+S. W. S. W. S. W.+
Jahr 1853: 16 19 3 3 78 81
" 1854: 18 18 5 5 75 77
" 1855: 17 21 8 6 85 81
" 1856: 28 26 9 9 95 78
" 1857: 25 20 13 9 92 74
" 1858: 17 17 13 11 84 79
" 1859: 18 21 12 15 82 76
" 1860: 23 20 15 13 90 83
" 1861: 22 23 11 11 90 88
" 1862: 19 22 21 22 93 88
" 1863: 18 20 20 18 81 81
" 1864: 18 21 16 23 81 102
" 1865: 25 30 21 20 112 107
" 1866: 25 28 20 22 99 105
" 1867: 29 36 20 22 115 123
" 1868: 41 51 20 19 130 129
" 1869: 40 46 20 21 115 112
1870-1885.
=Theologen. Juristen. Mediciner. Philosophen.=
Sommer 1870: 36 11 42 27
Winter 1870/71: 42 12 45 30
Sommer 1871: 43 18 58 39
Winter 1871/72: 41 14 69 37
Sommer 1872: 43 14 67 37
Winter 1872/73: 37 13 74 32
Sommer 1873: 38 19 65 28
Winter 1873/74: 43 16 83 26
Sommer 1874: 51 19 69 23
Winter 1874/75: 52 13 71 24
Sommer 1875: 54 25 73 35
Winter 1875/76: 50 25 82 45
Sommer 1876: 50 24 76 49
Winter 1876/77: 38 19 70 50
Sommer 1877: 36 19 62 48
Winter 1877/78: 51 24 74 44
Sommer 1878: 53 26 70 44
Winter 1878/79: 45 26 87 47
Sommer 1879: 48 24 77 49
Winter 1879/80: 49 19 81 42
Sommer 1880: 52 28 76 52
Winter 1880/81: 61 27 99 56
Sommer 1881: 67 33 100 65
Winter 1881/82: 56 41 100 70
Sommer 1882: 66 41 85 72
Winter 1882/83: 55 45 99 67
Sommer 1883: 63 44 100 70
Winter 1883/84: 66 40 108 74
Sommer 1884: 83 40 103 78
Winter 1884/85: 79 46 113 76
Sommer 1885: 82 55 104 84
=Basler. Schweizer. Ausländer. Gesamtzahl.=
Sommer 1870: 27 70 19 116
Winter 1870/71: 27 84 18 129
Sommer 1871: 34 95 29 158
Winter 1871/72: 34 96 31 161
Sommer 1872: 37 97 27 161
Winter 1872/73: 32 107 17 156
Sommer 1873: 43 89 18 150
Winter 1873/74: 40 108 20 168
Sommer 1874: 39 101 22 162
Winter 1874/75: 37 105 18 160
Sommer 1875: 52 115 20 187
Winter 1875/76: 49 127 26 202
Sommer 1876: 55 118 26 199
Winter 1876/77: 52 102 23 177
Sommer 1877: 50 90 25 165
Winter 1877/78: 53 110 30 193
Sommer 1878: 58 103 32 193
Winter 1878/79: 55 122 28 205
Sommer 1879: 59 107 32 198
Winter 1879/80: 45 112 34 191
Sommer 1880: 52 119 37 208
Winter 1880/81: 52 151 40 243
Sommer 1881: 62 163 40 265
Winter 1881/82: 60 169 38 267
Sommer 1882: 72 158 34 264
Winter 1882/83: 63 161 42 266
Sommer 1883: 70 169 38 277
Winter 1883/84: 74 173 41 288
Sommer 1884: 90 169 45 304
Winter 1884/85: 82 183 49 314
Sommer 1885: 90 182 53 325
Vom 1. Sept. 1835 bis 1. Sept. 1885 inscribierten sich insgesamt 3285
Studierende.
A. Teichmann.
FUSSNOTEN:
[27] Die erst im J. 1866 eingeführte Trennung in zwei Abtheilungen
wurde -- rücksichtlich der Einreihung der Lehrer -- als von Anfang an
bestehend behandelt.
[28] M. = Missionszöglinge.
IV.
Sammlungen und Unterrichtsanstalten der Universität.[29]
1. Oeffentliche Bibliothek (Universitätsbibliothek).
Der § 5 des Gesetzes über Verwaltung und Verwendung des
Universitätsgutes vom 6. April 1836 lautet:
»Die öffentliche Bibliothek und das Münzkabinet stehen unter einer aus
wenigstens fünf Mitgliedern bestehenden [von der Regenz ernannten]
Kommission, unter denen der Bibliothekar ist. Der Bibliothekar geniesst
als Entschädigung freie Wohnung oder ein angemessenes Aequivalent
und die bisherigen Fr. 32 [alter Währung = 2 Louisdor] aus dem
Universitätsgut. Seine Ordnung wird von der Regenz entworfen und vom
Erziehungskollegium genehmigt. Er wird aus der Mitte der ordentlichen
Professoren auf doppelten Vorschlag der Curatel vom Erziehungskollegium
ernannt. Die Bibliothek ist für ihre Vermehrung und Erweiterung auf den
dazu bestimmten Fond verwiesen.«
Die Stelle des Bibliothekars wurde nach Erlass dieses Gesetzes ihrem
bisherigen Inhaber, dem Professor der lateinischen Sprache und
Litteratur _Franz Dorotheus Gerlach_, der sie seit 1829 bekleidet
hatte, aufs Neue übertragen. Die Bibliothek war im Hause zur Mücke
am obern Schlüsselberg aufgestellt. Die Oeffnungszeit derselben
war bei der ersten Ernennung _Gerlachs_ von einem auf vier Tage
ausgedehnt worden; späterhin, nach der Verlegung der Anstalt ins
Museum und nachdem _Gerlach_ bereits von sich aus die ihm durch das
Bibliotheksreglement auferlegte Arbeitszeit verlängert hatte, wurde
sie auf alle sechs Wochentage erstreckt. Amtswohnung des Bibliothekars
war der kürzlich abgebrochene Schönauer Hof hinter dem Münster.
Eine Ergänzung der Einnahmen, welche die Zinsen des 1664 gegründeten
fiscus bibliothecæ nebst den ihm zugewiesenen Inscriptions- und
Examengebühren boten, bildeten die seit 1697 alljährlich eingesammelten
Neujahrsgeschenke (strenæ). Der ebenfalls in die Einnahme der
Bibliothek fliessende Miethzins des neben der Mücke gelegenen Reinacher
Hofes fiel weg, als dieser nach Vollendung des Museumsbaues an den
Staat abgetreten wurde. Einen erheblichen Zuwachs der ordentlichen
Einnahmen brachte das Universitätsgesetz von 1855, welches festsetzte,
dass jährlich 5000 Fr. aus Staatsmitteln an die akademischen Sammlungen
vertheilt werden sollten. Der Bibliothek wurden hievon regelmässig
2000 Franken zugewiesen. Zu den strenæ traten im Laufe der Zeit mehr
und mehr weitere freiwillige Gaben, Geschenke bei bestimmten Anlässen,
Legate, regelmässige und ausserordentliche Beiträge der Akademischen
Gesellschaft, des Museumsvereins u.s.w. (neuerdings auch der Ertrag der
in der Aula von Universitätslehrern gehaltenen Abendvorlesungen).
Im Jahr 1849 wurde die Bibliothek in das neuerbaute Museum übertragen.
Bei dieser Gelegenheit wurde die im Jahr 1822 ausgesonderte Bibliothek
des naturwissenschaftlichen Museums wieder mit ihr vereinigt, dagegen
das Münz- und Antiquitätenkabinet abgetrennt und unter die Aufsicht
einer besonderen Kommission gestellt. Die Amtswohnung des Bibliothekars
wurde in den südlichen Flügel des Museums verlegt.
In dem Bibliotheksreglement von 1837 ist von Gehilfen und Custoden
die Rede. Schon 1837 erscheint als Custos Cand. theol. _Karl Buxtorf_
(1858 Dr.phil. h.c.); neben ihm finden wir nacheinander verschiedene
Gehilfen, die nach Maassgabe der ihnen zugewiesenen Arbeiten
honoriert werden. Zu Anfang des Jahres 1856 erfolgte auf Antrag der
Bibliothekskommission und unter Genehmigung der Curatel eine neue
Regelung des Verhältnisses dieser untern Angestellten durch die Regenz,
indem den Herren _Buxtorf_ als Unterbibliothekar und Dr. _Ed. Wölfflin_
als Bibliothekssekretär fixe Gehalte mit der Verpflichtung zu einer
bestimmten Arbeitszeit zuerkannt wurden. Diese Gehalte wurden aus den
Einnahmen der Bibliothek und einem Beitrage des fiscus legatorum der
Universität bestritten. Auf _Wölfflin_ folgten nacheinander die DDr.
_Wilh. Vischer_, _Theoph. Burckhardt_, _Karl Meyer_.
Eine völlige Umgestaltung der Bibliotheksverhältnisse brachte das
Universitätsgesetz von 1866. Das Bibliothekariat, das bis dahin als
Nebenbeschäftigung einem ordentlichen Professor zugetheilt gewesen
war, wurde in ein eigenes Amt umgewandelt. Der Bibliothekar, der andre
Geschäfte nur mit besondrer Bewilligung des Erziehungskollegiums
übernehmen darf, erhält aus Staatsmitteln eine Besoldung von
Fr. 3000 (die nach dem Lehrerbesoldungsgesetz von 1875 bis auf
4000 erhöht werden kann); die Amtswohnung fällt weg. Er wird vom
Erziehungskollegium auf den Vorschlag der Curatel, welche zuvor
das Gutachten der Bibliothekskommission einzuholen hat, auf eine
Amtsdauer von sechs Jahren gewählt. Die Bibliothekskommission ist ihm
übergeordnet; er wohnt ihren Sitzungen, sofern es sich nicht um seine
persönlichen Angelegenheiten handelt, mit berathender Stimme bei.
Die nöthigen Unterbibliothekare werden auf seinen Vorschlag von der
Bibliothekskommission ernannt und können jeweilen wieder entlassen
werden. Für ihre Ausgaben ist die Bibliothek zunächst auf ihren Fiscus
angewiesen, ausserdem erhält sie einen regelmässigen Staatsbeitrag von
2500 Franken und kann noch einen weitern aus den 2500 Franken erhalten,
die der Kleine Rath jährlich auf Antrag des Erziehungskollegiums an die
akademischen Anstalten vertheilt.
In Folge der Umgestaltung der Bibliothekarsstelle trat Professor
_Gerlach_ mit Neujahr 1867 zurück, sein Nachfolger wurde Dr. _Wilh.
Vischer_. Die Geschäfte der beiden bisherigen Unterbeamten wurden Einem
Unterbibliothekar mit erhöhter Besoldung übertragen, und es wurde als
solcher Dr. _Karl Meyer_ ernannt. Dr. _Buxtorf_ wurde nach Herstellung
aus schwerer Krankheit bei den Vorarbeiten zur Anlage eines neuen
Kataloges verwandt und entsprechend honoriert; zu diesen Arbeiten
wurden auch eine Anzahl Studenten herangezogen, theils gegen Genuss
von Stipendien, deren die Regenz zwei an solche Hilfsarbeiter vergab,
theils gegen das Recht einer erweiterten Benutzung der Bibliothek.
Wie schon früher die naturforschende Gesellschaft ihre Bibliothek der
Universitätsbibliothek unter gewissen Bedingungen einverleibt hatte,
so geschah dasselbe 1868 auch von Seiten der historischen und der
antiquarischen Gesellschaft. Im Jahr 1879 wurde unter Vorbehalt des
Eigenthumsrechtes der naturforschenden Gesellschaft die derselben
von Dr. _Jac. Melch. Ziegler_ geschenkte Kartensammlung, zu deren
Fortführung sich ein eigener Verein bildete, der Universitätsbibliothek
übergeben.
Im Jahr 1871 trat Bibliothekar _Vischer_ zurück, an seine Stelle
wurde Dr. _Ludwig Sieber_ gewählt. Im Jahr 1874 verstand sich die
Regenz dazu, an Stelle der Stipendien, die sie bisher an Hilfsarbeiter
aus der Studentenschaft vergeben hatte, aus dem fiscus legatorum
einen jährlichen Beitrag zur Besoldung eines zweiten Unterbeamten
zu gewähren. Es konnten in Folge davon als Bibliothekssekretäre
nacheinander angestellt werden die Doctoren _Jul. Cornu_, _Jac.
Wackernagel_, _Alb. Burckhardt_, _Ad. Baumgartner_. Im Jahr 1876 wurde
durch den Grossen Rath die Stelle eines Bibliotheksdieners errichtet,
nachdem die Geschäfte eines solchen bisher dem Universitätspedellen
obgelegen hatten.
Trotz diesen Verstärkungen des Personals wurde es bei der stets
zunehmenden Benutzung der Anstalt immer schwieriger, die laufenden
Geschäfte zu bewältigen, während die Arbeiten für die dringend
nothwendige Neukatalogisierung ganz zurücktreten mussten. Als nun zu
Anfang des Jahres 1883 Herr Altrathsherr _Peter Merian_ verstarb, der
seit vielen Jahrzehnten die Katalogisierung der naturwissenschaftlichen
Werke in freiwilliger Weise besorgt hatte, war der Augenblick
gekommen, die untern Beamtungen der Bibliothek ebenso umzugestalten,
wie es 1866 mit der obersten geschehen war, so dass auch sie nicht eine
Nebenbeschäftigung, sondern die Hauptbeschäftigung der damit Betrauten
ausmachen sollten. Im September 1883 beschloss der Grosse Rath, dass
dem Oberbibliothekar, wie er nun genannt wurde, aus Staatsmitteln ein
in Bezug auf Wahlart und Besoldungsansatz gleichgestellter zweiter
Bibliothekar solle beigegeben werden. Die Bibliothekskommission
ihrerseits übernahm es, aus den Mitteln der Bibliothek eine dritte
entsprechende Stelle zu errichten, deren Inhaber in erster Linie an
der Herstellung eines neuen Kataloges zu arbeiten hätte. Sie konnte
dies um so eher thun, als einerseits die Regenz sich bereit fand, den
Beitrag, den sie bis dahin aus dem fiscus legatorum für die Anstellung
eines Bibliothekssekretärs gegeben hatte, auch künftig verabfolgen
zu lassen, andrerseits die Mittel der Bibliothek selbst in letzter
Zeit einen erheblichen Zuwachs erhalten hatten durch ein Legat von
40,000 Franken, mit welchem sie von dem 1880 verstorbenen Herrn _Wilh.
Burckhardt-Forcart_ bedacht worden. Als zweiter Bibliothekar wurde der
bisherige Unterbibliothekar Prof. _Karl Meyer_ gewählt, als dritter Dr.
_Friedr. Thomæ_ aus Frankfurt a.M., der indessen kürzlich einem Rufe an
die Universitätsbibliothek in Tübingen gefolgt ist.
Im Jahr 1833, zur Zeit der Auseinandersetzung mit der Landschaft,
wurde die Bändezahl der Bibliothek, abgesehen von den etwa 4000 in
1500 Bänden enthaltenen Manuscripten, auf 44,000 geschätzt, im Jahr
1849, nach der Uebersiedlung ins Museum und nachdem die in obiger
Schätzung nicht inbegriffene Bibliothek des naturwissenschaftlichen
Museums dazu gekommen, auf 70,000. Im Jahr 1870 wurden gegen 100,000
Bände gezählt; jetzt, 1885, mögen es deren gegen 140,000 sein. Der
Zuwachs, namentlich der letzten Jahrzehnte, beruht zu grossem Theil
auf einer Anzahl mehr oder weniger bedeutender Schenkungen, theils von
den Erben verstorbener Professoren, theils von andern Freunden der
Anstalt herrührend. Wir verweisen bezüglich derselben auf die Notizen,
die sich in den Verwaltungsberichten der Regierung finden, für die
letzte Zeit auch auf die gedruckten Jahresberichte der Bibliothek. Der
Schenkung der Bibliothek _Wilh. Wackernagels_ durch dessen Erben im
Jahr 1870 folgte die Errichtung einer Wackernagelstiftung, aus welcher
der Bibliothek bisher alljährlich Fr. 250 zur Vervollständigung der in
jener enthaltenen Litteratur zuflossen. Der Ergänzung andrer Zweige
der Litteratur dienen ähnliche, kleinere Stiftungen. Der Tod des Herrn
_Peter Merian_, der jährlich aus eigenen Mitteln namhafte Summen
auf die Ergänzung der naturwissenschaftlichen Abtheilung verwendet
hatte, gab Anlass zu einer _Peter Merian-Stiftung_, durch welche der
entstehende Ausfall gedeckt werden sollte. Den 56,000 Franken, welche
zu diesem Zwecke im Jahr 1883 gesammelt wurden, fügte die Familie des
Verstorbenen noch weitere 10,000 bei.
Die Jahreseinnahme der Bibliothek betrug in den ersten Jahren nach der
Reorganisation der Universität 4-5000 Franken jetziger Währung, im Jahr
1884 belief sie sich auf Fr. 19,166, eine freilich im Verhältnisse zu
den heutigen Bedürfnissen immer noch bescheidene Summe.
Ueber die Benutzung der Anstalt finden sich aus den ersten Jahrzehnten
unsres Zeitraums keine Zahlenangaben. Im Jahr 1868, dem ersten, das
ganz unter die Herrschaft der neuen Reglemente von 1867 fällt, wurden
3892 Bände an 280 hiesige und 24 auswärtige Benutzer ausgeliehen,
im Jahr 1884 6735 Bände gedruckter Bücher und 11 Manuscripte an 412
Hiesige und 62 Auswärtige.
* * * * *
Wegen Verhinderung des Oberbibliothekars zusammengestellt durch den
Vorsteher der Bibliothekskommission
Wilhelm Vischer.
2. Kunstsammlung.
Zur Zeit der Reorganisation der Universität im Jahre 1834 bestand
unsere Kunstsammlung der Hauptsache nach aus dem schon 1661 bei Anlass
der zweiten Säcularfeier der Universität angekauften Amerbachischen
Kabinet und der erst neuestens, im Jahr 1823, ihr zugefallenen
Fäschischen Kunstkammer. Ragte jenes, nebst seinem Reichthum an Werken
der beiden Holbein, hervor als die früheste von einem kunstsinnigen
Privatmann gegründete Sammlung, so kam es dieser zu Gute, dass ihr
Stifter, der Rechtsgelehrte _Rem. Fäsch_ (1595-1670), so glücklich
gewesen war, während der unruhigen Zeiten des dreissigjährigen Krieges
seine Kunstschätze sammeln zu können. Für weitere Erwerbungen scheint
aber der Sinn noch nicht vorhanden gewesen zu sein, denn während
anderthalb Jahrhunderten beschränkte sich der Zuwachs auf eine Anzahl
von Gelehrten-Porträts und auf die Schenkung eines dem damaligen
Bibliothekar befreundeten St. Gallers in Paris, welcher zwischen
1717 und 1724 der Sammlung eine Reihe der eben dort in Kupferstich
erschienenen Prachtwerke vergabte. So mag es sich auch erklären, dass
immer noch das alte Lokal zur Mücke, in welches die Kunstsammlung mit
der Universitätsbibliothek sich theilen musste, für genügend gelten
konnte.
Eine günstigere Zeit brach für unsere Kunstsammlung erst an, als
diese nach den Wirren der dreissiger Jahre um den Preis von Fr.
22,500 n.W. aus der Theilung mit Baselland für die Stadt hatte
können gerettet werden. Wie für die Universität, deren Erhaltung
noch weit grössere Opfer erfordert hatte, so erwachte nun auch für
die mit ihr verbundenen wissenschaftlichen Sammlungen ein ganz neues
Interesse. Die erste Frucht desselben war der schon 1840 angeregte
Gedanke, durch das Zusammenwirken freiwilliger Geber mit den
staatlichen Behörden ein Museum zu errichten, in welchem gleichzeitig
alle Sammlungen der Stadt ihre würdige Aufstellung finden könnten.
Zugleich wurde die Kunstsammlung, welche bis dahin nur ein Anhängsel
der Universitätsbibliothek gebildet hatte, behufs selbstständiger
Verwaltung einer anfänglich aus fünf, später aus sieben Mitgliedern
bestellenden Kommission unterstellt, deren erster Vorsteher
Herr Prof. _Friedr. Fischer_ war. Ihm folgte Herr Prof. _Wilh.
Wackernagel_ und nach dessen Rücktritt Herr Dr. _Ed. His-Heusler_.
Diese Vorsteher sowohl als einzelne Mitglieder erwarben sich um die
Sammlung nicht geringe Verdienste durch Ordnen und Katalogisieren
ihres nach und nach zu ansehnlicher Bedeutung erwachsenen Bestandes
an Handzeichnungen, Kupferstichen und Holzschnitten. Als 1849 das
neue Museum fertig dastand, konnte Dank diesen Vorarbeiten um so
leichter und übersichtlicher das Vorhandene in die neuen, höchst
zweckentsprechenden Räumlichkeiten eingeordnet werden; die Gemälde
in den schönen Oberlichtsaal, die vorzüglichsten Handzeichnungen, in
viel grösserer Zahl als früher eingerahmt, schmückten die Wände des
Vorsaales, während die verschliessbaren Schränke in der Mitte desselben
den übrigen Bestand an einzelnen Stichen und Kopierwerken aufnahmen.
Durch Ausscheidung und Herübernahme aller derjenigen Werke aus der
Universitätsbibliothek, welche die Kunstgeschichte berühren, ward
zugleich der Grund zu einer gesonderten Kunstbibliothek gelegt und so
im Wesentlichen nunmehr erst die Sammlung dem eigentlichen Kunststudium
dienstbar gemacht.
Wie sehr dieselbe aber durch ihre Versetzung in das neue Museum auch
in der Werthschätzung der Bürger- und Einwohnerschaft gestiegen
sei, das zeigte sich schon in dem weit zahlreichern Besuche, und
auf erfreulichere Weise noch in den zahlreichen Schenkungen und
Vermächtnissen, welche nun der Sammlung zuzufliessen begannen. Nicht
nur aus dem, was der Einzelne etwa an Kunstschätzen besass, ward ein
schönes Stück um's andre der öffentlichen Sammlung übergeben, auch wo
Gelegenheit sich bot, Neues zu erwerben, da standen sofort Gönner und
Geber zusammen, um durch ihre oft namhaften Beiträge den Ankauf eines
Kunstwerkes zu ermöglichen.
Ausdrücklicher Erwähnung bedürfen einige Stiftungen besonderer
Art. Zuerst war es die durch ihren Kunstsinn bekannte Fräulein
_Emilie Linder_, die von 1847 an von München aus durch fast jährlich
wiederholte Geschenke, sowohl aus ihren eigenen Erwerbungen, als
aus dem reichen Nachlass ihres Grossvaters, des Stiftsschaffners
_J. C. Dienast_, die Sammlung ihrer Vaterstadt bedachte, bis durch
ihre letztwillige Verfügung 1867 jener Nachlass selbst der Sammlung
zufiel. Waren unter den zahlreichen Oelgemälden und den prächtigen
Handzeichnungen, welche letztere allein einen ganzen Saal füllen,
vorzugsweise die Meister der neuern Münchnerschule vertreten, so fand
sich unter dem reichen Vorrath an Kupferstichen und Holzschnitten
neben einer Reihe von Dürer'schen Blättern mehr als die Hälfte des
ganzen Werkes von _Rembrandt_, nicht zu gedenken der grossen Zahl von
Kunstbüchern, welche die Bibliothek unserer Sammlung aufs Erwünschteste
ergänzten.
Noch ehe aber diese Schätze alle in den Besitz der Kunstsammlung
gelangt waren, fiel ihr ein zweites, nicht minder bedeutendes
Vermächtniss zu, nämlich was die beiden Künstler und Kunsthändler
_Peter Birmann_, der Vater, und sein Sohn _Samuel Birmann-Vischer_
(gest. 1846) an Gemälden, namentlich der niederländischen,
französischen und italienischen Schule, sowie an Kupferstichen (über
20,000) zusammengebracht hatten, dazu noch neben einer reichhaltigen
Kunstbibliothek die schon oben (Seite 40) erwähnte Kapitalstiftung für
den Ankauf von Werken schweizerischer Künstler bestimmt.
Mehr noch durch den hohen Kunstwerth als durch die Zahl bedeutend war
die Schenkung, welche in den Jahren 1850 und 1851 die Sammlung dem
Gemeinsinn des Herrn _Peter Vischer-Passavant_ und seiner Erben zu
verdanken hatte; befanden sich doch darunter zwei Originalzeichnungen
Dürers, welche nun eine Hauptzierde unserer Handzeichnungssammlung
bilden. Das Jahr 1859 brachte ferner das Vermächtniss von Fr. 10,000
von Seiten der Ehegatten _Bleiler-Mieg_, dessen Ertrag theils zur
Erwerbung von Kunstgegenständen, theils zur Förderung angehender
Künstler sollte verwendet werden. Eine gleiche Summe stifteten im Jahr
1862 die Erben des Herrn Bürgermeister _Felix Sarasin_ zur Anschaffung
von Werken kunstwissenschaftlichen Inhalts und Fr. 5000 Herr Notar
_Gedeon Meyer_ zum Ankauf von Gemälden. Endlich erfolgte im Jahre
1880 das Legat des Herrn W. _Burckhardt-Forcart_, durch welches dem
Museumsverein eine Reihe auserlesener Werke der bisher nur schwach
vertretenen holländischen Schule, sowie einige treffliche Bilder
spanischer, deutscher und vlämischer Meister zufielen.
Dass mit diesen und den übrigen hier nicht namentlich aufgeführten
Schenkungen die Ansprüche an die unserer Kunstsammlung zu Gebote
stehenden Räumlichkeiten stets höhere werden mussten, liegt auf
der Hand. Bereits heute, nachdem seit Eröffnung des Museums 36
Jahre verflossen sind, ist bis auf das Treppenhaus hinaus jeder
verfügbare Platz ausgenützt. Mit um so grösserer Befriedigung darf dem
Augenblick entgegengesehen werden, da nach Erstellung einer besondern
Skulpturhalle der geräumige zweite Oberlichtsaal, der heute noch die
antiken Gipsabgüsse beherbergt, für die Kunstsammlung sich öffnen wird.
Wenn während nahezu zweihundert Jahren unsere Sammlung in der alten
Mücke sich konnte genügen lassen, heute aber bereits die Räume, die
im neuen Museum ihr zugedacht waren, zu enge geworden sind, so mag
diese Thatsache schon es bezeugen, wie fruchtbar die letzten fünfzig
Jahre für ihre Entwicklung und gewiss nicht minder für die Förderung
des Kunstsinnes in den weitesten Kreisen unserer Stadt gewesen sind.
Möge denn die Sammlung mit unserer alma mater als deren »sonderbares
Kleinod« auch in Zukunft weiter wachsen und gedeihen!
Emanuel LaRoche,
Konservator der Kunstsammlung.
3. Antiquarische Sammlung.
Bis zum Jahre 1835 und von da noch weitere vierzehn Jahre war die
antiquarische Sammlung zusammen mit der Kunstsammlung, und ohne
eigentlich von ihr getrennt zu sein, im Hause zur Mücke aufgestellt,
und bildete, was die Verwaltung betrifft, einen blossen Annex der
öffentlichen Bibliothek. Sie enthielt ihrem wesentlichen Bestande nach
die Antiquitäten des Amerbachischen Kabinets, aus dem sie erwachsen war
(1661), die Bruckner'sche Sammlung von vaterländischen Alterthümern
(1778) und die einschlägigen Sachen des Fäschischen Kabinets (1823);
ausserdem die im Jahre 1815 angekaufte Falkeysen'sche Sammlung von
Basler Münzen.
In dem Zeitraum von 1835 bis zur Erbauung des Museums (1849) fanden
keinerlei Veränderungen statt. Doch erfolgte noch in den vierziger
Jahren von Seite der Erben des Herrn _Lucas Vischer_ die grossartige
Schenkung der von diesem in Mexico gesammelten Alterthümer, welche dann
freilich erst ein paar Jahre später aufgestellt werden konnten. In dem
1849 bezogenen Neubau des Museums wurden der antiquarischen Sammlung
die beiden an die Gemäldegallerie anstossenden Zimmer angewiesen, das
zur Linken der schon bisher bestehenden Sammlung auf der Mücke, welcher
jetzt auch der Kirchenschatz des Münsters (vorher im Rathhaus), sowie
die Erwerbungen der antiquarischen Gesellschaft hinzugefügt wurden; das
zur Rechten dem mexicanischen Kabinet. Die Gegenstände des letzteren
wurden in gefälliger, aber nicht gerade zweckmässiger Weise auf eine in
der Mitte des Zimmers errichtete treppenfönnige Pyramide (gleichsam ein
mexicanisches Teocalli) geordnet.
Mit der Aufstellung im neuen Local war zugleich die Anlegung einer
Sammlung von Gipsabgüssen verbunden, worauf schon beim Entwurf des
Baues (Antikensaal mit Oberlicht) Rücksicht genommen war. Die zur
Anschaffung der Abgüsse nöthigen Gelder stellte der neugegründete
Museumsverein unter Vorbehalt des Eigenthumsrechtes zur Verfügung,
so dass bald nach der Uebertragung der Sammlungen ins Museum auch
der Antikensaal mit über 30 Hauptwerken (14 Statuen, 9 Köpfen und 8
Reliefs) dekoriert war.