Das Grab, es ist umstrahlt von Schmerz und Liebe und von Ehrfurcht
vor dem Tode. Liebe und Schmerz. Geschwistergefühle, aus den Tiefen
der Seelen geboren, sie sind Kinder des Schweigens. Wer hat es nicht
erfahren, daß alle Worte fehlen, wo höchste Liebe und tiefster Schmerz
in unser Leben traten.
Dann ein Stammeln, und dann Worte, und damit der Übergang von der
seelischen Tiefe zur Welt der Sinne und zum Dasein auf dieser Welt
mit all seinen menschlichen Verbundenheiten. So ist der Friedhof eine
Stätte des Schweigens, so lange die Seele spricht. Wenn er zu reden
anhebt, wird er nur zu leicht zu einer Stätte menschlicher Schwächen.
Die Ehrfurcht vor dem Tode beginnt zu schwinden. Die Jahrhunderte
dokumentieren in ihren Totenhöfen nur zu oft ihr Menschliches,
Allzumenschliches.
So wurde auch der Friedhof unserer Zeit nicht mehr zu einer Stätte des
Schweigens, sondern des Redens in steinernen Phrasen.
Eine Harmonie wird erst wieder kommen, wenn die Menschen die Ehrfurcht
auch vor dem toten Nächsten wieder fühlen und im Nebeneinander der
Gräber und ihrer Male wieder harmonische Ruhe fordern. Die Würde liegt
nicht im finanziellen Vermögen, sie liegt in der Gesinnung. Diese
Gesinnung zu fördern ist Aufgabe aller Instanzen, und der Friedhof wird
dann ganz von selbst wieder eine Stätte des Friedens sein, den unsere
Zeit im Leben nicht findet und doch so sehr ersehnt.