1461 wurde an dem Sarg ein Einbruch verübt. Seitdem fanden periodische

Besichtigungen der darin enthaltenen Reliquien statt. So 1463, 1482,

1503. Über die 1503 vorgenommene Besichtigung findet sich in einer

Chronik vom Ausgange des 16. Jahrhunderts (Kreisarchiv Nürnberg, Msc.

XIV-1/2, 106) folgender Bericht: »Nachdem auch in gebrauch gewest, St.

Sebalds hailthumb oder gebein bißweilen zu eröffnen und zu besichtigen,

als ist solches a^o 1503, den 22. tag julii auch geschehen; solcher

eröfnung haben beigewohnet die herren älteren des rats, der baumeister,

der probst und kirchenpfleger Sebaldi; die zween loßungschreiber

haben dabei knieen und ein jeder ein brennende wachskerzen halten

müssen; die kirchen ist unterdessen verspert gehalten und ausen mit

einer wacht beleget worden; es ist auch der kürchenmeister außer der

kirchen herumgegangen, ob sich etwan ein unruhe erregen wolt; so große

sorg hat man für St. Sebalds toden-gebain getragen, das ihnen nichts

wiederwärtiges wiederfüre, zu dem man doch damahls die zuversicht

getragen, daß er jederman helfen könnte. Im sarg sein zwo hölzerne

laden gestanden und in jeder zween bündel mit roten zendel eingewickelt

gelegen, die man heraus auf eine darzu bereitete tafel gehebt; in deren

einer sein 18 stück großer, in der andern 91 stück mittelmäsiger und

kleiner gebein, das haupt aber in einen sonderbaren silbern kästlein,

in der gestalt eines brustbilds, verspert gewest, welches man zu hohen

festtägen hat pflegen auf dem altar zu setzen, wigt an silber 35 mark,

ist gemacht worden a^o 1425. Auch ist eine ganze bildnuß St. Sebalds

vorhanden, die man an festtagen an dem sarg aufgerichtet, wigt 21-1/2

mark. Diese besichtigung diß heiligtums ist damals nicht geschehen

gewest seit dem jahr 1482 und derowegen damals für gut angesehen und

decretirt worden, hinfüro diese besichtigung alleweg nach verfliesung

zwanzig jahren fürzunehmen, das heilthumb zu saubern und mit bisam

in neuen zendel einzuwickeln, das ist aber zeit hero gar verblieben,

dieweil mit ausgang der 20 jahr die änderung der religion eingefallen.«

[Illustration: Abb. 99. Detail vom Sebaldusgrab.]

Trotz aller Vorsicht wurde 1506 wieder eingebrochen und gestohlen. Der

Einbruch hatte Reparaturen zur Folge. Vermutlich auf diese Renovierung

bezieht sich die eine der beiden Inschriften, die sich auf der

westlichen Schmalseite am Sockel finden. Sie lautet: »1506 IAR IST

DISER SARCH FERNEIT VOR...« Die andere Inschrift berichtet von einer

Erneuerung im Jahre 1628: »ANNO DNI MDCXXIIX IST DIESER SARCH VERNEVRT

WORDEN.«

2. =Das Gehäuse aus den Jahren= 1508-1519. Höhe 4·30, Länge 2·50 und

Breite 1·40 m. Es setzt sich zusammen aus dem für den Sarg bestimmten

Sockel und der Sockel und Sarg umschließenden Halle.

Die Halle besteht aus drei nebeneinander stehenden Jochen mit

ebensovielen Kuppelgewölben auf acht freistehenden Pfeilern. Halle und

Sockel ruhen auf einer oblongen Fußplatte, welche von 16 Schnecken und

an den Ecken von 4 Delphinen getragen wird. Die Kuppelgewölbe werden

von pyramidenartigen, aus Architekturmotiven komponierten Aufsätzen

überhöht. Dem Sockel des Schreines sind zwischen den Pfeilern Kandelaber

vorgelegt, von welchen schlanke Säulchen bis zu den Scheiteln der

Gewölbebögen reichen. Das Ganze ist mit figürlichem und ornamentalem

Schmuck belebt. An den vier Ecken der Fußplatte vor den Säulen sitzen

griechische und biblische Helden: Herakles und Theseus, Nimrod und

Simson, an der Mitte jeder Seite die Kardinaltugenden Mäßigkeit,

Klugheit, Gerechtigkeit und Tapferkeit. Die vier Seiten des Sockels

lösen sich in Hallen auf, welche an den beiden Schmalseiten die

Statuetten des Meisters und die des hl. Sebald, an den beiden Langseiten

vier Reliefs mit Darstellungen aus dem Leben des Heiligen, die

wunderbare Füllung des Weinkruges, die Bestrafung eines Spötters, Sebald

an brennenden Eiszapfen sich wärmend und die Heilung eines Blinden,

enthalten. Vor den Eckpfeilern der Halle sind vier Sirenen, auf Säulchen

sitzend, als Leuchterhalter angebracht. In halber Höhe vor den acht

Pfeilern der Halle stehen ebenfalls auf vorgelegten, mit Postamenten

und Kapitälen versehenen Stäben die Statuetten der zwölf Apostel, der

Hauptfigurenschmuck des Sebaldusgrabes; an den stärkeren Eckpfeilern je

zwei, an den übrigen Pfeilern, je ein Apostel, und zwar an der Ostseite

Andreas und Petrus, an der Südseite Johannes, Jakobus der Ältere,

Philipp und Paulus, an der Westseite Judas Thaddäus und Matthias, an

der Nordseite Simon, Bartholomäus, Jakobus der Jüngere und Thomas.

Baldachine beschützen die Apostel. Die Pfeiler setzen sich über dem

Gewölbeansatz fort und tragen die kleinen Statuetten von Propheten und

Kirchenlehrern. Oben auf der mittleren Kuppel steht das Christuskind mit

der Weltkugel, eine Nachbildung des gestohlenen Vischerschen Originales

vom Ausgang des 18. Jahrhunderts. Im übrigen ist das ganze Denkmal

reich mit kleinen figürlichen und ornamentalen Reliefs, mit Putten und

allerlei Tierfiguren ausgestattet.

Nach der stilistischen Seite ist das Sebaldusgrab eine Mischung von

Gotik und Renaissance. Gotisch ist nicht nur die Gesamtanlage, sondern

auch eine Reihe von Architekturteilen, ausgesprochene Renaissance

fast die ganze Detailbehandlung und der figürliche Schmuck. Nach

der gegenständlichen Seite zeigt sich in der Verwertung antiker

mythologischer Gestalten der Einfluß des Humanismus.

In der künstlerischen Behandlung, besonders bei den Reliefs am

Sockel und vor allem bei den Apostelstatuen, ist der italienische,

hauptsächlich der oberitalienische Einfluß unverkennbar. Echt deutsch

ist der Phantasiereichtum. Seiner Originalität verdankt das Denkmal

seinen Weltruf. Es ist die bedeutendste Schöpfung der Renaissance auf

dem Gebiete des Erzgusses.

Das schlichte spätgotische Gitter ist eine Arbeit des Schlossers Jorg

Hames aus der Zeit der Vollendung des Vischerschen Grabmales.

[Illustration: Abb. 100. Gewölbeschlußstein mit der Geburt Christi. Im

nördlichen Seitenschiff.]

[Illustration: Abb. 101. Gewölbeschlußstein mit dem hl. Sebald. In der

nördlichen Sakristei.]

Die Idee, um den Sarg des hl. Sebald eine Halle zu errichten, hatte

bereits der Kirchenpfleger Ruprecht Haller (1474-1489). Er wandte sich

an Peter Vischer und dieser lieferte 1488 einen noch rein gotischen,

jetzt in Wien befindlichen Entwurf, welcher nur in der Gesamtanlage

mit dem später ausgeführten Werke übereinstimmt. Der Plan scheiterte,

wahrscheinlich an Geldmangel. Hallers Nachfolger Paul Volckamer

(1489-1505) und der rührige Sebald Schreyer, Kirchenmeister von

1482-1503, ließen den Plan nicht fallen. Allein erst unter Anton Tucher

und Lazarus Holzschuher im Verein mit Peter Imhoff und Sigmund Fürer

kam endlich die Idee zur Verwirklichung. Im Mai 1507 wurde der Beschluß

gefaßt, Peter Vischer ging sogleich an die Vorarbeiten. Das Messing

wurde von Hans und Andreas Rosner und Sebald Behaim bezogen. Nach

Vollendung des Fundamentes kam 1508 die östliche Hälfte der unteren

Partie, 1509 die westliche Hälfte zur Ausführung. Die entsprechenden

Inschriften lauten: »Ein anfang dvrch mich Peter Vischer 1508« und

»Gemacht von Peter Vischer 1509«. 1512 war die Halle vollendet, wie aus

einer Stelle bei Cochläus, Cosmographia des Pomponius Mela, erschienen

1512, hervorgeht, wo bereits von dem ganzen Kapellenbau die Rede ist.

Die Ausführung des figürlichen Schmuckes zog sich bis Frühjahr 1519

hin. Allein jetzt fehlten die Geldmittel, um Peter Vischer bezahlen

zu können. In kurzer Zeit waren dieselben aufgetrieben, nachdem Anton

Tucher am 17. März einen Aufruf an die leistungsfähigen Bürger erlassen

hatte (abgedruckt bei M. M. Mayer, a. a. O., S. 31 f.). Am 19. Juli

wurde das Grabmal aufgerichtet. Die Inschrift am Rande der Fußplatte

lautet: »Petter Vischer pvrger zv Nurmberg machet das werck mit sein

sunne. vn wurd folbacht im jar 1519 vnd ist allein Got dem Allmechtigen

zu lob vnd Sanct Sebolt dem Himelfürste zv Eren mit hilff frumer leut

vn dem allmossen bezalt.« Das Grabmal hatte ein Gewicht von 157 Ztr.

29 lb. Peter Vischer erhielt als Bezahlung 3145 fl. 16 Schilling,

also für den Zentner 20 fl. Von den angesehenen Bürgerfamilien hatten

Beiträge geleistet Sebald Schreyer und Gesellschaft 117 fl. 12 Heller,

Hans Starck 100 fl., Imhoff und Gesellschaft 60 fl., Sigmund Fürer und

Gesellschaft 80 fl., Hans Tucher der Ältere für sich und seine Brüder 20

fl. und für seine Gattin und deren Verwandtschaft 20-1/2 fl. usw. Siehe

Baader, Beiträge. 1, 53.

Von den Söhnen Peter Vischers des Älteren war Peter der Jüngere

am meisten an der Arbeit beteiligt, der möglicherweise auch der

hauptsächlichste Vermittler des oberitalienischen Einflusses war,

während man eine Beeinflussung durch Vorbilder der römischen Renaissance

wohl auf Peters des jüngeren Bruder, Hermann Vischer, hat zurückführen

wollen. Siehe Seeger, Peter Vischer der Jüngere. Leipzig 1897, S. 73-121.

1520 wurden an dem Sarg Reparaturen vorgenommen. 1628 fand eine

umfassende Renovierung des ganzen Grabmales statt, welche 644 fl. 19

[Schilling] 8 Heller kostete. »1523 wurde St. Sebaldsfest das letztemal

gehalten, und hat zwar der rat wegen St. Sebaldsfest befohlen, den sarch

sambt St. Sebalds gepainen allein zum weihbrunnen aus dem chor, in der

kirchen herumb vnd wider in den chor zu tragen vnd die andern ceremonien

zur vesper mit dem herab und hinauftragen mit den stadtpfeiffern

einzustellen. 1524 hat man wohl St. Sebaldsfest in der kirche gefeiert,

aber den sarch nit mer wie zuuor vmbgetragen.« Die Einstellung der

Prozession hing jedenfalls mit der Einführung der Reformation zusammen.

Besondere Beachtung verdienen endlich unter den Werken der Plastik

noch die =Gewölbeschlußsteine= in den Seitenschiffen und im Ostchor.

Außer einer Anzahl rein ornamental behandelter Schlußsteine finden

wir mehrere, die groteskenartig ein von stilisiertem Blattwerk

umrahmtes Menschenantlitz aufweisen; in den westlichen Jochen des

südlichen Seitenschiffes ferner eine Darstellung der Kreuzigung mit

Maria und Johannes, darüber zwei schwebende Engel und die Symbole der

vier Evangelisten, beim Engel des Matthäus auf den Stirnseiten des

Schlußsteines noch die Löwin und den Pelikan; sodann im nördlichen

Seitenschiff von Osten nach Westen einen bogenschießenden Zentaur,

eine reizvolle als Hochrelief behandelte Geburt Christi (Abb. 100) und

den Agnus Dei; im Mittelschiff des Ostchores St. Sebaldus, eine Gruppe

von vier Wappen (Nürnberger Jungfrauenadler, Reichsschultheißenwappen,

einköpfiger und doppelköpfiger schwarzer Adler) und einen bärtigen Kopf

mit Heiligenschein (Gottvater?); im Chorumgang nördlich wiederum einen

Agnus Dei, südlich eine Madonna in der Glorie und einen Christuskopf.

In der nördlichen Sakristei ist die kleine Statue des hl. Sebaldus als

Schlußstein bemerkenswert (Abb. 101).

Die gesamte Plastik erwies sich gelegentlich der letzten Instandsetzung

der Kirche nach Entfernung mehrfach aufgetragener dicker Tünche als

polychrom behandelt. Von dieser ursprünglichen Polychromierung waren

überall noch so bedeutende Reste erhalten, daß eine Ergänzung derselben,

ein Wiederaufleben der Bildwerke in ihren alten Farben möglich wurde.

Beim Tympanonrelief des nördlichen Seitenschiffportales wurde aus

archäologischen Gründen von jeder Ergänzung der aufgedeckten alten

Polychromie abgesehen; bei einzelnen Skulpturen innerhalb der Kirche,

insbesondere der Verkündigungsgruppe an der Nordseite des Ostchores und

den plastischen Arbeiten des Petrusaltares, erforderten nur unbedeutende

Teile eine geringe Ergänzung.

3. Die Gemälde.

Die Tafelmalerei des Mittelaltares ist in der Kirche nicht durch

erstklassige Werke vertreten. Auf diesem Gebiete ist die Sebalduskirche

gegenüber ihrer Nebenbuhlerin, der Kirche St. Lorenz, zu kurz

gekommen. Was sie aufzuweisen hat, sind nur Ableger der in Nürnberg

blühenden Schulen des 15. Jahrhunderts. Um so mehr war die Kirche mit

Wandmalereien, und zwar nicht nur mit Malereien von rein dekorativem

Charakter, sondern mit einer großen Anzahl von in sich abgeschlossenen

figürlichen Darstellungen ausgestattet. Dieselben gehören ebenfalls

meist dem 15. Jahrhundert an und sind, was besonders hervorgehoben zu

werden verdient, häufig in Öl gemalt.

[Illustration: Abb. 102. Verkündigung. Holztafelgemälde im

Löffelholzchor.]

Die Tafelmalerei des 16. Jahrhunderts wird durch eine vorzügliche Arbeit

der Frührenaissance und die des beginnenden 17. Jahrhunderts durch eine

nicht unbedeutende Leistung repräsentiert.

Im Westchor an der Südwand hängen drei gleichgroße Gemälde: die

=Dornenkrönung= mit den Wappen der Löffelholz und Münzmeister (um

1433), die =Geißelung= mit den Wappen der Löffelholz und Hummel (um

1435) und die =Verkündigung= (Abb. 102) mit den Wappen der Löffelholz

und Zollner (um 1448). Die Darstellungen sind auf Goldgrund gemalt.

Auf den Bildern unten die Familienglieder des oder der Stifter. Die

angeführten Datierungen beruhen auf den Forschungen Karl Gebhardts

(a. a. O. S. 86-88), der die Verkündigung dem gleichen Meister

wie das Imhoff-Volckamersche Epitaph mit der Geburt Christi (sieh

unten) zuschreibt und geneigt ist, auch die beiden anderen Stücke,

Dornenkrönung und Geißelung, diesem »Meister der Sebalder Epitaphien«,

wie er ihn nennt, zu geben.

Am ersten nördlichen Mittelschiffpfeiler ein Holztafelgemälde mit der

=Krönung Mariä= nach dem Holzschnitte des Marienlebens Dürers von

einem seiner Nachahmer (Abb. 103). Unten am Bild die Familienglieder

des Stifters mit den Wappen der Imhoff, Tetzel, Holzschuher, Tucher,

Löffelholz und Pömer. Um 1525. Imhoffsche Stiftung.

An der entgegengesetzten Seite desselben Pfeilers ein Holztafelgemälde

vom Jahre 1478, eine =Allegorie auf die Geburt Christi= darstellend.

In der Mitte die Anbetung des Christkindes durch Maria, in den Ecken

Moses am feurigen Busch, Aaron mit dem blühenden Stab, Gideon mit dem

Vließ und die Porta clausa des Ezechiel, ferner in den Zwischenräumen

der Pelikan, das Einhorn, der Phönix und der Löwe sowie die vier

Evangelistensymbole. Es ist eine Wiederholung der zum Andenken des

Professors Friedrich Schon ([gestorben] 1464) gestifteten Darstellung

vom Meister des Wolfgangaltares in der Lorenzkirche (Thode, S. 53;

Gebhardt, S. 80 ff.; Redslob in den: Mitteilungen aus dem Germanischen

Nationalmuseum. 1907, S. 24 ff., mit Abb.), nur mit deutschen statt mit

lateinischen Inschriften. Oben am Bild folgende Schrift: »Anno domini

milesimo CCCC vnd in dem lxxviij jare am freitag nach sant Valentins

tag verschied der erbar mann Vlrich Starck der elter dem got gnedig

vnd barmhertzig sei Amen. Vorneurt 1591. 1658.« Starcksche Stiftung

vom Jahre 1478. Infolge der inschriftlich beglaubigten Restaurierungen

schlecht erhalten. Unten auf dem Bild die Familienglieder des Stifters

mit den Wappen der Starck-Pirckheimer und Starck-Neudung.

Am zweiten nördlichen Mittelschiffpfeiler ein Holztafelgemälde mit

der =Verkündigung=. Von einem Meister des Überganges, Anfang des 16.

Jahrhunderts. Unten auf dem Bild der Stifter mit seinen Familiengliedern

und die Wappen der Ölhafen und Pfinzing. Stiftung der Ölhafen.

Am zweiten südlichen Mittelschiffpfeiler Holztafelgemälde mit der

=Taufe Christi= und anderen Szenen aus dem Leben Johannes des Täufers.

Unten kniende Angehörige der Örtelschen Familie, dazu rechts das Wappen

der Groß, links das der Örtel, in der Mitte die Inschrift: »Anno 1525

den 21. Julii Starb der Erbar Sigmund Orttell. Verneut An. 74.« Murr

wollte eben dieses Gemälde dem nach dem Zeugnis Neudörfers von Dürer

mit Anerkennung genannten Maler Sebald Baumhauer, der in seinem Alter

Kirchner an St. Sebald war, zuschreiben, doch, wie es scheint, ohne

triftigen Grund.

An der Ostseite des südlichen Vierungspfeilers ein Holztafelgemälde

mit der =Beweinung Christi=. Genaue Kopie nach dem Dürerschen Original

in der Alten Pinakothek zu München, vielleicht von Georg Gärtner

dem Jüngeren ([gestorben] 1654). Wie das Original =Holzschuhersche

Stiftung=.

In den unteren Ecken des Bildes ist der Stifter mit seiner Familie

abgebildet: links das Wappen der Holzschuher-Groland-Müntzer-Gruber(?),

rechts das Wappen der Gruber. Siehe Thausing, Dürer. II. Aufl., I. Bd.,

S. 180 ff.

An der Ostseite des nördlichen Vierungspfeilers gegenüber der Kanzel

ein Ölgemälde auf Holz, das =Jüngste Gericht=, freie Kopie nach dem

sogenannten Kleinen Jüngsten Gericht von Rubens vom Jahre 1628. Mit

Rahmen und einem Aufsatz. =Imhoffsche Stiftung.=

Auf dem Rahmensockel sind auf Holz gemalt die Bildnisse des Stifters,

seiner Ahnherren väterlicherseits mit den Jahrzahlen 1580 und 1628,

Willibald Pirckheimers und seiner Gemahlin und Albrecht Dürers mit der

Inschrift: »Effigies Alberti Düreri A^o 1509«; der Stifter hält eine

Tafel mit einem Spruch über die Vergänglichkeit des Lebens. Diesen

gegenüber Kreszentia, die Gattin Willibald Pirckheimers, kniend, hinter

ihr ihr Gemahl und Albrecht Dürer stehend, letzterer mit einer Tafel,

worauf die Inschrift, der zufolge die Gedenktafel Herrn Willibald Imhoff

dem Älteren und dessen in Gott ruhenden lieben Voreltern von seinem

Sohne Hans Imhoff zu Ehren aufgerichtet worden ist »anno salutis 1.

Januarii 1628«. -- Auf dem Rahmen über dem Gemälde des Jüngsten Gerichts

die Inschrift: »Das Gedechtnuß des Gerechten bleibt im Segen«, auf dem

Rahmen unten zwischen diesem Gemälde und der Votivtafel: »Hans Imhoff

Fundator«.

Der ebenfalls eingerahmte Aufsatz enthält ein Gemälde auf Leinwand:

=Allegorie auf die Vergänglichkeit= (Tod und zwei kräftige Knaben in der

Art des Rubens). Auf dem Rahmen oben: »Memento mori«, unten MDCXXVIII.

Zur Seite des Aufsatzes zwei Pyramiden in Holz geschnitzt, oben das

Wappen der Imhoff.

Die Gemälde sind wahrscheinlich Arbeiten des =Jörg Gärtner des Älteren=

([gestorben] 1640). Über das Verhältnis dieser Stiftungstafel zu der in

der Rochuskapelle von 1624 Ausführliches bei Stegmann, Rochuskapelle.

1885, S. 43 ff.

Im Bogenfelde des nördlichen Seitenschiffportales eine =Auferweckung des

Lazarus=, Holztafelgemälde von =Christian Ruprecht= aus der Mitte des

17. Jahrhunderts. Unten rechts das Wappen der von Wimpfen. Stifter des

Bildes war Johann Friedrich von Wimpfen (hingerichtet zu Nürnberg am 29.

August 1668).

[Illustration: Abb. 103. Krönung der Maria. Holztafelgemälde im

Mittelschiff.]

Am dritten nördlichen Chorpfeiler ein Holztafelgemälde mit der hl. =Anna

selbdritt= zwischen den Heiligen Nikolaus und Katharina vom Meister

des Imhoffschen Altares in der Lorenzkirche. Unten auf dem Bild die

Stifterfiguren mit den Wappen der Imhoff und Rothflasch. Von Christian

Baer restauriert. Stiftung Konrad Imhoffs aus dem 2. oder dem Beginn

des 3. Jahrzehnts des 15. Jahrhunderts. Vgl. Gebhardt, Die Anfänge der

Tafelmalerei in Nürnberg, S. 40 ff., wo wesentlich aus diesem Gemälde

die Beeinflussung des Meisters des Imhoffschen Altares durch die Kunst

des Gentile da Fabriano nachzuweisen versucht wird (vgl. über das Bild

auch Redslob, a. a. O. S. 28).

Am zweiten nördlichen Chorpfeiler ein Holztafelgemälde mit der

=Kreuztragung= in der Art des Wolgemut. Figurenreiche Darstellung mit

dem an die Altenburg bei Bamberg erinnernden Kalvarienberg nach dem

Stiche der Kreuztragung von Martin Schongauer (Thode, a. a. O. S. 193).

Unten auf dem Bild die Familienglieder des Stifters mit den Wappen der

Ebner, Tucher-Harsdörffer und Tucher-Rieter auf der linken und dem

Wappen der Tucher nebst den Insignien des hl. Grabes auf der rechten

Seite. Stiftung des Hans Tucher ([gestorben] 1491) vom Jahre 1485.

Am dritten südlichen Chorpfeiler ein Holztafelgemälde mit der =Geburt

Christi=. Maria betet vor dem Christuskinde, über welches sich ein Engel

beugt; links kniet Joseph, und von rechts kommen zwei Hirten herbei.

Stark übermalt. Auf der Predella der Stifter mit seinen Familiengliedern

(Frau, vier Söhnen und fünf Töchtern) und die Wappen der Imhoff und

Volckamer. Stiftung Konrad Imhoffs wohl aus dem Jahre 1438, dem

Todesjahre seiner Frau Klara, einer geborenen Volckamer (vgl. Gebhardt,

a. a. O. S. 84 ff.).

An der Wand unterhalb des Mendelfensters, die ganze Breite zwischen den

beiden Pfeilern einnehmend, ein Gemälde auf Holz von Hans Sueß, genannt

=Hans von Kulmbach=, die =Madonna mit Heiligen=. Zum Andenken an Lorenz

Tucher, Propst von St. Lorenz, gestiftet von dessen Stiefbruder Martin

im Jahre 1513 (Tafel XV).

Das Gemälde ist dreiteilig nach Art der gotischen Flügelaltäre, jedoch

als Votivgemälde gestiftet. Im Mittelbild thronend die Madonna mit

dem Christuskind, zwei über ihrem Haupte schwebende Engel halten die

Krone, zu ihren Füßen fünf musizierende Engel, seitlich des Thrones

links die hl. Katharina und rechts die hl. Barbara, hinter derselben

ein Schriftband mit dem Monogramm des Meisters und der Jahrzahl 1513.

Auf dem rechten Feld die Heiligen Johannes der Täufer und Hieronymus,

auf dem linken Feld die Heiligen Petrus und Lorenz, vor letzterem das

Bildnis Lorenz Tuchers, dabei das Wappen der Tucher und eine Tafel mit

folgender Inschrift:

D · O · M · ET · SS · V · M ·

Lavrencivs Tuchervs, ivr · doc · d · lav

ren · prepo · ratisp · cano · cvstos et vicem

tenens · vir bonvs ervditvs integer ·

anima deo reddita · ossa in sepvl

chro gentilicio sita ·

bene valeas et vigila viator qvisqvis

es : bulla es ·

vixit virtvose ann · LV · mens · VII · di · XV ·

mori · ann · M · D · III · octavo · calend · april

sola salvs servire deo : svnt

cetera fravdes ·

Die Komposition stammt von einem jetzt in Berlin befindlichen

Entwurfe Dürers vom Jahre 1511; der Entwurf ist ziemlich genau,

wahrscheinlich auf Wunsch des Bestellers, eingehalten, nur statt des

einen musizierenden Engels wurden fünf angebracht. Die venezianische

Renaissancestimmung jedoch, die sich hauptsächlich im Kolorit

ausspricht, ist auf Kulmbachs Lehrer Jacopo de Barbari zurückzuführen.

Das Gemälde gilt in der Kunstgeschichte als eines der besten des

Kulmbach. (Siehe Janitschek, Geschichte der deutschen Malerei. 1890, S.

375; Koelitz, Hans Sueß von Kulmbach und seine Werke. 1891, S. 54.).

1572 wurde das Bild von Nikolaus Juvenel restauriert, neuerdings

im Auftrage der Freiherrlich von Tucherschen Familie trefflich

wiederhergestellt durch den Konservator Andreas Mayer in Augsburg.

Über der Schautüre ein Holztafelgemälde des =Johann Kreuzfelder=, eines

Schülers des Nikolaus Juvenel, vom Jahre 1603 mit Szenen aus dem =Leben

der ersten Menschen= (Abb. 104). Das Gemälde nimmt die ganze Breite

der Wand mit dem Behaimschen Fenster und den Behaimschen Statuen der

Heimsuchung ein. Die eigentliche Bildfläche ist seitlich abgerundet, die

seitlichen Raumflächen enthalten, ebenfalls in Tafelmalerei, Stammbäume

der Familie Behaim mit Wappen derselben. Am oberen Teil des Rahmens drei

runde Medaillons mit Bildnissen dreier männlicher Mitglieder der Familie

Behaim. Das Bild selbst zeigt in reicher von allerlei Tieren belebter

Landschaft ohne äußerliche Abgrenzung die Erschaffung der Eva, Adam und

Eva im Paradies und die Vertreibung aus demselben. Der niederländische

durch Juvenel vermittelte Einfluß ist unverkennbar; vorzüglich sind die

Akte. Behaimsche Stiftung.

Auf dem unteren Teil des Rahmens: »Gleichwie vor disem Thürlein klein /

Das Endt der Welt in Stain gar fein / Ist abgebild als ist nit geringer

/ Der Welt Anfang durch Malers Finger / Hie fürgestelt das du Mensch

dein Leben / Von Anfang mogst betrachten eben / Wie das du nur seist

Staub und Erden / Zu der du auch mußt wider werden / Drum leb, auch

stirb hie seliglich / So bleibst bei Gott dort ewiglich. Renov. Anno

1774.« Mit dem »Endt der Welt in Stain gar fein« vor der Schautüre ist

das Relief mit dem Jüngsten Gericht gemeint (siehe S. 148). Die 1774

vorgenommene Renovierung war nicht umfassender Natur. Auf den anderen

Teilen des Rahmens: »Paulus, Christophorus, et Fridericus cognomine

Behaim, Fratres, Pauli Fridericique filii et nepotes, ob praeclaram in

successiuo et duodeno ordine maiorum suorum memoriam, picturam hanc

fieri et ceteris familiae suae monumentis affigi curarunt anno reparatae

per Christum salutis humanae M. D. C. III. Patriam beat prudentia.«

Auf dem Rahmen in Holz geschnitzt ein Totenkopf mit einem Schriftband:

»Talis terrenae vitae solet exitus esse.«

[Illustration: Abb. 104. Darstellung des Paradieses. Holztaf.-Gem. von

J. Kreuzfelder.]

[Illustration: Abb. 105. Abendmahl und Ölberg. Wandgemälde im Ostchor.]

Die Sebalduskirche in Nürnberg · 第 18 / 29 段