und unmittelbar neben demselben auf Sockeln und Konsolen die
halblebensgroßen =Figuren der fünf klugen= (links) =und der fünf
törichten Jungfrauen= (rechts) (Abb. 66) mit Spuren alter Bemalung. Die
letzte der linksstehenden Figuren stammt aus der Neuzeit.
Die Statuen gehören der Schule des Meisters vom südlichen Portal an,
ebenso die Tierfiguren an den vier Konsolen. Es zeigt sich noch die
Feinheit und der weiche Fluß in der Gewandbehandlung, dagegen bereits
Eintönigkeit in Haltung und Köpfen. Mit Konsolen und Baldachinen aus der
Zeit des Portales, etwa 1315 bis etwa 1320.
Derselben Zeit gehören an zu beiden Seiten des Türbogens die
halblebensgroßen Figuren des Adam und der Eva, die ersten nackten
Gestalten in der Nürnberger statuarischen Plastik, mit den Wappen
der Muffel und Vorchtel und am Scheitel des Bogens das Brustbild des
segnenden =Christus=. In den Zwickelfeldern =Prophetengestalten= in
Relief.
Erst gegen Ende der vierziger Jahre des 14. Jahrhunderts wurde die
Brauttüre durch ein zwischen die beiden Strebepfeiler eingespanntes
=Maßwerk= zu einer Portalhalle umgestaltet.
[Illustration: Abb. 67. Geißelung Christi. Stationsrelief am Ostchor.]
[Illustration: Abb. 68. Kreuztragung. Stationsrelief am Ostchor.]
Die Hauptteile desselben bilden ein Spitzbogen und ein demselben
eingefügter Halbkreisbogen, die äußeren Zwickel des Spitzbogens
sind rechteckig eingerahmt. Die leeren Flächen sind mit zierlichen,
durchbrochen gearbeiteten Ornamenten ausgefüllt und der Halbkreisbogen
unten mit einem ebenfalls zierlichen, durchbrochen gearbeiteten
Bogenfries besetzt. Das Gesims des Spitzbogens ist mit Krabben besetzt.
Weibliche Figuren tragen die Konsolen, auf welchen das Ganze zu ruhen
scheint.
Zu beiden Seiten des Maßwerks zwei dreiviertellebensgroße Figuren, neue
Kopien von Statuen aus der Zeit um 1430: links die hl. =Maria= mit dem
Christuskind, unten das Wappen der Topler, rechts der hl. =Sebald= mit
dem Wappen der Schnöden. Die Originale befinden sich im Innern der
Kirche.
An der Westwand der großen Sakristei die überlebensgroße Statue
eines =Christus mit den Wundmalen=. Christus hält mit der Linken die
Mantelenden und weist mit der Rechten auf die Seitenwunde. An der
Konsole halten zwei menschliche Gestalten das Wappenschild der Rieter.
Mit Konsole und Baldachin aus der Zeit um 1400. Die Figur ist eine
Kopie; das Original befindet sich in der Kirche.
An der Nordseite der Sakristei Darstellung der =Gregoriusmesse=,
daneben ein Relief der =Verkündigung Mariä= mit dem Helmschmuck der
Muffel. Beide Reliefs, von denen das erstere heute durch eine Kopie
ersetzt ist (Original im Lapidarium), befanden sich bis zur letzten
Wiederherstellung der Kirche in der Nähe des Treppentürmchens am
nördlichen Turm.
[Illustration: Abb. 69. Passionsszenen von Adam Kraft. Schreyersches
Begräbnis am Ostchor.]
Links von der Brauttüre um die ganze Sakristei herum die meisten der
sogenannten =Wetzrillen=, über deren Bedeutung sich die Wissenschaft
bisher nicht klar ist. Sie finden sich auch sonst an der Kirche,
namentlich an den Portalen.[VIII]
[VIII] Über die Wetzrillen an der Sebalduskirche vgl. Otto Schulz in
der Denkmalspflege. III (1901), S. 651.
An den Pfeilern des Ostchores von der nördlichen bis zur südlichen
Sakristei zehn Reliefdarstellungen aus der =Passion=. Die Enstehungszeit
fällt zusammen mit der Erbauungszeit des Chores, demnach in die
Jahre 1372-1379. Die Reliefs sind -- bis auf eines -- aus gleicher
Schule, aber nicht von gleicher Hand. Rechteckiges Format und gleiche
Größe. Jedes Relief hat einen anderen Patrizier zum Stifter, wie die
beigefügten Wappen erkennen lassen.
Die Darstellungen sind:
1. Einzug in Jerusalem (Kopie aus der Mitte des 19. Jahrhunderts). --
Wappen der Welser.
2. Abendmahl. Kopie. -- Wappen der Groland.
3. Ölberg. -- Wappen der Geuder. Vom Anfang des 15. Jahrhunderts.
4. Gefangennahme. -- Wappen der Pfinzing.
5. Christus vor Pilatus. -- Wappen der Geuschmid.
6. Geißelung (Abb. 67). -- Wappen der Beheim.
7. Dornenkrönung. -- Wappen der Sachs.
8. Kreuztragung (Abb. 68). -- Wappen der Grundherr.
9. Christus am Kreuz. -- Wappen der Behaim.
10. Auferstehung. -- Unbekanntes Wappen.
Am Ostchor zwischen den beiden Pfeilern mit dem Pfinzingschen und dem
Geuschmidschen Passionsrelief das =Schreyersche Grabmal= (Abb. 69).
Steinrelief von Adam Kraft, vollendet 1492.
Das Relief ist dem Raum zwischen den zwei Strebepfeilern angepaßt, so
daß sich das größere Mittelstück an die Wand und die beiden kleineren
Seitenflügel an die Pfeiler anlehnen. Es füllt die Mauerfläche vom
Sockel bis zum Gesims der Fensterbank und mißt in der Höhe über 2·50
m, in der Länge beinahe 6 m. In der Mitte vor dem Relief eine eiserne,
durchbrochen gearbeitete Laterne als Ewiglichtlampe mit der Jahrzahl
1492. Eine neue kassettierte Holzdecke mit Kupferbedachung schützt das
Ganze vor den Unbilden der Witterung, ein eisernes Gitter schließt nach
außen ab. Von den Baldachinen, die zu beiden Seiten den Abschluß des
Grabmales bilden, ist derjenige rechts erneuert. Original im Lapidarium.
[Illustration: Abb. 70. Konsole mit Mönchen an einem südlichen Pfeiler
des Ostchors.]
Das Relief enthält vier Darstellungen aus der Passion: auf dem rechten
Flügel die Kreuztragung, auf der rechten Hälfte des Mittelteiles die
Heimkehr des Volkes vom Richtplatz, auf der linken Hälfte die Grablegung
und auf dem linken Flügel die Auferstehung. Die einzelnen Szenen
sind nicht streng und auch nicht äußerlich voneinander geschieden,
sie gehen mittels eines reichen landschaftlichen Hintergrundes
unter Anwendung der Perspektive ineinander über. Die Landschaft
steigt fast bis an den oberen Rand empor. Die Hauptfiguren sind
dreiviertellebensgroß. Im Vordergrund unten sind die Familien der
Stifter in verkleinertem Maßstab mit ihren Wappen abgebildet; die
Wappen sind links Schreyer-Kammermeister, Schreyer-Link, Schreyer,
Schreyer-Oertel, Schreyer-Landauer, Schreyer-Marstall, Eyb, Fuchs,
Schreyer und Kammermeister, rechts Landauer-Rothenhahn, Landauer,
..?.., Schlüsselfelder-Landauer, Starck-Landauer, Landauer, wiederum
Landauer und Rothenhahn. Das ganze Relief zeigt Spuren von Bemalung.
Am 11. September 1490 schloß Adam Kraft mit dem Kirchenmeister Sebald
Schreyer und dessen Neffen Matthäus Landauer in Gegenwart zweier Zeugen
behufs Übernahme und Ausführung der Bildhauerarbeit einen detaillierten
Vertrag ab. Siehe Neudörfer, Nachrichten, herausgegeben von Lochner,
1875, S. 16 ff. und A. Gümbel im Repertorium für Kunstwissenschaft. XXV
(1902), S. 360 ff. Es wurde unter anderem die Bestimmung getroffen, daß
nur ein guter, ganzer und »unwetteressiger« Stein, bei Vach (1 Stunde
nördlich von Fürth) oder anderswo gebrochen, zur Verwendung gelangen und
daß die Kosten für die Ausführung 160 fl. nicht übersteigen solllen. Als
Zehrgeld während der Arbeit wurden 50 bis 60 fl. ausgemacht. Am 7. Mai
1492 war das Werk vollendet.
[Illustration: Abb. 71. Darstellung des Jüngsten Gerichtes. Schedelsches
Relief über der Schautüre.]
Das Kraftsche Relief ist von eminent malerisch-dramatischer Wirkung,
die figurenreichste und umfassendste Komposition Krafts (vgl. Lübke,
Geschichte der Plastik. 1880, II, 722). Nach Lochner hätte Kraft nach
einem Gemälde gearbeitet, möglicherweise nach einem Gemälde Wolgemuts,
des Freundes von Sebald Schreyer. Die Behauptung scheint der Wahrheit
zu entsprechen, da die Kraftschen Schöpfungen sonst nicht in solchem
Maße auf malerische Wirkung berechnet sind. Allein der Entwurf für
die Komposition selbst scheint Krafts geistiges Eigentum zu sein. In
der Ausführung ist den Schülern mitunter manches überlassen worden.
Ausführliches bei Daun, Adam Kraft und die Künstler seiner Zeit. Berlin
1897, S. 19 bis 27 und 64.
[Illustration: Abb. 72. Grabrelief der Holzschuher am südlichen
Seitenschiff (Kopie aus der Barockzeit).]
Schon vor 1453 hatten die miteinander verwandten und befreundeten
Familien Schreyer und Landauer ihr Begräbnis an der Stelle des
Kraftschen Denkmals. Unten über dem Grabgewölbe liegen noch zwei
Grabsteine: links der Grabstein des Hans Schreyer ([gestorben] 1437) mit
seinem und den Wappen der Eyb und Fuchs, rechts ein Grabstein mit dem
Wappen der Landauer.
Für das von Sebald Schreyer gestiftete Ewige Licht und für das
Sakramentshäuschen wurde 1493 ein Ablaß gewährt. 1508 wurde der Ablaß
bestätigt.
An den Strebepfeilern des Ostchores waren zwei übereinander liegende
Reihen von =Konsolen und Postamenten= zur Aufnahme zahlreicher Figuren
bestimmt, von denen jedoch nur wenige zur Ausführung gekommen sind.
Der oberen Reihe gehören zwei =Prophetenfiguren= an, die sich in sehr
vergittertem Zustande an einem Strebepfeiler der Nordseite vorfanden
und von denen die eine sich jetzt im Germanischen Museum, die andere im
Lapidarium der Kirche befindet.
Die untere Reihe von Konsolen ist mit allerlei satirischen und anderen
Profandarstellungen, auch naturwahren Tiergestalten usw. in trefflicher
Ausführung geschmückt (Abb. 70). Ein Teil derselben ist erneuert
(Originale im Lapidarium). Dieser unteren Reihe gehört am siebenten
Pfeiler des Ostchores, d. h. an dem Pfeiler, an welchem unten das Relief
der Dornenkrönung angebracht ist, oberhalb des Kaffgesimses auf einem
Sockel die lebensgroße Statue des hl. =Sebald= an sowie am folgenden
Pfeiler die der hl. =Maria=, beide aus der gleichen Zeit wie die
Passionsdarstellungen. Die Figuren sind durch besonders reich gebildete
Baldachine hervorgehoben; ihre Hintergründe zeigen deutliche Spuren
alter Bemalung, von der sich noch Engelsgestalten erkennen lassen.
Ein Sockelstück auf dem Fenstergesims zwischen diesen beiden Figuren
läßt darauf schließen, daß sie ehemals mit einer Mittelfigur zu einer
wirkungsvollen, durch reichen Farbenschmuck ausgezeichneten Gruppe
verreinigt waren.
Die neueste Wiederherstellung der Kirche hat die meisten der
leergebliebenen Postamente mit Propheten, Aposteln und anderen
Heiligengestalten belebt (siehe das Kapitel über die jüngste
Restauration S. 90).
Über der Schautüre das eingerahmte Steinrelief des =Jüngsten Gerichtes=
(Abb. 71). Die Komposition zerfällt in eine obere und untere Hälfte.
Oben thront in der Mitte Christus, zu beiden Seiten sitzen in einem
Bogen auf Wolken die zwölf Apostel. Die ausgesparten Zwickel über
denselben füllen vier schwebende Engel aus, die ursprünglich mit
Posaunen ausgerüstet waren. Zu Füßen Christi knien die fürbittenden
Maria und Johannes, in die untere Hälfte der Komposition reichend.
Diese wird durch eine Inschrifttafel in eine linke und rechte Hälfte
zerlegt: hier werden die Auferstandenen von einem Engel in die
Himmelspforte, welche Petrus hütet, geleitet, dort von einem Ungeheuer
in den Höllenrachen befördert. Über der Inschrifttafel zwischen
Maria und Johannes erheben sich die Toten. Links und rechts von der
Tafel der betende Donator und das Wappen seiner Familie, nämlich
das der Schedel. Die Inschrift lautet: »Anno domini MCCCCLXXXV die
quarta mensis Decembris obiit peritissimvs artivm et medicine doctor
Hermannvs Schedel, physicvs Norinbergensis, qui cvm sva familia hic
in pace qviescit.« Die Gedenktafel ist jedenfalls eine Stiftung des
Hartmann Schedel, des berühmten Herausgebers der nach ihm benannten 1493
erschienenen Weltchronik, zu Ehren seines Sohnes. Die Entstehung dürfte
in die nächsten Jahre nach 1485 fallen.
Auf einem der Grabsteine befindet sich ein Steinmetzzeichen. Die
Komposition ist noch ganz mittelalterlich. Die profilierte Umrahmung ist
erneuert (vgl. Redslob a. a. O. S. 58 ff.).
Nach M. M. Mayer, Die Kirche des hl. Sebaldus (1831), S. 15, befand
sich früher rechts von diesem Relief eine weitere =Gedenktafel der
Familie Schedel=, nämlich ein eingerahmtes Holztafelgemälde mit der
=Geburt Christi=, darüber in drei Abteilungen die Inschrift: »Hartmannus
Schedel, artium ac utriusque medicine doctor, obiit anno domini m.
d. xiiii die xxviiii mensis Nouembris. Magdalena Schedlin, filia
Antony Haller, obiit Anno domini m. d. v. die xiiii mensis Julii. Anne
Schedlin, filia Alberti Heugeli, obiit anno domini M. cccc xi mensis
Septe[mb]ris.« Das schon zu Mayers Zeit sehr verwaschene Bild war 1888
nicht mehr vorhanden; der Rahmen befindet sich im Lapidarium.
[Illustration: Abb. 73. Bogenfeld im Portal des südlichen
Seitenschiffes.]
An der Kapelle neben der südlichen Sakristei =Kruzifixus zwischen Maria
und Johannes=. Rundfiguren des 14. Jahrhunderts. An der Konsole des
Johannes das Wappen der Groland, unter der Maria das Wappen der Zollner.
Kopien. Die Originale der Maria und des Johannes befinden sich in der
Kirche.
An dem nun folgenden =Dreikönigsportal= die Rundfiguren der heiligen
drei Könige und der Maria mit dem Kinde auf Konsolen. An letzteren die
Wappen der Holzschuher, Muffel und Frey (?). Die Figuren stammen aus
der Zeit des Portales. Die Tympanonfüllung wird durch die Rückseite des
holzgeschnitzten und polychrom behandelten Ebnerschen Reliefs gebildet,
das bei der Beschreibung der Denkmäler des Innern näher behandelt wird.
Es ist nicht unwahrscheinlich, daß das Relief, um es vor den Unbilden
der Witterung zu schützen, umgekehrt worden ist, früher indessen einen
Schmuck des äußeren Portals, das in gleicher Weise polychrom behandelt
ist, bildete.
[Illustration: Abb. 74. Grabrelief der Pömer am südlichen Treppenturme.]
Links vom Dreikönigsportal ein =Ecce homo= mit dem Wappen der Geuschmid.
Zu beiden Seiten des Portals zwei =Bischöfe=. Kopien. Die Originale in
der Kirche.
Am ersten Fenster des Seitenschiffes Doppelrelief: oben =Krönung Mariä=,
unten der =ungläubige Thomas=. Das obere Relief ist alt, das untere
Kopie (Original im Lapidarium).
An der anderen Seite des Fensters ein =Epitaph= der =Holzschuher=,
ursprünglich vielleicht aus der Zeit um 1430. Steinrelief mit dem
thronenden Gott Vater, den Gekreuzigten haltend, in der Mitte, mit den
hl. Johannes dem Täufer, Sebald und Paulus auf der linken und Petrus,
Thomas und Christophorus auf der rechten Seite; vor den Heiligen die
Stifter mit den Wappen der Holzschuher und Pömer links und den Wappen
der Holzschuher und Pfinzing rechts; auf dem steinernen Tragbalken des
Reliefs die Wappen der Holzschuher und Kreß, Holzschuher und Hummel,
Holzschuher und Groland und Holzschuher und Haller. Offenbar Kopie der
Barockzeit (Abb. 72).
An der Wand des nächsten Joches Relief der =Auferweckung des Lazarus=,
durch zwei Säulen dreigeteilt. Nach M. M. Mayer, a. a. O., S. 17, trug
der obere, später in Verlust geratene Teil die Jahreszahl 1520 und das
Wappen der Pömer. Kopie, deren oberer Teil frei ergänzt wurde; Original
des unteren Teiles im Lapidarium (Abb. 140). Vermutlich ein Werk des
Veit Stoß.
An der Stirnseite des nächsten Strebepfeilers ein kleines Relief:
=Christus am Ölberg=. Kopie. Über die Ölbergreliefs an St. Sebald und
die daran erkennbare Stilentwicklung handelt im Zusammenhang E. Redslob
in den Mitteilungen aus dem Germanischen Nationalmuseum 1907, S. 14 ff.
Das von M. M. Mayer S. 17 erwähnte schon damals fast ganz verwitterte
Relief mit dem hl. Sebaldus und zwei anderen Heiligen ist der Zeit zum
Opfer gefallen.
[Illustration: Abb. 75. Grabrelief der Haller am südlichen Turm.]
=Südportal=, beziehungsweise das südliche Eingangsportal des südlichen
Seitenschiffes:
Bogenfeld mit der Reliefdarstellung des =Jüngsten Gerichtes= (Abb.
73). Aus der mit der Erweiterung der Seitenschiffe begründeten
Bildhauerschule. Um 1310. Der Darstellung liegt die in der gotischen
Zeit übliche Komposition zugrunde, sie unterscheidet sich jedoch von
den übrigen Darstellungen des 14. Jahrhunderts noch durch den Mangel
einer sichtlichen Hervorhebung der Horizontalteilung sowie durch das
Vorhandensein des Erzengels Michael als einer stehenden Figur. Das
Relief zeigt ebenso wie die säulenartige Profilierung der Leibungen
Reste alter Bemalung.
Bei dem für die Komposition zur Verfügung stehenden engen Raum konnten
die sonst nirgends fehlenden =Engel mit den Leidenswerkzeugen= nicht
untergebracht werden oder wurden vergessen. Sie erhielten nachträglich
in Gestalt von Statuetten ihren Platz zu beiden Seiten in der
Bogenleibung auf dem Gesims der Kapitäle.
Außerdem steht noch links auf demselben Gesims die Figur des =Abraham
mit den Seligen im Schoß=. Dem Bildhauer schwebte wahrscheinlich
die Komposition des Nordportales am Bamberger Dom, der sogenannten
Fürstenpforte, vor Augen.
Seitlich des Portales die nahezu lebensgroßen Statuen der hl.
=Katharina= (Abb. 137) und des hl. =Petrus=. Beide stammen aus derselben
Schule wie die übrigen Figuren und das Relief des Portales. Die Statue
der hl. Katharina erinnert in ihrem Kostüm und mehr noch in ihrer
vornehmen Haltung und in der Behandlung der Draperie an die Statuen des
13. Jahrhunderts. Der Kopf der Statue (Abb. 138) muß ein Meisterwerk
des 14. Jahrhunderts genannt werden. Der Schöpfer dieser Leistung war
vielleicht der Begründer der ersten Bildhauerschule von St. Sebald.
Kopien. Die Originale in der Kirche.
Konsolen und Baldachine gehören der gleichen Zeit an, die figürlichen
Darstellungen an den =Kapitälen= der Portalleibungen der gleichen Schule.
Am Treppentürmchen des südlichen Turmes ein Hochrelief mit zwei
Darstellungen, oben: =Christus am Ölberg= (vgl. Redslob, a. a. O., S.
15 ff. und daselbst Tafel I), unten: =Christus als Schmerzensmann=, zu
beiden Seiten knien fünf Familienglieder des Stifters, unter diesen
sechs Pömersche Allianzwappen (Abb. 74). Die ganze Tafel, die Spuren
alter Polychromie zeigt und leider stark verwittert ist, ist von einem
kräftig profilierten steinernen Rahmen eingefaßt. Pömersche Stiftung vom
Jahre 1396.
[Illustration: Abb. 76. Türklopfer vom Brauttor.]
Darunter die Inschrift: »Heinrich Pömer der erste alhier starb an St.
Anna tag anno domini m ccc xxxj. Konrat Pömer starb an dem nehsten tag
nach Kunigundis in der fasten anno domini m ccc lxj. Friedereich Pömer
starb an der eilf tavsent meyd obent anno domini m ccc lxxvjj. Fraw
Elspet Jorg Pömerin, her Gotfrid Schoppers tochter, starb am pfinztag
nach Kungundis in der fasten anno domini m ccc lxxxxjjj.« Ferner die
Inschrift: »Steffan Pömer starb am fritag vor Martini anno domini m ccc
lxxxxv. Jorg Pemer starb am pfinstag nach obersten im ccc lxvj iar.«
Nach Mayer, a. a. O., S. 18, sollen Tafel und Inschriften 1797
restauriert worden sein. Die jetzigen Inschriften sind Kopien.
Daneben eine eingerahmte Tafel mit vier Wappenpaaren übereinander. Links
vier Wappen der =Pömer=, rechts von oben nach unten die Wappen der
Rummel, Haller, Schmittmaier-Imhoff und Zollner. Um 1400.
Unter dieser Tafel das Wappenschild der Pömer-Eisvogel. Um 1400.
Am südlichen Turm eine Tafel mit zwei Reliefdarstellungen in einem
mit Rosetten besetzten Rahmen. Die Tafel wird von einem Zinnenkranz
bekrönt (Abb. 75). Oben: =Christus am Ölberg=, dabei die knienden
Familienglieder des Stifters mit den Wappen der Fütterer und Haller.
Unten: Die =Dreifaltigkeit= mit den Heiligen Philipp und Simon, dabei
die knienden Familienglieder des Stifters mit den Wappen der Fütterer,
Haller und Derrer auf der linken und den Wappen der Eglofstein und
Grundherr auf der rechten Seite. Stiftung der Fütterer, und zwar von
zwei verschiedenen Familien dieses Geschlechts. Um 1430.
Im Bogenfeld des südlichen Turmportales das Steinrelief der
=Kreuzauffindung= und Kreuzprobe der =Kaiserin Helena=. Die Heilige
steht in der Mitte der beiden figurenreichen Szenen. Rechts wird das
gefundene Kreuz weggetragen, links wird durch das Kreuz eine totkranke
Frau geheilt. Unten knien rechts und links die Stifter mit ihren
Familien; von den Wappen derselben sind noch die der Groß und Oertel zu
erkennen. Vorzügliche Arbeit um 1510.
Am südlichen Turm neben dem Portal die überlebensgroße Statue des
hl. =Christophorus=. Der Märtyrer, ein Riese von Gestalt, trägt
gesenkten Hauptes auf den Schultern das Christuskind, welches sich am
Kopfe des Heiligen und an dessen baumähnlichen Wanderstab festhält,
und schreitet langsam durch das Wasser. An der Konsole halten zwei
Engel das Schlüsselfeldersche Wappen; dabei die Inschrift: »Heinrich
Schlüsselfelder anno domini M CCCC Xlii.« Das Werk pflegt man
vermutungsweise dem Bildhauer Hans Decker, der 1449 in den Nürnberger
Bürgerbüchern erscheint, zuzuschreiben. Es zeigt früh entwickelten
Naturalismus. Ein mit Kupfer gedecktes Dach schützt die Statue vor den
Unbilden der Witterung.
An der Südwestecke des südlichen Turmes in der Höhe der Glockenstube ein
ziemlich roher, etwa lebensgroßer =Kruzifixus= aus der Zeit um 1400.
Am Löffelholzchor ein kleines =Ölbergrelief=. 14. Jahrhundert.
Außer dieser Steinplastik wäre am Äußeren der Kirche noch einiger
bronzener =Türklopfer= Erwähnung zu tun, dreier prächtiger, den Ring
haltender Löwenköpfe des romanischen Stils an der Brauttüre (Abb. 76),
der Türe des Dreikönigsportales und der des südlichen Seitenschiffes,
eines Türklopfers der Spätrenaissance mit stilisiertem Frauenkopf an der
Tür des nördlichen Seitenschiffes.
[Illustration: Abb. 77. Statue des Apostels Johannes im Mittelschiff.]
[Illustration: Abb. 78. Statue des Apostels Philippus im Mittelschiff.]
[Illustration: Abb. 79. Statue des Apostels Petrus im Mittelschiff.]
[Illustration: Abb. 80. Statue des Apostels Simon im Mittelschiff.]
B. Die Plastik im Inneren.
1. Die Plastik der Westhälfte.
Die =Apostelstatuen im Mittelschiff= (Abb. 77 bis 81). Dieselben
sind Ausläufer der mit dem Umbau der Seitenschiffe begründeten
Bildhauerschule und zeigen teils noch die Vorteile derselben durch
glückliche Übersetzung der charakteristischen Merkmale ins Monumentale,
teils auch schon deutlich den Verfall der Schule. Sie gehören der Zeit
von etwa 1315 bis 1335 an. Bei der gegenwärtigen Restaurierung wurden
sie sämtlich von der dicken Tünchkruste, mit der eine frühere Zeit
nicht nur die Wände der Kirche, sondern auch die Statuen überzogen
hatte, befreit. Die alte Polychromierung mit reicher Verwendung von Gold
und auch die teppichähnlichen Hintergründe kamen hierbei wieder zum
Vorschein und wurden von kundiger Hand renoviert.
Die Konsolen, welche die Wappen der Nürnberger Familien Ebner,
Schreyer, Tucher, Kreß, Muffel, Knebel, Baumgartner, Neumarkter,
Rieter tragen, haben die Gestalt von Kapitälen teils in schlichter
Profilierung, teils mit reicher Ornamentik. Nur bei einer Konsole an der
südlichen Pfeilerreihe findet sich figürlicher Schmuck: zwei zierliche
Engelsfiguren flankieren einen mit Draperie umrahmten weiblichen Kopf.
An einem der Pfeiler des Mittelschiffes anstatt einer Apostelfigur
die Statue =Johannes des Täufers= aus der gleichen Werkstätte wie die
Apostel.
Ebenfalls als Ausläufer der gleichen Schule sind zu betrachten die
beiden Statuen der heilige =Kaiser Heinrich= und =Kaiserin Kunigunde=
(Abb. 82, 83) im nördlichen Seitenschiff. Um 1330; mit den Wappen der
Stromer aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Das Zepter der
Kaiserfigur ist neu.
Desgleichen gehört dieser Schule die Statue des hl. Bischofs =Erhard= an
einem Pfeiler der nördlichen Reihe an (Abb 84) (vgl. S. 132). Um 1335.
Hierher sind auch zu zählen als letzte und weniger gute Vertreter dieser
Schule vier Statuen im Ostchor an der Nordwand desselben, nämlich ein
hl. Bischof, ein Jacobus d. Ä. (später abgeändert in Sebald) und ein
Apostel (siehe S. 157-159).
[Illustration: Abb. 81. Statue des Apostels Bartholomäus im
Mittelschiff.]
[Illustration: Abb. 82. Statue der hl. Kunigunde im nördlichen
Seitenschiff.]