Graue Tage kamen. Über der Heide hob und senkte sich der Nebel wie
Atemzüge.
Arne legte seinen Arm um Elizas Schulter und sah ihr in das kleine blasse
Gesicht. »Was fehlt unserm Kleinsten?« fragte er zärtlich.
»Es geht umher und friert.« Das Kind lächelte müde zu seinen Worten.
»O nein, frieren lassen wir es doch nicht!« meinte Arne. »Wir wollen uns
einmal recht amüsieren, daß wir die häßlichen Regentage ganz unvermerkt
überspringen; dann wird dir auch schon wieder schön warm werden.«
»Was wollen wir denn thun?« fragte Eliza zweifelnd.
»Nun -- spielen wir vielleicht Theater? Wir bitten die Bewohner von Villa
Marina dazu und spielen ein nettes, lustiges Stück.«
Eliza war wie umgewandelt. »Ja! ja! Theater spielen wir!« rief sie und
schlenkerte vergnügt mit den Armen durch die Luft.
»Sind Ihrer Majestät, der Königin Esther, unsre Pläne angenehm?«
wandte sich nun Arne zu Esther. Seine Augen leuchteten immer so zärtlich,
wenn er mit ihr sprach.
Ja, Ihre Majestät genehmigte den Vorschlag, und nun schleppte man alles
herbei, was das Haus an dramatischer Litteratur bergen mochte.
Vor allem mußte der gute alte Holberg herhalten, dem sein
unvergleichlicher Humor nun einmal die ewige Jugend verliehen hat. Die
große Schwierigkeit blieb nur, daß kein Stück die gebührenden Rollen
für die Bewohner beider Häuser vereinigte. Man verfügte zwar recht
kategorisch über die Abwesenden, kam aber doch zu keinem befriedigenden
Beschluß.
»Wenn wir nun ein paar Akte aus einem modernen Drama spielten und danach
eine kürzere Holberg-Komödie?« meinte Esther endlich.
Ja, so ging es.
Man wählte ein Stück aus Hedda Gabler, das sich ganz gut außer
Zusammenhang spielen läßt, und danach Holbergs »Der verwandelte
Bräutigam«.
»Ich bin Pernille!« bestimmte Eliza eifrig. Die andern mochten ihretwegen
sehen, wie sie auskamen. Eliza begann im kokettesten Kammerzofenschritt
umherzuwandeln, schon jetzt ihre Rolle vorkostend.
»Aber wer ist Hedda Gabler?« meinte Esther nachdenklich.
»Die bist du -- und er ist Ejlert Lövborg, der Dichter, natürlich!«
erklärte Eliza.
»O nein, dann bin ich schon lieber dein Tesmann, Frau Hedda -- du sollst
mir auch im Spiel mit keinem andern verheiratet sein!«