Nicht in die Schule der Seitenschiffportale gehört die überlebensgroße

Statue eines =Christus= mit den =Wundmalen= am ersten nördlichen

Pfeiler des Mittelschiffes. Die Behandlung des Nackten ist ziemlich

flach, die der Draperie dagegen erinnert in ihrer Vornehmheit an die

klassizistische Richtung der romanischen Epoche. Mit Konsole und

Baldachin aus der Zeit um 1335. An der Konsole das Wappenschild der

Holzschuher.

=Christus als Schmerzensmann.= Überlebensgroße Steinfigur mit Konsole

und Baldachin. Im nördlichen Seitenschiff am ersten Pfeiler. Nachbildung

des vorigen aus der Zeit um 1380. Mit dem Wappen der Pömer.

=Christus als Schmerzensmann.= Halblebensgroße Steinfigur, früher am

westlichen Pfeiler der südlichen Reihe, jetzt an der Nordwand des

Löffelholzchores, aus der Zeit um 1400. Ohne Sockel und Baldachin. Mit

dem Wappen der Ebner.

Die hl. =Helena= (Abb. 85). Lebensgroße Steinfigur im südlichen

Seitenschiff am ersten Pfeiler. Mit Baldachin aus der Zeit um 1350.

Konsole mit dem Wappenschild der Ebner, welches zwei Knappen halten, aus

der Zeit um 1320.

Ebenda =Maria mit dem Kinde=, durch Krone und Zepter als Himmelskönigin

charakterisiert. Lebensgroße Steinfigur aus dem 14. Jahrhundert. Das

Zepter ist neu.

Daneben die ebenfalls steinerne Statue der hl. =Katharina=, in der

Gesamtkomposition der früher erwähnten ähnlich, doch roher und von

älterem Typus. 14. Jahrhundert.

Der hl. =Antonius=. Dreiviertellebensgroße Steinfigur im südlichen

Seitenschiff am Turmpfeiler, aus der Zeit um 1350. Baldachin fehlt.

Konsole mit dem Wappenschild der Ebner, gehalten von zwei Knappen, aus

der Zeit um 1320.

An dem letzten nördlichen Pfeiler des Mittelschiffes (zugleich

ehemaliger Vierungspfeiler) gegenüber der Kanzel die Statue des hl.

=Sebald= aus der Zeit um 1390 (Abb. 86). Sebald faßt mit der Rechten den

Pilgerstab und hält mit der Linken das Modell eines gotischen, aus zwei

Stockwerken bestehenden Chores. Stein in farbiger Fassung. Mit Konsole

und Baldachin aus Stein. Die Konsole wird von einem Engel gebildet,

welcher die auf einem Wappenschilde vereinigten, mit der Legende des

Heiligen verknüpften Wappen von Dänemark und Frankreich samt den Wappen

der Mendel, Volckamer und Haller trägt.

[Illustration: Abb. 83. Statue des hl. Kaisers Heinrich im nördl.

Seitenschiff.]

[Illustration: Abb. 84. Statue des hl. Erhard im Mittelschiff.]

[Illustration: Abb. 85. Statue der hl. Helena im südlichen Seitenschiff.]

[Illustration: Abb. 86. Statue des hl. Sebaldus im Mittelschiff.]

[Illustration: Abb. 87. Kreuzschleppung von Adam Kraft.]

Am zweiten südlichen Pfeiler des Mittelschiffes ein Steinrelief mit

der =Kreuztragung von Adam Kraft= (Abb. 87) aus dem Jahre 1496.[IX]

Das Relief war früher an der Stadtgrabenmauer am Steig beim Zeug- oder

Kornhaus eingemauert und wurde nach Auflassung des Grabens zu Beginn

des 19. Jahrhunderts in die Kirche St. Sebald verbracht, wo es an der

bezeichneten Stelle als Altaraufsatz dient.

[IX] Das bei Daun, Adam Kraft und die Künstler seiner Zeit,

Berlin 1897, S. 79, erwähnte Entstehungsjahr 1506 findet sich

nirgends belegt. Nach 1500 könnte das Relief auch stilistich

gar nicht mehr entstanden sein. Es ist mit den Stationen und

namentlich, was den Hintergrund anlangt, zu nahe mit dem

Schreyerschen Grabmal verwandt, als daß es zeitlich so weit von

denselben abgerückt werden dürfte. Auch nach der kostümlichen

Seite gehört die Darstellung in die neunziger Jahre des 15.

Jahrhunderts. Es ist somit kein Grund vorhanden, an der

Richtigkeit der überlieferten Jahrzahl 1496 zu zweifeln.

Komposition wie Ausführung erinnern stark an die Kraftschen Stationen

in der Burgschmietgasse und an das Schreyersche Grabmal am Ostchor der

Kirche. Der obere Teil des Rahmens ist ornamental behandelt. Höhe 2·30,

Breite 1·10 m.

In der Mitte des Westchores ein eherner =Taufkessel= (Abb. 88), etwa um

1410 entstanden. Um den Hals sowohl wie um den Kessel laufen in Reliefs

Arkadenbögen, dort 12, hier 21, mit ebensovielen Figuren: Christus am

Kreuz, Maria, Johannes, Apostel, Propheten und andere Heilige. Die

übrigen Teile sind durch Ringe mehrfach profiliert und mit Weinranken

verziert. Vor dem Hals stehen auf Postamenten, welche mit dem Fuß des

Kessels organisch verbunden sind, in gleichen Zwischenräumen vier

männliche Figuren, mit ihrem Häuptern gleichsam den Kessel stützend, von

denen drei aus einer und derselben Gußform gegossen zu sein scheinen.

Der Innenraum des Halses, der an der Nordseite mit einer Tür versehen

ist, war für Heizung eingerichtet, um das für die Taufe bestimmte Wasser

an Ort und Stelle wärmen zu können.

[Illustration: Abb. 88. Eherner Taufkessel im Löffelholzchor.]

Der Taufkessel hatte dadurch historische Berühmtheit erlangt, daß in

ihm am 11. April 1361 der nachmalige König Wenzel getauft worden sein

und das Taufwasser besudelt haben soll. Dabei kursierte die andere

Erzählung, daß man beim Wärmen des Taufwassers im Pfarrhof bei St.

Sebald mit dem Feuer unvorsichtig umging, so daß der Pfarrhof abbrannte.

Daß der Pfarrhof 1361 abbrannte, ist urkundlich nachweisbar. Beruht

auch jene erste Anekdote auf Wahrheit, so hat es sich damals um den

jetzt nicht mehr vorhandenen =Taufstein= gehandelt, womit dann auch

übereinstimmt, daß das Wasser im Pfarrhof vorgewärmt wurde.

Der Taufkessel verdient weniger wegen der Ausführung des einzelnen als

vielmehr wegen seiner originellen Gesamterscheinung Beachtung. Er ist

das älteste bekannte Denkmal Nürnberger Gießkunst. Sein ursprünglicher

Standort war wie der seines aus Stein gefertigten Vorgängers im Schiff

der Kirche.

1572 wurde der Kessel gereinigt und unter den Fuß eine Steinplatte

gelegt. Der einfach profilierte Holzdeckel stammt aus der Zeit der

Spätrenaissance.

Im östlichen Joch des südlichen Seitenschiffes in einer Nische die Büste

des Pfarrers an St. Sebald Friedrich Michahelles ([gestorben] 1903), von

Fritz Zadow in griechischem Marmor ausgeführt.

2. Die Plastik im Ostchor.

Es folgt zunächst die Beschreibung der Statuen an der Ostchorwand, und

zwar derjenigen neben den Fenstern auf den vom Chorbau herrührenden

Konsolen in fortlaufender Reihe von der Brauttüre an.

[Illustration: Abb. 89. Der Apostel Andreas. Holzstatue von Veit Stoß.]

Rechts über der nördlichen Sakristeitüre der Apostel =Jacobus= d. Ä. mit

Pilgerhut, Tasche und Stab, lebensgroße Steinfigur. Um 1335. Einer der

letzten Ausläufer der mit der Erweiterung der Seitenschiffe gegründeten

Schule. Die »Renovierung« der Barockzeit hat den Jacobus durch Beigabe

eines Kirchenmodells in einen hl. Sebald verwandelt.

Links vom Mendelschen Fenster =Christus als Weltheiland=, die Weltkugel

in der Linken, mit der Rechten segnend. Lebensgroße Holzfigur in der

Art des Veit Stoß. 1657 wurde die Statue »aus dem Werkhaus in der

Karthausen« an den jetzigen Ort verbracht (Rechnungen im Freiherrlich

von Tucherschen Familienarchiv). Aus dieser Zeit stammt der in Kupfer

getriebene Heiligenschein. An der Konsole das Wappen der Tucher.

[Illustration: Abb. 90. Statue Johannes des Evangelisten im Ostchor.]

Rechts vom Mendelschen Fenster der hl. =Andreas= mit Kreuz und Buch

(Abb. 89). Überlebensgroße Holzfigur, ohne Zweifel von =Veit Stoß=, in

der Naturfarbe mit leichter Andeutung der Farbe von Lippen und Augen. Um

1495. An der Konsole das Wappen der Tucher.

Links vom Tucherschen Fenster der Apostel =Johannes= (Abb. 90), den

Giftkelch in der Linken, mit der Rechten segnend. Lebensgroße Figur von

gebranntem Ton. Um 1410. Hände und ein Teil der Gewandung sind neu. An

der Konsole das Wappen der Tucher.

Rechts vom Tucherschen Fenster der hl. =Johannes der Täufer= mit Buch

und Lamm in der Linken. Überlebensgroße Steinfigur. Um 1430. An der

Konsole das Wappen der Tucher.

Links vom Fürerschen Fenster ein hl. =Apostel= mit einem Buch in der

Linken. Lebensgroße Steinfigur. Um 1335. Einer der letzten Ausläufer der

mit der Erweiterung der Seitenschiffe gegründeten Schule. Die rechte

Hand ist ergänzt.

Rechts vom Fürerschen Fenster der Apostel =Johannes=. Lebensgroße

Holzfigur. Jedenfalls von einer Kreuzigungsgruppe stammend. Um 1460.

[Illustration: Abb. 91. Thomaschristus von Veit Stoß im Ostchor.]

[Illustration: Abb. 92. Schmerzensmutter von Veit Stoß im Ostchor.]

Links und rechts vom Stromerschen Fenster die beiden Holzfiguren einer

=Verkündigung=, links der =Engel= und rechts =Maria=, knieend. Um 1460.

Das Zepter des Engels ist erneuert. Am linken Sockel das Wappen der

Starck, am rechten das der Imhoff.

Zu beiden Seiten des Bambergischen Fensters die fast lebensgroßen

Steinfiguren der Heiligen =Heinrich= (Abb. 48, 49) und =Kunigunde=.

Um 1335. Wiederum letzte Ausläufer der mit der Erweiterung der

Seitenschiffe gegründeten Schule. Die beiden Statuen waren vor der

letzten Restaurierung bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Die gefundenen

Spuren berechtigten zur Ergänzung der Figuren als Diözesanheilige. Bei

Heinrich ist das Modell des Bamberger Domes, bei Kunigunde das Zepter

neu.

Zu beiden Seiten des Maximilianfensters die überlebensgroßen

Steinfiguren der Apostel =Paulus= und =Petrus=. Um 1375, aus der

Zeit der Vollendung des Ostchorbaues die einzigen Statuen der

langen Konsolen- und Baldachinreihe. Schule des Meisters des

Sakramentshäuschens. Beide Apostel mit ihren Attributen. Gut erhalten.

An der Konsole der Paulusstatue das Wappen der Usmer.

[Illustration: Abb. 93. Statue des hl. Erasmus im Ostchor.]

[Illustration: Abb. 94. Statue der Maria von der Behaimschen

Heimsuchung.]

Zu beiden Seiten des Markgrafenfensters zwei überlebensgroße Holzfiguren

von =Veit Stoß= aus dem Jahre 1495 (an den Konsolen bezeichnet und

datiert). =Christus als Schmerzensmann= und =Maria als Schmerzensmutter=

(Abb. 91, 92). Die Holzfarbe ist beibehalten. An den Plinten wurden

bei der letzten Wiederherstellung der Kirche das Zeichen des Meisters

und die Jahrzahl aufgedeckt. An der Christusstatue sind eine Hand und

ein Fuß ergänzt. An der Statue der Maria ist der über den rechten Arm

geschlagene Gewandzipfel nachträglich, vermutlich von Stoß selbst,

angefügt. Nach den Wappen an den Konsolen stellen sich beide Statuen mit

den später behandelten drei Passionsszenen darunter als eine Stiftung

der Familie Volckamer dar.

Zu beiden Seiten des Pfinzingschen Fensters die unterlebensgroßen

Holzfiguren eines hl. =Papstes= und eines hl. =Bischofs= aus der Zeit

um 1470. Besondere Attribute fehlen. Die Statuen stammen vermutlich von

einem der früheren Altäre der Kirche. Hallersche Stiftungen.

Links vom Hallerschen Fenster die lebensgroße Steinfigur eines

hl. =Bischofs=. Attribut zur näheren Bestimmung fehlt. Um 1335. Wiederum

einer der letzten Ausläufer der mit Erweiterung der Seitenschiffe

gegründeten Schule. Rechte Hand ergänzt. Am Sockel Wappen der Haller.

Rechts vom Hallerschen Fenster die lebensgroße Terrakottafigur eines

=Apostels=. Attribut zur näheren Bestimmung fehlt. Um 1390. Aus der

Schule des Meisters der Tonbildwerke in der Jakobskirche. Ursprünglich

für einen anderen Ort bestimmt. Zuletzt neben dem Bamberger Fenster.

Rechter Fuß und linke Hand in der Barockzeit mangelhaft ergänzt.

Zu beiden Seiten des Schürstabschen Fensters die überlebensgroßen

Holzfiguren des hl. =Erasmus= (Abb. 93) und des hl. =Sebald=. Um 1450.

Gegenstücke, vermutlich von dem gleichen Meister. Attribute zum Teile

ergänzt. Zu den Füßen beider je ein kleines Lamm, außerdem beim

hl. Sebaldus das Wappen der Schürstab-Groß; am Sockel der Erasmusstatue

das Wappen der Haller-Tetzel, umgeändert in ein Wappen der

Schürstab-Groß.

Zu beiden Seiten des Behaimschen Fensters die überlebensgroßen

Steinfiguren einer =Heimsuchung=, die Heiligen =Maria= (Abb. 94) und

=Elisabeth=. Um 1420. Ergänzungen an den Händen der Maria und am Gewand

der Elisabeth; die Hände der Elisabeth sind neu. An jeder Konsole das

Wappen der Behaim.

Zu beiden Seiten des Volckamerschen Fensters die überlebensgroßen

Statuen einer =Verkündigung=, links der =Engel=, rechts =Maria=. Wie

die beiden eben aufgeführten Statuen aus der Zeit um 1420 und aus der

gleichen Schule. Am Engel sind Hände und Zepter neu, an der Maria nur

weniges ergänzt. An jedem Sockel das Wappen der Volckamer.

Verschiedene der erwähnten Konsolen zeigen als figürliche Darstellungen

Fratzen, groteske Tiergestalten usf., die von einem freien Spiel der

Phantasie zeugen.

An der Wand des Bambergischen Fensters ein =Wandtabernakel= (Abb. 50)

aus der Zeit zwischen 1372 und 1379.[X] Der in die Mauer eingelassene

Schrein ist von einem in Relief dargestellten architektonischen Aufbau

umgeben, welcher sich aus Strebewerk und Baldachinen zusammensetzt und

durch eine Reihe von Figuren belebt ist. Der Aufbau ist symmetrisch,

die Figuren korrespondieren. Der Gegenstand der Darstellung ist nicht

historischer, sondern repräsentativer Natur. Unterhalb des Schreines

die Einbalsamierung der Leiche Christi durch Joseph von Arimathia im

Beisein von sechs Jüngern. Zu beiden Seiten dieser Darstellung unter

einem Strebebogen je ein kniender leuchterhaltender Engel; darüber links

der hl. Petrus, rechts der hl. Sebald; über diesen in Baldachingehäusen

sitzend zwei Propheten mit Spruchbändern; in den Zwickeln zwischen der

unteren und mittleren Etage ein Pelikan und eine Löwin mit Jungen. In

den beiden äußeren niedrigeren Bögen unter Maßwerk oben zwei betende

Stifter; über denselben, jedoch ohne organische Verbindung mit ihnen,

zwei Baldachine und von hockenden Gestalten gebildete Konsolen mit

Engeln, welche die Leidenswerkzeuge halten; unmittelbar unterhalb der

Konsolen die Wappen der Stifter, links das der Groland, rechts das der

Muffel. Oberhalb des Schreines die Dreifaltigkeit mit Maria und Johannes

dem Evangelisten; über dieser Gruppe, bereits auf der Fensterbank,

geschützt durch einen dachartigen, von einer Turmspitze gekrönten

Baldachin Christus als Weltrichter mit Maria und Johannes dem Täufer

als Fürbittern. Zu beiden Seiten dieser Komposition rechts Christus als

Schmerzensmann auf einer Konsole mit einer hockenden Prophetengestalt

und unter einem Baldachin, welcher Figur wohl links eine Maria als

Schmerzensmutter entsprach, die jedoch nicht mehr vorhanden ist.

Erhalten haben sich hier nur die ähnlich gebildete Konsole samt

Baldachin.

[X] Rée (Nürnberg, Berühmte Kunststätten, Nr. 5, 3. Aufl., S. 43, vgl.

auch S. 61) datiert das Sakramentshäuschen annähernd richtig.

Daun, a. a. O., S. 10, setzt es an den Anfang des 15. Jahrhunderts

ohne nähere Begründung, Pückler (Die Nürnberger Bildnerkunst) gar

erst in die Zeit von 1430 bis 1442. Er erklärt diese Zeitangabe

nicht nur mit stilistischen Gründen, sondern auch damit, daß in

den beiden Stiftern Peter Groland und Jakob Muffel dargestellt

sind, welch letzterer 1442 »anscheinend schon als älterer Mann«

verschied. Pückler hält nämlich die Heiligenfigur auf der Seite

mit dem Muffelschen Wappen für Jacobus den Älteren, während

dieselbe doch als Sebald genau zu erkennen ist. Es sind eben die

beiden Hauptheiligen der Kirche Petrus und Sebald dargestellt ohne

weitere Bezugnahme auf die Vornamen der Stifter. -- Übrigens ist

der Stil der Figuren um 1440 gar nicht mehr möglich.

[Illustration: Abb. 95. Passionsszenen von Veit Stoß im Ostchor.]

[Illustration: Abb. 96. Ebnerrelief am Dreikönigsportal im Ostchor.]

Das ganze Gehäuse ist farbig gefaßt. Das Eisenbeschläge der Schreintüre

ist ornamental behandelt.

Das Ganze ist, wenn auch in der Ausführung kein hervorragendes

Kunstwerk, in der Komposition eigenartig. Es ist aus derselben

Bildhauerwerkstatt hervorgegangen, wie die Passionsdarstellungen außen

an den Ostchorpfeilern. Stiftung der Familien Groland und Muffel.

1514 hatte sich Propst Melchior Pfinzing vergeblich bemüht, das

Sakramentshäuschen aus der Kirche zu entfernen. In dem Jahre, in welchem

ihm der Rat erlaubte, die Quermauer zwischen der Pfarrkirche und St.

Moritz abzubrechen, wollte er ein neues und größeres Sakramentshäuschen

über dem St. Nikolaus-Altar errichten und hatte schon Mittel hierfür

gesammelt. Allein Jakob Muffel, Jakob und Leonhard Groland als

Nachfolger der Stifter des bisherigen Tabernakels widersprachen mit

Erfolg und ließen das alte herrichten.

Drei Stufen führen zu dem Wandtabernakel empor; ein fünfteiliges

schlichtes Eisengitter schließt das Ganze ab.

Auf dem Petrusaltar steht jetzt die Holzfigur eines =Christus als

Schmerzensmann= aus dem 17. Jahrhundert.

[Illustration: Abb. 97. Madonna in der Glorie. Statue (Birnbaumholz) im

Ostchor.]

Hinter dem Hauptaltar an der Wand des Markgrafenfensters, die ganze

Breite derselben einnehmend, ein Steinrelief mit =drei Passionsszenen=

(Abb. 95) in ebenso vielen gleich großen Feldern von =Veit Stoß= aus dem

Jahre 1499.

Von links nach rechts das Abendmahl, der Ölberg und die Gefangennahme.

Christus und die zwölf Jünger in der Darstellung des Abendmahls sollen

zufolge einer schlecht beglaubigten Tradition Bildnisse der Nürnberger

Ratsherren von 1499 sein.

Auf der Säbelscheide des Türken oder Polen in der Darstellung der

Gefangennahme das Monogramm des Veit Stoß und die Jahreszahl, die in

ihrer Verschnörkelung erst 1863 von einem Maler Alexander Lesser aus

Krakau hier entdeckt wurden. Im ersten Feld ist unten links der Stifter

Paul Volckamer mit seinen beiden Söhnen und dem Familienwappen, im

dritten Felde unten rechts seine beiden Frauen und seine drei Töchter

mit den Wappen der Mendel und Haller in kleinem Maßstab angebracht.

Das Relief ist eine der wenigen Steinarbeiten des Veit Stoß.

Im Ostchor an der Wand zu beiden Seiten der Schautüre zwei Steinfiguren

in Dreiviertellebensgröße mit Konsole und Baldachin. Die Statue links:

=Christus als Schmerzensmann= aus der Zeit der Vollendung des Chorbaues

mit dem Wappen der Behaim, die Statue rechts, eine =weibliche Heilige=

mit Buch, aus der Zeit um 1400 mit dem Wappen der Volckamer.

Im Bogenfeld über der Schultüre (Dreikönigsportal, vgl. oben) ein farbig

gefaßtes Holzrelief, das die von zwei Engeln gekrönte, das Christuskind

säugende =Madonna= (Abb. 96) darstellt. =Ebnersche Stiftung= vom Jahre

1429.

Rechts das Bildnis der Nonne Christine Ebner, Äbtissin des Klosters

Engelthal, und die Inschrift: »Die selig Cristina Ebnerin wart geborn

anno domini M cc lxxvii jar vnd wart lxxix jar alt vnd starb anno domini

mccc lvi an sant Johanes tag zv weinachtn vnd lebet seliglich im orden

zv Engeltal do liegt sie begraben bitte gott für das geschlecht der

Ebner.«

[Illustration: Abb. 98. Bronzestatuette der Maria von Stephan Godl.]

Darunter die Bildnisse von fünf Familiengliedern der Ebner mit den

Jahrzahlen 1384 bis 1490 und die Inschrift: »Anno domini M cccc xxix

Am Erichtag nach St. Paulitag do Starb Albrecht Ebner den gott genad.

Anno domini Mcccc xxix Am Lorentzentag Starb Agnes Pömerin Sein Hausfraw

der gott genad.« Dabei die eine Renovierung des Reliefs bezeichnende

Jahreszahl 1656.

Das Relief ist eine der besten Bildhauerarbeiten der damaligen Zeit

(vgl. über dasselbe Redslob, a. a. O., S. 57.)

Am ersten südlichen Chorpfeiler die überlebensgroße Steinfigur einer

=Madonna= aus der Zeit um 1380; das aus Holz geschnitzte Christuskind

ist nachträglich angefügt. Mit Konsole und Baldachin. Maria ist als

Himmelskönigin mit Krone und Zepter dargestellt. Die Behandlung des

nackten Christuskindes, welches einen Granatapfel hält und die Beine

übereinander schlägt, weist auf eine etwa 100 Jahre spätere Entstehung.

An dem ersten nördlichen Chorpfeiler die aus Birnbaumholz geschnitzte

und farbig gefaßte lebensgroße Statue einer =Madonna= mit dem

Christuskind aus der Zeit um 1410 (Abb. 97). Maria hält mit beiden Armen

das nackte Kind, das die Beine übereinander schlägt und mit einem Apfel

spielt. Zwei kleine Engel tragen die Krone und zwei Engel schweben

um die schalenförmige Mondsichel, auf welcher die Himmelskönigin

steht. Eine sternenbesäte Tafel mit großem Strahlenkranze bildet den

Hintergrund. Konsole und Baldachin, in Stein gearbeitet, schließen das

Ganze nach unten und oben ab. Die Statue zählt zu den besten Arbeiten

Nürnbergs im beginnenden 15. Jahrhundert.

Das Bildwerk war ursprünglich als Schrein gedacht, der durch zwei Flügel

geschlossen werden konnte. Es wird vermutet, daß die in der Pinakothek

zu München befindlichen Tafelgemälde des Hans von Kulmbach mit den

Heiligen Joseph und Zacharias die abhanden gekommenen Flügel sind.

Am dritten nördlichen Chorpfeiler die halblebensgroße Erzfigur einer

=Madonna= (Abb. 98), die als ein Werk von =Stephan Godl= erkannt

worden ist. Um 1515. An der hübschen Holzkonsole, die gleichfalls der

Frührenaissance angehört, das verschränkte Wappen der Eseler und der

Propstei von St. Sebald.

Mitten im Ostchor das =Sebaldusgrab=[XI] (Taf. XIV; Abb. 99). Es besteht

aus zwei Hauptteilen: 1. dem zur Aufnahme der Reliquien des hl. Sebald

bestimmten Schrein vom Jahre 1397 und 2. aus dem von Peter Vischer dem

Älteren und seinen fünf Söhnen in den Jahren 1508-1519 in Erz gegossenen

Gehäuse.

[XI] Über dasselbe vergleiche insbesondere Bergau in Dohme, Kunst und

Künstler. Bd. II, 2, Leipzig 1858; Lübke, Geschichte der

Plastik. 1880, II; Bode, Geschichte der deutschen Plastik.

1885; Autenrieth, Das Sebaldusgrab Peter Vischers, historisch

und künstlerisch betrachtet. Ansbach 1887; Rée, Nürnberg. S.

102 ff.; Daun, Adam Kraft und die Künstler seiner Zeit. S. 115

ff. Zusammenstellung der Literatur über Peter Vischer und auch

über das Sebaldusgrab findet sich bei Th. Hampe, Nürnberger

Ratsverlässe. 1904, Bd. I, S. 50 ff. Ganz neuerdings erschien:

Alexander Mayer, Die Genreplastik an Peter Vischers Sebaldusgrab.

1911. 2º.

1. =Der Reliquienschrein vom Jahre 1397.= Die Form des Schreines

ist ähnlich der eines länglichen Hauses. Eichenholz, verkleidet mit

Silberblech, welches abwechselnd mit dem reichsstädtischen Wappen und

dem des Schultheißen von Nürnberg in Treibarbeit gemustert ist.[XII] Auf

dem First ein durchbrochen gearbeiteter ornamentaler Fries, welcher zwei

Kreuzblumen auf den Giebeln verbindet.

[XII] P. J. Rée, a. a. O., S. 65, will das Silberblech des Sarges

erst 1506 hergestellt sein lassen, und zwar nach dem Vorbilde

des mit Silberplatten belegten Schreines des 15. Jahrhunderts,

in welchem in der Spitalkirche zum Heiligen Geist die

Reichskleinodien aufbewahrt wurden und welcher sich jetzt im

Germanischen Nationalmuseum befindet. Daran ist gar nicht zu

denken. Das Verhältnis ist umgekehrt.

1379 wurde der Sebaldusaltar durch einen neuen ersetzt. Auch dieser

wird in der Mensa die Gebeine des Heiligen bewahrt haben. 1397 wurde

für dieselben ein eigener Schrein, eine Art Sarg, beschafft und in

der Mitte des Chores aufgestellt. Anscheinend war auch ein Sockel für

denselben vorhanden. Alle Jahre am Tage des Heiligen (19. August) wurde

der Sarg in feierlicher Prozession in der Kirche herumgetragen. »In

solcher Prozession trugen die Alten Herren des Rates St. Sebaldi Sarg

um, welcher mit Pappenrosen besteckt war, unter demselben schloff das

Volk hin und wieder, dann sie glaubten: es würde ihnen hernach weder

Kopf noch Rücken wehe tun« (Vgl. M. M. Mayer, a. a. O., S. 31). In

zwei Legaten von 1412 und 1415 hatte Klara Geuder zwei Lampen beim

Sebaldusgrab gestiftet.

Die Sebalduskirche in Nürnberg · 第 17 / 29 段