Mux. Lene. Gerl.
Gerl: Schon wieder munter auch? Uns alten Zechern
Tut solche Ladung Wein noch gar nichts an.
(Lene bemerkend.)
Ach so, ihr habt Besuch! Ei, seh’ ich recht?
Das ist die Lene gar! Hat euch das Sehnen
Nach eurem Jugendfreunde jäh gepackt?
Mux: Nicht nach dem Freunde, nur nach seinem Beutel.
(Sie weicht erschrocken über diese Worte einen Schritt zurück.)
Nun, ist’s nicht so? Tut etwa noch beleidigt!
Lene (zu Gerl gewendet, der sich ohne Umstände zu Muxens Frühstück
gesetzt hat und gemächlich ißt und trinkt):
Mein Töchterlein ist krank, ich bin in Not
Und kann der Kranken nicht die Nahrung bieten,
Die sie wohl brauchte.
Gerl (behaglich schmausend): Ja, ein gutes Essen
Ist allezeit die beste Medizin.
Lene: Auf hartem Lager ruh’n die zarten Glieder
Und wenn des Fiebers eis’ge Hand sie packt,
Dann hab’ ich nichts, sie wärmend einzuhüllen.
Gerl: Nun, liebe Frau, es war recht klug von euch,
Den Meister Mux deswegen aufzusuchen,
Das ist ein braver, ein barmherz’ger Mann.
Wo man für gute Zwecke nur mag sammeln,
Gibt er die größte Summe sicherlich.
(Mux hat indessen in einem Schranke umhergekramt und wendet sich
nun zu Lene.)
Mux: Hört mir nun zu, ich will euch etwas sagen:
Ihr seid gekommen, Geld von mir zu borgen;
Ich schenk’ euch eine Summe, groß genug,
Um eures Kindes Leben lang zu fristen,
Doch tretet niemals wieder in mein Haus,
Denn ich hab’ eure Absicht klar durchschaut.
Der Tochter Krankheit, eure Bettelei
War nur ein Vorwand, in dies Haus zu kommen.
Da ihr nun endlich freigeworden seid
Und da ihr wißt, daß ich verwitwet bin,
So dachtet ihr, wir könnten uns vereinen —
Die Rechnung habt ihr ohne mich gemacht,
Ich geh’ als Gimpel nicht auf euern Leim.
Lene (empört): Martin, du Böser, dran erkenn’ ich dich!
So schlecht von einem andern Menschen denken,
Das kannst nur du, denn auch nur du allein
Bist so berechnend, so erfüllt von Selbstsucht.
Du kennst nur dich, wer außer dir noch lebt,
Ist dir nur wert, soweit er dein Behagen,
Soweit er deinen Ehrgeiz fördern kann.
Behalt’ dein Geld, ich werde lieber betteln
Als nehmen, was von deiner Hand mir kommt. (Ab.)