Man sollte denken, da könnte eins in aller Geschwindigkeit wieder zu
Kräften kommen!«
»Sprich nicht so viel. Ich erzähle dir lieber --
Weißt du noch, wie wir zum ersten Mal dort waren und über die Heide
fuhren? So viele gelbe Blumen blühten gerade. Der Kutscher sagte, daß es
Ginster wäre. Wir haben dann ja auch 'n ganzen Packen abgerupft, aber in
der Bahn haben wir sie vergessen.
Und dann bei der Mühle. Da hingen die Zweige von den Kastanienbäumen bis
ganz ins Wasser -- höchst malerisch! muß man sagen. Man hätte 's gleich
für 'n Gedicht verwenden können -- wenn man nicht die Lyrik so schlecht
bezahlt wäre.«
»Das elende, elende Geld!«
»Gut genug, wenn man's hat!«
»Nancy, rechne mal: wann haben wir genug zusammen?«
»Na, warte mal --
Wenn wir uns vielleicht an dem Preisausschreiben beteiligen -- wir können
ja gut zusammenarbeiten -- und wenn wir dann vielleicht den dritten Preis
zu 5000 Mark bekommen, dann steht doch überhaupt nichts mehr im Wege,
dächt' ich?
Dann gingen wir vielleicht erst noch den Winter über nach Davos -- Du
weißt ja, da ist jetzt die großartige Einrichtung für unbemittelte
Lungenkranke. Und wenn wir dann unser bißken los sind -- und 's wird recht
schön warm bei uns hier -- so gegen Mai hin -- dann siedeln wir über.«
»Nancy, weißt du's noch genau: wie heißen gleich die Bedingungen für
das Preisausschreiben?«
»Ein moderner Stoff, der Tagesfragen berührt -- nicht über 20.000
Zeilen --«
»Nicht über? -- Das ist gut! Als ob jemand mehr schriebe, wenn nicht
Zeilenweise bezahlt wird!«
»Tagesfragen -- liegen uns ja nahe.«
»Können wir -- mit Leichtigkeit.«
»M. w. -- m. w.!« sagte Fräulein Nancy.
»Nancy -- war nicht neulich in der ›Litterarischen Praxis‹ nicht auch
ein Preisausschreiben zur Reklame für eine Strumpfwirkerei?«
»Jawohl: 300 Mark als erster Preis. M. w. ebenfalls.«
»Nancy -- ich bin -- jetzt -- müde.«
»Na, dann gute Nacht, mein Schatz!«