Stilistisch interessant durch den Wechsel von Spätgotik und
Frührenaissance: Renaissancekostüm fast bei allen Figuren, gotisches
Kostüm bei der Maria von Burgund, ausgesprochene Renaissance in der
Architektur und in der Majuskelinschrift, dagegen noch vollständig
gotisch der gemusterte Hintergrund bei Wappen und Figuren.
Das Glasgemälde wurde hergestellt im Auftrage des Kaisers Maximilian I.
für den Preis von 200 fl.
[Illustration: Abb. 109. Detail vom Markgrafenfenster.]
9. Das =Markgrafenfenster=[XIX] (Abb. 109). 1515 von Veit Hirschvogel d.
Ä. wahrscheinlich nach einem Entwurf des Hans von Kulmbach gemalt.
[XIX] Vgl. über das Fenster namentlich Friedrich H. Hofmann, Das
Markgrafenfenster in St. Sebald zu Nürnberg. Im
Hohenzollern-Jahrbuch. 1905, S. 67 ff.
Das Gemälde nimmt vom Sockel an neun Fensterreihen ein. Das Ganze ist
als ein architektonischer Aufbau gedacht. Der Sockel in den beiden
untersten Reihen ist durch Fenster und Nische belebt und zeigt eine
Inschrifttafel. Darüber erheben sich sechs Etagen mit durchlaufenden
Wandpfeilern in den äußeren Bahnen; in der obersten Etage ist den
Wandpfeilern je eine Säule vorgelagert, welche zugleich als Stütze für
den reich ornamentierten bekrönenden Giebel und dessen seitliche, Engel
tragende Aufsätze in der letzten Reihe dient. Die mittleren Bahnen der
Reihen 3 bis 8 enthalten 12 figürliche Darstellungen, in den äußeren
Bahnen der Reihen 3 bis 7 sind 10 Wappen angebracht. Figuren und Wappen
sind:
8. Reihe: Die =Heiligen Maria und Johannes der Täufer=, die
Schutzpatrone des Hauses Hohenzollern.
7. Reihe: Wappen von Brandenburg, =Friedrich der Ältere, Markgraf von
Brandenburg-Ansbach und -Kulmbach, dessen Gemahlin Sophie von
Polen=, Wappen von Polen.
6. Reihe: Wappen des Landes der Kassuben und Wenden, =Markgraf
Kasimir=, =Markgraf Johann=, nachmals Vizekönig von Valencia,
Wappen des Landes der Kassuben und Wenden.
5. Reihe: Wappen von Pommern, =Markgraf Albrecht=, Hochmeister des
Deutschen Ordens, nachmals Herzog in Preußen, =Markgraf Georg der
Fromme=, Wappen von Pommern.
4. Reihe: Wappen des Burggrafen von Nürnberg, =Markgraf Friedrich=,
Domprobst zu Würzburg, =Markgraf Wilhelm=, nachmals Erzbischof
von Riga, Wappen von Rügen.
3. Reihe: Wappen von Hohenzollern, =Markgraf Johann Albrecht=,
nachmals Erzbischof zu Magdeburg und Bischof von Halberstadt,
=Markgraf Gumbert=, unkenntliches Wappen.
2. Reihe mit der Inschrifttafel: »Friderich von gottes gnaden
marggraff zu Brandenburg zu Stetin Pomern der Cassuben vnd Wenden
herczog burggraff zu Nürnberg und fürst zu Rügen 1. 5. 15.«
Die acht Markgrafen in den Reihen 6 bis 3 sind die acht Söhne Friedrichs
und seiner Gemahlin Sophie in der Reihenfolge ihres Alters.
In den äußeren Feldern der Sockelreihe befanden sich ursprünglich
zwei Engel, ähnlich den oberen Engeln auf der Bekrönung. 1817 mußten
dieselben zwei schlechten Medaillons mit den Bildnissen Melanchthons und
Luthers weichen.
10. Das =Pfinzingsche Fenster=. 1515 gemalt von Veit Hirschvogel d. Ä.
Es umfaßt acht Querreihen: Architektur mit zwei Stockwerken. Im oberen
Stockwerk =die Heiligen Christoph, Sebald, Maria mit dem Christuskind
und Anna selbdritt=. Im unteren Stockwerk der =Stifter und seine
Gemahlin= mit den Wappen der Pfinzing und Grundherr, darunter knieend
acht Familienangehörige beiderlei Geschlechts mit ebensovielen
Pfinzingschen Wappen. In der untersten Reihe Inschrifttafel: »Siegfridus
Pfinzing sibi suisque MDXV.« Darunter zwei Wappen (Pfinzing-Harsdorf).
Einzelne Stellen, hier und da sogar mit Schriftscheiben, ziemlich
barbarisch geflickt.
11. Das =Hallersche Fenster=. 1372-1379.
Es umfaßt 6 Querreihen:
1. Reihe (von unten): 4 Hallersche Wappen.
2. Reihe: =Legende des hl. Georg=.
3. Reihe: Ein =heiliger Mönch= mit Buch und zangenartigem Gerät,
=St. Leonhard=, =St. Sebastian= und ein =heiliger Fürst=
(Hermelinüberwurf) mit Palmwedel und Reichsapfel.
4. Reihe: Die =Heiligen Katharina=, =Anna selbdritt=, =Ursula= und
=Elisabeth=.
5. =Herodes und der betlehemitische Kindermord.=
6. Reihe: schlichter Architekturaufsatz.
In der 7. Reihe zwei Hallersche Wappen (im 1. und 4. Feld) vom Jahre
1494.
[Illustration: Abb. 110. Fenster über dem südlichen Seitenschiffportal.]
12. Das =Schürstabsche Fenster=. 1372-1379.
Es umfaßt 7 Querreihen:
1. Reihe (von unten): Lamm Gottes, zum Schürstabschen Wappen gehörig,
und drei Schürstabsche Allianzwappen.
2. Reihe: Hl. =Sebald=, ein kniender, den Heiligen verehrender
=Ritter= mit dem Schürstabwappen und zwei kniende =Frauen= mit
Stromerschen Wappen und Wappen der Graser (?).
3. Reihe: =Christus in der Vorhölle= (2 Felder), =der Auferstandene
erscheint den heiligen Frauen= (2 Felder).
4. Reihe: Kreuzabnahme oder richtiger =Pietà=; =Grablegung=
(je 2 Felder).
5. Reihe: =Himmelfahrt=, =Tod Mariä= (je 2 Felder).
6. und 7. Reihe: Architektur.
In der 8. Reihe (1. und 4. Feld) zwei Schürstabsche Wappen von 1493,
über jedem das Lamm Gottes.
13. Das =Behaimsche Fenster=. 1372-1379.
Das Glasgemälde umfaßt die sechs unteren Reihen und greift mit der
Bekrönung in die siebente Reihe über. Die mittleren Felder der
Sockelreihe enthalten zwei Behaimsche Allianzwappen, in den Feldern
daneben kniende Familienangehörige mit Behaimschen Allianzwappen. Die
mittleren Bahnen sind kompositionell zusammengefaßt, und zwar sind die
Reihen 2 bis 7 in drei Etagen gegliedert, welche von unten nach oben die
=Verkündigung= (eine starke gelbe Röhre vermittelt den hl. Geist, eine
Taube, vom Munde Gott Vaters dem Ohr der Maria), =Geburt Christi= und
die =Krönung Mariä= zeigen. In den übrigen seitlichen Feldern, abgesehen
von den erwähnten Wappenfeldern, neben der Verkündigung zwei weitere
Anbetende, eine männliche und eine weibliche Figur mit Allianzwappen, zu
den beiden Seiten der Geburt und Krönung vier musizierende Engel.
Im Maßwerk Medaillons mit dem zwei Behaimsche Allianzwappen, je von
einem Engel gehalten, aus dem 16. Jahrhundert.
14. Das =Volckamersche Fenster=. Etwa 1490-1500.
Es umfaßt 6 Querreihen:
1. Reihe (von oben): Reiche gotische Baldachinarchitektur als
Bekrönung.
2. Reihe: Von den Darstellungen, die diese Reihe enthielt, der
=Verkündigung= und =Geburt=, ist nur mehr je eine Hälfte
vorhanden, nämlich die Maria von der Verkündigung und der hl.
Joseph von der Geburt. Sie nehmen die beiden mittleren Felder
ein. An die Stelle der abhanden gekommenen anderen Hälften wurden
ein Volckamersches und ein Gärtner-Schürstabsches Wappen in die
Butzenverglasung der beiden seitlichen Felder eingefügt.
3. Reihe: =Anbetung der heiligen drei Könige=.
4. Reihe: =Beschneidung= und =Darstellung im Tempel=.
5. Reihe: Kniende männliche und weibliche Familienangehörige mit
Volckamerschen Allianzwappen.
6. Reihe: In den mittleren Feldern zwei Wappen der Volckamer mit der
Inschrift: »Anno domini 1488«, zu den Seiten männliche und
weibliche Anbeterfiguren mit Spruchbändern und den Wappen der
Stromer, Volckamer (2), Ebner und Schürstab.
15. Das =Imhoffsche Fenster=. Vom Jahre 1601 (links unten in der zweiten
Reihe datiert), die beiden untersten Wappenpaare vom Jahre 1641. Von
Jakob Sprüngli oder Christoph Maurer (1558-1614), ebenfalls einem
geborenen Schweizer.
Das Glasgemälde umfaßt das ganze Fenster. Wirkungsvoller
architektonischer Aufbau in kräftigen Renaissanceformen mit reichen
Zutaten von Puttenfiguren, Festons usw. in den beiden äußeren Bahnen,
oben die allegorischen Figuren Glaube und Liebe; in den beiden mittleren
Bahnen 20 Einzelwappen und Allianzwappen der Imhoff, teils mit
Wappenzier, teils von Kränzen umrahmt. Die zu diesem Fenster gehörigen
Glasmalereien des Maßwerks sind bei der Versetzung des Fensters an
dessen ursprünglichem Ort, nämlich in dem an der Nordseite des Ostchores
gerade gegenüberliegenden Fenster zurückgeblieben (siehe oben).
16. Das =letzte Fenster im Ostchor=. Um 1360. Das Glasgemälde war wie
das im gegenüberstehenden Fenster befindliche wahrscheinlich schon vor
Beginn des Ostchorneubaues vorhanden.
Das Fenster ist entweder eine Paumgärtnersche Stiftung oder eine
Stiftung der Familien Pirckheimer, Paumgärtner und Grabner, deren
Wappen die Sockelreihe aufweist. Was die Komposition anlangt, so sind
die beiden mittleren Bahnen zusammengefaßt und in drei Etagen mit je
drei Feldern abgeteilt, wobei in den jeweiligen Bekrönungen zwei Giebel
mit einem Rundbogen abwechseln; unten die =Anbetung der heiligen drei
Könige=, in der Mitte die =Darbringung im Tempel=, zu beiden Seiten
weibliche Figuren mit Tauben, darüber Propheten, oben der zwölfjährige
=Jesus bei den Schriftgelehrten=, zu beiden Seiten Engel.
_Südliches Seitenschiff._ Im =ersten Fenster= von der alten
Querhausmauer an ein größeres Welsersches Wappen und vier kleinere runde
Welsersche Allianzwappen, bei deren einem das heraldisch rechte Wappen
durch buntes Glas ersetzt ist.
Im =zweiten Fenster= ein größeres Behaimsches, drei kleinere runde
Welsersche und ein ebensolches Ölhafensches Allianzwappen.
Im =dritten Fenster Christus am Kreuz mit Maria und Johannes=, darüber
prächtig stilisiert Helm, Helmdecke und Zimier zu einem jetzt fehlenden
Ölhafenschen Wappen, außerdem vier kleine Rundscheiben mit dem Wappen
der Gutschneider, Koler-Kreß, Ölhafen-Volckamer und Welser-Nützel.
Im =vierten Fenster=, dem kleinen Fenster über dem Südportal, das
Wappenschild der Pömer und ein Spruchband, auf dem M. M. Mayer noch
die jetzt fast verschwundene Inschrift las: »Heinrich Pömer Starb Anno
1331«, darunter zwei Donatoren (bezeichnet als Friedrich und Konrad
Pömer) mit zwei Pömerschen Allianzwappen (Abb. 110).
Im =fünften Fenster= befinden sich jetzt sechs kleine Rundscheiben
mit Allianzwappen der Familien Dietherr, Kreß, Harsdorf, Ölhafen und
Rohleder sowie einem Pömerschen Wappen.
5. Gedenktafeln, Totenschilder, Stuhlwerk, Orgeln und Glocken.
=Gedenktafeln.= Diejenigen Geschlechter, deren Begräbnisstätten in
der Kirche lagen oder welche sich durch hervorragende Stiftungen
ausgezeichnet hatten, besaßen das Recht, große Tafeln mit Verzeichnissen
der Vorfahren zum Andenken an dieselben in der Nähe der gestifteten
Gegenstände aufzuhängen. Die Sitte kam zwar schon zur Zeit der
Spätgotik auf, allein erst mit der um die Mitte des 17. Jahrhunderts
durchgeführten Barockausstattung wurde vielfach Gebrauch davon gemacht.
Die uns erhaltenen Gedenktafeln gehören den Patrizierfamilien Ebner,
Fürer, Holzschuher, Kreß, Löffelholz, Pfinzing, Pömer, Scheurl, Tucher
und Volckamer an.
Der Inhalt der Tafeln hat lediglich familiengeschichtliches Interesse.
Von künstlerischem Wert sind nur einige Tafeln durch reichere Gestaltung
der holzgeschnitzten Rahmen, insbesondere der die Tafeln bekrönenden
Aufsätze und Wappenschilder. Von den der Mitte des 17. Jahrhunderts
angehörigen Gedenktafeln verdienen hervorgehoben zu werden die der
=Löffelholz= im Westchor, die der =Kreß= mit dem Holztafelgemälde des
segnenden Weltheilandes und dem Wappenschilde aus der Rokokozeit (Abb.
111) und die der =Volckamer= im Ostchor vor dem Muffelschen Altar
(Abb. 112); von den ein Jahrhundert jüngeren Tafeln im ausgesprochenen
Rokokostil die der =Ebner= beim nördlichen Turm (Abb. 113), die der
=Holzschuher= im südlichen Seitenschiff und die der =Fürer= im Ostchor
beim Muffelschen Altar. In die Renaissancezeit fällt eine der vielen
=Tucherschen Tafeln=, welche im Ostchor an der Wand des Tucherfensters
hängt (Abb. 114). Sie zeichnet sich dadurch aus, daß in ihrer Mitte
ein aus dem Beginn des 16. Jahrhunderts stammendes Ölgemälde aus Holz
eingelassen ist, darstellend den Tod vor offenem Grabe mit Schriftband:
»Was ir seit, das was ich, vnd was ich bin, das wert ir.«
Auf einer anderen Tucherschen Gedächtnistafel im nördlichen Chorumgang
hinter dem Hochaltar =Christus als Weltenrichter=, auf dem Regenbogen
thronend. 17. Jahrhundert.
=Totenschilder.= Zum Inventar der Kirche zählen nunmehr auch eine große
Anzahl von alten Totenschildern verschiedener Patrizierfamilien. Die
früher in der Kirche aufgehängten Schilder wurden zu Beginn des 19.
Jahrhunderts bis auf das unten erwähnte Stromersche, das auf seinem
alten Platz oberhalb der Stromerschen Empore im nördlichen Seitenschiff
verblieb, den Stiftern zurückgegeben. Wie weit die jetzigen Schilder mit
den früheren identisch sind, dürfte sich schwerlich feststellen lassen.
Von den Totenschildern, von denen manche, insbesondere ein Hallersches,
sowohl nach der künstlerischen wie nach der technischen Seite von
Interesse sind und bei deren Herstellung teilweise mit den einfachsten
Mitteln (Roßhaare, vergoldete Hanfstricke usw.) gearbeitet worden ist,
gehören 21 der =Löffelholz=schen (Abb. 115), 7 der =Kressi=schen (Abb.
116), 12 der =Haller=schen (Abb. 117, 118), 11 der =Harsdörfer=schen,
4 der =Ebner=schen (Abb. 119) (hievon 2 neu) und 1 (siehe oben) der
=Stromer=schen Familie (Abb. 120) an. Sie stammen aus der Zeit vom 14.
bis zum 18. Jahrhundert und hängen im Westchor, im Mittelschiff und im
nördlichen Seitenschiff in der Nähe der Grabstätten der Stifterfamilien.
=Kirchenstühle und anderes Mobiliar.= Das in Eichenholz ziemlich derb
geschnitzte =Chorgestühl= im Mittelschiff des Ostchores zwischen den
Pfeilern stammt aus der Zeit der Vollendung des Chorneubaues zwischen
den Jahren 1372 und 1379 (Abb. 121, 122 und 123). Die Seitenteile
der Stühle sind mit ornamentalen, durchbrochen gearbeiteten und mit
figürlichen Schnitzereien, Propheten, Apostel sowie andere Heilige
und phantastische Tiergestalten darstellend, ausgestattet. An den
Rückwänden der Chorstühle zu beiden Seiten des Altares sind jetzt
zwei runde holzgeschnitzte Medaillons angebracht: links der heilige
Sebald in einem Renaissanceraum, zu seinen beiden Seiten die Wappen
von Dänemark und Frankreich, zu seinen Füßen das Schreyersche Wappen
(vgl. Titelvignette), auf der anderen (rechten) Seite in Hochoval das
Grundherrsche Wappen. Beide Medaillons rühren vermutlich von früheren
Kirchenstühlen (einem Schreyerschen und einem Grundherrschen?) her.
Im südlichen Seitenschiff an der Westwand neben der Turmhalle ein
zweisitziger =Kirchenstuhl= ohne besondere Dekoration, ebenfalls aus
Eichenholz mit zwei eingeschnittenen Wappen der =Haller= (Abb. 124).
Im Löffelholz- oder Westchor ein im frühen Barockstil reichgeschnitzter
=Stuhl= vom Jahre 1627 (Abb. 125).
Ihm gegenüber einfach geschnitzter =Stuhl des Handwerks der Holz- und
Beindrechsler= mit deren Wappen auf vergoldetem Kupfer von 1738.
Im nördlichen Seitenschiff an der Turmwand hübsch ornamentierter =Stuhl=
aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts.
Neben dem Eingange des nördlichen Seitenschiffes einfach geschnitzter
=Stuhl des Handwerks der Bäcker=. 17. Jahrhundert.
Außerdem noch zwei ganz einfache =Kirchenstühle= in der nördlichen
Turmhalle und beim Eingange des südlichen Seitenschiffes; letzterer mit
reicherem barockem Aufsatz mit den Emblemen des =Schuhmacherhandwerks=.
Ferner mancherlei kräftig geschnitztes Stuhlwerk an den Wänden der
Kirche aus verschiedenen Epochen: an der Südwand des Ostchors einfaches
=gotisches Chorgestühl=, gegenüber an der Nordwand die =Tucherschen
Chorstühle= unter den Gedenktafeln des Tucherschen Geschlechts aus
der Zeit der Spätrenaissance. Der gleichen Zeit gehören auch die
beiden =Tucherschen Paramentenschränke= an, die sich jetzt hinter dem
Altare befinden. Weitere =Chor- und Handwerkerstühle= mit einfach
ausgeschnittenen Stuhlwangen in verschiedenen Teilen der Kirche.
Hinter dem Hochaltar zwei mit Schnitzerei verzierte =Sängerpulte= aus
dem 17. Jahrhundert mit drehbaren Aufsätzen.
Die einfachen =Chorschranken= rühren vermutlich von der Restaurierung um
die Mitte des 17. Jahrhunderts her.
Neben dem Eingange zur südlichen Sakristei und in der Pömerkapelle =je
ein gotisches Wandschränkchen= mit hübscher holzgeschnitzter Tür und den
alten Eisenbeschlägen.
Die =Laienstühle= der Kirche aus der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden
bei der letzten Restaurierung derart umgeändert, daß die in plumpen
pseudogotischen Formen gehaltenen Wangen durch einfach ausgeschnittene
Bretter ersetzt und so dem vorhandenen alten Gestühl angepaßt wurden.
[Illustration: Abb. 111. Detail vom Rahmen der Kressischen Totentafel im
Ostchor.]
[Illustration: Abb. 112. Detail vom Rahmen der Volckamerschen Totentafel
im Ostchor.]
[Illustration: Abb. 113. Rahmen der Ebnerschen Totentafel im nördlichen
Seitenschiff.]
Schließlich sei noch ein =neuer Paramentenschrank= in einfachen
gotischen Formen erwähnt, der von Hauberrisser entworfen wurde und neben
der südlichen Turmwand seinen Platz gefunden hat.
Beim Muffelaltar ist in die Wand eine =Steinplatte= eingelassen, in der
oben in einer kleinen Nische das Erzschildchen eingemauert ist, das
1882 hinter einem Baldachin des Ostchors gefunden wurde. Wie die 1906
angebrachte Inschrifttafel besagt, handelt es sich bei dem Zeichen auf
diesem alten Schildchen offenbar um das Meisterzeichen des bisher noch
unbekannten Erbauers des Ostchors. Vgl. Abb. 26.
Die =eisernen Türen= neben dieser Steinplatte, die als Verschluß von
Wandschränken dienen, sind alt (15. Jahrhundert) und zeichnen sich
durch schön ornamentierte Schloßschilde und geschmackvoll geformte
Griffe aus. Die Wandschränke beim Petrus- und Tucheraltar wurden nach
diesem Muster mit neuen eisernen Türen versehen. Ebenfalls eine Arbeit
der Neuzeit ist der eiserne =Opferstock= im Mittelschiff vor dem
Löffelholz-Chor.
[Illustration: Abb. 114. Details vom Rahmen der Tucherschen Totentafeln.]
[Illustration: Abb. 115. Löffelholzische Totenschilder.]
[Illustration: Abb. 116. Kressisches Totenschild (des Stifters der
Kirche in Kraftshof).]
=Orgeln.= Die =große Orgel= im Ostchor (Abb. 126) wurde 1444 von
Heinrich Traxdorf für 1150 fl. erbaut. Von dem Pfeifenwerke dieser
gotischen Orgel sowie von den im Laufe der Jahrhunderte hinzugekommenen
Registern hat sich nichts erhalten. Bei der letzten Restaurierung (1905)
wurde ein der modernen Orgeltechnik entsprechendes Werk aufgestellt und
zum Teil dem alten Gehäuse eingefügt. Aber auch mit diesem waren im
Laufe der Zeiten bereits verschiedene Veränderungen vorgenommen worden.
Während eine Anzahl urkundlich bezeugter Verbesserungen (1480/81, um
1520, 1572 usw.) sich wesentlich auf das Werk bezogen zu haben scheinen,
das 1691 von Georg Siegmund Leyser, Orgelbauer in Rothenburg o. T.,
erneuert wurde, hatten die Umbauten und Reparaturen von 1658 und 1827
auch bedeutende Umformungen des Gehäuses zur Folge. 1658 wurde die
Orgel der barocken Kirchenausstattung angepaßt, wobei Daniel Preißler
die Flügel mit den Bildnissen der Scholarchen und Geistlichen an der
Kirche und der damaligen Stadtmusiker schmückte. Diese Flügel haben
sich indessen nicht erhalten. Bei der Ausbesserung des Werkes durch den
Orgelbauer Augustin Ferdinand Bittner im Jahre 1827 wurden jene barocken
Teile durch gotisch stilisierte, nach Plänen Heideloffs ausgeführte
Teile ersetzt. Hiebei wurde nicht nur ein neues Positiv angebracht,
sondern auch die Galerie für den Sängerchor nach beiden Seiten hin
erweitert und mit einer hölzernen, mit gotischen Maßwerken versehenen
Brüstung abgeschlossen.
[Illustration: Abb. 117. Hallersche Totenschilder.]
[Illustration: Abb. 118. Hallersches Totenschild.]
Bei der letzten Wiederherstellung der Kirche ließ sich das ursprüngliche
Gehäuse der Orgel noch zum größten Teil aus den späteren Zutaten wieder
herausschälen und bietet sich jetzt wesentlich in seiner alten Gestalt
dem Auge dar. Das in Eichenholz kräftig und wirkungsvoll geschnitzte
alte Gehäuse zeichnet sich durch reichen ornamentalen und figürlichen
Schmuck aus. Es sei dabei einerseits auf die reizvolle und eigenartige
Bildung der Wimperge mit ihren trefflich geschnitzten Krabben und
Kreuzblumen, andererseits auf die figuralen Darstellungen, die sich
in das abschließende Maßwerk der vorkragenden Sängerbühne einfügen,
besonders hingewiesen: nicht nur Adam und Eva, sondern auch Wappenhalter
mit den Nürnberger Wappen und allerlei Gestalten aus dem Volke, Ritter,
Knechte, Bauern usw., finden sich hier in bunter Reihe angebracht. Die
beiden unteren Konsolen tragen wiederum die beiden in Verbindung mit
dem heiligen Sebaldus so oft wiederkehrenden Wappen; am Scheitel des
Gewölbes, gewissermaßen als Schlußstein eine Teufelsfratze mit einer
Zunge aus Leder, einem Bart aus Roßhaaren und einem Unterkiefer, der
heute noch, wie ehedem, durch das Orgelwerk in Bewegung gesetzt wird.
Die Ergänzungen, die bei der letzten Restaurierung nötig wurden,
beschränken sich in der Hauptsache auf die Bretterbrüstung zu beiden
Seiten des gleichfalls neuen Positivs, bei dem indessen einzelne
alte Teile zur Verwendung kommen konnten, und auf die schmalen
Maßwerkfüllungen unterhalb der großen seitlichen Register.
Über die Wandmalerei zu beiden Seiten der Orgel, die mit dieser
inhaltlich in Beziehung steht, ist oben bereits gehandelt worden.
Die =kleine Orgel= im Westchor ist 1732 am 13. Oktober gestiftet von
Konrad Nikolaus Overdik und dessen Gattin Ursula, geb. Ebermayr, »als
Haus Orgel zu Unterhaltung der Andacht bey der heil. Comunion in dem
Chor nach St. Sebald«. Die Geschichte der Orgel ist übrigens bisher
nicht völlig klargestellt. Heute wird sie von einem Muffelschen Wappen
bekrönt, zu dessen beiden Seiten man die Jahreszahl 1776 liest. Auch die
beiden vergoldeten Monogramme auf der Rückseite der Orgel scheinen auf
die Patrizierfamilie Muffel hinzudeuten.
[Illustration: Abb. 119. Ebnersches Totenschild.]
[Illustration: Abb. 120. Stromersches Totenschild.]
[Illustration: Abb. 121. Details von den Chorstühlen im Ostchor.]
[Illustration: Abb. 122. Details von den Chorstühlen im Ostchor.]
Sonst ist von Orgeln nur bekannt, daß 1447 eine kleinere Orgel
gestiftet, 1570 aber wieder entfernt wurde. Auch zum Jahre 1517 wird von
der Stiftung einer kleineren Orgel durch Hans Stauber berichtet.[XX] Von
den Silberdrahtziehern soll 1657 eine kleine Orgel gestiftet worden sein.
[XX] Vgl. Hampe, Nürnberger Ratsverlässe. Bd. 1. Nr. 1101. 1108, 1109.
=Glocken. Im nördlichen Turm:=
1. =Die Betglocke.= Von Johann Weißenburger in Nürnberg 1391 gegossen.
Halsinschrift:
O REX GLORIE VENI CVM PACE LVCAS MARCVS MATHEVS JOHANNES AVE MARIA
GRACIA PLENA DOMINVS TECVM BENEDICTA TV IN MVLIERIBVS ET BENEDICTVS
FRVCTVS VENTRIS TVI AMEN VITA + INTER NATOS MVLIERVM NON SVRREXIT
MAIOR IOHANNE BAPTISTA QVI VIAM DOMINO PREPARAVIT IN HEREMO FVIT
HOMO MISSVS A DEO CVI NOMEN IOHANNES ERAT ORA [P=] NOBIS BTE AG.
Fußinschrift:
ANNO DOMINI MCCCLXXXXI HEC CAMPANA EST CXXXXVIII CENTENARIIS
ACTA PER IOHANNEM WYSSENBVRGER IN N[.V]RBERG IN VIGILIA S[=T]I
LAVRENCII M[=R]IS A DOMINO HEINRICO PREPOSITO DE VESTENBERG GENITO
CONPARATA REX KASPAR REX BALTHEZAR REX MELCHIOR DEVS [PPI=]CIVS ESTO
[P=]INTCESSIONEM B[=T]I AVGVSTI +.
[Illustration: Abb. 123. Details von den Chorstühlen im Ostchor.]
[Illustration: Abb. 124. Hallerscher Kirchenstuhl.]
[Illustration: Abb. 125. Kirchenstuhl im Löffelholzchor.]
Höhe (ohne Krone) 1·30 m.
Die Betglocke heißt in den Chroniken wie ihre Vorgängerin auch
»Benedicta«. Im Jahre 1600 sollte die jetzige Betglocke durch eine neue
ersetzt werden. Eine Ausbesserung war jedoch noch möglich. Im Laufe des
18. Jahrhunderts fanden mehrere Reparaturen statt.
Nach Städtechroniken I, 357 wäre die alte Glocke erst 1392 »an unsers
herrn leichnames abent« [12. Juni] geweiht worden.
2. Eine =Glocke= aus dem zweiten Drittel des 14. Jahrhunderts.