Mux. Lene.
Lene: Gott grüß euch, Meister!
Mux: Schön Dank! Was wollt ihr, Frau?
Lene: Kennt ihr mich nimmer?
Mux: Warhaftig, Lene! Was sucht ihr bei mir?
Lene: Ich hätt’ es nie im Leben mir gedacht,
Daß ich zu euch noch einmal kommen würde,
Doch treibt mich bitt’re Not zu diesem Schritt.
Mux: So geht’s euch schlecht? Ich hörte nichts von euch
Seit vielen Jahren.
Lene: Ich will euch erzählen,
Wie mir’s ergangen seit ... seit jenem Tag,
Da ich zum letztenmal mit euch gesprochen.
An eurem Hochzeitstage kam der Franz,
Der eure Frau geliebt, zu mir hinaus;
Er sagte mir, wir zwei Verlassenen
Gehörten nun für alle Zeit zusammen,
Ich möge Hochzeit machen nun mit ihm.
Ich sagte nein, weil ich mir zugeschworen,
Daß ich ... doch still davon ... ich sagte nein.
Da ward die Mutter krank; mein bißchen Lohn
Genügte nicht, die Mutter zu erhalten —
Und wieder kam der Franz — da gab ich nach.
Am selben Tag, da euch das Töchterchen
Geboren ward, da standen Franz und ich
Vorm Traualtar; damit begann ein Leben
An Arbeit reich und an Entbehrungen,
Doch waren wir trotz alledem zufrieden.
Die Mutter starb, ich hab’ sie treu gepflegt
Und ihr vergolten alle ihre Liebe;
Vor einem Jahr verlor ich meinen Gatten,
Ich hab’ an ihm auch meine Pflicht getan.
Der Himmel hatte mir ein Kind geschenkt,
Ein Töchterlein, den Sonnenschein des Hauses,
Nun liegt es krank — es hat des Vaters Leiden
Von ihm geerbt, es geht dem Vater nach;
Ich weiß es wohl, daß keine Rettung ist,
Doch seine letzten Tage zu verschönen,
Ist all’ mein Streben, ist mein einz’ger Wunsch.
Ich kenne niemand, der imstande wäre,
Mir eine größ’re Summe Gelds zu borgen,
Da dacht’ ist nun an euch; ihr seid so reich
Und werdet sicher nicht zurück mich weisen.
(Weinend.) Ist es dann tot, mein heißgeliebtes Kind,
Dann will ich schaffen, daß die Hände bluten,
Ich bring’ die Summe wohl euch bald zurück.
(Mux ist erregt auf- und niedergegangen und setzt nun ein paarmal
zum Sprechen an, ehe er wirklich spricht.)
Mux: Wenn ihr sie braucht, dann sucht ihr eure Freunde —
Wie, wenn ich euch das Geld nicht geben will?
Lene: O gebt es mir! Wär’ anders ich geartet,
Ich mahnte euch an eine alte Schuld,
Doch tu’ ich’s nicht, ich flehe um Erbarmen.
(Gerl tritt ein und begrüßt Mux lärmend.)