II. Die Besitzer des Lohengrinhauses.

Das _Lohengrin- oder Richard-Wagner-Haus zu Großgraupa_ ist das alte

Halbhufengut Nummer 12, ein dicht am Dorfplatz erbautes Bauerngehöft.

Seit fast dreihundert Jahren pflügt hier das Geschlecht der

_Schäferbauern_ die Scholle. Wenn auch seit dem Jahre 1899 das genannte

Gut leider nicht mehr in seinem Besitze sich befindet, so wohnen doch

noch heute im Dorfe Nachkommen jenes Landmannes, bei dem 1846 Richard

Wagner köstliche Wochen in stiller Weltabgeschiedenheit verleben

konnte. Es sind zwei Brüder Schäfer, die noch jetzt in Großgraupa als

Landwirte Ahnenland bebauen. (Das Oskar Schäfersche Bauerngut liegt

dicht unterhalb des Lohengrinhauses. Sein Besitzer war dreizehn bis

vierzehn Jahre alt, als Richard Wagner mit Cosima Graupa noch einmal

besuchte.)

[Illustration: Abb. 4. =Lindenallee bei Graupa=]

Die _Schäfers_ stammen aus _Dobritz_ bei Dresden, das im siebzehnten

Jahrhundert Toberiz geschrieben wurde. _Um 1650 läßt sich ein Hannß

Schäfer in »Groß Krauppa« nieder._ Vorher ist dieser Familienname hier

nicht zu finden. Ich habe daraufhin im Hauptstaatsarchiv zu Dresden die

Gerichtsbücher von »Groß Grauppenn« vom Jahre 1551 an durchgesehen,

wo ein »Juncker Aßmuß Karaß herr zu Grauppenn« ist. (Die Schreibweise

des Dorfes ist in jenen Jahrhunderten ganz verschieden; auch die Form

Krauppe findet sich.)

1654 kauft nun der schon genannte Hannß Schäfer von Hannß Leschigs

Witwe einen »Garten« in Groß Krauppa. Dann hören wir erst nach

fünfundzwanzig Jahren wieder etwas von ihm: 1679 übergibt er seinen

Drei-Viertel-Acker um 300 Gulden an seinen Sohn Jacob Schäfer. 1682

vergrößert dieser den väterlichen Besitz durch Ankauf von George

Lieschkens Viertel-Acker. Im gleichen Jahre erwirbt Hannß Schäfer im

Wiederkauf das Halbhufengut von Michael Sültzens hinterlassener Witwe

um dreihundert Gulden. 1695 berichten die alten Urkunden noch von

einem »Erb Kauff Hannß Schäffers um Merten (Martin) Böhmens Wittwen –

unndt Erb Guth umb 325 Gülden«.

Als Besitzer dieses Gutes folgt bis 1754 Johann Schäffer. Er verkauft

das Halbhufengut um vierhundert Gulden an Gottfried Schäfer. Dieser,

Halbhüfner und Gerichtsschöppe, bewirtschaftet es bis 1778, wo er

seinem 1757 geborenen einzigen Sohne Johann Gottlob Schäfer († 1804)

das Gut überläßt. Sein Nachbar ist Christoph Schäfer.

[Illustration: Abb. 5. =Das Lohengrinhaus in Großgraupa=]

Ehe ich in der Aufzählung der Besitzer fortfahre, sei hier einmal

die Reihe unterbrochen durch Wiedergabe eines interessanten

_Erbkaufbriefes_ vom 10. April 1778, der uns ein anschauliches

Kulturbild aus jener Zeit zeigt und besonders die schweren Abgaben

und Dienste aufzählt, die vor einhundertundfünfzig Jahren auf

dem bäuerlichen Besitz lasteten. (Hauptstaatsarchiv zu Dresden,

Gerichtsbuch Pirna Nummer 210, ab 1774, Fol. 36.) Es heißt darin u. a.:

»Wir, die Hoch Reichs Gräfl. Callenberg-Lüttichau und

Solmsischen Commun-Gerichte zu _Schönfeld_, und ich, Dr.

Friedrich August Ermel Gerichts-Director allda, urkunden und

bekennen hiermit, daß anheute vor uns an Gerichts-Stelle alhier

_Gottfried Schäfer_,

Halb-Hüfner und Gerichts-Schöppe

aus Groß-Graupa,

und deßen einziger Sohn,

_Johann Gottlob Schäfer_, von 21 Jahren,

erschienen sind und gebeten haben, einen zwischen ihnen

verabredeten Kauf niederzuschreiben und zu confirmiren.

Gottfried Schäfer verkauft sein zu Groß-Graupa zwischen Johann

Jäckels und Christoph Schäfers Grundstücken gelegenes Halb

Hufen Guth mit allen Ein- und Zugehörungen, an Wohn- und

Wirthschafts-Gebäuden, Feldern, Gärten, Wiesen, Weinbergen und

Gehölzen nebst allem demjenigen, was darinnen und dabey Erd-,

Wand-, Band-, Wied-, Ried-, Mauer-, Clammer- und Nagelfeste

ist, auch allen darauf haftenden Rechten und Gerechtigkeiten,

Nuz- und Beschwerungen, und soviel letztere betrift, mit

Landesverein Sächsischer Heimatschutz — Mitteilungen Band XVII, Heft 3–4 · 第 39 / 68 题