Er sah mit herausfordernder Selbstgefälligkeit um sich. Sie hatte ihm
sagen wollen, es sei das beste, was sie von ihm kannte. Zum erstenmal war
er ihr seelisch nähergetreten durch seine Kunst -- fast als ob er mit
ihren Worten spräche -- Nun war sie plötzlich unfähig, das verlangte Lob
zu geben.
»Es wird Fräulein Thora schon gefallen,« sagte sie nur.
Er runzelte die Stirn: »Aber dein Urteil, Esther -- hast du auch daran
wieder etwas auszusetzen?«
»Du meinst, ob ich es fehlerlos finde?«
»Nun?« Er sah sie mit der spöttischen Überlegenheit eines
Handlungsgehilfen an.
Sie hielt eine heftige Antwort zurück und gab dafür nur eine kühle
Verstandeskritik.
»Es stört mich nur eine Kleinigkeit -- das ist diese Zusammenstellung von
Mohn und Heckenrosen, die in Wirklichkeit recht schlimm aussehen würde.«
Arne wurde immer gereizter. »Du verstehst mich nicht. Ich brauche
Heckenrosen und Mohn ja nur als Allegorie für die zarte Brautliebe und die
Ahnung künftiger Leidenschaft.«
»Ich weiß wohl -- aber ich meine, daß man auch beim Schreiben ein wenig
die malerische Wirkung beachten müßte -- das heißt, wenn man Bilder
gebraucht, muß man sie sich so vergegenwärtigen, daß man die Wirkung
voll beurteilen kann.«
Er antwortete nicht gleich, stand erst eine Weile mit gesenktem Kopf und
klimperte nervös an seiner Uhrkette.
»Es ist eben nur das eine, daß dir schon im vorhinein nichts gefällt,
was ich arbeite,« sagte er dann mißmutig und verließ das Zimmer.
Eliza hatte dem Gespräch schweigend zugehört. -- »War es denn so
schlecht, was er geschrieben hatte?« fragte sie.
»Nein -- es war gut.«
»Und warum sagtest du ihm davon kein Wort?«
Esther schwieg.
»Du solltest ihm ein wenig Anerkennung geben. Er braucht das, glaube
ich.«
Esther antwortete wieder nicht. Sie wußte es ja -- er brauchte das. Er
brauchte Bewunderung oder -- Nachsicht. Doch immer _Lob_.
Sie sahen einander an, und ihre Augen hielten und verstanden sich.
Esther dachte: Woher weißt du es nur -- weiß ich es denn schon selbst?
Muß ich mich nicht schämen, daß du es weißt?
Und plötzlich stand Eliza auf, hängte sich Esther um den Hals und weinte.
Ganz stumm -- bis die Dämmerung sank.
»Kommst du wieder zu mir, mein Liebling?« fragte Esther leise.