AVE MARIA GRACIA PLENA DOMINVS TECVM BENEDI. +.
Höhe (ohne Krone): 0·88 m.
3. Eine =Glocke= vom Jahre 1418.
Halsinschrift:
Anno domini mccccxviii anno gloria patri et filio et spiritvi sancto
et Mariae +.
Höhe (ohne Krone) 0·65 m.
4. Eine =Glocke= aus dem ersten Drittel des 14. Jahrhunderts.
Halsinschrift:
MATHEVS MARCVS LVCAS IOHANNES MARIA +.
Höhe (ohne Krone): 0·56 m.
Die an zweiter Stelle angeführte Glocke des nördlichen Turmes, deren
Inschrift den Englischen Gruß enthält, dürfte identisch sein mit der
in den Chroniken genannten »Garausglocke«, eine von den beiden kleinen
Glocken desselben Turmes mit dem »Vesperlein«.
[Illustration: Abb. 126. Orgel im Ostchor.]
Im =südlichen Turm=: 1. Die =Chorglocke=. 1324 gegossen.
Halsinschrift:
ANNO DNI MCCCXXIIII VOX EGO SVM VITE VOCO VOS ORARE VENITE XPO
REGNAT +.
Höhe (ohne Krone): etwa 1·20 m.
2. Die =Sturmglocke=. Aus dem 14. Jahrhundert.
Halsinschrift:
TITVLVS TRIVMPHALIS NRI SALVATORIS IHC NAZARENVS REX JVDEORVM +.
Höhe (ohne Krone): etwa 1·20 m.
3. Die =Stundenglocke=, auch =Schlag- oder Uhrglocke= genannt. Im
unteren Durchbruch des Helms. 1482 von Konrad Glockengießer gegossen.
Halsinschrift: »sant sebolcz schlach glock pin ich hern ruprecht
haller hern niclas grosen vnd hern gabriel nvczel den obersten
haubtlevten gebart ich maister cvnrat glockengisser gos mich anno
domini 1482 +«.
Höhe (ohne Krone): 1·60 m.
Gotteshauspfleger Ruprecht Haller der Ältere, Hans Tucher der Ältere
und Kirchenmeister Sebald Schreyer hatten mit Meister Konrad dem
Glockengießer vereinbart, daß er für den Zentner der Glocke 10-1/2 fl.
rhein. erhalten und den Zentner der alten gesprungenen Uhrglocke für 8
fl. nehmen solle. Er erhielt 1055 fl. rhein., nach Baader, Beiträge,
I, 61 im ganzen 1380 Pfund 5 Schilling 8 Haller. Die Glocke wurde am
20. Juni 1483 gewogen und hatte ein Gewicht von 100 Zentnern 56 lb.
Näheres bei Baader, ferner in den Städtechroniken, V, 480 ff. und in dem
Manuskript XL, 3 im Stadtarchiv Nürnberg.
[Illustration: Abb. 127. Eisenbeschlag vom Brauttor.]
[Illustration: Abb. 128. Eisenbeschlag vom Brauttor.]
Die Uhrglocke hatte zwei Vorgängerinnen. Die ältere wurde 1383, als der
Turm oberhalb der Sturmglocke einer Ausbesserung bedurfte, ausgebessert
und ist 1396 gesprungen. Die jüngere wurde von Meister Heinrich
Grünwalt noch in dem gleichen Jahre gegossen und hatte ein Gewicht von
64 Zentner 66 lb; sie zersprang am 4. Mai 1482 ebenfalls. Ihre Inschrift
lautete: »Ich Orglogck pin · des · Rats · zu · Nürmberg · eigen · hat
· mich · erzeugt · als man · zalt · nach · Christj · geburt · M^{o}CCC^o
· vnd · in dem · lxxxxvj Jar · in dem · Mayen · hat mich · begabt ·
Heinrich · grünwalt · herr · got · hilff · mir · zu · Dir · +«.
4. Die =Viertelstundenglocke=. Im oberen Durchbruch des Helmes. Laut
Inschrift, welche nur bruchstückweise entziffert werden konnte, 1494 in
Landshut gegossen.[XXI]
[XXI] Über die Einführung des Viertelstundenschlagwerkes durch Ulrich
Grundherr vgl. Vereinsmitteilungen. VII, S. 224. -- Zu dem
Schießen des Jahres 1493 in Landshut, so erfahren wir daselbst
aus Kunz Has' Gedicht, hatte der Rat Herzog Georg zu Ehren
die freiwilligen Nürnberger Schützen mit einem roten Kleid
bedacht. Sie zogen aus unter der Führung des Schützenhauptmanns
Ulrich Grundherr, eines der sieben Älteren Herren, der das
Schlagwerk, wahrscheinlich als Preis, mit heimbrachte. Wie aus
einem Ratsverlaß vom 8. Oktober 1493 hervorgeht, beschloß der
Rat »ein neues slahglöcklein, das zu einer jeden stund viermaln
slahe«, gießen und bei St. Sebald aufrichten zu lassen, dann
beschloß er am 19. Oktober, »ein zimeln [kleine Glocke] 5 oder
6 zentnern swer... machen ze lassen und oben in sant Sebolts
turn uber die slagglocken ze henken und zu dem slahen der
vierteil einer hore zu gebrauchen«... und endlich am 29. Januar
1494 »ein gut hell slahglocklein von gutem zeug zu bestellen
und in den turn zu s. Sebald zu henken«. Es wurde demnach 1494
das neue Viertelschlagwerk, wohl nach Muster des in Landshut
erschossenen, errichtet.
Höhe (ohne Krone) etwa 0·50 m. Unter dem »Zeigerlein« der Chroniken wird
diese kleine Uhrglocke zu verstehen sein.
Hier mögen schließlich die schönen Kunstschmiedearbeiten an den barocken
Holzportalen Erwähnung finden (Abb. 127 und 128).
6. Altargeräte, Wandteppiche, Paramente.
Die mit Einführung der Reformation veränderten liturgischen
Verhältnisse ließen einen großen Teil des alten Kirchenschatzes
überflüssig erscheinen. Bei dieser Gelegenheit verschwanden wohl eine
Reihe von kostbaren Paramenten und Altargeräten. Denn daß solche
in Menge vorhanden waren, wird man bei dem auf allen Gebieten der
Kunst und des Kunstgewerbes betätigten Stiftersinn der Nürnberger
Geschlechter ohne weiteres annehmen dürfen. Indessen blieb der gesamte
Kirchenornat, d. h. die Meßgewänder -- also das Überflüssigste bei
Ausübung der neugestalteten Gottesdienste -- ungeteilt erhalten.
Erst 1810 hat in Nürnberg die protestantische Geistlichkeit den
aus der vorreformatorischen Zeit herübergenommenen Kirchenornat
mit dem schwarzen Talare vertauscht. Eine weitere Reduzierung des
Kirchenschatzes wurde schon 1552 vorgenommen; es bezeugt dies ein im
Kreisarchiv Nürnberg aufbewahrter »Bericht wegen derer silberner vnd
guldener clainodien, so in S. Sebalts, Laurenzen vnd vnser frauen
kirchen gewesen a^o 1552 verschmelczt vnd dann das gold vnd silber
verkauft worden.« Auch diesmal blieb der Ornat noch verschont. Dagegen
wurde zu Ende des 18. Jahrhunderts, sei es aus Mangel an Interesse, sei
es aus Geldverlegenheit, gründlich mit dem Kirchenschatz aufgeräumt und
nur das Allernotwendigste behalten. Selbst der vorgesetzten Behörde ging
dieses Vorgehen zu weit. Das Ende langwieriger, fast fünfmonatlicher
Verhandlungen vom 12. Oktober 1797 bis zum 3. Februar 1798, welche die
Aufsichtsbehörde mit den für die Veräußerungen verantwortlichen Stellen
führte, war eine Rüge, die sich Losungsamt und Rat gefallen lassen
mußten. Damals waren auch die Meßgewänder abhanden gekommen.[XXII]
[Illustration: Abb. 129. Silbervergoldeter gotischer Kelch mit
durchbrochenen Ornamenten.]
[XXII] In den Akten über diese Verhandlungen ist ein interessantes
Schriftstück enthalten, eine »Copia Commissions-Decrets an das
Löbl. Losungsamt d. d. 12. Dez. 1797«. Das Dekret lautet:
Commissioni subdelegatae ist zu wissen erforderlich, welche
Objecta seit dem unterm 10^ten Decbr. 1790 ergangenen höchst
erforderlichen Reichshofraths-Concluso veräußert, welcher modus
bei der Veräußerung beobachtet, ob der Erlöß noch vorhanden
oder wozu derselbe verwendet worden, auch ob -- und welche
annoch weiteres zu veräußern räthlich und thunlich sein mögte?
Worüber ein löbl. Losung-Amt den ungesäumten Bericht zu
erstatten, auch, wie sich nunmehr von selbst verstehet, ohne
Anfrage bei der Kaiserl. Commission und deren ausdrückliche
Erlaubnis eine weitere Veräußerung nicht vorzunehmen hat!
=Nürnberg=, den 12. Dezbr. 1797.
Von Kaiserl. Subdelegations-Commissions wegen.
=Schrodt=
Kaiserl. Subdel. Kommiss. Secretair.
Von den auf uns gelangten =Altargeräten= sind hervorzuheben:
=Meßkelch= mit =Patene= (Abb. 129). Kelchhöhe = 22 cm,
Patenendurchmesser = 16·5 cm. Silber, vergoldet. Um 1500. Fuß
sechspaßförmig mit abgestuftem Rand. Bis herauf zur Mitte der Cuppa mit
durchbrochen gearbeiteten gegossenen Blattwerkornamenten überzogen und
mit Steinen besetzt. An den schmalen freigebliebenen Teilen des Halses
oberhalb und unterhalb des Nodus gravierte Ornamente. Kostbare Arbeit.
=Meßkelch= mit =Patene=. Kelchhöhe = 19·5 cm, Patenendurchmesser =
15·5 cm. Silber, vergoldet. Tuchersche Stiftung vom Jahre 1522. Nodus
mit getriebenen und eingravierten Ornamenten. Fuß sechsblattförmig mit
Horizontalprofilierung. Am Hals oberhalb und unterhalb des Nodus die
Inschriften graviert: JHESUS und MARIA. An der Innenseite des Fußes das
Wappen der Tucher mit der Jahrzahl 1522 graviert. Mit dem Beschauzeichen
Nürnberg, ohne Marke. Siehe Marc Rosenberg, Der Goldschmiede
Merkzeichen, 2. Aufl. 1911. Nr. 3059 o.
=Zwei Kannen.= Höhe je 16 cm. Silber, vergoldet. 1643. Datierung an den
kleinen Wappen am Ende des Griffes. Auf dem Deckel das Nürnberger und
Grundherrsche Wappen. Beschauzeichen Nürnberg und Marke. Siehe Rosenberg
a. a. O. Nr. 3226 a und b.
=Zwei Kannen.= Höhe je 33 cm. Silber, vergoldet. Laut Inschrift 1658
zum Abendmahlsgebrauch gestiftet von Wolfgang Endter dem älteren. Die
betreffende Inschrift hat folgenden Wortlaut:
»Wolfgang Endter der Elter, Buchhändler alhier übergiebt diese Zwo
kannen sampt einem Kelch Paten, und oblaten schächtelein Zum Gebrauch
des Heiligen Abendmahls, der jüngst verneüerten Kirchen zu S. Sebald mit
Herzlichem wunsch das Gott die reine seligmachende Religion bei uns, bis
an der welt ende unverfälscht erhalten wolle.
Gott! Deine Gnad hat mir beschert
Was ist zu Danckbarkeit verehrt.
Am Palmsonntag im Jahr Christi 1658.«
Beschauzeichen Nürnberg und Marke. Siehe Rosenberg, a. a. O. Nr. 3226 e
und f.
=Abendmahlskelch= mit =Patene=. Kelchhöhe 25·5 cm, Patenendurchmesser
17·5 cm. Silber, vergoldet. Gestiftet von Wolfgang Endter dem Älteren
1658 (siehe oben). Fuß sechsblattförmig mit Horizontalprofilierungen.
Am Nodus und am Fuß Gravierungen: am Nodus Blumenornamente, am Fuß
Engelsköpfe, außerdem Blattfriese und Fruchtkränze. Auf dem Boden des
Kelches eingraviert die Wappen des Stifters und seiner Ehegattin,
gehalten von einem Engel, darüber die Jahrzahl 1658.
Mit dem Beschauzeichen Nürnberg und Marke. Siehe Rosenberg, a. a. O. Nr.
3226 g.
Auf der Rückseite der Patene ist, von einem Kranz umrahmt, das Wappen
des Stifters graviert, auf dem Rande ein Kreuz.
[Illustration: Abb. 130. Sanduhr (ehemals an der Kanzel).]
=Krankenkelch= mit =Patene=. Kelchhöhe 17 cm, Patenendurchmesser 10 cm.
Silber vergoldet. Gestiftet von Joachim Kern und dessen Ehefrau 1675.
Fuß sechsblattförmig. An der Rückseite des Fußrandes die eingravierte
Inschrift: »Joachim Kern und dessen Ehewürthin Catharina 1675.«
Beschauzeichen Augsburg und Marke JV (oder M?).
=Etui= mit =Löffel=. Etuilänge 17 cm, Breite 4·5 cm. Beides Silber,
teilweise vergoldet. Um 1700. An der Seite und am Deckel des Etuis
gepunzte Darstellungen der Leidenswerkzeuge, ferner auf dem Deckel
getriebenes Kruzifix, wovon der rechte Arm fehlt. Darüber in Gravierug
der Hahn.
Beschauzeichen Nürnberg und eine Meistermarke, die sich aus einem I, V
und N zusammenzusetzen scheint.
=Klingelbeutel.= An der Vorderseite die Gruppe Christus am Kreuz
mit Maria Magdalena aus gegossenem und ziseliertem Silber. An der
Rückseite rundes Schild von Silberblech, darauf das Monogramm AMM
(ineinandergestellt) und die Jahrzahl 1723 graviert. Durchmesser des
Schildes 6 cm. Beutel von neuem rotem Samt.
=Hostienbüchse=, rund. Durchmesser 13·5 cm, Höhe 9·5 cm. Silber,
vergoldet. Auf dem Deckel eingraviert das Bild des hl. Sebald und: 'M.
M. W. 1744.'
Beschauzeichen Nürnberg und undeutliche Marke.
=Zwei Abendmahlskelche= mit =Patenen=. Kelchhöhe 28 cm,
Patenendurchmesser 18 cm. Silber, vergoldet. Rokoko. Getriebene
wellenförmige Ornamente an Cuppa, Nodus und Fuß. Fußrand mit
Horizontalprofilierungen. Um 1755.
Beschauzeichen Nürnberg und Marke. Siehe Rosenberg, a. a. O. Nr. 3275 b
und c.
[Illustration: Abb. 131. Leuchterengel (Hauptaltar).]
=Taufbecken= mit =Kanne=. Taufbecken oval 46·5 × 34·5 cm, Kannenhöhe
21 cm. Silber. Um 1755. Mit getriebenem Wellenornament.
Beschauzeichen Nürnberg und Marke. Siehe Rosenberg, a. a. O. Nr. 3204.
=Sanduhr.= (Abb. 130.) Viereckiger Behälter mit vier Uhren: 1/4, 2/4,
3/4 und 4/4. Gehäuse 32 × 26 cm. Silber. Mit zwei Holzschuherschen
Wappen. Oben und unten:
»17 Fr. M. M. M. H. v. H. 81«
und »17 Fr R. H. H. v. H. 81«.
Die Ornamente gegossen und ziseliert, das übrige getrieben. 1906 auf der
Historischen Ausstellung der Stadt Nürnberg, vgl. Katalog Nr. 166.
=Kanne=, den beiden 1658 von W. Endter gestifteten Kannen nachgebildet.
H. 34 cm. Silber, vergoldet. Laut Inschrift 1838 gestiftet von Therese
Rohrmann, Witwe des Kaufmanns und Marktadjunkten Georg Peter Rohrmann.
Vorne Spruch Joh. XV, 5.
Beschauzeichen Nürnberg und Marke G (?).
Ferner befinden sich in der südlichen Sakristei noch zwei kleine alte
=Messingleuchter= ohne künstlerische Bedeutung.
=In der nördlichen Sakristei=:
=Zwei Altarleuchter.= H. 76·5 cm. Silber. Modern gotisch um 1830. Basis
sechseckig, auf sechs Drachen ruhend. Schutzteller mit Zinnen, von
Krabben getragen.
=Auf dem Hauptaltar=:
=Altarkruzifix.= H. 1·28 m. Der Kruzifixus aus Silber gegossen und
ziseliert, Kreuz und Sockel Holz. Um 1700. Vorzügliche Arbeit.
=Zwei Altarleuchter in Gestalt von Kerzen haltenden Engeln= (Abb. 131).
Höhe der Figuren ohne Leuchter und Flügel 39·0 und 39·5 cm. Gegossen,
massives Silber, vergoldet. Auf jedem das Volckamersche Wappen. Kostbare
Arbeiten aus der Zeit um 1490.
Zwei Paare gedrechselter und ein Paar zum Teil gedrechselter, zum Teil
gegossener =Messingleuchter=; das letztere Paar aus der Barockzeit.
=Auf den Rückwänden zu den Seiten des Hauptaltares= zwei holzgeschnitzte
und bemalte, insbesondere reich vergoldete knieende =leuchtertragende
Engel= auf Postamenten, der eine eine vortreffliche Arbeit aus der Zeit
um 1500, der andere (rechts vom Hochaltar) eine moderne Kopie von jenem
im Gegensinne.
=Auf dem Löffelholzaltar=:
=Altarkruzifix.= H. 1·31 m. Der Kruzifixus aus gegossenem und
ziseliertem Silber, Kreuz und Sockel Holz mit reichem Silberbeschlag, an
der Vorderseite ein sich aus M und W zusammensetzendes Monogramm. Gute
Arbeit aus der Mitte des 17. Jahrhunderts.
=Vier messinggedrehte Leuchter=, darunter zwei gleiche mit
Löffelholzischen Allianzwappen und der Jahreszahl 1696 (auf einem
querovalen Schildchen am Fuße).
=Auf dem Muffelaltar= ein Paar kräftige gedrehte =Messingleuchter=, je
mit dem Muffelschen Wappen am Fuße.
=Auf dem Petrusaltar= ein Paar einfache gedrechselte =Messingleuchter=.
=Auf dem Tucheraltar= ein Paar gedrungene messinggedrechselte =Leuchter=
mit dem Wappen der Schnecken (2 gekreuzte Lanzenspitzen) je an ihrem
Fuße.
=Auf dem Halleraltar= und gegenüber vor der Adam Kraftschen
Kreuzschleppung vier gleiche einfach gedrechselte =Messingleuchter=.
Besonders hervorzuheben ist hier sodann noch die über der Tucherschen
Begräbnisstätte, vor den Gedenktafeln dieses Geschlechtes aufgehängte
=Ewiglichtlampe= aus Messing, deren Körper durchbrochen gearbeitet und
mit schön stilisiertem Blattwerk und drei Tucherschen Wappen reich
graviert ist. Drei groteskenartige weibliche Halbfiguren, ebenfalls aus
Messing gegossen, stellen die Verbindung zwischen dem Körper der Lampe
und dem Gehänge her. 16. Jahrhundert.
Einige hölzerne =Barockkruzifixe und sonstige Altargeräte= sind von
keiner künstlerischen Bedeutung.
=Im Germanischen Nationalmuseum= endlich wird heute aufbewahrt:
Der »=Dilherrsche=« =Pokal=. Vom Jahre 1635 (?). Silber, vergoldet.
H. mit Deckel 47·5 cm. Am Fuß, an der Cuppa und am Deckel getriebene
Blumen- und Rankenornamente, an der Cuppa außerdem noch Engelsköpfe und
in Medaillons drei figürliche Darstellungen des Sündenfalles. Den Hals
bildet die gegossene und ziselierte Figur eines Engels, welcher einen
Totenkopf hält. Auf dem Deckel die Erdkugel mit Schlange, darauf der
auferstandene Christus. Inschriften sind über den ganzen Pokal verteilt.
Der Pokal soll ein Geschenk des Rates der Stadt Nürnberg an den Pfarrer
J. M. Dilherr von St. Sebald sein.
Ausführliche Beschreibung bei Essenwein, Einige Gold- und Silbergefäße
aus dem Schatze im Germanischen Museum. In den »Mitteilungen aus dem
Germanischen Nationalmuseum«. II, 1887, S. 45. Vgl. auch Rosenberg, a.
a. O. Nr. 3188 d.
Wandteppiche.
Ein weitaus besseres Schicksal als die Paramente erfuhren die
Wandteppiche, mit denen die Kirche reich ausgestattet war. Außer den
vorhandenen zehn Gobelins existiert noch einer vom Jahre 1477 aus dem
ehemaligen Kirchenbesitz, der auf Umwegen wieder in die Hände der
Stifterfamilien gelangt ist[XXIII]; und noch zwei weitere Stücke dürften
sich im 15. Jahrhundert den übrigen angereiht haben: eine Fortsetzung
der Katharinenlegende und ein Gegenstück zum Sebaldusgobelin.
[XXIII] Von einem der Teppiche, welche zur Schmückung der Gräber
vorhanden waren, erzählt Baron Christoph v. Tucher a. a. O. S.
55: »Die Grabteppiche anlangend findet sich im Salbuch Hans
VI. Tuchers de A^o 1477, welches in seinem vierten Teil sich
ebenfalls über die von dem ältesten Tucher auszurichtenden
Stiftungen verbreitet, am Schluß eine eigenhändige Notiz des
Besitzers von folgendem Wortlaut:
»Anno MCCCCLXXVII ad XXVI matzo so haben wir Pertold und Hans
Tucher senior geprüder und Anthony und Langhans Tucher von
unser geselschaft gekauft ein grabtebich mit dem englischen
grus, der kost hott 14 guld. rh. und für das Tucher wappen
darauf und zu füttern kost 2 gulden. Den thebich soll fürpaß
albeg der eltist Tucher, der die jartag ausricht, pei seinen
handen gehalden zu denselben jahrtagen.«
»Dieser Teppich kam im Jahre 1884 in den Besitz der
Antiquitätenhändler Rösch und Zimmermann dahier, wo ich
ihn sah und für meinen Bruder Heinrich [Heinrich Freiherr
v. Tucher Exzellenz, jetzt K. Bayer. Gesandter in Wien] um
4000 M kaufte. Dieser ließ ihn in den Werkstätten (fabbrica
degli arrazzi) des Vatikans unter Cavaliere Centili für 1250
Lire renovieren und hat mit dem ehrwürdigen Familienmonument
von wunderbarer Schönheit eine Wand seines Arbeitszimmers
verkleidet. Heute ist der Teppich unter Kennern gewiß 20.000
M. wert.«
[Illustration: Abb. 132. Gobelin mit Darstellungen aus der Legende des
hl. Sebald.]
[Illustration: Abb. 133. Gobelin mit Darstellungen aus der Legende des
hl. Sebald.]
Die Darstellungen sind meist dem Marienleben und den Legenden der
beliebtesten Heiligen der Kirchengemeinde Sebald, Katharina und Helena,
entnommen; ein Wandteppich erzählt vom »Verlorenen Sohn«, einer vom
alten Testament.
Der Entstehungszeit nach zerfallen die Teppiche bis auf einen 1497
gestifteten Gobelin in zwei Hauptgruppen. Zur ersten Gruppe aus dem
Beginne des 15. Jahrhunderts, für welche außer der charakteristischen
Formensprache in der Regel eine stärkere Belebung des Hintergrundes
mit Architektur und Landschaft bezeichnend ist, zählt auch als später
Ausläufer der um 1450 entstandene Mariengobelin. Der zweiten Gruppe nach
der Mitte des 15. Jahrhunderts ist bei klarer Disposition der Figuren
dunkelfarbiger Hintergrund mit ornamental stilisierten Blumen und
Pflanzen eigen.
Über den Entstehungsort ist nichts Bestimmtes bekannt. Er ist jedenfalls
in Nürnberg zu suchen, vermutlich in einem der beiden Frauenklöster St.
Klara und St. Katharina. Auffällig ist, daß nachweisbar drei Teppiche
der zweiten Gruppe allein von den Tuchern gestiftet worden sind.
=Wandteppich mit sieben Darstellungen aus der Legende des hl. Sebald=
(Abb. 132, 133). Um 1410. Mit Inschrift über den Darstellungen: der
Leichnam des hl. Sebald schlägt einem Mönch, der ihn verhöhnt, ein
Auge aus: »hi... ein münch sant sebolt tod leichna slug [=i] [=e] aug
aus«[XXIV]; einer Frau, welche eine abgebrochene Kerze an der Bahre des
hl. Sebald wieder aufrichtet, springt der zur Buße um den Arm getragene
Ring: »hie pring [=e] fraw sant sebolt kertz[=e] die eise... fiell[=e]
ir ab«; die Leiche des hl. Sebald wird von Ochsen gefahren: »hi zich[=e]
ochs[=e] S sebolt leichn[=a] von popp[=e]reut g[=e] nurberg«; der
vertauschte Käse, welchen eine Frau am Grabe des hl. Sebald opfert,
wird in einen Stein verwandelt: »hie verwexelt fraw [=e] kes der wardt
zu [=e] stain«; Pilger nehmen die sie überfallenden Räuber gefangen mit
nach Rom: »hie fieng[=e] pilger[=e] die rauber und prochtens mit in gen
rom«; die Räuber überfallen die Pilger wiederholt, aber St. Sebald lähmt
sie: »hie wollen sie die pilger beraubt haben do erkrumpt sie«; St.
Sebald erscheint Schiffbrüchigen: »hie wollten leut ertrincken do kam
in S sebolt zu hilf«. Die Reihe der Darstellungen hat sich ursprünglich
noch fortgesetzt. L. 7·28 m, H. 1·01 m. Als Hintergrund Architektur
und Landschaft. Die Darstellungen sind äußerlich nicht getrennt. Mäßig
gut erhalten, doch, insbesondere die braunen Fäden, durch Insekten zum
Teil herausgefressen. Zu diesem Gobelin hat wahrscheinlich einer mit
Darstellungen der Wunder des hl. Sebald vor seinem Tode als Gegenstück
existiert.
[XXIV] Siehe Cod. lat. 901, f. 118-135 und Cod. lat. 23.877, f. 182 ff.
der Kgl. Hof- und Staatsbibliothek in München.
=Wandteppich mit sechs Darstellungen aus dem Alten Testament.= Um 1410.
Darstellungen: Adam und Eva im Paradies, Vertreibung aus dem Paradies,
Samson bezwingt den Löwen, Samson wird von Delila überlistet, Bathseba
und David, David und Michal(?). Ohne äußerliche Trennung. L. 4·30 m, H.
0·63 m. Hintergrund blau mit Architektur und Landschaft.
=Zwei Wandteppiche mit Darstellungen aus der Legende der hl. Katharina.=
Um 1420. Die Schrift über den Darstellungen teilweise erhalten. 1.
=Acht Darstellungen=: Wunderbare Erscheinung des Kreuzes: »hi sahen
die heinischen (!) meister ein czeichen am himel«; Opferung von
Weihgeschenken: »dez heiligen creuz daz erten si mit güter«; Geburt der
Katharina: »hi wart sancta katterina geporn«; religiöse Erziehung: »hi
bart si gelert daz si dem kreuczigten got solt din«; Unterricht durch
den Einsiedler: »hie lert si der einsidel daz si xpm...«; Maria mit dem
Jesuskind (Fragment); Taufe der Katharina; mystische Verlobung mit dem
Jesuskind. Die erste Darstellung ist möglicherweise nicht der Anfang des
Ganzen, denn vor der Schrift jener Darstellung finden sich die Worte:
»[St. Cath]erina leb[=e]«. L. 7·43 m, H. (mit Schrift) 0·92 m. 2. =Vier
Darstellungen=: Katharina vor dem Kaiser Maxentius, Disputation mit den
Philosophen, Katharina tröstet die wegen ihrer Bekehrung zum Feuertode
verurteilten Weisen, Katharina wird gegeißelt. Fragment. Schrift fehlt.
L. 4·95 m, H. 0·82 m. Hintergrund blau mit Architektur und Blumen. Die
Darstellungen sind äußerlich getrennt. Gut erhalten, doch das Braun
wiederum zum Teil herausgefressen.
[Illustration: Abb. 134. Gobelin mit Darstellungen aus dem Marienleben.]
=Wandteppich mit zwei Darstellungen der Kreuzauffindung durch die hl.
Helena.= Rummelsche Stiftung. Um 1420. Darstellungen: Die hl. Helena in
Gegenwart des Kaisers Konstantin und des Gefolges bezeichnet den Platz,
wo gegraben werden soll; von den drei gehobenen Kreuzen wird das Kreuz
Christi an der Wunderwirkung der Auferstehung eines Toten erkannt. Unten
links das Wappen der Rummel, rechts das Wappen der Haller. L. 1·80 m, H.
0·85 m. Hintergrund dunkelblau, mit ornamentierten Zweigen belebt; im
Vordergrund Blumen. Die beiden Szenen sind äußerlich nicht getrennt.
=Wandteppich mit drei Darstellungen aus dem Marienleben= (Abb. 134). Um
1450. Hallersche Stiftung. Links Verkündigung, in der Mitte Heimsuchung,
rechts Geburt Christi. Äußerlich abgeteilt. L. 1·81 m, H. 0·88 m.
Architektur und Landschaft als Hintergrund. Das Allianzwappen der Haller
mit dem der Pfinzing und Schürstab in der mittleren Darstellung. Weniger
gute Arbeit.