Rechts vom Eingang zur südlichen Sakristei ein Holztafelgemälde mit
der =Himmelfahrt Mariä= von einem mittelmäßigen Maler der Dürerschen
Gefolgschaft. Im Vordergrunde ein geistlicher Donator mit dem Wappen der
Ölhafen. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts.
An der Westwand der kleinen Kapelle neben dem Dreikönigsportal ein
Holztafelgemälde mit figurenreicher =Kreuzigung=. Erste Hälfte des 16.
Jahrhunderts.
Gegenüber am Chorpfeiler ein kleines ehemals zu einem Almosenstock
gehöriges Ölgemälde auf Holz, eine =Brotausteilung= unter Krüppel
und Arme darstellend. Die Unterschrift lautet: »Lege[t] ewer heillig
almüssen jn dissen stock zu enthaltung der armen leydt so burger jn
disser stat werd vnd gostenhof (d. h. in dieser Stadt, Wöhrd und
Gostenhof) sind durch gots willen.« 16. Jahrhundert.
Auch an alten =Wandmalereien= besitzt die Kirche noch eine ansehnliche
Zahl. Die meisten derselben wurden erst bei der letzten großen
Wiederherstellung unter der Tünche aufgefunden und freigelegt. Einige
von ihnen mögen wohl während des 14. und beginnenden 15. Jahrhunderts in
Verbindung mit Mensen Altäre gebildet haben.
Im südlichen Seitenschiff an der Westwand neben dem Bogen zur Turmhalle
die Riesengestalt des hl. =Christophorus=, dazu Angehörige und Wappen
der Familie Ebner-Vetter(?). Die Füße des Heiligen sowie die Baumwurzel
wurden bei der letzten Restaurierung durch Professor Haggenmiller
ergänzt. Dieser Christophorus des 15. Jahrhunderts verdeckt zum größten
Teil die noch gewaltigere Darstellung desselben Heiligen aus dem 14.
Jahrhundert, die ohne Zweifel künstlerisch weit bedeutender war, wie die
oberhalb des späteren Bildes erhaltenen beiden Köpfe noch gut erkennen
lassen. Darüber Spuren einer späteren Darstellung des Veronikatuches.
Beim Dreikönigsportal die =Gregoriusmesse= mit Maria und Johannes dem
Evangelisten. 15. Jahrhundert.
Am dritten südlichen Mittelschiffpfeiler der =Tod Mariä=, frühes 15.
Jahrhundert, dazu Reste dreier älterer Darstellungen aus der Passions-
oder Heiligengeschichte, von denen nur der obere Teil einer =Kreuzigung=
genauer zu erkennen ist.
Im nördlichen Seitenschiffe an der aus dem Anfange des 16. Jahrhunderts
stammenden hölzernen Empore im Steinton gehaltene =Maßwerkmalereien=,
zwischen denen sich die =Wappen= der Haller, Holzschuher und Stromer
einfügen.
An Wandmalereien sind im Ostchor noch vorhanden:
Über dem Pfinzingchörlein zwei =Prophetengestalten= mit Spruchbändern,
aus dem ausgehenden 14. Jahrhundert. Die =Deckenmalereien= im
=Pfinzingchörlein=, Darstellungen des Weltheilands und der vier
Evangelistensymbole, gehören wohl erst dem Ende des 16. Jahrhunderts an.
Am Kaiserchörlein oben eine =Inschrifttafel= mit der auf die
Barockausstattung der Kirche bezüglichen Jahreszahl 1657 und ein
=Veronikatuch=, gehalten von den Aposteln Petrus und Paulus, unter denen
sich die ursprünglichen Engel befinden, aus dem 15. Jahrhundert.
Als die Kulmbachsche Tafel zum Zweck ihrer Wiederherstellung von der
Wand entfernt wurde, fand sich an dieser, die ganze Länge einnehmend,
ein Ölgemälde, die =Kreuztragung Christi= mit der Figur des Herrn in
der Mitte und einem figurenreichen Zuge von Gewappneten und Volk sowie
den klagenden Frauen, der sich aus einem Tore der links beinahe aus der
Vogelschau dargestellten türmereichen Stadt Jerusalem herausbewegt.
Daneben war ganz links die Inschrift zu lesen:
»Anno dni M.CCCC.lxxiij [1473] An vnser lieben frawen abent würtzweyh
verschid frawe barbara karl steilngers [Steinlingers] haußfrawe der got
gnedig....
Darnach Anno dni... an sant valenti... [versch]id karl steinlinger
dem... nad.«
[Illustration: Abb. 106. Darstellungen aus der Apostellegende.
Wandgemälde im Ostchor.]
Die Versuche, die stark abgeblätterte und nur noch lose anhaftende
Ölmalerei von der Wand abzuziehen, mißlangen leider bei den Resten der
eigentlichen Darstellung der Kreuzschleppung ganz. Dagegen konnte die
=Darstellung der Stadt Jerusalem= leidlich gut und vollständig erhalten
werden. Vorsichtig auf Leinwand übertragen hat sie jetzt ihren Platz in
der nördlichen Turmhalle gefunden.
Unter den abgenommenen Resten dieses ganzen Ölgemäldes wurden endlich
noch die zum Teil wohlerhaltenen Reste eines künstlerisch bedeutsamen
Freskogemäldes entdeckt, das gleichfalls die =Kreuztragung= zum
Gegenstande hatte und von dem die besterhaltenen Teile abgezogen und auf
eine Mörteltafel gebracht werden konnten. Völlig unrestauriert sind sie
auf dieser in der Bausammlung der Sebalduskirche, wo auch Photographien
der beiden Kreuzschleppungen aufbewahrt werden, noch zu sehen. Die
Wappen Steinlinger-Muffel, die sich darunter befinden, lassen erkennen,
daß auch diese ältere Kreuztragung (1. Hälfte des 15. Jahrhunderts) eine
Steinlingersche Stiftung war. Unter den übrigen Wappen läßt sich noch
ein Großisches und eine weiteres Steinlingersches erkennen.
An der Wand vor dem Tucheraltar wurde die landschaftliche Darstellung
eines =Wallfahrtsortes= mit reicher Staffage an Pilgern und Kranken
aufgefunden, die in der Mitte einen unbemalten Raum als Hintergrund für
eine Heiligenstatue aufweist. Dieses dem 15. Jahrhundert entstammende
Wandgemälde wurde von der Wand abgezogen und auf eine Mörtelplatte
gebracht. Es befindet sich jetzt im Chorumgang an der rechten Seite des
Petrusaltars.
An der Wand bei dem Tucheraltar, zum Teil von diesem verdeckt, die
wirkungsvollen Gestalten der hl. =Elisabeth= und des hl. =Martin=, 15.
Jahrhundert.
Hinter dem Tucheraltar unter dem Stromerfenster ein Wandgemälde in
Öltechnik mit zwei Kompositionen (Abb. 105). Links =Abendmahl= und
=Fußwaschung=; auf diesem Bilde links der kniende Stifter mit seinem
Familienwappen, darüber die Inschrift: »Anno dm Mcccclxxlll Jar starb
hanß starck vlrich starcken pruder am Donrstag vor dem heilighen Kristag
dem got gnedig sei. amen. Anno 1627 durch Hanß Starken wieder verneurt
worden, seines Aldters 79 Jahr.«[XIII] Rechts Christus am =Ölberg=;
unten auf dem Gemälde in der Mitte die Wappen der Starck und Voit.
Starcksche Stiftung von 1423.
[XIII] Hans Starck, der 1627 dieses Gemälde restaurieren ließ, ist
derselbe, der 1625 das hölzerne Kruzifix am Westchor durch einen
Bronzeguß ersetzte.
Seit 1627 bis zur Unkenntlichkeit übermalt, wurden die Bilder bei der
letzten Wiederherstellung der Kirche durch Konservator A. Mayer wieder
instandgesetzt.
An der Wand hinter dem Petrusaltar aufgefunden gut erhaltene,
künstlerisch wie kunsthistorisch gleich wertvolle Freskodarstellungen
aus der =Apostellegende= (Abb. 106), die dem Anfange des 15.
Jahrhunderts angehören (siehe oben).
Das Gemälde wurde von der Wand abgezogen, auf eine Mörtelplatte
übertragen und im Chorumgang an der Wand rechts vom Petrusaltar
angebracht. Die Restaurierung des Bildes besorgte Kunstmaler Pfleiderer
in München. Eine Photographie von dem Zustande vor der Restaurierung
befindet sich in der Bausammlung.
Rechts von diesem Bilde die Reste eines Wandgemäldes mit der
=Kreuzschleppung=. Links vom Eingang zur südlichen Sakristei und
vermutlich mit Bezug auf die Volckamersche Matronenstatue zwei
=Stifterfiguren= mit den Wappen der Behaim und Ortlieb auf gemustertem
Hintergrunde, in Ölmalerei ausgeführt.
In der Kapelle neben dem Dreikönigsportal zeigt die Ostwand rechts
einen =Johannes Evangelista= unter Architektur, links eine =weibliche
Heilige=, von der jedoch nur noch der Oberkörper erhalten ist.
An der Hochwand über dem Trennungsbogen zum südlichen Seitenschiff zu
beiden Seiten der Orgel reiches grünes =Rankenornament, dazwischen
musizierende Engel=, aus der Zeit der Erbauung des alten Orgelgehäuses.
An verschiedenen Wänden und Pfeilern, zum Teil hinter Statuen, zum Teil
hinter den Standorten ehemals vorhandener Statuen, =gemalte Wandbehänge=
mit Granatapfel- und anderen Musterungen.
In der farbigen Behandlung der Wände und Gewölbe lassen sich drei
verschiedene Arten feststellen. Eine noch romanische Polychromie zeigt
der Löffelholzchor. Die Wände haben Steinton, die Gurten und Rippen
sind in Quader geteilt, hauptsächlich in roter und grauer Farbe.
Die Kappenflächen sind durch schwarze Linien so geteilt, daß ein
Mauerwerk aus Steinen in Ziegelgröße vorgetäuscht wird. Die Schäfte
der Zwergsäulchen sind schwarz getönt. Diese letztere Tönung ist auch
im Mittelschiff noch sichtbar. Im übrigen haben aber hier und in dem
Seitenschiffe wohl in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts die
Gurten und Rippen hauptsächlich in der Nähe der Schlußsteine farbige
Linienornamente in abwechselnder Form und manchmal flammender Bewegung
erhalten. Die Schlußsteine selbst sind polychrom und zum Teil vergoldet.
Diese Art der farbigen Behandlung scheint nach Fertigstellung des
Ostchores auch für den letzteren vorbildlich gewesen zu sein.
Schlußsteine und Rippen sind -- es handelt sich hier um die dritte Art
der Bemalung -- ähnlich behandelt. Bei den Fenstern ist jedoch eine
gemalte rote Steinumrahmung dazu getreten und auf den Kappen ist an
den Rippen und Gurten eine schwarze Begleitlinie gezogen; auch die
Kappenscheitel sind durch eine solche Linie betont.
4. Die Glasgemälde.
Ähnlich dem Entwicklungsgang der Plastik scheint auch auf dem
Gebiete der Glasmalerei anfangs nichts oder wenigstens nicht viel
geleistet worden zu sein. Kein einziges Stück Glasgemälde aus der
Zeit des romanischen Baues ist erhalten. Erst seit dem Anfang des
14. Jahrhunderts, als die gotischen Seitenschiffe gebaut und im
romanischen Querhaus die schmalen Fenster in breitere Maßwerkfenster
umgewandelt wurden, läßt sich eine Glasmalerschule in noch erhaltenen
Denkmälern nachweisen. Diese breitete sich weiter aus, als mit dem
Neubau des Ostchores (1361-1379) wiederum Gelegenheit zur Anbringung
von Glasgemälden gegeben wurde. Eine Reihe von Patrizierfamilien hatte
die Schmückung der einzelnen Wandabteilungen übernommen, besonders
diejenigen Familien, die ihre Grabgrüfte am Chor, sei es innerhalb, sei
es außerhalb desselben, hatten. Über die Hälfte der Ostchorfenster sind
Erzeugnisse dieser um 1380 tätigen Schule.
Von 1380 an trat eine Pause von über 100 Jahren ein. Die späteren
Glasgemälde sind vereinzelte Stiftungen und hängen nicht mit einer
baulichen Veränderung zusammen. In die Erzeugnisse dieser neuen von
1490 bis 1520 währenden Blütezeit teilen sich jetzt mehrere Kirchen;
insbesondere St. Lorenz mit seinem eben vollendeten Chor hat die
Hauptleistungen der ersten Zeit an sich genommen. Das Bambergische und
das Volckamersche Fenster (datiert 1488) in St. Sebald repräsentieren
die erste noch den spätgotischen Stilcharakter tragende Epoche des
Aufschwungs. Wolfgang Katzheimer ist der Meister. Eine weitere
Entwicklungsphase in der Geschichte der Glasmalerei Nürnbergs bezeichnen
die drei Fenster des berühmten Veit Hirschvogel: das Maximilians-,
Markgrafen- und Pfinzingsche Fenster mit ihren prächtigen Gestalten der
Frührenaissance und mit ihrer den Dürerschen und Kulmbachschen Werken
nahe verwandten Formensprache. Sie zählen unstreitig zu den kostbarsten
Kunstwerken, die die Kirche birgt.
Einen Beleg für die Existenz und künstlerische Bedeutung der Nürnberger
Glasmalerschule noch zu Beginn des 17. Jahrhunderts bildet das in seiner
Architekturzeichnung an die Spätrenaissanceformen des Pellerhauses
erinnernde Imhoffsche Fenster.
Die übrigen Fenster der Kirche sind meist nur mit Wappenschilden von
Geschlechtern zum Andenken an verstorbene Angehörige geschmückt. Der
Zweck der Stiftung deckte sich ungefähr mit dem bei den Totentafeln von
Holz.
_Westchor._ Im =ersten Fenster= links =Christus am Kreuz= mit Maria und
Johannes. Darunter die Schrift: »Für uns Er trug vnser Krankheit vnd
lude auf sich unsere schmertzen. Esaiae am LIII Cap.« Ferner Rundscheibe
mit dem Allianzwappen der Stockamer und Groland.
Im =zweiten Fenster= im Maßwerk Wappen der Ayrer, unten zwei
Allianzwappen der Stockamer und Dietherr. -- Die Glasgemälde mit den
Heiligen =Jakobus= und =Bartholomäus= und die beiden Rundscheiben mit
Evangelistensymbolen wurden 1903 nach Entwürfen von Friedrich Wanderer
von Zettler in München ausgeführt.
Im =dritten Fenster St. Lorenz und St. Sebald= sowie drei
Löffelholzische Wappen, alles von Wanderer-Zettler, 1903.
Im =vierten Fenster= Wappen der Unterholzer(?) sowie zwei Allianzwappen
der Dietherr. Dazu =St. Johannes Ev. und St. Egidius= sowie die
Rundscheiben mit Evangelistensymbolen von Wanderer-Zettler, 1903.
Die Heiligen in dem 2., 3. und 4. Fenster stellen die Patrone der
Nürnberger Kirchen dar und wurden von den freiherrlichen Familien der
Kreß und Tucher (2. Fenster), Löffelholz (3. Fenster), Haller und
Scheurl (4. Fenster) gestiftet.
Im =fünften Fenster= Wappen der Löffelholz und zwei Gammersfeldersche
Allianzwappen.
Im =Fenster der südlichen Turmhalle= Wappen der Paumgärtner-Haller.
_Nördliches Seitenchor._ Im =ersten Fenster= oben sechs Allianzwappen
der Nützel.
Im =zweiten Fenster=, dem kleinen Fenster über der Anschreibtüre, die
Wappenschilde der Schlüsselfelder und Allianzwappen der Held.
Im =dritten Fenster= ein hl. =Bischof= und =St. Blasius= mit Konrad und
Wolf Haller von Hallerstein als Donatoren und zwei zugehörigen sowie
zwei weiteren Wappenschilden der Haller.
Im =vierten Fenster= die Heiligen =Sebald und Petrus=, dazwischen zwei
Wappenschilde der Holzschuher. Im Maßwerk eine =Verkündigung Mariä=
und darüber ein Engel mit dem Holzschuherschen Wappen. Alle diese
Glasgemälde wohl aus der gleichen Zeit, eines derselben von 1503 datiert.
Im =fünften Fenster= unten die hl. =Barbara=, darüber das Wappenschild
der Nützel mit der Inschrift: »H. Carl Nützel Ritter Rö. Kay. May. Rath
Starb den 18. Novem 1614.« Oben vier Ölhafensche Allianzwappen.
In dem =Treppenfenster= neben der Querschiff- bzw. Ostchormauer drei
kleine Wappen der Nützel.
Es folgt die Beschreibung der Fenster im Ostchor in fortlaufender Reihe
vom ersten Fenster der Nordwand neben der alten Querschiffmauer an:
_Ostchor._ 1. Das =erste Fenster im Ostchor=. Um 1360. Zweifellos noch
vor Beginn des Ostchorumbaues vollendet. Die Gemälde umfassen die fünf
unteren Reihen. Die Gliederung der architektonischen Umrahmung, noch
mehr der Zusammenhang der einzelnen Darstellungen sind unklar. Von den
letzteren sind nur drei der Sockelreihe ihrem Inhalte nach zu erkennen,
nämlich Christus in der Vorhölle, Grablegung und die Ausgießung des
heiligen Geistes.
[Illustration: Abb. 107. Detail vom Bamberger Fenster.]
Die obere Reihe zeigt unter Baldachinarchitektur links einen
Verkündigungsengel, im zweiten Felde dem Engel zugewendet einen bärtigen
Mann (Verkündigung Johannis?), im dritten Felde einen hackenden Mann,
im vierten eine spinnende Frau, vor ihr eine Wiege mit Kind (Adam und
Eva nach dem Sündenfall?). In der mittleren Reihe links eine gekrönte
Heilige und zwei andere nicht genauer zu deutende Figuren; im zweiten
Feld zwei weibliche Heilige mit dicken Büchern in den Händen; im dritten
und vierten Felde vornehme Gesellschaft im Zeitkostüm, von fraglicher
Bedeutung. Am ganzen Gemälde ist im Laufe der Zeit viel verändert worden.
Im oberen freien Teil des Fensters zwei runde Medaillons mit Wappen der
Geuder.
2. Das =Grundherrsche Fenster=. 1372-1379. Das Gemälde umfaßt die
sechs unteren Reihen. Durch Versetzung mehrerer Felder in der
Gesamtkomposition entstellt. Das Fenster muß sich ursprünglich an
anderer Stelle befunden haben und wurde hierher versetzt, als man
das Imhoffsche Fenster, dessen Maßwerkmalereien an ihrer alten
Stelle verblieben, von hier auf die gegenüberliegende südliche Seite
des Ostchors überführte. Die Stifterfiguren der äußeren Felder der
unteren Reihe gehören der spätmittelalterlichen Zeit an. Im übrigen
enthalten die zwei mittleren Felderreihen in achtpaßförmigen Kartuschen
Darstellungen aus der Marienlegende, unten, jetzt in der zweiten Reihe,
die Donatoren, in den äußeren Bahnen Heilige mit Attributen oder
Schriftbändern.
In den freien Teilen des Fensters acht runde Medaillons mit drei
Grundherrschen Wappen und den Wappen der Kreß, Ebner und? (Baumstamm mit
roten Lindenblättern auf silbernem Grunde).
Im Maßwerk, eigentlich zu dem Imhoffschen Fenster gehörend, zwei Engel
mit Blasinstrumenten in Wolken, darüber das Imhoffsche Wappen.
17. Jahrhundert.
In den beiden =Fenstern der Pfinzingempore= 2 größere und 30 kleinere
Rundscheiben mit Pfinzingwappen.
Im Maßwerk des Fensters über der großen Sakristei zwei große
Schreyersche Allianzwappen.
3. Das =Mendelsche Fenster=. 1372-1379.
Das Glasgemälde umfaßt die unteren sechs Reihen und enthält neun
=Darstellungen aus dem Marienleben=. Die dritte und sechste Reihe und
die mittleren Felder der fünften Reihe sind mit Architektur ausgefüllt,
die Sockelfelder weisen viermal das Wappen der Mendel auf.
Im oberen freien Teil des Fensters zwei runde bekränzte Wappen der
Tucher aus dem 16. Jahrhundert.
4. Das =Tuchersche Fenster=. 1372-1379.
Es umfaßt sieben Querreihen mit Darstellungen aus der Passion:
1. Reihe (von unten): Tuchersches Wappen von etwa 1550, der Stifter,
dessen Frau, dann ein Pfinzingsches Wappen von etwa 1550.
2. Reihe: =Christus vor Pilatus= (4. Feld), =Dornenkrönung= (1., 2.
und 3. Feld).
3. Reihe: =Kreuztragung= (4 Felder).
4. Reihe: =Christus wird ans Kreuz genagelt= (4 Felder, die, offenbar
bei einer späteren Reparatur, unrichtig angeordnet wurden).
5. und 6. Reihe: =Kreuzigung= (8 Felder).
7. Reihe: =Architekturaufsatz=.
5. Das =Fürersche Fenster=. 1372-1379.
Ursprünglich das Fenster der Geuschmid. Die beiden Fürerschen
Allianzwappen in den mittleren Feldern der zweiten Reihe stammen erst
aus dem 16. Jahrhundert. Sie tragen die Unterschriften »Sigmund [Füerer
der] Ellter...« und »Christann Füerer Anno dm 1325«.
[Illustration: Abb. 108. Detail vom Maximiliansfenster.]
Das Glasgemälde umfaßt sechs Reihen und greift mit der Bekrönung in die
siebente Reihe über. Die Sockelreihe enthält die Wappen der Eysvogel,
Geuschmid, Gruber und Ebner, die übrigen Reihen, abgesehen von den zwei
erwähnten Feldern, 14 =Heilige= und =legendarische Darstellungen=.
Darüber, innerhalb der Butzenverglasung, ein Scheurl-Tuchersches
Allianzwappen mit der Jahreszahl 1480.
6. Das =Stromersche Fenster=. 1372-1379, mit späteren Zutaten aus
verschiedenen Zeiten.
Das alte Glasgemälde umfaßt die Reihen 4 bis 9 und enthält in der
untersten Reihe in den beiden mittleren Feldern zwei Stromersche
Allianzwappen, dazu links ein Pfinzingsches, rechts ein Kolersches
Wappen; in den nächsten vier Reihen 16 Figuren, nämlich zehn =Apostel=
und sechs =Propheten=, alle mit Schriftbändern in den Händen, in der
obersten Reihe einen schlichten architektonischen Abschluß, innerhalb
desselben zwei kleine Engelsfiguren.
Die Reihe 3 wurde um 1500 mit 2 Pfinzingschen Wappen sowie 4
Stromerschen und 2 Kolerschen Allianzwappen in reicher spätgotischer
Ornamentik ausgestattet. In der 2. Reihe außer 3 kleinen Pfinzingschen
Allianzwappenscheiben eine große rechteckige Scheibe mit Kolerschen
Allianzwappen von 1568, von denen die größten von einer um die Mitte
des 19. Jahrhunderts schlecht erneuerten Engelsfigur gehalten werden.
Innerhalb des Rahmens einer Schrifttafel finden sich an Stelle derselben
zwei kleine, feine, offenbar profane Kabinettmalereien roh eingesetzt:
=Begegnung zweier Männer= und eine =allegorische Frauenfigur= (die
Hoffart?).
In der untersten Reihe wiederum 3 kleine Pfinzingsche Allianzwappen (6
Rundscheibchen), ein Wappen des Baumeisters Wolf Jakob Stromer von 1589
und ein Wappen seiner Frau Sabina W. J. Stromerin (einer geb. Scheurl)
von 1582 sowie ein Kolersches Allianzwappen mit der Unterschrift:
»Hieronimus Koler anno 1592«.
7. Das =Bambergische Fenster=. 1501 gemalt von Wolf Katzheimer (Abb. 107).
Die Glasmalerei bedeckt vier Querreihen:
1. Reihe (von oben): Vier Bekrönungen nach Art der ornamentalen
Schnitzereien bei Altaraufsätzen.
2. Reihe: =Bischof Lambert von Bamberg= 1374, hl. =Kaiser Heinrich=,
hl. =Kunigunde= und =Bischof Philipp von Bamberg= 1475.
3. Reihe: Hl. =Bischof= (?), hl. =Petrus=, hl. =Paulus= und
hl. =Georg=.
4. Reihe: =Bischof Heinrich von Bamberg= 1487, zwei Wappen von
Bamberg und =Bischof Veit von Bamberg= 1501.
Im linken Feld der Sockelreihe: Albrecht Dürer in ganzer Figur von
C. A. Heideloff.
8. Das =Maximiliansfenster= (Abb. 108). 1514 von Veit Hirschvogel
gemalt. Von Heideloff restauriert. Es befindet sich in der Mitte des
Ostchores, d. h. an der vornehmsten Stelle desselben, sichtbar durch das
Mittelschiff bis zum Westchor.
Das Glasgemälde nimmt, vom Fenstersockel an gerechnet, zehn Reihen ein
und reicht mit dem halbkreisförmigen Aufbau, nach welchem das Ganze
scheinbar als Nische gedacht ist, noch in die elfte Reihe hinüber. In
den beiden unteren Reihen Butzenverglasung zwischen drei Säulen, in
der dritten Reihe eine Rolle mit Inschrift. Die Reihen 4 bis 9 zeigen
abwechselnd zwölf Wappen der Länder des Hauses Habsburg in Deutschland
und Spanien, zwei =fürstliche Ehepaare= und =vier Heilige=, und zwar:
9. Reihe: Wappen des Königreichs Kroatien, des Erzherzogtums
Österreich, des Herzogtums Steier und des Herzogtums Brabant.
8. Reihe: Die Heiligen Jakobus d. Ä., Andreas, Kaiser Heinrich und
Georg.
7. Reihe: Wappen des Königreichs Ungarn[XIV], Dalmatiens, Tirols und
des Herzogtums Kärnten.
6. Reihe: Wappen des Hauses Habsburg, Kaiser Maximilians I., dessen
Gemahlin Maria von Burgund[XV] und das Wappen von Burgund.
5. Reihe: Das vereinigte Wappen von Kastilien, Österreich, Leon,
Bourbon, Granada und Burgund mit Grafenkrone[XVI], Philipp I. der
Schöne, König von Spanien, dessen Gemahlin Johanna die
Wahnsinnige[XVII] und das vereinigte Wappen von Kastilien, Leon,
Neapel, Sizilien und Granada mit der Königskrone.
4. Reihe: Wappen des Königreichs Leon, der Grafschaft Granada[XVIII],
des Königreichs Neapel und des Königreichs Sizilien.
3. Reihe mit der Inschrifttafel: »Maximilianvs cristianorvm imperator
ac septem regnorvm rex heresque archidvx avstriae plvrivm evropae
provinciarvm princeps potentissimvs. f. f.« Darüber die Jahrzahl
MCCCCCXIIII.
[XIV] Ungarn war 1514 noch nicht im Besitze des Hauses Habsburg, erst
seit 1526.
[XV] Maria von Burgund war bereits 1482 gestorben. Allein die
spätgotische Tracht (die Kopfbedeckung der Maria ist der Hennin)
und das daneben befindliche Wappen von Burgund-Österreich lassen
es als ausgeschlossen erscheinen, daß mit der Dargestellten die
zweite Gemahlin Maximilians, Bianca Maria Sforza von Mailand,
gemeint ist. Die Darstellung der ersten Gemahlin, der Mutter des
in der nächsten Reihe dargestellten Königs Philipp, geschah
jedenfalls auf besonderen Wunsch des Kaisers.
[XVI] Die Grafenkrone ist nicht verständlich. Kastilien war damals
schon lange Königreich. Übrigens trägt das andere vereinigte
Wappen derselben Reihe, bei welchem Kastilien mit Leon die
bevorzugte Stelle im linken oberen Feld einnimmt, die
Königskrone.
[XVII] Es kann nur der Sohn Maximilians, wenn auch schon seit 1506
verstorben, und seine Gattin in Frage kommen. Hierfür sprechen
in erster Linie die beigefügten Wappen, in zweiter Linie der
Umstand, daß Maximilians Enkel, Philipps Sohn, der nachmalige
Kaiser Karl V., damals erst 14 Jahre alt und natürlich auch
nicht verheiratet war. In der Literatur werden die beiden
fürstlichen Personen gewöhnlich als Karl V. und Isabella
von Portugal bezeichnet, bei M. M. Mayer sogar als Kaiser
Maximilian und Gemahlin, während das darüber stehende Paar
Karl V. und Gemahlin genannt wird.