Und in acht Tagen?--

Raming rülpste, ließ den Kopf haltlos auf seine Brust herabgleiten,

sank zusammen und schlief ein.

"Der ausgewundene Strumpf zieht sich in die Vorhaut zurück!" rief Högl

breit, überprüfte unbemerkt die Gesichter der ändern.

"Die Inspiration kommt im Schlaf!" warf der Millionär beiläufig him.

"Weißt du, Anton," sagte die Diva schnell und aufgeräumt, "ein

Spielchen wäre jetzt richtig angebracht!"

"Ein Bakkarat?--Ja, das wär' jetzt sehr nett!" sagte der Maler Kotlehm

ebenso.

"Sehr richtig! Gewiß die Damen! Gewiß die Herren! Die Dammenherren,

die Herrendammen!" plapperte Högl und verbeugte sich wie ein Lakai:

"Adam Högl übernimmt die Saufregie, bitte, bitte meine Herrschaften,

bitte!"

Das Schnarchen Ramings sägte friedlich und gleichmäßig. Yvonne,

Kotlehm und der Millionär setzten sich um das Spieltischchen, legten

die Banknoten in die Mitte.

"Prost, Herr Kunstmaler, Herr Kotstengel!" rief Högl hämisch, hob das

volle Sektglas und schluckte hastig den ganzen Inhalt hinunter.

Van Haarskerk gab die Karten.

Högl, der nicht spielen konnte, ging auf und ab und brümmelte leise

singend vor sich him. Von Zeit zu Zeit lugte er flüchtig auf den

getürmten Haufen der Banknoten, die sich in der Tischmitte sammelten.

Lässig zog man die Scheine weg oder warf neue him.

Mattblauer Tag lag schon auf den Gesimsen. Die Gärten draußen

bleichten. Stare zwitscherten leise auf. Tau stieg von der Erde hoch.

Unbehaglich tappte Adam Högl auf und ab, schielte manchmal auf die

Spieler, dann wieder durch die Fenster.

Lästig! Die Umstände hatten einen kaltgestellt. Alles entglitt

wieder.--Jetzt verspielte Kotlehm. Erwar darauf gekommen, an jenem

Abend im abgedämpften Hinterraum des "Paradies-Kasinos", daß man auch

in den Bauch stoßen könnte. Adam Högl umspannte ihn unbemerkt mit

seinen düsteren, hassenden Blicken.

"A--ah--ach!" stieß van Haarskerk mit boshafter Befriedigung heraus,

als der Maler abermals einen Geldschein auf den Tisch warf.

"Prost!" rief Högl schadenfroh.

"Donner und Doria!" lachte der Maler etwas nervös und legte die Karte

auf den Tisch. Abermals Hundert!

Adam Högl ließ eine saftige Zote vom Stapel. Yvonne lachte.

Wie um sich zu wehren, nahm Kotlehm das Glas und schrie feldwebelmäßig:

"He! Kuli! Einschenken!" Adam Högl schoß das Blut zu Kopf. Aber er faßte

sich schnell und hob die Karaffe: "Besser zielen!--Vorbeigeschissen!" Er

zitterte ein wenig, als er eingoß und schüttete daneben.

"Hehe! Du! Kuli!" schrie Kotlehm und stieß ihn in den Bauch. Erquickt

schnellte der Millionär auf, nahm ihm die Karaffe. Adam Högl zog

verwirrt die Schultern hoch. Van Haarskerk lachte stoßweise und

schüttete den Rest über seinen geduckten Schädel. Eiskalt rann der

Sekt den Rücken herunter.

Adam Högl raffte seine letzen Kräfte zusammen. Ratlosigkeit, Wut und

Verzweiflung standen auf einmal da. Wie von schwirrenden Peitschen

umsummt brummte der zerrüttete Kopf.--

Er drohte zu fallen, drückte noch einmal mit ganzer Gewalt den Bauch

heraus und grunzte endlich wieder. Wieder bellte das Gelächter.

Der Maler Kotlehm sprang auf und fuchtelte mit den Armen herum wie ein

peitschenschwingender Tierbändiger.

Das Spiel war zerrissen. Die neue Sensation hatte die Langeweile im Nu

ausgelöscht. Man umtanzte, umjohlte Adam Högl, der wie ein blinder Bär

herumtappte. Gutgezielte Stöße sausten in dessen Bauch. Van Haarskerk

kam mit einer gefüllten Karaffe, schüttete, goß, goß.

Adam Högls Schuhe pfiffen.

"Schurken! Sadistische Hunde!" schrie Yvonne machtlos in den

betäubenden Lärm. Raming hob schläfrig den Oberkörper und ließ sich

wieder zurückfallen. Das wüste Gebrüll zerspaltete die verrauchten

Bäume. Zwischendurch gluckste wie das Röcheln eines Verendenden Högls

Bauchstimme.--Heute noch! Noch einmal! Dann war vielleicht die

Rettung da. Man war geborgen. Eine Nacht Wasser über den Kopf--und

keine Misere mehr.--

Die Hose platzte, als er sich bückte. Kotlehm riß das Hemd heraus.

"Hoij! Hoij!" zischte es von allen Seiten. Man nahm Högl in die Mitte

und stampfte durch den Wintergarten ins Freie. Schwerfällig, plumpsig

bewegte sich der Troß an den ersten Gemüsebeeten vorbei. Der Millionär

schob hinten, Kotlehm zog und zerrte an den Armen Högls. Yvonne

kreischte unaufhörlich.

"A--ahach Mensch, laß mich doch schnaufen!" stöhnte Högl und riß

seinen Mund weit auf. Dicker Schweiß rann ihm herunter.

"Hoij! Hoij!" schrie es wieder. Zog, zerrte. Adam Högl prustete,

hauchte. Der Maler Kotlehm riß einen Rettich aus dem Gemüsebeet und

stopfte ihn mit aller Gewalt in Högls Mund.

Die Zähne krachten. Der Schlund kämpfte gegen das Ersticken. Blau lief

der Kopf an. Adam Högl stemmte sich würgend, spuckte, erhob beide Arme

furchtbar, stieß in die leere Luft. Es war auf einmal frei um ihn. Wie

Kettenlast fiel etwas ab. Der wachgewordene Körper straffte sich, als

renne er stahlhart gegen eine Wand und stieße sie durch.

So leicht atmete es sich.

Zur freundlichen Erinnerung · 第 52 / 61 题