II. Gestaltung.

Die richtige seelische Einstellung wahrt auch dem einfachsten

Grab seine Würde und auch die einer ganzen »Gräbergemeinschaft«.

Das Grab in seinem jeweiligen Typ ist die Ordnungszelle für

eine Gräbergemeinschaft. Aus diesen Gräbergemeinschaften setzt

sich schließlich der Friedhof zusammen. Der kleine Friedhof aus

wenigen Gemeinschaften, der große aus vielen, deren Anordnung eine

künstlerische Aufgabe darstellt.

Das Grab als Ordnungszelle kann ein _Einzelgrab_ (0,80 × 2,00)

sein oder ein vielfaches davon als _Familiengrab_. Daraus ergeben

sich Gemeinschaften aus Einzelgräbern und aus Familiengräbern. Die

Anordnung dieser beiden Gemeinschaften ergibt sich aus den örtlichen

Verhältnissen. Einzelgräbergemeinschaften möchten nicht mehr als

100 bis 200 Gräber umfassen. Die gegenseitige Absonderung der

Gemeinschaften soll möglichst durch gärtnerische Mittel geschehen, um

dem Friedhof den Zusammenhang mit der Natur und ihren Gefühlswerten

zu wahren. Auf diese Weise entsteht der Friedhof organisch aus

der Grabzelle zur Gräbergemeinschaft und zur Zusammenfassung von

Gräbergemeinschaften.

~A.~ Die Gestaltung des Einzelgrabes.

Der wirtschaftliche Gesichtspunkt ist bei der Gestaltung des

Einzelgrabes nicht auszuscheiden, er darf aber für die Würde des

Grabes keine Rolle spielen. Es wäre daher zu untersuchen, wie auch das

billigste Einzelgrab eine ethische Würde wahren kann. Vorbilder hierfür

sind vorhanden.

_Es ist der Erdhügel, als Symbol des Sarges über der Erde._ Ein

Erdhügel, von Pflanzenwuchs überzogen, das schönste und einfachste

Symbol und Denkmal. Aber was hat die Gefühlslosigkeit aus diesem

schönen Symbol in den letzten Jahrzehnten gemacht, es sind mit

Steinen eingefaßte Blumenkästen daraus geworden. – Und nicht nur das,

dieser Verzerrung eines selbständigen Males als Sargsymbol wurde

noch ein zweites »Grabmal« hinzugefügt, ein stehender Stein, meist

ohne jede organische Verbindung mit dem Hügel. Diese Zwitterform ist

zu überwinden, wenn wir auf die schöne Ursymbolik des Grabhügels

wieder zurückgehen. Der pflanzlich sinngemäß umsponnene Hügel ist

als Sargsymbol ein würdiges Mal an sich. Es fragt sich nur, wie die

Inschrift für den Toten sich einfügen läßt, ohne den Symbolwert des

Hügels zu stören. Es gibt zwei Lösungen. 1. Die Lehnplatte am Fußende

des Hügels und 2. der in den Hügel »gesteckte« Schriftträger.

Diese beiden Lösungen erhalten dem Hügel den Charakter eines

selbständigen Symbols und werden einer Hügelgemeinschaft ihren

seelischen Wert bewahren. Damit fallen alle störenden Zwitterbildungen

zwischen Hügel und Denkmal von selbst.

Verlassen wir nun den Hügel als Symbol des Einzelgrabes, so wird der

Typ des »Grabbeetes« der Ausgangspunkt weiterer Betrachtung sein müssen.

Das »_Grabbeet_« hat an sich nicht den sichtbaren Symbolwert des

Grabhügels. Die Gefühle senken sich dabei in die Tiefe, in der der

Tote ruht, und das Grabbeet wird zur liebevoll gepflegten Decke des

Grabes. Der Schriftträger wird hierbei eine andere Rolle spielen als

beim Grabhügel; war hier der Hügel das Symbol, so wird beim Grabbeet

der Schriftträger auch zum Symbolträger. Er bildet den »Abschluß« zu

Häupten des Grabbeetes. Auch hier bestehen zwei Möglichkeiten: 1. der

schrägliegende Schrift- und Symbolträger und 2. der senkrechtstehende.

Je mehr beide Lösungen den »Abschlußgedanken« des Grabbeetes zum

Ausdruck bringen, um so besser werden sie sein. In jenen Fällen,

wo das Grabmal an sich das Grabbeet nicht genügend abschließt,

ist dieser Abschluß durch gärtnerische Mittel anzustreben. Die

gärtnerische Behandlung des Grabbeetes selbst darf den Abschluß durch

den Schriftträger nicht stören, d. h. sie soll flach sein, im Sinne

der Grabdecke. Die schmalen Zwischenräume zwischen den Grabhügeln

oder Grabbeeten sollen die Trennung der Gräber nicht zu sehr betonen,

d. h. im Material und seiner Farbe nicht auffallen. Das in die Erde

»gesteckte« Holz-, Stein- oder Eisenmal kann auch beim Grabbeet, ohne

den Abschluß zu betonen, in jenen Fällen besonders sinnvoll sein, wo

die einzelnen Grabbeete zu einem »Gemeinschaftsbeet« ohne Zwischenwege

zusammengezogen sind. In solchen Beeten kommt der Gedanke menschlicher

Gemeinschaften auch im Tode am schönsten zum Ausdruck. (Kriegergräber,

Klosterfriedhöfe.) Das Grabbeet als »Grabdecke« kann auch steinernen

Ausdruck finden, als deckende Grabplatte.

Diese grundsätzlichen Betrachtungen über das Nebeneinander von

Grabhügel- und Grabbeetgemeinschaften bedürfen noch einer Ergänzung

durch jene harmonischen Voraussetzungen, die durch _Farbe_ und _Form_

bedingt sind.

1. _Die Farbe._ Bei Grabgemeinschaften spielt die Farbe des

Pflanzenwuchses eine Hauptrolle. Dazu kann grundsätzlich gesagt werden:

ist die _Form der Bepflanzung in Ordnung_, wird ihre Farbe nie stören,

da die Natur selbst dafür gesorgt hat, daß ihre Farben stets harmonisch

sind, harmonisch in Licht und Schatten, im Frühling, Sommer, Herbst und

Winter. Das gilt für Grabhügel- und Grabbeetgemeinschaften. Schwieriger

wird die Frage bei dem Schriftträger, dem Denkmal, gleichgültig,

welches Material in Frage kommt. Aber trotzdem, auch dieses Problem

läßt sich durch einfache Grundsätze überwinden. Grellweiß und

grellschwarz sind gegensätzliche Pole. Die Harmonie liegt in den grauen

oder farbigen Zwischenstufen dieser Pole, die eine große Farbskala in

den verschiedensten Materialien umfassen und immer ein harmonisches

Nebeneinander ermöglichen. So spielt die Farbe eine wichtige Rolle

innerhalb der Gräbergemeinschaften. Sie kann stille und ernste Gefühle

heraufbeschwören, frohe und erlösende, sie kann aber auch alle

Harmonien stören.

2. _Die Form._ Die Form von Grabhügel und Grabbeet in Verbindung mit

dem Schrift- und Symbolträger ist eingangs bereits grundsätzlich

erörtert worden. Schwierigkeiten für ein harmonisches Nebeneinander

der Denkmalsformen entstehen hauptsächlich beim senkrechten Abschluß

des Grabbeetes, denn hier gibt die Massenwirkung des Grabsteins den

Ausschlag. Im Grunde handelt es sich dabei um zwei elementare Formen:

um die »Platte« und um den »Kubus«. Je mehr diese beiden Dinge ihrem

Wesen nach auseinandergehalten werden, um so besser wird die Lösung

sein. Beide unterliegen jedoch im Rhythmus einer Gräbergemeinschaft

gewissen _Höhenmaßen_, die je nach den besonderen Verhältnissen

festzusetzen sind. Dabei sind stets »Kernmaße« festzulegen. Was

darüber hinausragt, ergibt als freie Endigung das rhythmische Spiel

der Formen gegenüber der Uniformierung. »Breitenmaße« vorzuschreiben,

kann eine unzulässige Einengung des künstlerischen Gefühls bedeuten,

eines Gefühls, das verschiedene Ausdrucksmöglichkeiten findet, ohne die

Harmonie des Nebeneinander der Massen zu stören.

Aber eines ist sehr wichtig, ja entscheidend. _Diese Massen müssen in

ihrer Form klar sein._ Innerhalb der Klarheit der Formen sind dann

viele Varianten möglich. Eine klare Form kann einfach schön sein,

sie kann aber auch durch sinngemäße Detaillierung zu reicher Wirkung

gesteigert werden. Ein weiteres Gesetz ergibt sich aus dem Grundsatz

der Formklarheit: _je kleiner das Grabmal ist, um so einfacher muß

seine Form sein_. (Kindergräber.) Die Unterscheidung zwischen Platte

und Kubus ist wichtig, weil die Mehrzahl der Grabsteinsünden aus dieser

Nichtachtung entstehen. Man beachte auf den Friedhöfen nur die Menge

von »Kulissensteinen«. Kulissensteine sind jene Denkmäler, die auf der

Vorderseite in Architektur machen, die aber, kaum begonnen, wieder

aufhört. So, wie wenn man eine verkleinerte Haus- oder Tempelfassade

mit Profilen und Pilastern und Säulen für sich ins Freie stellte oder

an eine dünne Wand und hinten fehlt die kubische Masse.

Demgegenüber muß wieder ehrlich und wahrhaftig zwischen Platte und

Kubus gewählt werden. (Kubische Denkmäler werden ja für Einzelgräber

selten in Frage kommen und dann nur mit kleiner Grundfläche. Es gibt

aber auch _Verbindungen_ von Kubus und Platte, die sehr schön sein

können, wenn die Zusammenstellung klar und sinnvoll ist.

Der Dresdner Ausstellungsfriedhof 1926 hat auch eine beachtenswerte

Anregung für einfache Reihengräbergemeinschaften gebracht. Einen

durchlaufenden niederen Erdwall zur Anlehnung der Schriftplatten. Die

Idee ist wert, weiter verfolgt und zu einer guten Lösung geführt zu

werden.

Zum Schluß sei noch darauf hingewiesen, daß auch der Gärtner in

seinen Gewächsen die Einheit der Form zu wahren hat. Ein wahlloses

Durcheinander von Sträuchern und Bäumen stört auch hier die

Formharmonie. Zusammenfassend muß zu dem Kapitel »Gestaltung« gesagt

sein: Farbe und Form sind sowohl für das Einzelgrab wie für die daraus

entstehende Grabgemeinschaft die entscheidenden Faktoren für eine

Harmonie oder eine Disharmonie des Friedhofsbildes.

~B.~ Die Gestaltung des Familiengrabes.

Kommt bei dem schmalen Einzelgrab das Nebeneinander innerhalb der

Grabgemeinschaft als besonders schwieriges Problem in Frage, so läßt

sich dieses Problem innerhalb der Familiengemeinschaft etwas leichter

lösen. Die an sich breiteren Familiengräber können und sollen durch

Bepflanzung voneinander geschieden werden. Auch beim Familiengrab

ist zwischen _Grabhügel_ oder _Grabbeet_ zu wählen. Familiengräber

sollen stets so angeordnet werden, daß sie sich an eine Pflanzenwand

oder an eine Mauer anlehnen können. Der Zusammenhang von Grabmal und

Pflanzenschmuck ist hierbei eine künstlerische Aufgabe, die von Fall

zu Fall zu lösen ist. Das Familiengrab bildet schon für sich eine

kleine stille Gemeinschaft. Es kann dabei ein gemeinsames Grabmal in

Frage kommen oder kleine Einzelmäler, sinnvoll harmonisch angeordnet

oder eine schöne Verbindung von beiden Möglichkeiten. Es braucht wohl

nicht besonders erwähnt zu werden, daß auch beim Familiengrab jede

Reklamehaftigkeit von Kulturlosigkeit zeugt. Von Kultur zeugt nur

künstlerische Schönheit und Gefühlstiefe, die sich rücksichtsvoll

äußern wird, ohne den Künstler in seinen höchsten Aufgaben zu

beschränken.

Landesverein Sächsischer Heimatschutz — Mitteilungen Band XVII, Heft 3–4 · 第 28 / 68 题