdgeschoss) für ihre Bedürfnisse

hergerichtet wurden. Erst jetzt konnten die heterogenen Bestandteile

der Sammlung systematisch von einander getrennt, das ethnographische

Kabinet, sowie die Pfahlbauten in besondere Zimmer (eben in die

des Erdgeschosses) verwiesen, und von der neugeordneten speziell

antiquarischen Abtheilung ein Katalog verfasst werden (1881). Doch hat

die doppelte Umstellung nicht blos nachtheilig auf den Zustand mancher

zerbrechlichen kleinen Gegenstände eingewirkt, sondern leider auch

manche Fundnotizen in Verwirrung gebracht.

Das Münzkabinet ist in den letzten Jahren vollständig geordnet worden.

Es umfasst, nach Ausscheidung und Verkauf der Doubletten, circa 2600

griechische und circa 7000 römische Münzen (die griechische Abtheilung

gewissermassen eine Schöpfung des Herrn Rathsherrn W. _Vischer_),

sodann über 1000 Stück Basler Münzen und Medaillen, circa 1500 sonstige

Schweizermünzen nebst 500 Brakteaten und circa 4500 ausländische,

darunter gegen 1800 Medaillen; im Ganzen über 17,000 Stück. Eine

Auswahl der vorzüglichsten und interessantesten ist seit 1877 in drei

Münztischen ausgestellt.

Wenn wir zum Schluss einen Ausblick auf die künftige Gestaltung

der Sammlung richten, so steht zu erwarten, dass in der nächsten

Zeit abermals eine Filiale sich von ihr lostrennen und zu einem

selbstständigen Institut erheben wird, nämlich das Gipsmuseum,

für welches vom Kunstverein hinter der Kunsthalle ein eigenes,

bessern Raum gewährendes Gebäude errichtet werden soll. -- Ob dann

der alte Grundstock des Antiquariums, von dem sich jetzt auch die

ethnographische Sammlung lokal getrennt hat, vereinsamt im Museum

zurückbleiben oder sich wieder mit seiner natürlichen Schwester, der

Mittelalterlichen Sammlung, vereinigen wird, darüber zu entscheiden

bleibt der Zukunft vorbehalten.

J.J. Bernoulli-Reber.

4. Mittelalterliche Sammlung.

Unter den der Fürsorge der akademischen Behörden unterstellten

Sammlungen, deren Entstehung noch in die Zeit vor dem Jubiläum des

Jahres 1860 zurückreicht, ist in der zeitlichen Folge die letzte

die Mittelalterliche Sammlung. Der thatkräftige Geist, welcher die

Decennien nach der Reorganisation der Universität erfüllte, das

in jenen Jahren neu hervortretende und in der Restauration des

Münsterinnern sich bethätigende Verständniss für bildende Kunst, das

wachsende Bewusstsein von Wesen und Werth auch des rein archäologischen

Studiums verlangten und ermöglichten das Zustandekommen der Sammlung.

Für diesen Zweck alle jene treibenden lebensvollen Kräfte fruchtbar

gemacht zu haben, ist das Verdienst _Wilhelm Wackernagels_, der mit

festem Willen, mit warmer Begeisterung und wahrer Sachkenntniss den

Plan entwarf und die Gründung vollzog.

Im Jahre 1856/57 geschah dies, aber es dauerte noch mehrere Jahre,

bis die jüngste der akademischen Sammlungen als eine den andern

ebenbürtige in der Organisation berücksichtigt wurde. Sie unterstand

zunächst der antiquarischen Kommission. Erst 1861 wurde von der Regenz

eine besondere Kommission bestellt. Sie bestand unter dem Vorsitz des

Stifters aus den Herren Architekt _Riggenbach_ († 1863), Dr. _Remigius

Meyer_ (bis 1877), Dr. _Carl Burckhardt-Burckhardt_ (bis 1870) und

_Samuel Merian-Bischoff_; ihre constituierende Sitzung fand am 18.

Januar 1862 statt.

Ein schwerer Schlag traf die Sammlung am 21. December 1869 mit dem

Hinschied _Wilhelm Wackernagels_. Jedoch war es ein Glück zu nennen,

dass sein Nachfolger auf dem Lehrstuhl auch hier seine Stelle einnehmen

konnte. _Moritz Heyne_ entfaltete als solcher eine ausserordentliche

Energie zur Hebung und Mehrung der Sammlung und verstand es, das

Interesse weiterer Kreise für dieselbe zu wecken. Das glänzende

Ergebniss dieser Thätigkeit zeigte sich besonders deutlich bei dem

am 16. Mai 1882 gefeierten fünfundzwanzigjährigen Jubiläum. Im Herbst

1883 wurde an die durch _Heyne's_ Abgang nach Göttingen erledigte

Vorsteherschaft das älteste Mitglied, Herr _Samuel Merian-Bischoff_,

gewählt, und bei diesem Anlass das Amt eines Konservators geschaffen.

Im Lauf der Jahre traten folgende Mitglieder in die Kommission ein:

Stadtrath _Amadeus Merian_ (1863-1879), Dr.G. _Wackernagel_ (seit

1870), Dr.L. _Sieber_ (1872-1882), _Hans Labhardt_ (1877-1884), Dr.

_Albert Burckhardt-Finsler_ (seit 1879; seit 1883 Konservator), J.G.

_Mende_ (seit 1879), Direktor W. _Bubeck_ (seit 1882), Prof. O.

_Behaghel_ (seit 1884), Prof. _Jacob Burckhardt_ (seit 1884), Dr.

_Rudolf Wackernagel_ (1884-1885), _Hans Burckhardt-Burckhardt_ (seit

1885).

Die bei Anlegung der Sammlung leitende Ansicht ihres Urhebers war

gewesen: »Es soll diese Sammlung das Leben des Mittelalters in Werken

der kunstbeflissenen gewerbthätigen Menschenhand, in Originalwerken

selbst oder in getreuen Nachbildungen, zur Anschauung bringen;

schicklicher Weise wird dabei rückwärts in die altchristlichen Zeiten

und vorwärts über die Grenzen des Mittelalters hinaus bis in die Zeit

der sogen. Renaissance gegriffen. Ohne solch eine Ausdehnung würde dem

Bilde der Rahmen und der Reihenfolge ihr Anfang und ihr Ende fehlen.«

Also eine Sammlung von allgemeiner Tendenz. -- Es ist bekannt, wie

der Gang der Entwicklung dieses erste Programm verschoben hat, wie

von Jahr zu Jahr in steigendem Maasse die Sammlung den Charakter

eines baslerischen kulturhistorischen Museums annahm, und hiemit ihr

Schwergewicht aus dem Mittelalter in die neuere Zeit verlegt wurde.

Wenn der Stifter anfangs nur für erlaubt hielt, bis in die Zeit der

Renaissance zu greifen, so ist seitdem und schon zu seiner Zeit das

Sammeln bis an die Schwelle des XIX. Jahrhunderts ausgedehnt worden.

Dieser Gang der Entwicklung war durch die Verhältnisse gegeben; die

Kleinheit der finanziellen Geldmittel, die Unermüdlichkeit der Behörden

und Bürger Basels in Zuwendung von Alterthümern wirkten von selbst auf

eine lokale Einschränkung hin.

Der erste Grundstock der Sammlung war durch Abgüsse von Skulpturen

des hiesigen Münsters gebildet worden; es wurde sofort für nöthig

gehalten, diese Serie durch Nachbildungen auswärtiger Bildnerei zu

ergänzen. In gleicher Weise wurden Gipsabgüsse auswärtiger Alterthümer

auch aus den Gebieten der Kleinkunst beschafft, um dem Beschauer die

Entwicklung eines und desselben Gegenstandes in verschiedenen Zeiten

und Orten vorführen zu können. Dieselbe allgemeine Tendenz tritt in der

mit besonderer Vorliebe gepflegten Sammlung alter Schriftfragmente,

in der Anlegung einer Urkundensammlung, eines reichen Apparates von

Abbildungen und Nachschlagewerken zu Tage. Bald aber wich diese

Thätigkeit zurück vor der immer mächtiger zudrängenden Menge der

Erzeugnisse alter heimischer Kunstübung. Es kann hier nicht versucht

werden, das Hauptsächliche aus den reichen Erwerbungen namhaft

zu machen. Es wird genügen, auf einiges besonders Hervorragendes

hinzuweisen. 1857: die Votivtafel der Isabella von Burgund, die

Truhe aus der Domprobstei und die des Erasmus. 1859: Bruchstücke des

Todtentanzes. 1863: Elfenbeinlöffel aus der Lassbergischen Sammlung;

Holzschnitzerei aus Meggen. 1869: Truhe aus Schloss Greifensee. 1874:

Tscheckenpürlinbett. 1871: Bretspielstein aus dem XII. Jahrhundert;

Waffensammlung. 1872: Schnitzereien aus der Spinnwetternzunft;

Schreibtisch aus dem Augustinerkloster. 1870: Kanonenrohre aus dem

Zeughaus. 1878: Sammlung musikalischer Instrumente. 1879: Iselinzimmer

aus dem Bärenfelser Hof. 1880: Sammlung Quiquerez. 1881: Glasgemälde

aus der Sammlung Bürki. 1882: Kirchenschatz, Zunftkleinodien,

Goldschmiedmodelle. 1883: Winterthurer Ofen; Teppich aus dem Kloster

Feldbach. -- Manche der hier genannten und auch viele andere Stücke

sind von deren Inhabern unter Eigenthumsvorbehalt überlassen worden,

ein Verfahren, welches in neuerer Zeit besonders von Seiten der Zünfte,

gleich zu Anfang aber für die reichen Sammlungen der antiquarischen

Gesellschaft geübt wurde; auf den Namen der letztern wurden früher auch

die meisten Geschenke eingetragen.

Es ist begreiflich, dass der wachsende Inhalt der Sammlung

immer mehr Räume in Anspruch nahm. Zu dem für die ersten Stücke

angewiesenen Conciliumssaal kamen 1859 die unterhalb desselben

befindliche Nikolauskapelle, durch die es erst möglich wurde, die

Sammlung allsonntäglich dem Publikum zu öffnen, 1868 die Säle des

Münsterarchivs, 1874 einige Estrichräumlichkeiten, deren Herrichtung

ziemlich viele Bauten nöthig machte, aber zum ersten Mal eine

durchgeführte sachliche Anordnung ermöglichte. Das letzte ist die

1879 erfolgte Zuweisung des Betsaals, des grösten Raums der Sammlung

und des einzigen, in dem solche Schätze wie das Iselinzimmer würdig

untergebracht werden konnten. Seitdem ist freilich neue Raumnoth

eingetreten. Alle Erweiterungen brachten indess keine eigentliche

Aenderung des Lokals; die Sammlung bildet nach wie vor einen Anhang des

Münsters.

Ihre Mittel verdankt sie gröstentheils der Freigebigkeit ihrer Gönner;

zu erwähnen sind die Jahresbeiträge der Regierung (seit 1857 Fr. 300),

der Gemeinnützigen Gesellschaft (seit 1858 Fr. 500), des Museumsvereins

(seit 1863 Fr. 200), und der Akademischen Gesellschaft, die der

letztern von wechselndem Betrag und zum Theil der 1870 gegründeten

Wackernagelstiftung entnommen, von der ein bestimmter Theil von

vornherein für die Sammlung vorbehalten wurde. Seit 1872 besteht der

von Herrn _Hans Labhardt_ gegründete »Verein für die Mittelalterliche

Sammlung«, der z.B. 1884 Fr. 619 beisteuerte. Dazu viele einzelne

Geldbeiträge von Freunden, meist für bestimmte Erwerbungen gewährt

(z.B. 1879 Fr. 4580 an das Iselin'sche Zimmer) und seit dem Jahre 1881

ein Antheil an den Eintrittsgeldern (1884 Fr. 838.90). Doch hielt sich

das Budget lange in sehr bescheidenen Ziffern. In den ersten zehn

Jahren erreichte es zweimal nicht die Höhe von Fr. 1000, und betrug

durchschnittlich Fr. 15-1600, bewegte sich dann in den siebziger

Jahren um Fr. 2000 herum. Seit 1880 hat es die 4000 überschritten.

Ausserordentliche Belastung brachte der Umbau der Estrichräume, dessen

Kosten im Betrag von rund Fr. 20,000 durch Beiträge des Staats (Fr.

5000), der Akademischen Gesellschaft (Fr. 2000), der Gemeinnützigen

Gesellschaft (Fr. 3000), des Museumsvereins und einzelner Freunde

gedeckt wurden.

Für Bekanntmachung der Schätze der Sammlung dienten theils die

Vorlesungen, welche seit 1877 von dem frühern Vorsteher und später

von dem Konservator in den Räumen der Sammlung abgehalten wurden,

theils verschiedene Druckschriften. Wir nennen ausser den Katalogen

die zusammenhängenden Darstellungen von _Wilhelm Wackernagel_ im

Universitätsprogramm von 1857 und von _Moritz Heyne_ im Neujahrsblatt

von 1874, sowie den von letzterm herausgegebenen Führer (Basel, bei

Felix Schneider 1880). Ueber die Glasgemälde gibt das von Dr. _Albert

Burckhardt-Finsler_ verfasste Programm des Gymnasiums (Basel 1885)

Auskunft. Der 1864 erfolgten Widergabe einer Anzahl Gegenstände durch

Photograph _Höflinger_ folgte »die Kunst im Hause. Abbildungen von

Gegenständen aus der Mittelalterlichen Sammlung«, mit Zeichnungen von

W. _Bubeck_ und Text von M. _Heyne_ (Basel, bei Detloff I. 1880, II.

Reihe 1882), ein Werk geeignet zu zeigen, welchen Gewinn das heimische

Kunsthandwerk aus den hier vorhandenen Schätzen zu ziehen vermöchte.

Nach Mittheilungen

des Konservators der Sammlung.

5. Naturhistorisches Museum.

Ueber die Hauptzüge der Geschichte dieser Anstalt sind von dem

Unterzeichneten in den letzten Jahren mehrere Darstellungen

veröffentlicht worden: für die ältere Periode bis zur Entstehung des

im Jahre 1822 im Falkensteiner Hof eingerichteten und der akademischen

Regenz unterstellten Museums -- und weiter bis zur Erbauung des »neuen

Museums« im Jahre 1847 in einem besondern Abschnitt der Gedenkschrift

an Peter Merian;[30] und über die zwei Jahre seit dessen Hinschied

zwei Berichte, von welchen derjenige für 1883 von der Akademischen

Gesellschaft, beide, für 1883 und 1884, von der Naturforschenden

Gesellschaft publiciert worden sind.[31]

Für den gegenwärtigen Anlass wird es also wohl passend sein,

hauptsächlich die Periode von 1847 bis 1883 ins Auge zu fassen.

Doch ist dabei zu erinnern, dass auch diese Periode ihren Anfang

nimmt von 1835 an, von dem Moment, wo nach der durch eidgenössisches

Schiedsgericht vollzogenen Theilung des Staatsvermögens zwischen

Baselstadt und Baselland an erstere die Frage herantrat, in wiefern sie

es vermöge, nach so schwerer Schädigung von Neuem für den Weiterbau

ihrer wissenschaftlichen Anstalten einzustehen.

Die erste Antwort bestand, wie bekannt, für das naturwissenschaftliche

Museum in einer von dessen Kommission (_Peter Merian_, Präsident, Prof.

Chr. _Bernoulli_, Prof. K.Fr. _Meissner_, Dr. _Schönbein_, Dr. L.

_Imhoff_, Dr. J.J. _Bernoulli_, Dr. F. _Ryhiner_) an die Gemeinnützige

Gesellschaft und weiter an das Publikum gerichteten Bitte um fernere

Unterstützung, »da in den jetzigen Zeitverhältnissen die Hilfsmittel

zu einem nur in einigem Maasse anderen Städten, wo wissenschaftlicher

Sinn herrsche, ebenbürtigen Ausdehnung der naturwissenschaftlichen

Sammlungen nur im Gemeinsinn der Mitbürger zu finden seien, und

Baselstadt in der nunmehrigen isolierten Lage nur durch solche

Gesinnung eine ehrenvolle Stellung zu behaupten und das zu ersetzen

vermöge, was ihm an Kopfzahl abgehe.«

Der Erfolg war ein Beitrag von circa 5000 Fr. an Geschenken aus dem

Publikum. Verbessert wurden diese Verhältnisse durch das Gesetz vom 6.

April 1836 über Verwendung des Universitätsgutes, wonach von nun an

dem Museum aus letzterem ein jährlicher Beitrag von Fr. 800 zugewiesen

wurde. Die Kommission zum Museum wurde bei diesem Anlass von der Regenz

neu bestellt aus den Herren P. _Merian_, Präsident, Proff. _Meissner_,

_Schönbein_ und J.J. _Mieg_, Dr. L. _Imhoff_ und Dr. J.J. _Bernoulli_.

Dazu kamen wiederholt ausserordentliche Beiträge von Seiten der

Gemeinnützigen Gesellschaft, welche sich schon seit längerer Zeit mit

einem regelmässigen Beitrag von Fr. 200 betheiligt hatte, sowie von

Privaten; namentlich flossen solche Hilfsquellen ergiebig bei Anlass

der Versammlung der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft in

Basel im Jahre 1838.

Auch die Geschenke an Naturalien, über deren ältern Bestand und

Quellen auf den schon genannten Bericht (Note 1) verwiesen werden

kann,[32] nahmen wieder in erfreulicher Weise zu. An grösseren

derartigen Vergabungen sind zu nennen die von den Professoren _Peter_

und _Rud. Merian_ zu Gunsten des Museums angekaufte Sammlung von

Versteinerungen aus England von Professor Meissner; ferner eine

ansehnliche Sammlung von Vögeln und Säugethieren von Herrn _Dettwyler_

von Langenbruck, niedergelassen in Pennsylvania, eine ähnliche Sammlung

von Dr.Fr. _Ryhiner_ in Illinois, dann eine Sammlung von Land-

und Süsswasser-Conchylien aus der Umgebung von Basel von Dr. J.J.

_Bernoulli_, und in den vierziger Jahren eine Reihenfolge von höchst

werthvollen Geschenken von Missionar _Riis_ von der afrikanischen

Goldküste und später von den Antillen; von Herrn _Carl Respinger_ und

Stadtrath _Bischoff-Respinger_ Thiere aus Mexico und Havannah, ähnliche

Sendungen aus Mexico von Herrn _Bened. Wölfflin_, schweizerischem

Konsul daselbst, javanische Vögel von Dr.C. _Streckeisen_ u.s.f.

Für die Thierwelt der Goldküste besass Basel lange Zeit eine der

bestversehenen Sammlungen. 1844 kaufte die Akademische Gesellschaft für

das Museum von Prof. _Klipstein_ in Giessen eine ansehnliche Sammlung

von Gipsabgüssen fossiler Säugethiere aus Rheinhessen (darunter den

colossalen Schädel des Dinotherium).

Die Universität Basel in den fünfzig Jahren seit ihrer Reorganisation im Jahre 1835 · 第 8 / 13 段