Mux. Rothmantel.
Rothmantel (höhnisch lachend): Haha! nun bist du mein!
Mux: Ich hoffte, Himmelsharmonien zu hören ......
Und nun schlägt deine Stimme mir ans Ohr —
Und deine Schreckgestalt muß ich erblicken.
Rothmantel: Du wirst sie schaun in aller Ewigkeit.
Mux: Das ist Betrug! Ich hab’ mein Spiel gewonnen!
Nenn’ mir ein Liebeswerk, das ich vollbracht!
Rothmantel (höhnisch): Ein einzig Liebeswerk hätt’ dich gerettet.
Mux: Du hast es zur Bedingung doch gemacht,
Daß ich ein jedes Liebeswerk vermeide —
Ich hab’s getan.
Rothmantel: Ja, du hast mir geglaubt,
Dem Gott der Lüge und der Finsternis
Und wandtest dich von ihm, dem Gott der Liebe,
Der ew’gen Wahrheit und Barmherzigkeit.
Du Tor vermaßest dich, mich zu besiegen!
Mich zwingt nur Einer und das ist der Gott,
Den du verleugnet hast, der Herr der Welt.
Mux (keuchend): Gegeb’nes Wort muß auch der Teufel halten,
Mein Pakt besteht zu Recht.
Rothmantel (höhnisch): So sei es drum!
Ich geb’ dich frei; nun suche deinen Platz
In einem Himmel, den die Liebe schuf.
Mux: Versucher du, was hast du mir getan!
Was ich geliebt, das hab’ ich dir geopfert,
Um dich blieb einsam ich, blieb leer mein Herz,
Um dich hab’ die Geliebte ich verstoßen,
Mein Kind in Elend und in Not gejagt,
Um deinetwillen raubt’ ich mir die Freude,
Mein Enkelkind an meine Brust zu ziehn,
Um dich hab’ ich gedarbt, indes die andern
Am Born der Liebe unaufhörlich schöpften.
Rothmantel: Um mich hast du’s getan? Du tatst’s um das,
Was in der Erde ruht an dieser Stelle,
Worauf ich steh — du tatst’s um schnödes Gold.
Gold war das Glück, das du von mir begehrtest,
Ich gab dir Gold und nun beklagst du dich?
Mux: O schweige, du hast recht! Ich seh’ es klar,
Nicht du hast mich getäuscht, ich selber tat’s,
Ich hab’ mich selbst betrogen und enterbt.
Sie alle, die den Dornenweg gegangen,
Die ich verspottet, weil sie ihn gewählt,
Sie alle, die um Liebe Leid getragen,
Sie haben doch das echte Glück gekannt.
Doch weil ich in unseliger Verblendung
Dem Irrlicht folgte und den Stern verließ,
Soll büßen ich in aller Ewigkeit?
Gott ist barmherzig, er wird mir verzeih’n,
Wenn etwas für mich spricht — hab’ ich denn nichts?
(Nachdenkend): Ich hab’ ja doch zuweilen auch gebetet.
Rothmantel (höhnend): Gebetet hast du auch? Ei sieh doch, sieh!
Der Teufelsschlosser schmiedet einen Schlüssel
Für alle Fälle sich zur Himmelstür!
Doch hast du leider jenen Spruch vergessen,
Der dich den Schlüssel richtig brauchen lehrt.
Mux: Wie? Zum Gebet noch einen Zauberspruch?
Rothmantel (mit dröhnender Stimme): Und wenn du auch mit Engelszungen
redest,
Und hast die Liebe nicht, so bist du bloß
Ein tönend Erz, bist eine Schelle nur!
Mux (zusammenbrechend): Und hast die Liebe nicht! Gott ist die Liebe
Und ich stieß sie von mir!
Rothmantel: Nun, siehst du’s ein,
Daß du dein Spiel dem Geiste nach verloren,
Mag’s auch dem Worte nach gewonnen sein?
Mux (sich aufraffend): Nein, Höllengeist, du zwingst mich dennoch
nicht!
Ich bin nicht dein, weil ich mein Spiel gewonnen,
Des Himmels nicht, weil ich ihn nicht verdient,
Allein der Erde will ich angehören,
Solang noch Atem in mir wohnt und Kraft.
Mein Leben ist von Gott — wenn er mir’s läßt,
So will ich jeden Augenblick benützen,
Zu sühnen, was mein blinder Wahn verbrach.
Komm her und nimm, was du mir einst gegeben,
Und laß mir nichts, als was mein eigen wär’,
Wenn ich dich nie geseh’n!
Rothmantel: Wohlan, es sei!
Sieh hin, dort brennt das Gold, das du erworben
In all den Jahren! (Unter dem Baum brennt
wieder die blaue Flamme.) Nun, beklagst du’s nicht?
Mux: Nur, daß ich es erwarb auf diese Weise.
Rothmantel (wirft seinen Mantel über ihn):
Fühlst du die Kraft aus deinen Armen schwinden,
Fühlst du dein Har ergrauen? (Er zieht den Mantel
weg, Mux ist in einen alten Mann verwandelt.)
Mux: Ja, ich fühl’s,
Doch fühl’ ich auch, wie mir das Herz sich weitet
Und wie mir’s hell und froh im Busen wird;
Die ganze schöne Welt möcht’ ich umfassen,
An meine Brust zieh’n alles, was da lebt.
Wie ich hier steh, ein Bettler und ein Greis,
Trag’ ich mit Freude alle Erdenmüh’n,
Erleid’ ich gerne tausendfachen Tod
Für diesen Augenblick des höchsten Glückes!
Rothmantel (in wildem Grimme): Muß ich es jeden Tag auf’s neu
erfahren,
Daß in dem schlecht’sten Tropf ein Funken glüht
Von jenem Himmelslicht, das ich so hasse!
Fahr’ hin und lieb’ und leide, Erdenwurm!