I. Gebete für den Sabbat.

Der Sabbat.

‎‫שבת.‬

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Sabbat-Betrachtung.

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„Denke des Sabbattages, ihn zu heiligen!“ „Heil dem Menschen, der dies

tut, dem Erdensohne, der daran festhält: Den Sabbat hütet, ihn nicht zu

entweihen, seine Hand hütet, daß er nichts Böses tue!“ Als Moses, so

erzählt eine uralte Sage, den Druck seiner Brüder in Ägypten sah, ging er

zum Pharao und sagte: Wenn der Sklave nicht einen Tag in der Woche ruht,

muß er sterben. Und Pharao sagte: Tue, wie Du geredet. Da ging Moses hin

und setzte den Sabbat ein. „Darum freut sich Moses der Gabe, die sein Teil

ist.“ Doppelt ist die große Aufgabe des Sabbat; den Menschen auf Gott und

sein Werk, den Menschen auf sich selbst zu weisen. Das wollen auch diese

Thora- und Prophetenworte, will die sinnige Sage melden. Neben dem

gewaltigen, völkerbezwingenden, weltgewinnenden Riesengedanken des

Einzigen Gottes, der aus sich Kulturen geboren hat; neben dem größten

sittlichen Befehl der „Nächstenliebe“, den unsere Religion vor allen

anderen der Menschheit erteilt hat, ist der Sabbatgedanke der größte, den

unser Glaubensgesetz besitzt. Er verlieh und verleiht dem Leben Hoheit,

Weihe und Würde. Wenn die heilige Schrift das Schöpfungswerk mit dem Tage

der Sabbatruhe schließt und krönt, wenn das Bundestafelgesetz den Sabbat

fordert, so will dies besagen, daß ohne ihn der Schöpfung wundererfülltes

Werk nicht vollendet, das Leben nicht vollkommen wäre. Denn der Sabbat ist

die Blüte am markigen Baume der Lebensarbeit. Er ist die Sehnsucht rastlos

schaffenden Menschengeistes, mühevoll-emsiger Menschenhände. Unsere harte

Zeit des Daseinskampfes, in der die Seele nur wenig und selten bedacht

wird, hat trotz aller Bildungsmittel und Kunstideale, aller

Schönheitspflege und Wohlfahrtspredigt den Sinn und Willen des jüdischen

Sabbat weder erfaßt noch erreicht. Der jüdische Sabbat hat eine ewige

Bedeutung für die ganze Menschheit. Dieser Tag der Ruhe ist der „Tag der

Weihe im Geiste, auf daß auch der Werketagsarbeiter aller Art zu

sittlicher Erhebung, zur Freiheit des Gemütes sich sammeln könne.“ Er ist

eine sittliche Kraftäußerung der Seele und der Religion, die sieghaft dem

Nutzentriebe und der Stoffgewalt Schranken setzten.

In dieser Weise hat er einst in jüdischen Kreisen gewirkt, in Haus,

Familie und Gemeinde. Die Geistes- und Leibesarbeit der Wochentage strebte

gewissermaßen dem Hochziele „Sabbat“ zu. Der Rüsttag schon verriet die

Zeichen der kommenden, herzerquickenden, reinen, tiefen Sabbatfreude. Sie

führte Vater, Mutter und Kind in einen fröhlichen, geweihten Kreis, in dem

es keine Sorge, keinen Kummer, keinen Kampf und keinen Haß, keine Trübung

noch Trauer gab. Licht und Lust, Lebensmut und Lebensfreude erfüllten Herz

und Haus. Ausgeglichene, einfältigweise Rast und Ruhe und Sammlung waren

der Grundton der Sabbatstimmung. Becherweihe durch Segensspruch,

Elternsegen, bescheidenes Festmahl, gewürzt durch Begleitworte der Thora

und der andachtsvollen, sinnreichen, lehrhaften Erbauungsbücher;

gemütreicher Gottesdienst mit ehrlichen, gradaus zum Himmel gerichteten

Gebeten, Familienverkehr und Freundesbesuch, nicht ermüdender Spaziergang

im Festgewande — sie füllten den Tag aus. Und selbst der Ärmste feierte

mit; Herr und Frau, Magd und Knecht. So erstreckte sich der Sabbatfriede

über alle und alles. Warum aber sprechen wir von dieser Sabbatherrlichkeit

im großen und im kleinen wie von vergangener, verschwundener Zeit? Hat

etwa die Gegenwart bessere, höhere Werte an deren Stelle gesetzt? Gewähren

rauschende Feste, lärmende Lust, taumelnde Freude dem Herzen und der Seele

tiefere Befriedigung? Haben Staats- und Gesellschaftsgesetz der Gegenwart

es trotz schwerster Bemühung erreicht, Welt und Menschen einen wirklichen,

ungeschwächten Tag der Ruhe zu schenken, der zugleich ein Tag höchster

Seelenweihe wäre? Und wie sehr, wie dringend bedürften wir, wie alle

Menschen in der tötenden Hast und drängenden Eile des Alltaglebens dieses

immer wiederkehrenden Hinweises auf göttliche Macht und menschliche Größe,

dieses mahnenden Rufes zur Sammlung und Ruhe. Der Wochensabbat würde sich

zum Weltensabbat eignen und weitern, um so einen Teil des Erlösungswerkes

zu vollbringen, das messianische Hoffnung für Israel und alle Welt

erwünscht und ersehnt.

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‎‫מַה טֹּבוּ‬

Beim Eintritt in das Gotteshaus.

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Wie schön ist, Israel, Dein Zelt!

Und Jakob, Deine Hütte!

Da thronet Gott, der Herr der Welt,

Im seines Volkes Mitte.

Da tret' ich vor Dein Angesicht,

O Herr! mich tief zu bücken,

Bestrahlt von Deiner Gnade Licht,

Ins eig'ne Herz zu blicken.

Wie lieb' ich diesen heil'gen Ort

Als meines Segens Quelle;

Es spendet Glück mir fort und fort

Und Frieden diese Stelle.

Hier find' ich Trost in Traurigkeit,

Erhebung in der Freude.

Weil ich vor Gottes Herrlichkeit

Mich gern in Demut kleide.

Mit Lust und Liebe bin ich d'rum

Nun in Dein Haus getreten,

Vernimm, o Vater, wiederum

Mein Bitten und mein Beten!

Amen!

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Gebete für den Sabbattag.

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Ewiger Gott, Herr und Vater, unendlich wie Du bist, ist auch Deine Macht,

Deine Größe und Herrlichkeit, Deine Weisheit und Deine Gnade. Gelobt sei

Dein heiliger Name in Ewigkeit!

Du hast den Sabbat eingesetzt, daß er uns ein Tag der Ruhe und der

Erhebung, ein Tag der Andacht und der Erbauung sei. O laß meines Mundes

Worte und die Gedanken meines Herzens Dir wohlgefällig sein. Amen!

‎‫אדון‬ Herr der Welt! Du hast regiert, eh' noch ein Wesen erschaffen

ward. Du wirst König genannt seit der Zeit, da auf Deinen Willen das All'

erstanden ist, und wenn einst alles dahin sein wird, dann wirst Du allein

noch herrschen, o Ehrfurchtbarer! Ja, wie Du warst, so bist Du, und so

wirst Du ewig sein in Herrlichkeit; Du bist einzig, kein zweites Wesen ist

Dir zu vergleichen und Dir an die Seite zu stellen. Du bist ohne Anfang

und ohne Ende, und Dein ist die Macht und die Herrschaft. Du bist aber

auch mein Gott, mein lebendiger Erlöser, Fels in meinem Leide zur Zeit der

Not. Du bist mein Panier und eine Zuflucht für mich, Anteil meines Kelches

am Tage, da ich rufe. In Deine Hand empfehle ich meinen Geist zur Zeit,

wenn ich schlafe, und wenn ich wache, und mit meinem Geiste auch meinen

Körper; ist Gott mit mir, so fürchte ich nichts.

‎‫אתה הוא‬ Du bist der Ewige, unser Gott, im Himmel und auf Erden und in

allen Räumen der Welt. Das ist gewiß und wahrhaftig, daß Du der Erste bist

und der Letzte, und außer Dir ist kein Gott. O, möchten doch alle Bewohner

der Welt es erkennen und bekennen, daß Du, Gott, allein der Herr bist auch

in allen Reichen der Erde. Du hast den Himmel gemacht und die Erde, das

Meer und alles, was es füllet. Wer von allen Deinen Geschöpfen in der Höhe

und in der Tiefe vermag etwas hinzuzufügen zu den Werken Deiner Allmacht?

O Du, unser Vater im Himmel, übe Barmherzigkeit mit uns um Deines großen

und heiligen Namens willen.

O, ich wollte so gern, Dich rühmen und preisen, Allerhabener, aber die

Worte meines Mundes reichen nicht hin zum Lobgesang für Deine Ehre; darum

möge es Dir wohlgefällig sein, wenn ich Dich anbete mit den Liedern der

von Dir begnadeten Sänger, die Dich angebetet haben in heiligen,

unvergänglichen Dichtungen.

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Psalm 19.

Die Himmel, sie erzählen Gottes Ehre,

Die Feste spricht von seiner Hände Werk.

Vom Tage strömt das Wort dem Tage zu,

Die Nacht gibt diesen Unterricht der Nacht,

Nicht sind's geheime Worte und nicht Reden,

Daß ihre Stimmen man nicht hören könnte:

So weit die Erde reicht, tönt ihre Saite,

Ihr Vortrag dringet bis ans Ziel der Welt,

Bis wo der Sonnenball sein Zelt gebaut,

Der wie ein Bräut'gam zieht aus seiner Hütte,

Und freudig, wie ein Held die Bahn durchläuft.

Von einer Himmelsgrenze zieht er aus,

Den Kreislauf durch, bis wieder zu ihr hin,

Und seinem Glanze bleibet nichts verborgen.

Die Lehre Gottes labt die Seele ganz,

Sein Zeugnis, wahrheitsvoll, macht Toren weise,

Und sein Befehl, gerecht, erfreut das Herz.

Sein lauteres Gebot verklärt den Blick,

Die Gottesfurcht ist rein, bestehet ewig,

Die Rechte Gottes allesamt sind Wahrheit.

Noch köstlicher als Gold und köstlich Erz,

Dem Munde lieblicher als Honigseim.

Und auch Dein Knecht will ihrer sorgsam achten,

Denn großer Lohn wird denen, die sie hüten.

Jedoch wer kennt sie? wer ist frei von Sünden,

Die ungern oder unbewußt getan?

Vor Übermut nur wahre Deinen Knecht!

Laß ihn nicht herrschen über mich — und frei

Von Freveltat kann ich Vergeltung hoffen.

Laß wohlgefallen meines Mundes Wort,

O Gott, und die Gedanken meines Herzens

Vor Dir, der Du mir Fels und Rettung bist.

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Psalm 34.

Den Ew'gen will ich loben allezeit,

Sein Ruhm soll stets in meinem Munde sein!

Des ew'gen Gottes rühmt sich meine Seele,

Ihr Demutsvollen hört's und freut euch dessen!

O preiset seine Größe laut mit mir

Daß allesamt wir seinen Namen ehren.

Da ich ihn suchte, hat er mich erhört,

Hat mich befreit von allen meinen Ängsten.

Die auf ihn schaun, geh'n nie beschämt zurück.

Rief je ein Armer, Gott erhörte ihn,

Er rettet ihn von allen seinen Nöten.

Die Engel Gottes lagern rings im Kreis

Um die, die ihn verehren, — sie zu hüten.

Da schaut nur hin und seht, wie gut er ist,

Heil allen denen, die auf ihn vertrauen!

Wohl darben, hungern mag der Löwen Brut,

Nie fehlt der Segen denen, die ihn suchen.

Kommt Kinder, laßt die Gottesfurcht euch lehren:

Wer ist der Mann, der Lust am Leben hat,

Die Tage liebt um Freude zu genießen?

Wohlan! so wahre Deinen Mund vor Bösem

Und Deine Lippen vor des Truges Wort!

Der Sünde weiche aus, das Gute übe,

Den Frieden suche, folg' ihm emsig nach.

Das Auge Gottes schaut auf die Gerechten,

Sein Ohr ist ihrem Flehen zugewandt.

Doch sieht der Herr auch die, die Böses üben,

Um ihr Gedächtnis aus der Welt zu bannen.

Er hört auf die, die flehend zu ihm rufen,

Von ihrem Leide gnädig sie zu retten;

Denn nahe ist er dem gebrochnen Herzen

Und seine Hilfe dem gebeugten Geist.

Und trifft das Unglück auch den Redlichen,

Von allem Übel macht der Herr ihn frei

Er hütet ihn, daß er nicht Schaden leide,

Daß nicht verletzt sei eines seiner Glieder.

Den Sünder führt die Sünde selbst zum Tode,

Des Frommen Feind versinkt in seiner Schuld;

Die Seelen seiner Diener rettet Gott,

Die ihm vertrauen, quält die Reue nie.

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Psalm 90.

Ein Gebet von _Mose_, dem Manne Gottes.

Gott, Du warst unsere Zuflucht für und für!

Bevor die Berge noch geboren wurden,

Eh' noch die Erde, eh die Welt geschaffen,

Warst Du, Allmächtiger von Ewigkeit,

Du führtest einst das menschliche Geschlecht

Ganz nahe an den Untergang heran.

Dann sprachst Du: „Kehret wieder, Adams Söhne.“

(Denn tausend Jahre sind vor Deinem Auge

Dem Tage gleich, der gestern ist vergangen,

Ja gleich der Wache Wechsel in der Nacht.)

Du strömst sie weg, im Schlaf vergehen sie

Und sind am Morgen frisch in Gras verwandelt.

Und was am Morgen Blüten treibt und sprosset,

Das ist am Abend wieder welk und dürr.

So geh'n auch wir in Deinem Zorn dahin,

Im Deinem Grimme sind wir schnell vernichtet,

Wenn unsere Sünden vor Dich hin Du legst

Und die verborg'nen prüfst vor Deinem Licht;

Es wichen uns're Tage Deinem Zorn,

Es schwänden uns're Jahre wie ein Hauch.

Nur siebzig Jahr sind uns're Lebensjahre,

Und wenn es herrlich ist, so sind es achtzig;

Ihr Stolz, was ist er? Müh' und Nichtigkeit.

Schnell abgeschnitten dann, wir schweben hin,

Wer aber kennet Deines Zornes Macht?

Und wie die Furcht vor Dir und Deinem Grimm,

So lehre auch uns uns're Tage achten,

Auf daß wir uns ein weises Herz erwerben.

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Psalm 91.

Der Du im Schirme des Höchsten, im Schatten der Allmacht verweilest,

Sprich zu dem Herrn: „O, Du bist meine Feste, auf die ich vertraue!“

Er, von verheerender Pest, von der Schlinge wird er Dich retten

Deckt mit dem Fittige Dich, seine Treue ist Schutz Dir und Waffe.

Nimmermehr schreckt Dich die Nacht und die Pfeile, die schwärmen am

Tage,

Seuche nicht, schleichend im Dunkeln, und Krankheit, verderbend am

Mittag.

Dich nur erreichen sie nicht, wenn auch Tausend zur Seite Dir fallen.

Schaust mit den Augen sie an, und die Strafe der Bösen, die siehst Du.

Fürchtest nicht, denn auf dem Herrn, meine Zuversicht, steht dein

Vertrauen;

Unheil erreichet Dich nicht, und es naht Deinem Zelt keine Plage

Denn er befiehlt seinen Engeln, daß überall sie Dich bewachen;

Auf ihren Händen getragen, verletzet kein Stein Deine Füße,

Löwen und Schlangen zertreten magst Du, und einhergehn auf Nattern,

„Ich,“ spricht der Herr, „will ihn retten und schützen, er kennt

meinen Namen,

Höre ihn, wenn er mich ruft, bin bei ihm zur Zeit seines Leides;

Schauen dann soll er mein Heil, gesättigt, befriedigt vom Leben.“

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Psalm 92.

Ein Psalmlied für den Sabbattag.

Wie ist's so schön, dem Ewigen zu danken

Und zu lobsingen Deinem Namen, Höchster!

Am Morgen Deine Gnade zu verkünden

Und Deine Treue preisen in den Nächten

Mit Flöten, Saitenspiel und Harfenklang.

Denn Du erfreust mich, Herr mit Deinen Taten;

Ich jauchze ob der Werke Deiner Hand.

Wie groß, o Gott, sind Deine Wundertaten,

Und Deine Pläne, wie unendlich tief!

Der Unverständige sieht das nicht ein,

Der Tor, der blöde, kann das nicht begreifen.

Wenn auch die Frevler grünen wie das Gras,

Wenn Übeltäter blüh'n — so geh'n sie doch

Der ewigen Vernichtung nur entgegen.

Du, Herr, Du bist in Ewigkeit erhaben.

Und Deine Feinde alle geh'n dahin,

Die Übeltäter stäuben auseinander.

Mein Horn erhebest Du, dem Waldstier gleich.

Mit frischem Öle salbest Du mein Haupt.

Mein Auge schaut an meinen Neidern Schmach

Ich hör's, wenn Bosheit wider mich sich rüstet.

Der Fromme blüht der Palme gleich empor.

Er sprosset gleich der Zeder Libanons.

Im Haus des Ewigen sind sie gepflanzt,

Sie blühen in den Höfen uns'res Herrn,

Sie müssen noch im späten Alter grünen,

Sie müssen frisch und saftvoll immer sein,

Um zu verkünden, daß der Herr gerecht,

Mein Schutzfels, und kein Mangel ist an ihm!

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Heil denen, die in Deinem Hause wohnen, die Dich preisen immerdar! Heil

dem Volke, dem's also geworden, Heil dem Volke, dessen Gott der Ewige ist!

Psalm 145.

(_Ein Loblied Davids._)

Herr, ich will Dich erheben, Du bist König,

Will Deinen Namen preisen für und für.

An jedem Tage, Herr, will ich Dich rühmen,

Will loben Deinen Namen jederzeit.

Denn Du bist groß und angebetet, Herr,

Und Deine Größe, sie ist unerforschlich.

Die Zeiten alle preisen Deine Taten,

Von Deiner Wundermacht erzählen sie,

Vom hohen Glanze Deiner Herrlichkeit;

Sie sprechen stets von Deinen Wunderwerken.

Von Deiner Größe will auch ich erzählen,

Will, so wie sie, ob Deiner Güte jauchzen:

Allgnädig ist der Herr und voller Huld,

Langmütig ist er und von großer Güte

Und freundlich gegen alle, — seine Gnade

Erstreckt sich über alle seine Wesen.

D'rum müssen alle Wesen, Herr, Dir danken,

Sie müssen Dich ob Deiner Güte segnen,

Von Deines Reiches hoher Herrlichkeit,

Von Deiner Macht und Deinen Wundern sprechen,

Den Menschenkindern allen zu verkünden

Von Deines Reiches hoher Herrlichkeit.

Dein Reich, das ist der Ewigkeiten Reich,

Und Deine Herrschaft währet für und für.

Du stützest, Ewiger, die Fallenden,

Du richtest auf die tief Gebeugten alle,

Die Augen aller sind auf Dich gerichtet

Und Du gibst ihnen Brot zur rechten Zeit.

Du öffnest milde Deine Vaterhand

Und sättigst, was da lebt, mit Wohlgefallen.

Du bist gerecht in allen Deinen Wegen

Und gnadenvoll in allen Deinen Taten;

Bist nahe denen, die zu Dir sich wenden,

Erhörest gern, Die Dich in Wahrheit rufen;

Du tu'st den Willen derer, die Dich ehren,

Du hörest und erfüllest ihr Gebet;

Du bist ein Hüter denen, die Dich lieben,

Und Du vernichtest nur die Übeltäter.

Drum sei mein Mund, Herr, Deines Lobes voll,

Und alles Fleisch, es preise Deinen Namen

Von jetzt an bis in alle Ewigkeit.

Wir auch, wir alle preisen Dich, o Gott,

Jetzt und in Ewigkeit. Halleluja!

So nimm denn Du, Herr, mein Gott, den Ausspruch meines Mundes in diesen

Liedern so auf, als ob ich die Gedanken _meines eigenen_ Herzens vor Dir

offenbart hätte. Es will mich bedünken, als ob ich Deinen heiligen Namen

nicht würdiger preisen könnte, als in der Weise, wie es die Tausende

Deiner Bekenner getan haben in Tausenden von Jahren. Du bist heute

derselbe, der Du von je gewesen, Du bist der erste und letzte, und außer

Dir ist kein Gott, darum brauche ich nicht Neues zu ersinnen, um Dich zu

verherrlichen, weil ich es nicht besser tun könnte, als jene erleuchteten

Vorbilder der Gottesverehrung. In ihrem Geiste zu denken und zu fühlen,

das sei meine Aufgabe und mein Bestreben. Amen!

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‎‫נִשְׁמַת‬

Nischmath.

(Dieses Gebet wird auch an allen Hauptfeiertagen gesprochen.)

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Der Odem aller Wesen, die da leben,

Soll preisend Deinen Namen, Herr, erheben,

Und jeder Geist, der denken kann,

Erkenne Dich als König an.

Du bist der König allezeit,

Von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Nur Du — kein anderer ist's je gewesen —

Nur Du allein kannst helfen und erlösen;

Nur Du allein, Du kannst bewahren

Vor Leid und Trübsal und Gefahren.

Von Anbeginn warst Du allein,

Du wirst der Wesen letztes sein;

Du schufest alles, was vorhanden,

Und nichts ist ohne Dich entstanden,

Und fort und fort

Wird nur Dein Wort

Der Welt in ihrem Sein gebieten;

Du leitest sie mit Deiner Liebe,

Um in der Schöpfungen Getriebe,

Die schwachen Wesen zu behüten;

Kein Schlummer kann das Auge Dir bedecken,

Doch Du nur kannst die Schlafenden erwecken,

Den Mund der Stummen machst Du sprechen,

Läßt der Gebundenen Fesseln brechen.

Du stützest die zum Staub Geneigten,

Du richtest auf die Schwergebeugten;

Laß' Dir allein

Uns dankbar sein.

Wenn unser Mund erfüllt von Liedern wäre,

So wie des Wassers voll sind alle Meere,

Und könnte unsre Stimme tönen

So wie der Meereswogen Dröhnen,

Und könnt' um Deines Lobes Willen

Sie selbst den Himmelsraum erfüllen,

Und blickten wir in's Weltenreich

Der Sonne und dem Monde gleich,

Und könnte uns ein Flug gelingen

So mächtig wie mit Adlersschwingen,

Und stiegen wir, gleich der Gazelle,

Auch himmelan mit Windesschnelle:

So könnten wir trotz all' der Gaben,

Nicht Kräfte zur Genüge haben,

Um Dich zu fassen, Dich zu erkennen,

Für Dich das rechte Wort zu nennen,

Wir wären zu gering und klein,

Für eine dankbar Dir zu sein

Von Deinen Gnaden,

Den Myriaden.

Seit, unsre Väter zu erlösen,

Ein starker Helfer Du gewesen,

Seit Du zerrissen ihre Ketten,

Vom Sklavenjoch sie zu erretten,

Seitdem hast Du auch uns, wie diesen,

Dein Heil und Deine Huld erwiesen:

Du hast im Hunger uns erquickt,

Des Segens Fülle uns geschickt,

Und wenn Gefahren

Uns nahe waren,

Wenn Kriegesnot

Uns arg bedroht,

Wenn, matt und krank,

Der Mut uns sank,

Im bösen Tagen,

Voll schwerer Plagen,

Da ließest Du die bösen Zeiten

Vorübergleiten.

Und wie bis heut Barmherzigkeit

Mit Vaterhuld Du uns geweiht,

So achtet ferner Deine Gnade

Auf unsere Pfade.

O Herr! Vor Deinem Angesicht

Verwirf uns nicht.

D'rum beugen wir vor Dir uns nieder.

Dir dienen alle uns're Glieder,

Die Du zum Leibe hast gestaltet.

Und auch der Geist, der in uns waltet

Es dienet diesem Wunderbunde

Der Zunge Kraft in uns'rem Munde,

Sie kann mit ihrem Laut es wagen,

Von Deiner Herrlichkeit zu sagen.

Es spricht der Mund: Dich loben wir,

Und jede Zunge schwört zu Dir,

Und jedes Knie vor Dir sich beugt.

Und jedes Haupt vor Dir sich neigt,

Und jedes Herz ehrfürchtet Dich,

Wir singen Preis Dir inniglich.

So ist es in der Schrift zu lesen:

Mein Geist, mein Leib, mein ganzes Wesen,

Das spricht von Gott: Wer ist Dir gleich

Im Weltenreich?

Es schützet Deine Huld den Armen,

Du schenkst dem Dürftigen Erbarmen,

Daß ihn nicht drängt der Übermut,

Der Starke ihm nicht Leides tut.

Wer will sich Dir zur Seite stellen,

Sich Dir gesellen;

Wer will vermessen

Mit Dir sich messen!

——————

Ja, Du bist Gott! so groß so groß!

So machterfüllt, so fehlerlos!

Du einzig Wahrer!

Du Ehrfurchtbarer!

Erhaben über alle Geister,

Des Himmels und der Erde Meister,

Wir wollen Dich rühmen, wir wollen Dich preisen

Wir wollen Dir dienen und Ehrfurcht erweisen,

Dich heiligend nennen,

Zu Dir uns bekennen,

Und ohne Wanken

Mit allen Gedanken

Nach Dir verlangen,

An Dir nur hangen,

Wie David gesungen, so wollen wir singen:

Dir Ewigem, Einzigem, Huldigung bringen

Soll meine Seele, die aufwärts strebt,

Und all mein Leben, das in mir lebt,

Soll Benedeien den heiligen Namen

Des Herrlichen, Ewigen, Einzigen.

Amen!

——————

Gebet.

———

Herr und Vater! In Deinen heiligen Geboten hast Du die Feier des Sabbates

als eine Pflicht von hohem Range für uns bestimmt. _„Gedenke des

Sabbattages, ihn zu heiligen. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine

Werke verrichten.“_ So lautet das Wort, daß Du vom Sinai gesprochen.

Darum suche ich heute die geweihte Stätte der gemeinsamen Andacht auf,

weil ich den Sabbat heiligen will in der Mitte der Deinen.

Hier, in meinem lieben Gotteshause, vermag das Bewußtsein lebhafter in mir

zu werden, als im bewegten Treiben der Welt, daß Du, Herr, den Sabbat uns

gegeben, damit er eine Wohltat für uns sei. Nur die Einkehr in unser

Inneres führt unseren Geist zurück zur wahren Erkenntnis unseres

Verhältnisses zu Dir, nur die andachtsvolle Erhebung im Gebete stärkt

unser Vertrauen zu Dir und vermindert manches Leid des alltäglichen

Lebens, nur der ausgesprochene Dank für die Gaben Deiner Liebe stellt Dich

uns lebhaft als unsern Hort und unsere Zuflucht dar, nur die demutsvolle

Betrachtung Deiner Größe und Erhabenheit erfüllt uns mit der Empfindung

des Glückes, Bekenner Deiner Lehre, treue Anhänger des wahren

Gottesglauben zu sein. So wird der Besuch des Gotteshauses, das

inbrünstige Gebet, nicht ein Dienst, den wir Dir weihen, sondern eine

Wohltat, die wir genießen, eine Freude, die wir Dir verdanken.

O, Herr und Vater, laß mich immer die Freude und die Befriedigung finden,

die die Feier des Sabbates gewährt. Und wie ich ihn betrachte als den Tag

des Herrn, so will ich auch nie vergessen, daß mit demselben Ausspruche,

der den Sabbat einsetzt, Du auch die Arbeit der sechs Tage uns befohlen

hast.

Nicht einzig und allein um des Leibes Nahrung sollen wir arbeiten, weil es

ja doch töricht ist, zu glauben, daß wir es eben können, denn nicht von

unserer Tätigkeit und von unserer Weisheit hängt der Segen ab, der aus dem

Werke unserer Hände emporwächst, sondern von Deiner Gnade, und alles, was

wir arbeiten und genießen, bleibt, trotz unserer Mühe, ein Geschenk von

Dir.

Aber um Dein Gebot zu erfüllen, sollen wir tätig sein, auf daß wir selber

weiser und erfahrener und unsern Nebenmenschen nützlich werden. Wahrlich,

kein Mensch, dem Du die Kraft zu nützlicher Tätigkeit gegeben hast, ist

der Pflicht ledig, sie auch anzuwenden, selbst wenn der Erdengüter Fülle

ihn nicht zur Arbeit nötigt.

So soll der Sabbattag mir eine doppelte Mahnung sein: daß ich nie und

nimmer vernachlässige, diesen Tag dem Herrn zu weihen durch Gebet und

demutsvolles Hintreten vor meinen himmlischen Vater, und daß ich nie und

nimmer versäume, das Bewußtsein der Pflicht in mir zu erwecken, daß der

Mensch bestimmt ist zu nützlicher Tätigkeit auf Erden. Schenke, mein Gott,

hierzu mir Deine Gnade. Amen!

——————

Beim Herausheben der Thora am Sabbat.

———

‎‫שְׁמַע יִשְׂרָאֵל יְהֹוָה אֱלֹהֵינוּ יְהֹוָה אֶחָד‬

‎‫לְךָ ה׳ הַגְּדֻלָּה‬ Dein, o Herr, ist alle Größe; was unser Auge und

unser Gedanke durchmessen kann, ist nichts vor Dir. Dein, o Herr, ist alle

Macht; alle Wesen und alle Welten sind von Deinem Willen abhängig, Dir

dienen alle Kräfte der Natur und gehorchen Deinem Winke. Dein, o Herr, ist

alle Herrlichkeit; der Himmel und die Erde und alles, was sie schmücket,

ist Dein Werk. Dein, o Herr, ist alle Majestät, die sich offenbaret in den

Wolken droben, auf der Feste der Erde und in den Fluten des Meeres. Du

bist König, Dein ist die Herrschaft, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Erhebet den

Ewigen, unsern Gott, und beuget Euch zum Staube vor ihm; denn er ist

heilig. Erhebet den Ewigen, unsern Gott, und beuget Euch vor dem Berge

seiner Herrlichkeit; denn heilig ist der Ewige, unser Gott.

‎‫אַב הָרַחַמִים‬ O Vater der Barmherzigkeit! Erbarme Dich des Volkes

Deiner Treuen, gedenke Deines Bundes mit den festen Säulen der

Glaubenstreue. Hüte unsere Seele vor bösen Stunden; laß an uns nicht

herannahen böse Begierde und Versuchung, sei immerdar unser Retter aus

Gefahren und erfülle die Wünsche unseres Herzens, so sie Dir angenehm

sind. Amen!

——————

Gebet bei Verkündigung des Neumondes.

(Aus dem Gebetbuch von _Kämpf_.)

———

Möge es Dein Wille sein, Ewiger, unser Gott, und Gott unserer Väter, daß

Du uns neu werden lassest den kommenden Monat zur Wohlfahrt und zum Segen!

Gib uns langes Leben, ein Leben des Friedens und des Wohlergehens, reich

an Erwerb und rüstiger Gesundheit; ein Leben voll Gottesfurcht und

Sündenscheu, frei von Beschämung und Schande; ein Leben, erheitert durch

Wohlstand und Ehre, veredelt durch fromme Werke und gottgefällige

Handlungen; ein Leben, in welchem unsere Herzenswünsche nur dann in

Erfüllung gehen mögen, wenn sie uns zum Heile sind. Mögen dieses die

vereinten Gebete der Gemeinde erflehen! Amen! Selah!

Dasselbe.

(Aus dem Gebetbuche von _Geiger_.)

Mein Gott! Laß mich den Anfang und das Ende des kommenden Monats erleben

in Kraft und Gesundheit! Sende mir (meinen Eltern) Deinen Beistand, daß

ich (sie) an ihm für meine (ihre) Bedürfnisse zu sorgen vermag (vermögen)

in Redlichkeit und Ehren! Halte fern von mir und den Meinigen Gefährdung

und Beschämung! Mögen die Wünsche meines Herzens in ihm erfüllet werden,

so sie Dir, o Herr, wohlgefallen. Dein Reich der Wahrheit und der Liebe

werde im Laufe desselben gefördert, auf daß die Zeit der frohen Verheißung

immer näher an uns heranrücke: Ein Vater im Himmel, eine Bruderfamilie auf

Erden! Amen!

II. Gebete für die Freudenfeste.

‎‫שָׁלשׁ רְגָלִים‬

1. Das Passahfest.

.‎‫פֶּסַח‬

——————

Festbetrachtung am Passahfeste.

———

„Also solltet ihr das Peßachopfer genießen: eure Lenden gegürtet, Schuhe

an den Füßen, den Stab in der Hand.“

Die Stunde der Befreiung schlug. Zu Ende war die entwürdigende

Sklavenarbeit in Mizrajim; tief atmete die Brust und hoffnungsfreudig

blickte das ungetrübte Auge in eine glückliche Zukunft. Das rauhe

Scheltwort grausamer Vögte war verstummt. Wie im Traume vernahm das

neugeborene Volk die Heilsbotschaft von Gottes Rettung und Befreiung. Und

auch uns klingt heute das Freiheitslied aus weiter, weiter Ferne entgegen,

verkündet Gottes Kraft und Allmacht, Gottes Gnade und Güte. Andachterfüllt

versenken wir uns in die Erinnerung an jenen großen Tag, an dem die

befreiten Scharen Israels das Land der Knechtschaft verließen, die Lenden

gegürtet, den Stab in der Hand. Schutzengel beschied der Allgütige, wie

unsere alten Lehrer melden, an jenem Tage für alle Zeiten und Schicksale

der Geschichte, die wir zu erleben bestimmt gewesen sind. Dem Volke, das

mit Glaubensmut umgürtet war und den frommen Pilgerstab in treuen Händen

trug, sollten sich Völker und Geschlechter gerüstet entgegenstellen. Doch

wir fürchteten nichts. Denn der Ewige sprach: „Ich rüste meinen Engel und

gürte ihn mit goldenem Rüstzeug.“ Er stand schirmend an des Schilfsmeeres

Ufern; er zog schützend durch die Schrecknisse der Wüste; er breitete

seine Fittige über die Väter, als sie das verheißene Land betraten. Er

begleitete Israel, das Land und Thron verloren, in die Verbannung; er zog

mit den versprengten, trauerumhüllten, gramgebeugten Brüdern und

Schwestern, die über zerstörte Heiligtümer heiße Tränen vergossen, hinaus

in alle Welten bis an der Erde Enden. So „führtest Du das erlöste Volk in

Deiner Gnade, leitest es durch Deine Kraft an Deine heilige Stätte.“ Und

immer, wenn der verjüngende Strahl der Frühlingssonne die Keime zu

lebendiger Triebkraft weckt, wenn die „Blütenboten im Lande gesehen und

liebliche Vogelsänge vernommen werden“, gedenken wir der Befreiungstage

und feiern freudeerfüllt das Überschreitungsfest Noch immer ist unsere

Lende gegürtet, noch immer ist der alte, treue Stab in unsrer Hand. Er

soll uns nie und nimmer entfallen. Noch haben wir nicht das Recht, den

Schuhriemen zu lösen; wir sind noch nicht am Ziele unserer

Weltenwanderung. Noch harrt ein Teil der Menschheit auf Erlösung durch den

Glauben an den Einzigen; noch die ganze Menschheit auf die Befreiung aus

dem Sklavendienst der Selbstsucht, des Hasses und des seelenerniedrigenden

Kampfes um ein menschenwürdiges Leben. Wir stehen noch nicht auf dem

geheiligten Erdreich anerkannter Menschenwürde aller Menschenbrüder. Die

„Leiden Mizrajims“ sind allzumal noch nicht geheilt. Wir aber preisen

Dich, Allgütiger, als den Erlöser. Du hast uns die Freiheit gegeben. Im

ewig währender Dankbarkeit begehen wir dieses Fest der Befreiung; wir

genießen das ungesäuerte Brot der Armut, das uns an Mizrajims Elend

gemahnt und von den Leiden unsrer Ahnen erzählt; das Bitterkraut, das alte

Not und gegenwärtige Entbehrung in Erinnerung bringt. Wir dürfen, können

nicht vergessen; denn jeder Tag und jedes Fest ist uns der Zuruf: „Gedenke

des Auszuges aus Mizrajim.“ So ist bis zu dieser Festesstunde unsere Lende

festgegürtet geblieben; wir zweifeln nicht an Deiner Vorsehung und Güte;

unser Fuß ist standhaft und dauernd auf dem Boden des Glaubens; unsere

Hände halten den Stab fest, den Du in sie gedrückt hast. „Ich weiß, daß

mein Erlöser lebt.“ —

——————

Beim Eintritt in das Gotteshaus.

(An Festtagen oder bei festlicher Gelegenheit.)

———

Sei mir gegrüßt, du liebliche Stätte, die meine Sehnsucht aufsucht am

Feste des Herrn! Mit Freude und Ehrfurcht betrete ich das Gotteshaus, denn

es ist der Ort des Friedens. Hier empfindet der Geist ein süßes

Heimatsgefühl denn er ist im Vaterhause. Hier fühlt das Herz sich leicht

und froh, denn Freude und Leid bleiben nicht in ihm verschlossen. Die

Gedanken des Herzens vor geliebten Menschen aussprechen, ist Freude und

Befriedigung, sie aber vor Gott offenbaren, den ich über alles liebe und

anbete, das ist Belebung und Wonne. Sei mir gegrüßt, du liebe, heilige

Stätte! Du warst von je die Zeugin meines Jubels und meiner Betrübnis,

meines Kummers und meines Dankes gegen Gott, und Du sollst es ferner

bleiben, solange Gott es mir vergönnt auf Erden. Amen!

——————

Gebet am Vorabend des Passahfestes.

———

Allgütiger, Allmächtiger! Dich, als den wundertätigen Wohltäter unserer

Väter zu preisen und als den wundertätigen Wohltäter all' ihrer Kinder,

Deines ganzen Volkes Israel in allen Geschlechtern und eben so als den des

ganzen Menschengeschlechtes, darum feiern wir heute zu Deiner Ehre das

Fest der Befreiung. Und es ist dieses Fest der Befreiung zugleich das Fest

des anbrechenden Frühlings. Wie Du wundertätig stets gewirkt hast in der

Geschichte der Menschheit, so wirkst Du ebenfalls in der Natur zum Heile

der Menschen.

Lang und düster war der Winter unserer Väter in Ägypten, die Eisdecke

harten Druckes, die Strenge kalter Grausamkeit lasteten auf ihrem

Schicksal und die finstere Nacht der eigenen Kraftlosigkeit und

Verkommenheit umhüllte mit dichtem Gewölk ihren Geist. Du aber, Herr, hast

des Bundes gedacht, den Du mit ihren Vätern geschlossen, und hast sie

herausgeführt aus der Knechtschaft in die Freiheit, aus der Unterdrückung

in die Erlösung, aus der Finsternis zum hellen Lichte. Und Israel ist ein

Volk geworden, und das Volk ist die Pflanzstätte der Erkenntnis Deines

heiligen Namens geworden, daß er verbreitet werde auf Erden und alle

Völker der Erde zu Dir sich wenden, daß auch sie befreiet werden aus der

Nacht des Wahnes und des Irrglaubens, um sich zu vereinigen im Reiche des

Lichts und der Wahrheit. Darum, o Herr, feiert unser dankbares Herz Dir

heute das Fest der _Befreiung_.

Und wenn wir um uns schauen, auf unsere eigenen Tage und auf das Leben,

das uns umgibt, o dann feiert auch unsere Seele ein Befreiungsfest und

preiset in Fröhlichkeit Deine ewige, wohltätige Wundermacht. Lang und

düster war der Winter, den wir durchlebt, erstarrt und kalt ruhete vor uns

die Erde, entkleidet der Pracht, mit der Deine Güte sie geschmückt hatte.

Da hast Du Dein schöpferisches Befreiungswort aufs neue gesprochen, und

wieder belebt sich die Natur um uns her, und wieder zieht mit doppelter

Gewalt die Erkenntnis Deiner Liebe und Deiner Größe in unsere Brust, und

alles, was da lebt, feiert in Wonne das Fest der _Befreiung_.

O Herr! so möge es auch Dein Wille sein, daß Du uns immerdar befreien

mögest von allem, was uns bedrückt und ängstigt. Befreie uns von den

Banden des Unrechtes und der Torheit, befreie uns von den Schlingen des

Unglücks und des Leides, sooft sie uns drohen, auf daß wir fröhlichen

Herzens Dir immerdar danken für die Freiheit und für das Wohlsein unseres

Leibes und unseres Geistes. Amen!

——————

Seder.

Betrachtung.

———

„Ma nischtanna.“ „Wodurch ist diese Nacht ausgezeichnet?“ Wer in Israel

kennt diese kindliche Frage nicht? Wem klingt sie nicht traulich und

feierlich wie eine schöne, sanfte Weise aus grauer Vorzeit? Vor tausend

Jahren hat sie der Jüngste der Hausgenossen an den Vater gerichtet, wie

heute. Wie heute? Ist denn der Sederabend wirklich noch in den Zelten

Jakobs heimisch? Wehmütig bekennen wir, daß die seelenvolle Poesie dieses

ebenso zartsinnigen wie ehrwürdigen Familienfestes in vielen, vielen

jüdischen Häusern nicht mehr zu finden ist.

Festlich erleuchtet ist die Stube; selbst der Ärmste der Gemeinde hat an

diesem Abende seine Festlichter, seinen sauber gedeckten Tisch. Denn

Pflicht der Besitzenden ist es, wie stets, so ganz besonders heute dafür

zu sorgen, daß der Besitzlose mitfeiern könne das Peßachfest. „Jeder

Hungrige komme und esse mit; jeder Bedürftige komme und feiere Peßach mit

uns.“ Das ganze Haus ist feierlich gestimmt. Es ist, als ob der Geist der

Geschichte leise durch alle Räume ginge und mit sanfter Hand alles Geräte

berührte. Hergerichtet ist die gebotene Ordnung des „Seder“. Denn „Seder“

das ist Ordnung. Kiddusch, die heilige Festesweihe und Festesverkündigung

ist der erste Schritt in das stimmungsvolle Heiligtum des Abends. Der

erste Becher wird getrunken, der Becher der „Erlösung“, dem im Verlauf des

Abends die Becher der: „Rettung“, „Befreiung“ und „Erwählung“ folgen. Die

Erzählung der „Haggadah“ ist angenehm eingeleitet und unterbrochen von

heiligen Gebräuchen und Anwendung von Symbolen, die alle ihren wertvollen

Sinn, ihre sinnige Bedeutung haben. Auf silberner oder hölzerner Platte

steht das bittere Kraut des _Maror_, Lattich und Meerrettig; sie sind

Erinnerung an unserer Ahnen Bitternis in ältester Ägypterzeit und später;

uns selbst oft genug ein Mahnruf in lebendigster Gegenwart. Des

_Chorauseth_ bräunliche Masse erinnert an den Lehm und Ton, aus dem die

Väter in Mizrajim Ziegel geformt. Das _Bratfleisch_ ist ein trauriger

Rest, der kaum mehr an einst reiche Opfermahle und duftiges Peßachlämmchen

erinnert; das Ei, die Trauerspeise, ruft uns zu: Denke daran, daß der

Trauertag des neunten Ab auf denselben Wochentag fällt, wie der erste

Sederabend. Das wichtigste Zeichen jedoch ist die „Mazza“, „das Brot der

Armut“, das Brot, das so unendlich viel von ertragenen Leiden und

erfahrenen Freuden erzählen könnte. Die symbolischen Handlungen sind von

den Aggadahberichten begleitet, von Lobpreisungen und Segnungen. Die

kindlichen Fragen nach der besonderen Auszeichnung des Abends werden vom

Familienoberhaupte mit einer kurzen Erzählung der Vätergeschichte und der

Befreiung aus Mizrajim erwidert. — Die vier charakteristischen Gestalten

des „Weisen, Bösen, Schlichten und Unmündigen“ werden lebendig vorgeführt

und die Erlösungsgeschichte an der Hand alter Überlieferungen des

talmudischen Schrifttums dargestellt. Die zehn ägyptischen Plagen ziehen

an uns vorüber und daran knüpft sich die Klarlegung der Bedeutung der drei

Hauptzeichen des Festes: Peßach, Mazzah und Maror. _Hallel_, das herrliche

Loblied erklingt mit seinen erhabenen Gedanken und Weisen. Dann

unterbricht die Festmahlzeit den „Seder“. Am Schlusse der Mahlzeit jedoch

wird jedem Teilnehmer ein Stückchen Mazza „als Afikomon gereicht und wir

gedenken Eliehus“, des Propheten, in dem wir den erhofften Messias

willkommen heißen wollen und für den wir den „Eliehu-Becher“ auf dem

Tische gerüstet haben. Der andere Teil der Hallel-Psalmen schließt sich

daran, das große Dankgebet und das herrliche „Nischmath“, das für diesen

Abend verfaßt ward. — Liebliche Lieder, die Bedeutung des Festes besingend

und Gottes Allmacht in der Welt und seine in unserer Geschichte bewährte

Güte preisend, bilden den Schluß des Sederabends, den wir nicht ohne

wehmütige Erinnerung an Jerusalem beenden.

So reiht sich an diesen Abend die Übung schöner, sinniger Bräuche

aneinander. Alle Glieder der Familie haben sich freudig vereint und auch

bedürftige Fremde als Gäste sitzen im Kreise der Feiernden.

Ruhig legen wir unser Haupt zum Schlummer in der „Nacht der Bewachung“

nieder. Denn siehe, „es schläft und schlummert nicht der Hüter Israels“.

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Morgengebet am Passahfeste.

(Vorher Nischmath, siehe Seite 19.)

———

_Du, Herr, bist der Ewige, unser Gott, der uns aus dem Lande Ägypten

geführt hat, aus dem Hause der Knechtschaft._

In diesem Bekenntnis vereinigen sich all' die Gedanken, die der heutige

Festtag in uns wachruft, daß wir, beseelt von ihnen, fähig seien, Dich zu

preisen als den _Unendlichen, den Allmächtigen und Allgütigen_.

_Ja, nur der Ewige ist unser Gott_! Torheit und Nichtigkeit, Wahn und

Aberglaube wären alle unsere Vorstellungen von Dir, wollten wir Dich nicht

als den Ewigen anerkennen, der erhaben ist über alle Zeit. „_Der Ewige ist

unser Gott_,“ das ist die würdigste Bezeichnung Deiner Größe. Das allein

gibt mir die Überzeugung, daß mein Gott der wahre Gott ist. Sind bei dem

Gedanken an Dich die Schranken der Zeit gefallen, was hindert mich noch,

auch die Schranken des Raumes fallen zu lassen, zu glauben, daß Du

allgegenwärtig bist, daß kein Gott neben Dir und außer Dir vorhanden ist,

daß Du _einzig_ bist? Was hinderte mich noch, auch die Schranken der

Vollkommenheit vor Dir als nicht vorhanden anzunehmen, zu glauben, daß Du

_allwissend_ und allweise bist? Ja, ist nur der _Ewige_, mein Gott, so

sind zwar alle Grenzen überschritten, die Dich meinem Geiste faßbar

machen, aber in meinem Gemüte fühle ich Dich um so stärker und preise Dich

in Demut als den _Unendlichen_.

_Du hast uns aus dem Lande Ägypten geführt_. Ist's nichts mehr als ein

Ereignis, das die Geschichte uns aufbewahrt hat, um uns Zeugnis davon zu

geben, wie das Geschlecht unserer Stammväter, unterdrückt von der Gewalt

fremder Herrscher, sich zum freien Volke gestaltet hat? O nein, das

Bekenntnis, daß Gott uns aus Ägypten geführt, lehrt uns ihn selbst

erkennen, als den allmächtigen Herrn der Welt, der da gebietet über die

Herzen der Menschen und über alle Kräfte der Natur.

Ja, Ewiger, Deinem Befehle gehorcht die Erde und das Meer, Du gebietest

den Tieren des Feldes und den Wolken des Himmels, Du bist Herr über Leben

und Tod, über Licht und Finsternis, in Deiner Hand sind alle Dinge, und

unmöglich ist nichts vor Dir. Denn alle Wesen der Körperwelt und alle

Kräfte der Natur sind hervorgegangen aus Deinem Willen, Du leitest die

Welt und hast sie erschaffen, und hast Deine Macht herrlich bewiesen, als

Du mein Volk aus dem Lande Ägypten geführt, denn Du, Ewiger, bist der

_Allmächtige_.

_Du hast uns befreit aus dem Hause der Knechtschaft_. Nicht war es die

Frömmigkeit des unterdrückten Sklavenvolkes, die der Befreiung sie würdig,

nicht war es ihr Mut und ihr Freiheitsdrang, der zur Befreiung sie reif

gemacht hätte, nicht war es ihre Einsicht, die sie die Sehnsucht empfinden

ließ, Gott dem Herrn, zu dienen, unabhängig von dem Drucke der Heiden, im

Lande der Götzendiener, und Deine Gnade hat sich dennoch ihrer erbarmt. Du

sahest nicht auf ihre Würdigkeit, Du sahest auf ihr Elend; Du gedachtest

des Bundes, den Du mit Abraham, Isaak und Jakob geschlossen, und

erfülltest Deine Verheißung, Du führtest ihre Nachkommen dem höchsten

Glücke entgegen, das je die Menschen erfahren, dem Glücke, Deine heilige

Lehre zu empfangen, den Urquell aller Tugend auf Erden. Das alles hat

Deine Güte getan, denn Du, Ewiger, bist der _Allgütige_.

An diesem Gedanken will ich mich erbauen am heutigen Feste des Auszuges

aus Ägypten, daß Du, Ewiger, bist der _Unendliche, der Allmächtige, der

Allgütige_. Amen.

——————

‎‫הַלֵּל‬

Die Hallel-Psalmen.

(Dieses Gebet wird auch am Wochen-, Hütten- und Schlußfeste gesprochen.)

———

_Segensspruch_: Gelobt seist Du, Ewiger, unser Gott, König der Welt! Mit

Freudigkeit erkennen und vollbringen wir unsere Pflicht, Dich zu preisen

in den Gesängen des „Hallel“.

‎‫הַלְלוּ יָהּ ‬ Psalm 113.

Lobt den Herrn, ihr Diener Gottes, preiset seine Herrlichkeit!

Segnet seinen heil'gen Namen, heut' und bis in Ewigkeit!

Lobet dort ihn, wo die Sonne ihre Himmelsbahn besteigt,

Lobt ihn dort, wo sie am Abend wieder sich zur Ruhe neigt,

Hoch erhaben über Menschen Gottes Pracht am Himmel wohnt!

Wer noch gleichet uns'rem Gotte, der so hoch erhaben thront!

Doch der Große schaut das Kleine, schaut ins Kleinste tief hinein,

In dem Himmel und auf Erden ist dem Großen nichts zu klein.

Und er schaut auch auf die Menschen, sieht auf der Bedrängten Leid,

Hilft dem Armen aus dem Staube, zieht ihn aus der Niedrigkeit,

Ihn zu setzen neben Fürsten. Um des Daseins sich zu freu'n,

Setzt er auch die Unfruchtbare als des Hauses Mutter ein.

——————

‎‫בְּצֵאת יִשְׂרָאֵל‬ Psalm 114.

Als Israel gezogen war aus dem Ägypterlande,

Als Jakobs Haus sich frei gemacht von Sklaverei und Schande,

Hat Gott, der Herr, Jehuda sich als Heiligtum erlesen,

Und seiner Herrschaft Untertan ist Israel gewesen.

Da floh das Meer, der Jordan wich, es schwand der Wasserspiegel,

Die Berge hüpften Widdern gleich und Lämmern gleich die Hügel,

Was ist dir, Meer, daß du entweichst? Du, Jordan, bist verronnen?

Was ist gescheh'n euch Bergen, daß zu hüpfen ihr begonnen?

Der Welten Herr ist Jakobs Herr, vor ihm erbebt die Erde

Er ist es, der dem Stein befiehlt, daß er zur Quelle werde.

——————

‎‫לֹא לָנוּ‬ Psalm 115.

Nicht wegen uns, o Herr! um Deiner Güte Willen,

Laß Deines Namens Ruhm die ganze Welt erfüllen.

Was sollen ferner noch die Heiden höhnend fragen:

„Wer weiß den Aufenthalt von ihrem Gott zu sagen?“

Ja wahrlich! unser Gott erfüllt die Himmelsweiten,

Und alles, was geschieht, kann nur sein Wille leiten.

Doch Silber ist's und Gold, und Werk von Menschenhänden

Nur eitle Bilder sind's, wohin ihr Herz sie wenden.

Die haben einen Mund und müssen ewig schweigen,

Und ihrem Auge ist die Nacht der Blindheit eigen,

Und ihren Ohren kann sich nie der Laut verkünden,

Auch ihre Nase hat vom Dufte kein Empfinden,

Sie haben Hände wohl, sie taugen nicht zum Fassen

Und ihre Kehle hat noch nie ein Ton verlassen.

Und wie sie selber sind, sind die, die sie erbauen:

Die Toren, die dem Werk der eignen Torheit trauen.

Doch Israel vertraut nur auf den Herrn, den wahren,

Des Güte, Schutz und Macht sein Volk so oft erfahren;

O, trauet fort und fort, als Priestervolk und Lehrer!

O, trauet fort und fort, ihr wahren Gottverehrer!

——————

‎‫יְיָ זְכָרָנוּ‬ Psalm 115 (Fortsetzung).

Es denkt an uns der Ewige mit seines Segens Spenden,

Um sie dem Hause Israels und Ahrons zuzuwenden;

Und alle, die in seiner Furcht gerecht vor ihm erscheinen,

Sie alle, alle segnet Gott, die Großen und die Kleinen.

So mehre sich sein Segen euch, so soll er nie sich mindern,

So wie der Herr ihn zugedacht nur seinen Lieblingskindern:

Daß seine Gnade jederzeit an euch gefunden werde.

So will es unser Gott, der Herr des Himmels und der Erde,

Und kann sich auch des Menschen Kind zum Himmel nicht erheben,

Die Erde ist sein Eigentum, die hat ihm Gott gegeben.

Die in des Todes Stille ruh'n, sie können Gott nicht loben,

Von _uns_ sei ein „Halleluja“ zum Ewigen erhoben!

——————

‎‫אָהַבְתִּי‬ Psalm 116.

Wie bin ich froh! der Herr erhört mein Flehn, das ich erhoben,

Hat gnädig mir sein Ohr geneigt, drum will ich stets ihn loben.

Ergriffen mich auch immerhin die Angst, der Tiefe Schrecken,

Und sollten Not und Trübsal auch nach mir die Arme strecken,

Dann ruf ich aus: „O hilf, mein Gott, sei gnädig doch mir Armen!“

Allgnädig ist der Herr, mein Gott, ist voll, ist voll Erbarmen.

Die ratlos sind, den' hilft der Herr, bis daß sie Rettung fanden

Ich war so elend! Siehe da! er hat mir beigestanden.

So kehr' zur Ruhe nun zurück, du Seele mein, du trübe,

Es hat der Herr dir wohlgetan in seiner Vaterliebe.

Du hast vom Tode mich befreit, getrocknet meine Tränen.

Nicht darf ich fürder meinen Fuß umstellt von Schlingen wähnen.

Ja, wandeln will ich vor dem Herrn im Lande nun des Lebens,

Und spräch ich jetzt: „ich leide sehr“, ich spräch es aus vergebens,

Wer glaubte es? Und als ich's sprach, war ich vom Schein betrogen,

In Übereilung ist vom Trug des Menschen Blick umzogen.

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‎‫מָה אָשִׁיב‬ Psalm 116 (Fortsetzung).

Wie soll ich doch dem Herrn vergelten, der so viel Gutes mir erwiesen?

Den Kelch des Heils will ich erheben, sein Name sei durch mich

gepriesen!

Vor aller Welt will ich's verkünden, wie ich gelobt, so will ich

handeln.

Bei Gott ist schwer der Tod der Frommen, die treu in seinen Wegen

wandeln.

Auch ich, Dein Knecht, o Herr, ich hatte vor Dir mich bittend

eingefunden,

Ich, Knecht, Sohn Deiner Magd; Du hast der Fesseln gnädig mich

entbunden.

Drum bring' ich Dir des Dankes Opfer, drum will ich Deinen Namen

preisen,

Und mein Gelöbnis will ich halten und vor der Welt es laut beweisen.

Ich möchte lenken zu den Höfen des heil'gen Tempels meine Schritte!

„Nun lobet Gott!“ so möcht ich rufen, Jerusalem, in Deiner Mitte.

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‎‫הַלְלוּ אֶת ה׳‬ Psalm 117.

Lobet Gott, ihr Völker alle, seid zu rühmen ihn bereit,

Mächtig waltet seine Gnade, seine Treu' in Ewigkeit. Halleluja.

——————

‎‫הוֹדוּ‬ Psalm 118.

Danket dem Herrn, denn er ist gütig,

Und seine Huld währet ewig!

Singe also, Israel,

Denn seine Huld währet ewig!

Singe also, Ahrons Haus,

Denn seine Huld währet ewig!

Singt, ihr Gottverehrer alle,

Denn seine Huld währet ewig!

In Angst rief ich die Gottheit an, der Gottheit Antwort schuf mir Raum.

Der Herr ist mein, ich fürchte nichts. Was kann ein Mensch mir tun! Der

Herr ist mein und steht mir bei; ich werde Lust an Feinden schauen. Besser

ist, dem Herrn vertrauen, als auf Fürsten sich verlassen. Laßt alle Heiden

mich umgeben; beim Ewigen! ich vernichte sie; hier umgeben, dort umgeben,

beim Ewigen! ich vernichte sie; wie Bienen umschwärmen, wie Dornenflammen

umlodern beim Ew'gen! ich vernichte sie! Wenn alles zustürmt, mich zu

stürzen, der Ew'ge steht mir bei. Er ist mein Sieg, mein Saitenspiel, er

ward mir zum Triumph. Freudenruf, Siegeslied schallt in den Hütten der

Tugendverehrer, die Rechte des Herrn erkämpft den Sieg. Die Rechte des

Herrn, sie ist erhaben, die Rechte des Herrn, die den Sieg erkämpft.

Nein! noch sterb' ich nicht, ich lebe, Gottes Taten zu erzählen,

Straft er auch, so will er dennoch nicht den Tod für mich erwählen;

Öffnet mir der Tugend Pforte, will hineingehn, ihm zu danken,

Solch ein Gottestor betreten, die nicht in der Tugend wanken,

Dank Dir, Herr, in Deiner Strafe ließest Du mein Heil mich schauen,

Eckstein ist der Stein geworden, den verwarfen, die da bauen.

Solches ist vom Herrn geschehen, können wir es gleich nicht fassen:

Diesen Tag hat Gott gegeben und zur Lust uns werden lassen.

O Ewiger! steh' uns bei!

O Ewiger! steh' uns bei!

O Ewiger, beglücke!

O Ewiger, beglücke!

——————

Willkommen im Namen des Herrn! Wir, aus dem Tempel des Herrn, wir segnen

Euch!

Allmächtig ist der Ewige, der uns den Tag erscheinen läßt.

Mein Gott bist Du, Dir will ich danken; Du, mein Herr, Dich will ich

erheben!

Danket dem Herrn, denn er ist gütig, und seine Huld währet ewig!

——————

Beim Herausheben der Thora am Passahfeste.

(Dasselbe am Wochen-, Hütten- und Schlußfeste.)

———

*O Ewiger! Ewiger! Barmherziger Gott! Du bist der Allgnädige, langmütig

und von unbegrenzter Huld und Treue, der seine Gnade bewahret bis ins

tausendste Geschlecht, der Missetat, Abfall und Sünde vergibt und den

Übeltäter losspricht.*

(Dreimal.)

Herr des Weltalls! o erfülle die Wünsche meines Herzens, so sie zu meinem

Heile gereichen; willfahre meinem Verlangen und erhöre meine Bitte, erhöre

mich, Deine Magd, die so gering sich fühlt. O läutere mich, mit

aufrichtigem Herzen Deinen Willen zu vollführen, rette mich vor den

verderblichen Schlingen der unlauteren Begierde und der bösen

Leidenschaft. Gib mir und den Meinigen das Heil, das Deine heilige Lehre

den Gerechten zuspricht. Läutere uns alle, damit Dein Geist auf uns ruhe.

Erleuchte uns mit dem Geiste der Weisheit und der Einsicht, daß an uns die

Verheißung erfüllet werde: „Und es wird auf ihm ruhen der Geist Gottes,

der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und des

Mutes, der Geist der Erkenntnis und der Gottesfurcht.“

O, möge es Dein Wille sein, mein Gott und meiner Väter Gott, daß ich

tugendhaft werde und bleibe und immerdar dem Edlen ergeben sei, und daß

ich den Weg der Redlichen vor Dir wandle.

Laß' uns alle die Heiligkeit des Wandels suchen nach Deinen Geboten, damit

wir eines langen Lebens in dieser Welt und eines seligen Lebens in der

Ewigkeit würdig befunden werden. Bewahre uns vor bösen Taten und vor bösen

Zeiten, die mit Ungestüm die Welt heimsuchen.

Wer auf Gott vertraut, dem ist seine Gnade nahe. Amen.

‎‫שְׁמַע יִשְׂרָאֵל יְהֹוָה אֱלֹהֵינוּ יְהֹוָה אֶחָד‬

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Hanna: Gebet- und Andachtsbuch für israelitische Frauen und Mädchen · 第 20 / 28 题