An die Stelle dieses Altars trat 1823 ein nach Zeichnungen Karl

Alexander Heideloffs in neugotischem Stil von dem Schreiner Heil und

dem Bildhauer Rotermundt ausgeführter Altarbau, an dem die schon

am Barockaltar angebrachte Gruppe, Christus am Kreuz mit Maria und

Johannes (Abb. 55, 56, 57), lebensgroße, in Holz geschnitzte und

farbig gefaßte Figuren des Veit Stoß und seiner Schule, wieder zur

Verwendung kam. Der Altar ist abgebildet im Sammler für Kunst und

Altertum in Nürnberg, 1. Heft (1824), Tafel zu S. 51. Bei der letzten

Wiederherstellung wurde dieser Heideloffsche Altar entfernt und zwischen

den mittleren Schiffpfeilern auf einem Tragbalken die Kreuzigungsgruppe

wieder angebracht. Bei dieser Gelegenheit wurde die Gruppe von dem ihr

anhaftenden dicken Ölfarbenüberzug befreit, die ansehnlichen Reste alter

Polychromierung ergänzt und im Innern des Christuskörpers folgende, nur

noch zum Teil leserliche, aber die Autorschaft des Veit Stoß bezeugende

Urkunde gefunden:

Ihs Maria

Adi 27 Julii 1520 jar

ist diser got auff gericht

durch Nicklos Wickel zw

Nurnberg mit hilff Aug[ustin]

-- -- -- -- -- und ist gemacht

von Veit Stoss zw Nurnberg

kostet -- -- -- -- --.

Die von Stoß herrührende Hauptfigur der Gruppe vom Jahre 1520 soll sich

ursprünglich auf einem zwischen zwei Pfeilern eingespannten Bogen über

dem Sebaldusgrabe befunden haben. Die Provenienz der Seitenfiguren ist

unbekannt. Heideloff ließ durch Bronzierung die alte Fassung der Figuren

zudecken.

Nach M. M. Mayer, Die Kirche des hl. Sebaldus (Nürnberg 1831), S. 34,

bot der Kurfürst von Mainz 1652 durch den Bildhauer Georg Schweigger

dem Rate von Nürnberg 1000 Dukaten für die Gruppe. Vgl. über dieselbe

ferner: Denkmalpflege. 1904, S. 96 und 131.

Die Mensa des Altars ist noch die ursprüngliche mittelalterliche und

enthält die S. 129 (vgl. Abb. 144) erwähnte Urkunde samt den darin

aufgezählten Reliquien.

Der =Tucher=sche oder =Nikolausaltar= (Abb. 51). Im Ostchor, und zwar im

nördlichen Umgang an Stelle des als linker Seitenaltar verwendeten alten

Nikolausaltars (siehe S. 130). 1659 von der Familie Tucher gestiftet.

Der Aufbau besteht aus Rückwand mit Gemälde, zwei flankierenden

Säulen und einem von denselben getragenen Giebel. Architektur wie

Bildhauerarbeit, von welch letzterer hauptsächlich der Christusknabe

auf dem Giebel Erwähnung verdient, stammen von Georg Schweigger. Der

Altar gehörte zur ehemaligen Barockausstattung der Kirche. Altarblatt

mit einem =Ecce homo=, Ölgemälde auf Leinwand von Matthäus Merian dem

Jüngeren. Unter dem Bilde die Inschrift: Er ist umb unser Sünde willen

zerschlagen Esa. 53. Oben das Wappen der Tucher.

[Illustration: Abb. 58. Geburt Christi. Von einem der Flügel des

Löffelholzaltars.]

[Illustration: Abb. 59. Legende des heil. Georg. Von einem der Flügel

des Löffelholzaltars.]

Der =Muffel=sche oder =Stephansaltar=. Im Ostchor, und zwar im südlichen

Umgang an Stelle des als rechter Seitenaltar verwendeten alten

Stephansaltares (siehe S. 131). 1663 von der Familie Muffel gestiftet,

nachdem sein Vorgänger in die Lorenzkirche transferiert worden.

Gegenstück zu dem Tucherschen Altar und mit diesem der hauptsächlichste

Überrest der Barockausstattung der Kirche. Altarblatt mit der

Auferstehung Christi, Ölgemälde auf Leinwand von Johann Franziskus

Ermel. Unter dem Bild die Inschrift: Er ist umb unser Gerechtigkeit

willen wieder auferweckt. Rom. 4. Oben das Wappen der Muffel.

Der =Petrusaltar=. Im Ostchor an der Wand hinter dem Hauptaltar.

Flügelaltar aus dem letzten Viertel des 15. Jahrhunderts (Abb. 53, 54).

Im Schrein fünf Holzfiguren, nämlich die lebensgroße Gestalt des

thronenden Petrus, zu beiden Seiten zwei Engel und über seinem Haupte

zwei schwebende Engel, welche wahrscheinlich die Tiara trugen. Farbig

gefaßt. Ein durchbrochenes reiches Stabwerk als Baldachin schließt den

Schrein oben ab. An dem feststehenden und an dem beweglichen Flügelpaar

zusammen in Tempera zwölf Szenen aus dem Leben des hl. Petrus, Gemälde

aus der Schule des Wolgemut.

Die Türen der Predella, ursprünglich wohl mit Gemälden geschmückt,

fehlen und sind durch einfache Brettertüren ersetzt. Schon 1572 fand

eine Restaurierung des Altares statt. In seinem jetzigen Zustande geht

er auf die Restaurierung durch Konservator Andreas Mayer in Augsburg

zurück.

[Illustration: Abb. 60. Halleraltar (geschlossen).]

Ein Gemälde auf Holz mit den Donatoren, dabei die Wappen der Topler,

Haller u. a., früher an der Vorderseite der Mensa, ist jetzt an der Wand

des nördlichen Seitenschiffes neben dem Turm angebracht. Eine an der

rechten Seite der steinernen Mensa mit Eisen beschlagene alte Holztüre

und der Raum, zu dem sie führt, läßt auf eine frühere Aufbewahrung von

größeren Reliquien, eines Heiligenschreines oder dergleichen schließen.

Ein =Wandgemälde mit Darstellungen aus der Apostelgeschichte=, um 1400

(Abb. 106), fand sich bei der letzten Wiederherstellung der Kirche

hinter dem Petrusaltar und ließ sich an eine Wand des südlichen

Chorumganges übertragen. Vergleiche über das Bild Gebhardt, Die Anfänge

der Tafelmalerei in Nürnberg, S. 14 und 20.

Der =Katharinen=- oder =Löffelholzaltar= (Abb. 43, 58, 59). Im Westchor.

Schrein und Predella um 1453, das übrige des Aufbaues im Empirestil vom

Ende des 18. Jahrhunderts.

[Illustration: Abb. 61. Halleraltar (geöffnet).]

Im Schrein zwei in Holz geschnitzte und farbig gefaßte Figurengruppen,

links wird die hl. Katharina gerädert, rechts wird sie enthauptet. Auf

den beiden beweglichen Flügeln vier Gemälde auf Goldgrund, weitere

Darstellungen aus dem Leben der hl. Katharina, innen links die

Disputation mit den Philosophen, rechts die Verbrennung derselben,

außen links die heiligen drei Könige, rechts der hl. Georg. Die

Predellanische, ursprünglich mit Holzskulpturen belebt, ist jetzt leer.

Auf den Türen der Predella innen, ebenfalls auf Goldgrund gemalt,

sechs Halbfiguren, links die Heiligen Heinrich, Kunigunde und Otto,

rechts Christus mit Johannes und Thomas, außen die Familienglieder des

Stifters und zwar links die männlichen mit den Wappen der Löffelholz,

Löffelholz-Dietner und Löffelholz-Stromer-Sachs, rechts die der

weiblichen mit den Wappen der Löffelholz-Züngel, Löffelholz-Kreß und

Löffelholz-Stromer.

Unten an der Predella die Inschrift: »Anno domini m cccc liii an s.

Thomas tag de Aqiin verschied frav Kunigund Wilhelm Loffelholtzin, der

got gnadt.« In dem Innenraum der Mensa fanden sich einige Knochenreste,

eine Gewandspange (?) und kleine ornamentale Bauteile, jetzt im

Lapidarium der Kirche. Am Empireaufsatz das Löffelholzsche Wappen.

Bezüglich der Gemälde siehe Thode, Die Malerschule von Nürnberg,

S. 118 ff. Gebhardt, S. 145 ff.

Der =Halleraltar= (Abb. 60, 61). Im Schiff am zweiten Pfeiler der

nördlichen Arkadenreihe. Es ist der in den Urkunden des Mittelalters

genannte Erhardaltar und stand noch im ersten Drittel des 19.

Jahrhunderts am dritten Pfeiler derselben Reihe (siehe S. 132).

Flügelaltar von etwa 1440-1450. Mittelbild und Innenseiten des

beweglichen Flügelpaares: auf gemustertem Goldgrund Christus am Kreuz

mit Maria und Johannes, links die hl. Barbara, rechts die hl. Katharina.

Der holzgeschnitzte ornamentale obere Abschluß stammt aus der Zeit der

letzten Wiederherstellung.

Auf den Außenseiten des beweglichen Flügelpaares Christus am Ölberg mit

den schlafenden Jüngern, unten die Stifter mit den Wappen der Haller

und Valzner und den Wappen der Haller, Koler und Seckendorf. Auf den

feststehenden Flügeln zwei heilige Bischöfe, bezeichnet als Erhard

(links) und Gori (rechts), vielleicht jedoch Erasmus und Blasius. Vgl.

Thode, Die Malerschule von Nürnberg, Frankfurt 1891; Gebhardt, a. a. O.,

S. 90 ff., hält den Meister des Halleraltars für einen Vorläufer des

Meisters des Tucherschen Altars in der Frauenkirche.

Auf dem Altar die minderwertigen holzgeschnitzten Statuetten einer

Verkündigung, 1470-1480.

Am zweiten südlichen Chorpfeiler noch ein kleiner =Altarschrein= mit

holzgeschnitzter Gruppe der heiligen Sippe. Außen die Verkündigung. Auf

den Innenseiten der Flügel zur Darstellung des Mittelschreines gehörige

Sippenbilder. Der Altar wurde bei der letzten Instandsetzung der Kirche

durch Konservator Andreas Mayer in Augsburg wiederhergestellt.

In den beiden Sakristeien sind noch die mittealterlichen =Mensen=

vorhanden.

* * * * *

Die =Kanzel= am südlichen Eckpfeiler von Ostchor und Mittelschiff. 1859

nach Krelings Entwurf von Bildhauer Lorenz Rotermundt im gotischen Stil

ausgeführt. Reiche Schnitzereien an Stiege, Korpus und Baldachin. Braun

gebeizt, mit reicher Vergoldung der Ornamente. Auf dem Schalldeckel

hohe, bis an das Gewölbe reichende Pyramide; an den fünf Seiten des im

Grundriß achtseitigen Kanzelmantels die Brustbilder Christi und von vier

Aposteln.

In einer Urkunde vom Jahre 1293 wird ein pulpitum erwähnt, das zwischen

den westlichen Vierungspfeilern in der Längsachse seinen Platz hatte

und sich somit auf dem durch die Ostkrypta bedingten, bis an das

Mittelschiff reichenden Hochchor befand. Vor ihm war der Johannesaltar

angebracht.

Von der gotischen Kanzel ist nichts bekannt.

1659 wurde im Zusammenhang mit der Barockausstattung der Kirche eine

neue Kanzel errichtet, welche der Leipziger Bürger Benedikt Winkler

stiftete und der Schreiner Leonhard Ackermann und der Bildhauer

Georg Schweigger ausführten. Von dieser Kanzel hat sich nur die

Figur eines auferstandenen Christus erhalten, die ehemals über dem

Treppenaufgang angebracht war, auf dem Boden der Nürnberger Königlichen

Kunstgewerbeschule wieder aufgefunden wurde und jetzt in einer Nische

des Löffelholzchors aufgestellt ist.

2. Plastik.

=Einleitung.= Der in den vierziger Jahren des 13. Jahrhunderts

vollendete spätromanische Bau der Kirche ist auffälligerweise, abgesehen

von der ornamentalen Behandlung der Kapitäle und einiger Konsolen, ohne

plastischen Schmuck geblieben. Statuen und Reliefs werden nicht nur

aus der Zeit der Erbauung, sondern auch aus der nachfolgenden Zeit bis

zum beginnenden 14. Jahrhundert überall vermißt. Nirgends eine Spur

ehemaliger Befestigung figürlicher Darstellungen und nicht ein einziger

Fund, welcher vom alten Bau herzurühren scheint. Die zum Zweck der

Feststellung des ersten Grundrisses 1899 vorgenommenen Ausgrabungen

waren nach dieser Hinsicht erfolglos. Eine zuverlässige Erklärung des

sonderbaren Umstandes ist nicht möglich.

Erst zu Beginn des 14. Jahrhunderts, im engen Anschluß an die

Erweiterungsbauten der beiden Seitenschiffe von St. Sebald, entfaltete

sich in Nürnberg eine Bildhauerschule und zwar gleich mit emsiger

Tätigkeit, denn eine Menge von Aufträgen wurden ihr zuteil. Zunächst

waren die beiden Seitenschiffportale mit Bogenfeldern und das südliche

mit den Statuen Katharina und Petrus auszustatten, ferner einige Statuen

an den Strebepfeilern des nördlichen Seitenschiffes, die Figuren der

Jungfrauen an der Brauttüre und schließlich im Innern die Statuen

der zwölf Apostel, des Kaisers Heinrich und der Kaiserin Kunigunde

und einige andere Figuren anzubringen. Gewiß ein weites Arbeitsfeld,

welches der Schule Gelegenheit bot, ihr ganzes Können zu zeigen. Die

wirtschaftlichen Verhältnisse der Stadt hatten sich ebenso wie die

politischen sehr zu ihrem Vorteil geändert, und so hielten es die

Patriziergeschlechter der Pfarrgemeinde für eine Ehrenpflicht, zur

reichen Ausstattung der Kirche ausgiebige Beiträge zu leisten.

Was die Qualität der Werke anlangt, so geht die größere Anzahl über die

Mittelmäßigkeit hinaus. Eine Arbeit, die Statue der hl. Katharina (Abb.

137, 138), ist zum Teil von hervorragender Schönheit. Überhaupt ist ein

Streben nach Formenschönheit charakteristisch für die Gestaltung fast

sämtlicher Bildwerke. Gesichtszüge, Haarlocken, Haltung, Draperie, alles

will gefällig erscheinen. Mit jener hl. Katharina zeigt insbesondere

ein Kopf am nördlichen Querschiff, möglicherweise das Bildnis des

Meisters, sowie das Wappen mit dem sogenannten Jungfrauenadler am

gegenüberliegenden Bestelmeyerschen Hause nahe Verwandtschaft. Die

Arbeiten gehören stilistisch noch in die Epoche der Hochgotik und zeigen

ebenso wie der Neubau der Seitenschiffe verwandtschaftliche Beziehungen

zur Freiburger Schule.

Die Lebensfähigkeit der ersten Nürnberger Bildhauerschule währte etwa

ein Menschenalter. Vom Ende der dreißiger Jahre an ging die Führung in

der Plastik von St. Sebald auf die andere Pfarrkirche St. Lorenz über,

es folgten die Frauenkirche und der Schöne Brunnen. An plastischen

Arbeiten aus dieser Zeit hat die Kirche St. Sebald nur zwei, die Statuen

der Heiligen Helena und Antonius im südlichen Seitenschiff, aufzuweisen,

welche mit den Figuren an der Vorhalle der Frauenkirche nahe verwandt

erscheinen.

Mit dem Neubau des Ostchores regte sich in der Plastik von

St. Sebald wieder neues Leben. Nur war der Umfang der Aufträge diesmal

verhältnismäßig gering. Es scheint, daß die unmittelbar vorausgegangenen

Bauten und insbesondere der Ostchorbau selbst an den Opfersinn der

Bürgerschaft zu hohe Anforderungen gestellt hatten. Und dann machte

ein anderes früher in Nürnberg nicht gekanntes Kunstgebiet, das der

Glasmalerei, welches zur Ausstattung der hohen Chorfenster Anlaß gab,

der Plastik bedeutende Konkurrenz.

So kam es, daß von den zahlreichen zur Aufstellung von überlebensgroßen

Statuen geschaffenen Stellen an der Innenseite der Ostchorwand mit ihren

originellen Konsolen und Baldachinen nur zwei mit Statuen, den Aposteln

Petrus und Paulus, besetzt wurden, den einzigen bedeutenderen Vertretern

der figürlichen Plastik dieser Schule. Dagegen fand jetzt das Relief

mehr Ausbreitung dadurch, daß außen an jedem Ostchorstrebepfeiler Tafeln

mit Passionsdarstellungen angebracht werden sollten. Die neue Schule

hat die ihr gestellten Aufgaben mit großem Geschick gelöst. Sie hat es

verstanden, einer derb-kräftigen Art in der Charakteristik der einzelnen

Gestalten beredten Ausdruck zu verleihen und die Begebenheiten

durch klare Disposition anschaulich zu erzählen, und steht damit in

innerster Beziehung zur Nürnberger Bildhauerschule um die Wende des

15. Jahrhunderts, die sich ebenfalls hauptsächlich auf dem Gebiete der

Reliefkunst betätigt hat und diesen beiden Vorzügen mit ihren Weltruf

verdankt.

Zur Schule der Skulpturen am Ostchor zählt auch das überaus eigenartige

Gehäuse des Wandtabernakels im Innern.

Polychrom sind fast alle Schöpfungen der ersten Schule: bei den

Statuen im Innern auch Konsolen und Baldachine, selbst der Hintergrund

ist zuweilen farbig behandelt; die Bogenfelder außen an den

Seitenschiffportalen zeigen Spuren von Farbe und Gold. Bunt behandelt

ist bei den Werken der zweiten Schule nur das Sakramentshäuschen.

Die Bildhauerschulen von St. Sebald in der Frühzeit und aus

den siebziger Jahren des 14. Jahrhunderts repräsentieren die

Hauptentwicklungsstufen der Steinplastik Nürnbergs während des ganzen

Jahrhunderts, in dessen letzten Jahrzehnten nur noch die Tonplastik

eine besondere Blüte erlebt zu haben scheint. Von den Hervorbringungen

dieser Kunst bietet der Ostchor von St. Sebald gleichfalls einige

bemerkenswerte Proben. Es ist von Interesse zu beobachten, wie jene

hauptsächlichsten beiden Schulen, als Anfangs- und Endpunkt einer

fortlaufenden Entwicklung, sich trotz aller Ähnlichkeit diametral

entgegenstehen. Bei der ersten Schule mußten eben eine Reihe von

Anleihen bei einer anderen Schule gemacht werden, welche auf eine große

Vergangenheit zurückblicken konnte. Die Abhängigkeit der Nürnberger

Schule äußerte sich infolgedessen in der Aufnahme eines ihr fremden

Elementes, welches sich nicht einleben wollte. Bei der zweiten Schule

ist von fremdartigen Einflüssen keine Spur mehr, die charakteristischen

Eigenschaften der Nürnberger Bildhauerkunst bis Adam Kraft, vornehmlich

drastische ausdrucksvolle Darstellung, sind hier bereits in die

Erscheinung getreten.

Als Arbeiten der Plastik des 15. Jahrhunderts hat die Kirche mehrere

gefaßte Holzfiguren aufzuweisen, welche ursprünglich die Seitenaltäre

zierten und nach Beseitigung derselben auf die immer noch leeren

Konsolen der Ostchorwand gestellt wurden, und dann eine stattliche

Anzahl von Epitaphien, welche an der Außenseite in der Nähe der

Begräbnisstätten der Stifter eingelassen wurden. Den Höhepunkt in der

Ausstattung des Baues mit Bildwerken bezeichnet das zu Ende gehende

15. und das beginnende 16. Jahrhundert, zu welcher Zeit von den ersten

Meistern der Nürnberger Plastik Werke Aufnahme fanden, die an dem Ruhm

der Kirche mindestens den gleichen Anteil haben wie der Bau selbst.

Eine zusammenfassende Würdigung dieser Werke unterbleibt hier, da

dieselben nicht in Beziehung zur Geschichte des Baues stehen.

Bei dem nun folgenden =Inventar der plastischen Werke=, das sich

auf eine Aufzählung und kurze Erläuterung der einzelnen Skulpturen

beschränkt, werden zunächst die Arbeiten am Äußeren der Kirche und

alsdann die im Innern derselben in fortlaufender Reihenfolge behandelt

werden.

A. Die Plastik am Außenbau.

Am Mittelfenster des Westchors die überlebensgroße Erzstatue des

=Christus am Kreuz= (Abb. 62). 1625 gegossen von Johann Wurzelbauer, dem

Sohn des Meisters vom Tugendbrunnen. Ersatz für das von den Gebrüdern

Johann und Georg Starck 1482 gestiftete hölzerne Kruzifix, welches

zuerst an dem Schwibbogen zwischen Sebalder Pfarrhaus und Moritzkapelle

hing und 1543 nach Abbruch des Bogens an den Westchor von St. Sebald

verbracht wurde. Der Ersatz war wahrscheinlich infolge starker

Verwitterung dieses Kreuzes notwendig. Unten am Kreuz befindet sich eine

Messingtafel mit den Anfangsbuchstaben der Stifter: H S G S und eine

zweite Messingtafel mit der Inschrift:

Adspicite, o homines! miseranda in imagine Christum,

Adspicite immiti trajectum pectora ferro,

Pectora foedatasque manus perfusaque tabe

Ora cruentatumque caput crinesque revulsos.

Cernite liventes atro squalore lacertos,

Cernite eheu! plenos lacrimarum fundite rivos!

Monumentum hoc, quod prisca Starckiadum pietas dicavit per Johannem

et Georgium Starckium, fratres, renovatum est MDCXXV.

Bezüglich der Sage von den »Herrgottschwärzern« siehe M. M. Mayer

a. a. O., S. 7.

[Illustration: Abb. 62. Erzkruzifix am Westchor.]

=Epitaph der Ketzel= von 1453. Steinrelief an der Nordseite des

Westchors. Oben bildliche Darstellung: Rettung der Seelen aus dem

Fegefeuer. Darunter Inschrift: »Anno domini Mccccxxxiii iar an sontag

nach Maria geburt starb der erber elter Heinrich Ketzell, dem got

genad.« Darunter das Wappen der Ketzel und die Zeichen ihrer Würde als

Ritter des Heiligen Grabes (Kreuz von vier kleinen Kreuzen umgeben),

als Ritter des »Ordens von der Lilie oder vom Blumentopf« des Ordens

der »Equitum ensiferorum Cypri« (Schwert, von einem S umschlungen) und

als Ritter der hl. Katharina auf dem Berge Sinai (das halbe Rad der hl.

Katharina). Darunter die Inschrift: »Dar nach starb sein sun Heinrich

Ketzell am montag nach der heiligen drei kunig dag M cccc liii iar, dem

got genad.« Dieser Heinrich Ketzel war der erste aus seiner Familie, der

zum Heiligen Grabe zog.

=Epitaph der Pfinzing= von etwa 1480. Steinrelief an der Nordseite des

Westchors. Rechts das Wappen Pfinzing-Kreß, links Pfinzing-Lauffenholz,

zwischen beiden die kleinen Wappen der Pfinzing und der von Plauen. Über

den Wappen Inschrift, welche dahin noch entziffert werden kann, daß ein

Berthold Pfinzing 1357, ein anderer Berthold Pfinzing 1479, ferner ein

Otto und ein Sebald Pfinzing sowie des letzteren Frau Elisabeth, geb.

Mendel, hier begraben wurden. Stark verwittert.

=Epitaph der Maurer= von etwa 1458. Steinrelief an der Nordseite des

Westchors. Christus am Kreuz mit Maria und Johannes nebst den Stiftern.

Darunter das Wappen der Maurer und folgende Inschrift: »Von xps gepurt

xiii^c und lviii iar an sant Ambrosius tag wart Herman Maurer vnd sein

wirtin hie pegraben, des Sebolt Grabners anher. Anno domini xiiii^c

lviii iar starb Sebolt Grabner.« Kopie. Das Original im Lapidarium

der Kirche. Vgl. Redslob in den Mitteilungen aus dem Germanischen

Nationalmuseum 1907, S. 54 (doch mit unrichtiger Jahreszahl 1448).

Am ersten Pfeiler des nördlichen Seitenschiffes ein Steinrelief mit

=Christus am Kreuz, Maria und Johannes=. Darüber die Inschrift: »Anno M

cccclxjjj jar an sant Barbara tag verschied Burckhart Semler, dem got

genedig sey.« Mit den Wappen der Semler und Tetzel. Kopie. Original im

Lapidarium.

An demselben Pfeiler die lebensgroße Statue der hl. =Maria= mit dem

Christuskind und die Statuette des hl. =Christophorus=, Kopien der

Neuzeit. Ebenfalls Kopien sind die drei Konsolen mit den Baldachinen

(eine Konsole war von jeher leer). 1330-1335. Originale der Figuren im

Lapidarium.

Am nördlichen Seitenschiffe zwischen Turm und Portal das =Fuggersche

Epitaph= von 1497. Steinrelief mit dem =Schutzmantelbild Mariä=.

Unter dem Mantel Mariä die Familienglieder des Stifters. Darunter ein

kreisrundes Medaillon mit dem Wappen der Fugger und der Inschrift: »A.

D. 1497 am sontag nach Bartholomei tag starb Peter Fugger von Augsburg,

der hier begraben liegt, dem gott gnädig sey. Amen.« Siehe Edwin

Redslob, a. a. O., S. 57.

Links davon das Hallersche Epitaph. Steinrelief mit =Christus am

Kreuz=, =Maria= und =Johannes=. Links das Wappen der Haller, rechts das

der Paumgartner. Unten knieende Familienglieder des Stifters mit den

Wappen der Haller, Paumgartner und anderer Geschlechter. Um 1420. Stark

verwittert.

[Illustration: Abb. 63. Bogenfeld im Portal des nördlichen Seitenschiffs

mit Darstellungen aus dem Marienleben.]

=Nordportal=, beziehungsweise nördliches Eingangsportal des nördlichen

Seitenschiffes, die sogenannte Anschreibtüre. Bogenfeld mit den

Reliefdarstellungen des =Todes=, =Leichenbegängnisses= und der =Krönung

Mariä= (Abb. 63), durch eine Querleiste getrennt: unten die beiden

erstgenannten, oben die letztgenannte Darstellung. Farbig gefaßt. Um

1310. Von derselben Werkstätte wie das Bogenfeld des Südportales.

Von den =Kapitälen= der acht flankierenden Säulen an der Portalgewandung

sind zwei ornamental bearbeitet. An den übrigen befinden sich kleine

menschliche Gestalten, meist in kniender und betender Stellung gegen

das Bogenfeld gerichtet. Von der gleichen Hand, jedoch ohne Spuren

farbiger Behandlung.

[Illustration: Abb. 64. Statue der Eitelkeit der Welt am nördl.

Seitenschiff. Vorderseite.]

[Illustration: Abb. 65. Statue der Eitelkeit der Welt am nördlichen

Seitenschiff. Rückseite.]

Die zwei Figuren der =Verkündigung= zu beiden Seiten des Portales

stammen aus der Mitte des 14. Jahrhunderts. Dagegen waren die

ursprünglichen Konsolen und die Baldachine, jetzt durch Kopien ersetzt,

aus der Zeit des Portales.

Am nächsten Strebepfeiler die lebensgroße Statue eines Jünglings,

die =Eitelkeit der Welt= darstellend (Abb. 64, 65). Der Rücken ist

entblößt und von Würmern zerfressen; Kröten und Schlangen kriechen

daran. Die Figur wird von der Seite gesehen. Aus der Schule der

Seitenschiffe. Konsole und Baldachin sind Kopien. Etwa 1310-1315. Die

gleiche Vorstellung in einem Liede Walthers von der Vogelweide und dem

größeren Gedichte »Der Welt Lohn« von Konrad von Würzburg ([gestorben]

1287). Unter den Werken der Plastik ist unsere Darstellung mit denen

am Südportal des Domes zu Worms nah verwandt und auch mit denen an den

Münsterkirchen zu Freiburg i. B., Straßburg und Basel zu vergleichen.

Zeitlich stellt sie die letztentstandene dieser Figuren dar (vgl. das

Referat eines Vortrages über diesen Gegenstand von K. Schaefer im

Jahresbericht über das 19. Vereinsjahr des Vereins für Geschichte der

Stadt Nürnberg, 1896, S. 9 ff.).

[Illustration: Abb. 66. Eine der klugen Jungfrauen am Brautportal.]

An der Mauer oberhalb des Kaffgesimses ein kleines =Kreuzigungsrelief=:

Der Gekreuzigte mit Maria und Johannes zu seinen beiden Seiten.

Inschrift nicht mehr festzustellen. 14. Jahrhundert. Kopie. Das Original

nicht mehr vorhanden.

Am ersten Ostchorpfeiler neben der Brauttüre ein Relief mit =Christus am

Kreuz=, =Maria= und =Johannes=. Um 1320.

Darunter auf einer Steinleiste =drei Wappen=: zwischen zwei Wappen der

Stromer das Wappen der Haller. Kopie.

An dem gleichen Pfeiler hoch über diesem Kreuzigungsrelief der S. 42

erwähnte =Kopf= (Meisterkopf?).

Die Sebalduskirche in Nürnberg · 第 15 / 29 段