Die ganze Gedenktafel wurde 1904 durch Andreas Mayer restauriert.

Rechts vom Eingang zur südlichen Sakristei ein Holztafelgemälde mit

der =Himmelfahrt Mariä= von einem mittelmäßigen Maler der Dürerschen

Gefolgschaft. Im Vordergrunde ein geistlicher Donator mit dem Wappen der

Ölhafen. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts.

An der Westwand der kleinen Kapelle neben dem Dreikönigsportal ein

Holztafelgemälde mit figurenreicher =Kreuzigung=. Erste Hälfte des 16.

Jahrhunderts.

Gegenüber am Chorpfeiler ein kleines ehemals zu einem Almosenstock

gehöriges Ölgemälde auf Holz, eine =Brotausteilung= unter Krüppel

und Arme darstellend. Die Unterschrift lautet: »Lege[t] ewer heillig

almüssen jn dissen stock zu enthaltung der armen leydt so burger jn

disser stat werd vnd gostenhof (d. h. in dieser Stadt, Wöhrd und

Gostenhof) sind durch gots willen.« 16. Jahrhundert.

Auch an alten =Wandmalereien= besitzt die Kirche noch eine ansehnliche

Zahl. Die meisten derselben wurden erst bei der letzten großen

Wiederherstellung unter der Tünche aufgefunden und freigelegt. Einige

von ihnen mögen wohl während des 14. und beginnenden 15. Jahrhunderts in

Verbindung mit Mensen Altäre gebildet haben.

Im südlichen Seitenschiff an der Westwand neben dem Bogen zur Turmhalle

die Riesengestalt des hl. =Christophorus=, dazu Angehörige und Wappen

der Familie Ebner-Vetter(?). Die Füße des Heiligen sowie die Baumwurzel

wurden bei der letzten Restaurierung durch Professor Haggenmiller

ergänzt. Dieser Christophorus des 15. Jahrhunderts verdeckt zum größten

Teil die noch gewaltigere Darstellung desselben Heiligen aus dem 14.

Jahrhundert, die ohne Zweifel künstlerisch weit bedeutender war, wie die

oberhalb des späteren Bildes erhaltenen beiden Köpfe noch gut erkennen

lassen. Darüber Spuren einer späteren Darstellung des Veronikatuches.

Beim Dreikönigsportal die =Gregoriusmesse= mit Maria und Johannes dem

Evangelisten. 15. Jahrhundert.

Am dritten südlichen Mittelschiffpfeiler der =Tod Mariä=, frühes 15.

Jahrhundert, dazu Reste dreier älterer Darstellungen aus der Passions-

oder Heiligengeschichte, von denen nur der obere Teil einer =Kreuzigung=

genauer zu erkennen ist.

Im nördlichen Seitenschiffe an der aus dem Anfange des 16. Jahrhunderts

stammenden hölzernen Empore im Steinton gehaltene =Maßwerkmalereien=,

zwischen denen sich die =Wappen= der Haller, Holzschuher und Stromer

einfügen.

An Wandmalereien sind im Ostchor noch vorhanden:

Über dem Pfinzingchörlein zwei =Prophetengestalten= mit Spruchbändern,

aus dem ausgehenden 14. Jahrhundert. Die =Deckenmalereien= im

=Pfinzingchörlein=, Darstellungen des Weltheilands und der vier

Evangelistensymbole, gehören wohl erst dem Ende des 16. Jahrhunderts an.

Am Kaiserchörlein oben eine =Inschrifttafel= mit der auf die

Barockausstattung der Kirche bezüglichen Jahreszahl 1657 und ein

=Veronikatuch=, gehalten von den Aposteln Petrus und Paulus, unter denen

sich die ursprünglichen Engel befinden, aus dem 15. Jahrhundert.

Als die Kulmbachsche Tafel zum Zweck ihrer Wiederherstellung von der

Wand entfernt wurde, fand sich an dieser, die ganze Länge einnehmend,

ein Ölgemälde, die =Kreuztragung Christi= mit der Figur des Herrn in

der Mitte und einem figurenreichen Zuge von Gewappneten und Volk sowie

den klagenden Frauen, der sich aus einem Tore der links beinahe aus der

Vogelschau dargestellten türmereichen Stadt Jerusalem herausbewegt.

Daneben war ganz links die Inschrift zu lesen:

»Anno dni M.CCCC.lxxiij [1473] An vnser lieben frawen abent würtzweyh

verschid frawe barbara karl steilngers [Steinlingers] haußfrawe der got

gnedig....

Darnach Anno dni... an sant valenti... [versch]id karl steinlinger

dem... nad.«

[Illustration: Abb. 106. Darstellungen aus der Apostellegende.

Wandgemälde im Ostchor.]

Die Versuche, die stark abgeblätterte und nur noch lose anhaftende

Ölmalerei von der Wand abzuziehen, mißlangen leider bei den Resten der

eigentlichen Darstellung der Kreuzschleppung ganz. Dagegen konnte die

=Darstellung der Stadt Jerusalem= leidlich gut und vollständig erhalten

werden. Vorsichtig auf Leinwand übertragen hat sie jetzt ihren Platz in

der nördlichen Turmhalle gefunden.

Unter den abgenommenen Resten dieses ganzen Ölgemäldes wurden endlich

noch die zum Teil wohlerhaltenen Reste eines künstlerisch bedeutsamen

Freskogemäldes entdeckt, das gleichfalls die =Kreuztragung= zum

Gegenstande hatte und von dem die besterhaltenen Teile abgezogen und auf

eine Mörteltafel gebracht werden konnten. Völlig unrestauriert sind sie

auf dieser in der Bausammlung der Sebalduskirche, wo auch Photographien

der beiden Kreuzschleppungen aufbewahrt werden, noch zu sehen. Die

Wappen Steinlinger-Muffel, die sich darunter befinden, lassen erkennen,

daß auch diese ältere Kreuztragung (1. Hälfte des 15. Jahrhunderts) eine

Steinlingersche Stiftung war. Unter den übrigen Wappen läßt sich noch

ein Großisches und eine weiteres Steinlingersches erkennen.

An der Wand vor dem Tucheraltar wurde die landschaftliche Darstellung

eines =Wallfahrtsortes= mit reicher Staffage an Pilgern und Kranken

aufgefunden, die in der Mitte einen unbemalten Raum als Hintergrund für

eine Heiligenstatue aufweist. Dieses dem 15. Jahrhundert entstammende

Wandgemälde wurde von der Wand abgezogen und auf eine Mörtelplatte

gebracht. Es befindet sich jetzt im Chorumgang an der rechten Seite des

Petrusaltars.

An der Wand bei dem Tucheraltar, zum Teil von diesem verdeckt, die

wirkungsvollen Gestalten der hl. =Elisabeth= und des hl. =Martin=, 15.

Jahrhundert.

Hinter dem Tucheraltar unter dem Stromerfenster ein Wandgemälde in

Öltechnik mit zwei Kompositionen (Abb. 105). Links =Abendmahl= und

=Fußwaschung=; auf diesem Bilde links der kniende Stifter mit seinem

Familienwappen, darüber die Inschrift: »Anno dm Mcccclxxlll Jar starb

hanß starck vlrich starcken pruder am Donrstag vor dem heilighen Kristag

dem got gnedig sei. amen. Anno 1627 durch Hanß Starken wieder verneurt

worden, seines Aldters 79 Jahr.«[XIII] Rechts Christus am =Ölberg=;

unten auf dem Gemälde in der Mitte die Wappen der Starck und Voit.

Starcksche Stiftung von 1423.

[XIII] Hans Starck, der 1627 dieses Gemälde restaurieren ließ, ist

derselbe, der 1625 das hölzerne Kruzifix am Westchor durch einen

Bronzeguß ersetzte.

Seit 1627 bis zur Unkenntlichkeit übermalt, wurden die Bilder bei der

letzten Wiederherstellung der Kirche durch Konservator A. Mayer wieder

instandgesetzt.

An der Wand hinter dem Petrusaltar aufgefunden gut erhaltene,

künstlerisch wie kunsthistorisch gleich wertvolle Freskodarstellungen

aus der =Apostellegende= (Abb. 106), die dem Anfange des 15.

Jahrhunderts angehören (siehe oben).

Das Gemälde wurde von der Wand abgezogen, auf eine Mörtelplatte

übertragen und im Chorumgang an der Wand rechts vom Petrusaltar

angebracht. Die Restaurierung des Bildes besorgte Kunstmaler Pfleiderer

in München. Eine Photographie von dem Zustande vor der Restaurierung

befindet sich in der Bausammlung.

Rechts von diesem Bilde die Reste eines Wandgemäldes mit der

=Kreuzschleppung=. Links vom Eingang zur südlichen Sakristei und

vermutlich mit Bezug auf die Volckamersche Matronenstatue zwei

=Stifterfiguren= mit den Wappen der Behaim und Ortlieb auf gemustertem

Hintergrunde, in Ölmalerei ausgeführt.

In der Kapelle neben dem Dreikönigsportal zeigt die Ostwand rechts

einen =Johannes Evangelista= unter Architektur, links eine =weibliche

Heilige=, von der jedoch nur noch der Oberkörper erhalten ist.

An der Hochwand über dem Trennungsbogen zum südlichen Seitenschiff zu

beiden Seiten der Orgel reiches grünes =Rankenornament, dazwischen

musizierende Engel=, aus der Zeit der Erbauung des alten Orgelgehäuses.

An verschiedenen Wänden und Pfeilern, zum Teil hinter Statuen, zum Teil

hinter den Standorten ehemals vorhandener Statuen, =gemalte Wandbehänge=

mit Granatapfel- und anderen Musterungen.

In der farbigen Behandlung der Wände und Gewölbe lassen sich drei

verschiedene Arten feststellen. Eine noch romanische Polychromie zeigt

der Löffelholzchor. Die Wände haben Steinton, die Gurten und Rippen

sind in Quader geteilt, hauptsächlich in roter und grauer Farbe.

Die Kappenflächen sind durch schwarze Linien so geteilt, daß ein

Mauerwerk aus Steinen in Ziegelgröße vorgetäuscht wird. Die Schäfte

der Zwergsäulchen sind schwarz getönt. Diese letztere Tönung ist auch

im Mittelschiff noch sichtbar. Im übrigen haben aber hier und in dem

Seitenschiffe wohl in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts die

Gurten und Rippen hauptsächlich in der Nähe der Schlußsteine farbige

Linienornamente in abwechselnder Form und manchmal flammender Bewegung

erhalten. Die Schlußsteine selbst sind polychrom und zum Teil vergoldet.

Diese Art der farbigen Behandlung scheint nach Fertigstellung des

Ostchores auch für den letzteren vorbildlich gewesen zu sein.

Schlußsteine und Rippen sind -- es handelt sich hier um die dritte Art

der Bemalung -- ähnlich behandelt. Bei den Fenstern ist jedoch eine

gemalte rote Steinumrahmung dazu getreten und auf den Kappen ist an

den Rippen und Gurten eine schwarze Begleitlinie gezogen; auch die

Kappenscheitel sind durch eine solche Linie betont.

4. Die Glasgemälde.

Ähnlich dem Entwicklungsgang der Plastik scheint auch auf dem

Gebiete der Glasmalerei anfangs nichts oder wenigstens nicht viel

geleistet worden zu sein. Kein einziges Stück Glasgemälde aus der

Zeit des romanischen Baues ist erhalten. Erst seit dem Anfang des

14. Jahrhunderts, als die gotischen Seitenschiffe gebaut und im

romanischen Querhaus die schmalen Fenster in breitere Maßwerkfenster

umgewandelt wurden, läßt sich eine Glasmalerschule in noch erhaltenen

Denkmälern nachweisen. Diese breitete sich weiter aus, als mit dem

Neubau des Ostchores (1361-1379) wiederum Gelegenheit zur Anbringung

von Glasgemälden gegeben wurde. Eine Reihe von Patrizierfamilien hatte

die Schmückung der einzelnen Wandabteilungen übernommen, besonders

diejenigen Familien, die ihre Grabgrüfte am Chor, sei es innerhalb, sei

es außerhalb desselben, hatten. Über die Hälfte der Ostchorfenster sind

Erzeugnisse dieser um 1380 tätigen Schule.

Von 1380 an trat eine Pause von über 100 Jahren ein. Die späteren

Glasgemälde sind vereinzelte Stiftungen und hängen nicht mit einer

baulichen Veränderung zusammen. In die Erzeugnisse dieser neuen von

1490 bis 1520 währenden Blütezeit teilen sich jetzt mehrere Kirchen;

insbesondere St. Lorenz mit seinem eben vollendeten Chor hat die

Hauptleistungen der ersten Zeit an sich genommen. Das Bambergische und

das Volckamersche Fenster (datiert 1488) in St. Sebald repräsentieren

die erste noch den spätgotischen Stilcharakter tragende Epoche des

Aufschwungs. Wolfgang Katzheimer ist der Meister. Eine weitere

Entwicklungsphase in der Geschichte der Glasmalerei Nürnbergs bezeichnen

die drei Fenster des berühmten Veit Hirschvogel: das Maximilians-,

Markgrafen- und Pfinzingsche Fenster mit ihren prächtigen Gestalten der

Frührenaissance und mit ihrer den Dürerschen und Kulmbachschen Werken

nahe verwandten Formensprache. Sie zählen unstreitig zu den kostbarsten

Kunstwerken, die die Kirche birgt.

Einen Beleg für die Existenz und künstlerische Bedeutung der Nürnberger

Glasmalerschule noch zu Beginn des 17. Jahrhunderts bildet das in seiner

Architekturzeichnung an die Spätrenaissanceformen des Pellerhauses

erinnernde Imhoffsche Fenster.

Die übrigen Fenster der Kirche sind meist nur mit Wappenschilden von

Geschlechtern zum Andenken an verstorbene Angehörige geschmückt. Der

Zweck der Stiftung deckte sich ungefähr mit dem bei den Totentafeln von

Holz.

_Westchor._ Im =ersten Fenster= links =Christus am Kreuz= mit Maria und

Johannes. Darunter die Schrift: »Für uns Er trug vnser Krankheit vnd

lude auf sich unsere schmertzen. Esaiae am LIII Cap.« Ferner Rundscheibe

mit dem Allianzwappen der Stockamer und Groland.

Im =zweiten Fenster= im Maßwerk Wappen der Ayrer, unten zwei

Allianzwappen der Stockamer und Dietherr. -- Die Glasgemälde mit den

Heiligen =Jakobus= und =Bartholomäus= und die beiden Rundscheiben mit

Evangelistensymbolen wurden 1903 nach Entwürfen von Friedrich Wanderer

von Zettler in München ausgeführt.

Im =dritten Fenster St. Lorenz und St. Sebald= sowie drei

Löffelholzische Wappen, alles von Wanderer-Zettler, 1903.

Im =vierten Fenster= Wappen der Unterholzer(?) sowie zwei Allianzwappen

der Dietherr. Dazu =St. Johannes Ev. und St. Egidius= sowie die

Rundscheiben mit Evangelistensymbolen von Wanderer-Zettler, 1903.

Die Heiligen in dem 2., 3. und 4. Fenster stellen die Patrone der

Nürnberger Kirchen dar und wurden von den freiherrlichen Familien der

Kreß und Tucher (2. Fenster), Löffelholz (3. Fenster), Haller und

Scheurl (4. Fenster) gestiftet.

Im =fünften Fenster= Wappen der Löffelholz und zwei Gammersfeldersche

Allianzwappen.

Im =Fenster der südlichen Turmhalle= Wappen der Paumgärtner-Haller.

_Nördliches Seitenchor._ Im =ersten Fenster= oben sechs Allianzwappen

der Nützel.

Im =zweiten Fenster=, dem kleinen Fenster über der Anschreibtüre, die

Wappenschilde der Schlüsselfelder und Allianzwappen der Held.

Im =dritten Fenster= ein hl. =Bischof= und =St. Blasius= mit Konrad und

Wolf Haller von Hallerstein als Donatoren und zwei zugehörigen sowie

zwei weiteren Wappenschilden der Haller.

Im =vierten Fenster= die Heiligen =Sebald und Petrus=, dazwischen zwei

Wappenschilde der Holzschuher. Im Maßwerk eine =Verkündigung Mariä=

und darüber ein Engel mit dem Holzschuherschen Wappen. Alle diese

Glasgemälde wohl aus der gleichen Zeit, eines derselben von 1503 datiert.

Im =fünften Fenster= unten die hl. =Barbara=, darüber das Wappenschild

der Nützel mit der Inschrift: »H. Carl Nützel Ritter Rö. Kay. May. Rath

Starb den 18. Novem 1614.« Oben vier Ölhafensche Allianzwappen.

In dem =Treppenfenster= neben der Querschiff- bzw. Ostchormauer drei

kleine Wappen der Nützel.

Es folgt die Beschreibung der Fenster im Ostchor in fortlaufender Reihe

vom ersten Fenster der Nordwand neben der alten Querschiffmauer an:

_Ostchor._ 1. Das =erste Fenster im Ostchor=. Um 1360. Zweifellos noch

vor Beginn des Ostchorumbaues vollendet. Die Gemälde umfassen die fünf

unteren Reihen. Die Gliederung der architektonischen Umrahmung, noch

mehr der Zusammenhang der einzelnen Darstellungen sind unklar. Von den

letzteren sind nur drei der Sockelreihe ihrem Inhalte nach zu erkennen,

nämlich Christus in der Vorhölle, Grablegung und die Ausgießung des

heiligen Geistes.

[Illustration: Abb. 107. Detail vom Bamberger Fenster.]

Die obere Reihe zeigt unter Baldachinarchitektur links einen

Verkündigungsengel, im zweiten Felde dem Engel zugewendet einen bärtigen

Mann (Verkündigung Johannis?), im dritten Felde einen hackenden Mann,

im vierten eine spinnende Frau, vor ihr eine Wiege mit Kind (Adam und

Eva nach dem Sündenfall?). In der mittleren Reihe links eine gekrönte

Heilige und zwei andere nicht genauer zu deutende Figuren; im zweiten

Feld zwei weibliche Heilige mit dicken Büchern in den Händen; im dritten

und vierten Felde vornehme Gesellschaft im Zeitkostüm, von fraglicher

Bedeutung. Am ganzen Gemälde ist im Laufe der Zeit viel verändert worden.

Im oberen freien Teil des Fensters zwei runde Medaillons mit Wappen der

Geuder.

2. Das =Grundherrsche Fenster=. 1372-1379. Das Gemälde umfaßt die

sechs unteren Reihen. Durch Versetzung mehrerer Felder in der

Gesamtkomposition entstellt. Das Fenster muß sich ursprünglich an

anderer Stelle befunden haben und wurde hierher versetzt, als man

das Imhoffsche Fenster, dessen Maßwerkmalereien an ihrer alten

Stelle verblieben, von hier auf die gegenüberliegende südliche Seite

des Ostchors überführte. Die Stifterfiguren der äußeren Felder der

unteren Reihe gehören der spätmittelalterlichen Zeit an. Im übrigen

enthalten die zwei mittleren Felderreihen in achtpaßförmigen Kartuschen

Darstellungen aus der Marienlegende, unten, jetzt in der zweiten Reihe,

die Donatoren, in den äußeren Bahnen Heilige mit Attributen oder

Schriftbändern.

In den freien Teilen des Fensters acht runde Medaillons mit drei

Grundherrschen Wappen und den Wappen der Kreß, Ebner und? (Baumstamm mit

roten Lindenblättern auf silbernem Grunde).

Im Maßwerk, eigentlich zu dem Imhoffschen Fenster gehörend, zwei Engel

mit Blasinstrumenten in Wolken, darüber das Imhoffsche Wappen.

17. Jahrhundert.

In den beiden =Fenstern der Pfinzingempore= 2 größere und 30 kleinere

Rundscheiben mit Pfinzingwappen.

Im Maßwerk des Fensters über der großen Sakristei zwei große

Schreyersche Allianzwappen.

3. Das =Mendelsche Fenster=. 1372-1379.

Das Glasgemälde umfaßt die unteren sechs Reihen und enthält neun

=Darstellungen aus dem Marienleben=. Die dritte und sechste Reihe und

die mittleren Felder der fünften Reihe sind mit Architektur ausgefüllt,

die Sockelfelder weisen viermal das Wappen der Mendel auf.

Im oberen freien Teil des Fensters zwei runde bekränzte Wappen der

Tucher aus dem 16. Jahrhundert.

4. Das =Tuchersche Fenster=. 1372-1379.

Es umfaßt sieben Querreihen mit Darstellungen aus der Passion:

1. Reihe (von unten): Tuchersches Wappen von etwa 1550, der Stifter,

dessen Frau, dann ein Pfinzingsches Wappen von etwa 1550.

2. Reihe: =Christus vor Pilatus= (4. Feld), =Dornenkrönung= (1., 2.

und 3. Feld).

3. Reihe: =Kreuztragung= (4 Felder).

4. Reihe: =Christus wird ans Kreuz genagelt= (4 Felder, die, offenbar

bei einer späteren Reparatur, unrichtig angeordnet wurden).

5. und 6. Reihe: =Kreuzigung= (8 Felder).

7. Reihe: =Architekturaufsatz=.

5. Das =Fürersche Fenster=. 1372-1379.

Ursprünglich das Fenster der Geuschmid. Die beiden Fürerschen

Allianzwappen in den mittleren Feldern der zweiten Reihe stammen erst

aus dem 16. Jahrhundert. Sie tragen die Unterschriften »Sigmund [Füerer

der] Ellter...« und »Christann Füerer Anno dm 1325«.

[Illustration: Abb. 108. Detail vom Maximiliansfenster.]

Das Glasgemälde umfaßt sechs Reihen und greift mit der Bekrönung in die

siebente Reihe über. Die Sockelreihe enthält die Wappen der Eysvogel,

Geuschmid, Gruber und Ebner, die übrigen Reihen, abgesehen von den zwei

erwähnten Feldern, 14 =Heilige= und =legendarische Darstellungen=.

Darüber, innerhalb der Butzenverglasung, ein Scheurl-Tuchersches

Allianzwappen mit der Jahreszahl 1480.

6. Das =Stromersche Fenster=. 1372-1379, mit späteren Zutaten aus

verschiedenen Zeiten.

Das alte Glasgemälde umfaßt die Reihen 4 bis 9 und enthält in der

untersten Reihe in den beiden mittleren Feldern zwei Stromersche

Allianzwappen, dazu links ein Pfinzingsches, rechts ein Kolersches

Wappen; in den nächsten vier Reihen 16 Figuren, nämlich zehn =Apostel=

und sechs =Propheten=, alle mit Schriftbändern in den Händen, in der

obersten Reihe einen schlichten architektonischen Abschluß, innerhalb

desselben zwei kleine Engelsfiguren.

Die Reihe 3 wurde um 1500 mit 2 Pfinzingschen Wappen sowie 4

Stromerschen und 2 Kolerschen Allianzwappen in reicher spätgotischer

Ornamentik ausgestattet. In der 2. Reihe außer 3 kleinen Pfinzingschen

Allianzwappenscheiben eine große rechteckige Scheibe mit Kolerschen

Allianzwappen von 1568, von denen die größten von einer um die Mitte

des 19. Jahrhunderts schlecht erneuerten Engelsfigur gehalten werden.

Innerhalb des Rahmens einer Schrifttafel finden sich an Stelle derselben

zwei kleine, feine, offenbar profane Kabinettmalereien roh eingesetzt:

=Begegnung zweier Männer= und eine =allegorische Frauenfigur= (die

Hoffart?).

In der untersten Reihe wiederum 3 kleine Pfinzingsche Allianzwappen (6

Rundscheibchen), ein Wappen des Baumeisters Wolf Jakob Stromer von 1589

und ein Wappen seiner Frau Sabina W. J. Stromerin (einer geb. Scheurl)

von 1582 sowie ein Kolersches Allianzwappen mit der Unterschrift:

»Hieronimus Koler anno 1592«.

7. Das =Bambergische Fenster=. 1501 gemalt von Wolf Katzheimer (Abb. 107).

Die Glasmalerei bedeckt vier Querreihen:

1. Reihe (von oben): Vier Bekrönungen nach Art der ornamentalen

Schnitzereien bei Altaraufsätzen.

2. Reihe: =Bischof Lambert von Bamberg= 1374, hl. =Kaiser Heinrich=,

hl. =Kunigunde= und =Bischof Philipp von Bamberg= 1475.

3. Reihe: Hl. =Bischof= (?), hl. =Petrus=, hl. =Paulus= und

hl. =Georg=.

4. Reihe: =Bischof Heinrich von Bamberg= 1487, zwei Wappen von

Bamberg und =Bischof Veit von Bamberg= 1501.

Im linken Feld der Sockelreihe: Albrecht Dürer in ganzer Figur von

C. A. Heideloff.

8. Das =Maximiliansfenster= (Abb. 108). 1514 von Veit Hirschvogel

gemalt. Von Heideloff restauriert. Es befindet sich in der Mitte des

Ostchores, d. h. an der vornehmsten Stelle desselben, sichtbar durch das

Mittelschiff bis zum Westchor.

Das Glasgemälde nimmt, vom Fenstersockel an gerechnet, zehn Reihen ein

und reicht mit dem halbkreisförmigen Aufbau, nach welchem das Ganze

scheinbar als Nische gedacht ist, noch in die elfte Reihe hinüber. In

den beiden unteren Reihen Butzenverglasung zwischen drei Säulen, in

der dritten Reihe eine Rolle mit Inschrift. Die Reihen 4 bis 9 zeigen

abwechselnd zwölf Wappen der Länder des Hauses Habsburg in Deutschland

und Spanien, zwei =fürstliche Ehepaare= und =vier Heilige=, und zwar:

9. Reihe: Wappen des Königreichs Kroatien, des Erzherzogtums

Österreich, des Herzogtums Steier und des Herzogtums Brabant.

8. Reihe: Die Heiligen Jakobus d. Ä., Andreas, Kaiser Heinrich und

Georg.

7. Reihe: Wappen des Königreichs Ungarn[XIV], Dalmatiens, Tirols und

des Herzogtums Kärnten.

6. Reihe: Wappen des Hauses Habsburg, Kaiser Maximilians I., dessen

Gemahlin Maria von Burgund[XV] und das Wappen von Burgund.

5. Reihe: Das vereinigte Wappen von Kastilien, Österreich, Leon,

Bourbon, Granada und Burgund mit Grafenkrone[XVI], Philipp I. der

Schöne, König von Spanien, dessen Gemahlin Johanna die

Wahnsinnige[XVII] und das vereinigte Wappen von Kastilien, Leon,

Neapel, Sizilien und Granada mit der Königskrone.

4. Reihe: Wappen des Königreichs Leon, der Grafschaft Granada[XVIII],

des Königreichs Neapel und des Königreichs Sizilien.

3. Reihe mit der Inschrifttafel: »Maximilianvs cristianorvm imperator

ac septem regnorvm rex heresque archidvx avstriae plvrivm evropae

provinciarvm princeps potentissimvs. f. f.« Darüber die Jahrzahl

MCCCCCXIIII.

[XIV] Ungarn war 1514 noch nicht im Besitze des Hauses Habsburg, erst

seit 1526.

[XV] Maria von Burgund war bereits 1482 gestorben. Allein die

spätgotische Tracht (die Kopfbedeckung der Maria ist der Hennin)

und das daneben befindliche Wappen von Burgund-Österreich lassen

es als ausgeschlossen erscheinen, daß mit der Dargestellten die

zweite Gemahlin Maximilians, Bianca Maria Sforza von Mailand,

gemeint ist. Die Darstellung der ersten Gemahlin, der Mutter des

in der nächsten Reihe dargestellten Königs Philipp, geschah

jedenfalls auf besonderen Wunsch des Kaisers.

[XVI] Die Grafenkrone ist nicht verständlich. Kastilien war damals

schon lange Königreich. Übrigens trägt das andere vereinigte

Wappen derselben Reihe, bei welchem Kastilien mit Leon die

bevorzugte Stelle im linken oberen Feld einnimmt, die

Königskrone.

[XVII] Es kann nur der Sohn Maximilians, wenn auch schon seit 1506

verstorben, und seine Gattin in Frage kommen. Hierfür sprechen

in erster Linie die beigefügten Wappen, in zweiter Linie der

Umstand, daß Maximilians Enkel, Philipps Sohn, der nachmalige

Kaiser Karl V., damals erst 14 Jahre alt und natürlich auch

nicht verheiratet war. In der Literatur werden die beiden

fürstlichen Personen gewöhnlich als Karl V. und Isabella

von Portugal bezeichnet, bei M. M. Mayer sogar als Kaiser

Maximilian und Gemahlin, während das darüber stehende Paar

Karl V. und Gemahlin genannt wird.

Die Sebalduskirche in Nürnberg · 第 19 / 29 段