II.

Die ersten Wochen der Krillschen Ehe verliefen--wenn man so sagen

darf--unterirdisch glücklich. Mit Hilfe Bekannter fand Anna schon

einige Tage vor ihrer Hochzeit eine annehmbare, freundliche

Dreizimmerwohnung in einem anderen Viertel. Mit den Ersparnissen

Johanns wurden Möbel auf Teilzahlung beschafft und zum Schluß hatte

man, weiß Gott wie, noch Geld übrig. Man sah das Paar nicht mehr in

der alten Gegend. Außerdem vermied es Johann auf der Straße, Leuten,

die er zu kennen glaubte, zu begegnen. Furchtsam wich er aus, machte

große Bogen vor früheren Bekannten, ja, scheute sogar nicht,

ihrethalben große Umwege zu machen. Zu Hause erst, in der Verborgenheit

der vier Wände, kam Beruhigung über ihn. Mit zufriedenem Gefühl

durchtappte er immer wieder die Räume und bestaunte seine Habschaften

und am Ende stand er stets mit verschwommenen Augen vor seinem ständig

adrett gekleideten, beweglichen Weib.

Vorerst dachten die beiden nicht ans Verdienen. Mit tausend

Kleinigkeiten verzettelten sich die Tage. Es gab kein geregeltes

Dahinleben mehr, keine bestimmte Mittagszeit, kein Weckerläuten in der

frischen Frühe, keine Müdigkeit am Abend. Die Nacht war kurz, lästig

kurz und oft noch um zehn Uhr vormittags verdüsterten die

herabgezogenen Jalousien das dumpfige Schlafzimmer. Und man blieb

liegen und liegen.

Mit der bewußten Neugier, mit der wilden, noch einmal völlig

auflodernden, durstigen Liebe erfahrener Frauen, über die das zu frühe

Altern schon ihre ersten Schatten geworfen, liebte Anna Johann. Jede

ihrer Bewegungen, jedes Wort waren eine stumme, begehrende Aufforderung.

Ihre Nähe benahm den Atem, zerrüttete die eben gefaßten Gedankengänge.

Wie eine warme, unsagbar wohltuende Gischtwelle ergoß sich ihre

Atmosphäre unaufhörlich über Johann.

Er _war_ nicht mehr!

Zerschmolzen, zerronnen liefen die Zungen seiner Brunst ohne Unterlaß

üher das Meer ihres Körpers.

Zur freundlichen Erinnerung · 第 56 / 61 题