(Ergänzung von fehlenden silbernen Rosetten), einer sorgfältigen
Reinigung unterzogen.
Die beiden barocken =Seitenaltäre= wurden gründlich instandgesetzt und
ausgebessert, wobei auch die Malereien auf der Rückseite wieder zur
Geltung kamen. War doch sogar das Lorbeerlaub aus Zinn an den Säulen des
Tucheraltares (Abb. 51) in früheren Zeiten in Verlust geraten.
Die in der Augsburger Galerie stattgehabte Restaurierung der wertvollen
=Tafelbilder=, welche im Mai 1906 wieder an ihrem alten Platze
aufgestellt werden konnten, war vom schönsten Erfolge begleitet. Außer
einer sachverständigen Reinigung hat durch die berufene Hand des
Konservators =Mayer= eine Abnahme vieler störender Übermalungen zum
Teil in ziemlichem Umfange stattgefunden, so daß die ursprüngliche
Farbenwirkung in überraschender Weise wieder zur Geltung gelangt ist
(Taf. XV).
Eine der hauptsächlichsten Arbeiten im Ostchor wurde zu Anfang des
Jahres 1906 begonnen: der Umbau der =Hauptorgel=.
Die bisherige Hauptorgel von St. Sebald (Abb. 126) ist eine der ältesten
und wohl auch interessantesten Bayerns. Sie wurde im Jahre 1444 von
Heinrich Traxdorf erbaut und war im Ostchor über dem Trennungsbogen
gegen das südliche Seitenschiff angebracht. Sie bestand außer aus einem
Podium, welches auf einem hölzernen vorgekragten Gewölbe ruhte und in
der Mitte einen kleinen Pfeifenprospekt (sogenanntes Positiv) trug, aus
dem eigentlichen Orgelwerk, das fast die ganze Giebelwand bedeckte und
von einem zierlichen Gehäuse umschlossen war. Der Blasebalgraum befindet
sich hinter der Giebelmauer. Die Verbindung zwischen diesem Raume und
dem Orgelpodium bildet eine schmale Tür in der Giebelwand. Vermutlich
hatte die alte Orgel schon bemalte Flügel, die zum Schutze der Pfeifen
dienten und geöffnet werden konnten. Die =Konsole=, welche die mittlere
Endigung des Holzgewölbes unterhalb der Orgel bildet, hat die Form einer
Teufelsfratze mit beweglichem Kiefer, der während des Orgelspieles
in Bewegung gesetzt werden konnte. Die beiden seitlichen Konsolen
zeigen ein dänisches und ein französisches =Wappen=, die wiederholt
in Verbindung mit dem Kirchenpatron in St. Sebald angewendet worden
sind. Rings um das Orgelpodium fanden sich zwischen den herabhängenden
Maßwerken reizvolle in Holz geschnitzte =Figuren=, darunter zwei Herolde
mit den beiden Nürnberger Wappen. Die übrigen stellen Ritter, Frauen
und Bauern dar und sind zum Teil sehr humorvoll gehalten. Die ganze
Orgel ist aus Eichenholz hergestellt. Zu beiden Seiten waren auf der
Wand teppichartig großzügige =Ornamente= in grünem Ton aufgemalt und
innerhalb derselben =musizierende Engel= dargestellt.
Im Laufe der Jahrhunderte hat die Orgel freilich mannigfache
Veränderungen erfahren und zwar in den Jahren 1572, 1658, 1691 und
1827. Im Jahre 1658 erhielt sie neue Malereien von Daniel Preißler
auf den wohl schon vorhandenen Flügeln, und zwar eine Reihe Porträts
der Pfarrer und Kirchenpfleger, aber auch von Stadtmusikern und ihren
Dirigenten. Die gesteigerten musikalischen Ansprüche hatten wiederholt
Verbesserungen und Erweiterungen des Orgelwerkes zur Folge, so daß
allmählich auch das Gehäuse eingreifenden Veränderungen unterworfen
worden war, wodurch die ursprüngliche Form desselben sehr beeinträchtigt
wurde. Unter Heideloff wurde das Podium nach vorn sowohl wie nach
beiden Seiten bedeutend erweitert, um für einen größeren Sängerchor
Platz zu gewinnen. Die schönen Wandmalereien waren übertüncht und durch
Balkenwerk verbaut worden.
[Illustration: Abb. 51. Partie aus dem Ostchor mit Tucheraltar,
Sakramentshäuschen und Petrusaltar.]
Beim Abbruch der Orgel ergab sich glücklicherweise aus der genauen
Aufnahme und dem Vergleich der einzelnen Teile die Möglichkeit, das
=ursprüngliche Orgelgehäuse= von 1444 mit völliger Sicherheit wieder
herzustellen. Daß aber das vielfach ausgebesserte Orgelwerk den
heutigen Ansprüchen nicht mehr genügte, erscheint begreiflich. Die
Kirchenverwaltung entschied sich daher für Beschaffung eines neuen
Orgelwerkes und billigte auf Grund eines Gutachtens von Hauptprediger
Dr. Geyer den Vorschlag des Unterzeichneten, das alte Gehäuse, von
allen späteren Zutaten befreit, zu verwenden und in Verbindung mit
den Wandmalereien wieder vollständig instandzusetzen. Die Aufgabe,
26 neue Register in dem engen Raum unterzubringen, war nicht leicht,
und ein Hinausschieben des ganzen Gehäuses um 15 cm zur Erlangung
einer größeren Tiefe konnte nicht umgangen werden. Das Orgelwerk
selbst wurde durch Orgelbaumeister =Strebel= gebaut, während sämtliche
Instandsetzungsarbeiten des Gehäuses und das neue Positiv mit den
seitlichen Brüstungen in der Werkstätte der Bauhütte hergestellt wurden.
Auch die =Wandmalereien= zu beiden Seiten der Orgel, die in
überraschender Weise zum Vorschein gekommen waren, erfuhren wieder eine
Erneuerung.
Bei den Veränderungen, sowohl bei den Statuen wie an Reliefs und
sonstigen Skulpturen, welche notwendigerweise vorgenommen werden
mußten, hat in den meisten Fällen vorher eine photographische Aufnahme
stattgefunden, so daß jederzeit Rechenschaft über den früheren Zustand
gegeben werden kann. Die abgenommenen Ergänzungen selbst finden sich
in der =Bausammlung= der Kirche aufbewahrt, die auch die gefertigten
Hilfsmodelle und Pläne enthält. =Sepulkren= fanden sich in den Mensen
der Altäre an verschiedenen Stellen, jedoch in bereits eröffnetem
Zustande; zunächst im Hauptaltar mit einer Konsekrationsurkunde
von 1379, ferner in der Mensa des Halleraltares und der südlichen
Sakristei. Hier waren die Urkunden nur mehr als Reste vorhanden. Noch
schlechter war der Zustand eines Holzkästchens mit vermoderter Einlage
im Petrusaltar; im Tucheraltar fanden sich nur geringe Fragmente. Nach
Feststellung der Urkunden und photographischer Aufnahme der Funde ließ
das Pfarramt die letzteren wieder in ihre Höhlungen einschließen.
Bis zum Juli 1905 war die gefährliche Auswechslung auch des =südlichen
Vierungspfeilers= glücklich beendet, und es konnte nach Entfernung der
Zwischenwände die ganze Kirche dem Gottesdienste wieder übergeben werden.
Bei den mannigfaltigen und auf verschiedenen Gebieten gelegenen
Aufgaben, welche die 3-1/2jährige Wiederherstellung mit sich brachte,
konnte sich der Unterzeichnete der Unterstützung der schon genannten
tüchtigen Mitarbeiter wie auch anderer Fachleute erfreuen.
Das Verhältnis der Bauleitung zur protestantischen =Kirchenverwaltung=,
unter der Vorstandschaft von Stadtpfarrer J. =Schiller=, als der
Bauherrin, und zum Bauausschuß, als deren Vertretung, war ein durchaus
glückliches.
Der =Bauausschuß=, welcher in vielfachen Sitzungen die Berichte und
Vorschläge des Bauleiters entgegennahm, hatte leider mitten in der
Arbeit am 2. Juni 1905 seinen Vorsitzenden, den Hauptförderer der
Wiederherstellung, Kirchenrat F. =Michahelles=, 1. Pfarrer an
St. Sebald, verloren. Um ihn, den allverehrten und liebenswürdigen
Mann, dem die Durchführung des großen Werkes sowohl durch die
unermüdliche Beschaffung der Geldmittel wie durch die sachkundige,
geschickte Leitung =in erster Reihe= zu danken ist, zu ehren, wurde
im südlichen Seitenschiff seine wohlgetroffene Marmorbüste von F.
Zadow (eine Stiftung von Justizrat Hilpert) aufgestellt. Mitglieder
des Bauausschusses waren die Herren Baumeister und Privatier G. Goll,
Magistratsrat H. Häberlein, Großhändler A. Heerdegen, Justizrat D.
Hilpert, Kunstschlosser und Privatier A. Leibold und Fabriksbesitzer J.
Thäter. Nach einer kurzen Verwesung des Vorsitzes durch Pfarrer Wunderer
hatte die Leitung des Bauausschusses Stadtpfarrer Dr. Hagen, 1. Pfarrer
an St. Sebald, übernommen und die Arbeiten nach Kräften gefördert und zu
Ende geführt.
[Illustration: Abb. 52. Ostchor. Ansicht gegen Westen.]
Bei der Beschaffung der Geldmittel stand dem Kirchenrat Michahelles der
=Verein für die Restaurierung der Sebalduskirche= zur Seite, in dessen
Ausschuß als stellvertretender Vorsitzender Justizrat C. Freiherr von
Kreß, als Schriftführer Justizrat O. Vollhardt und als Schatzmeister
Kommerzienrat C. Schwanhäußer tätig waren.
Die =Mittel= (Taf. XIII) flossen fast vollständig aus freiwilligen
Beiträgen, bei welchen die Patrizierfamilien an erster Stelle standen.
Auch die Kirchenverwaltung unterstützte die Wiederherstellung,
teils durch größere Beiträge, die sie zur Abstellung der Bauschäden
genehmigte, teils zu Zeiten, in denen ein niedriger Kassenstand
vorhanden war, durch Vorschüsse.
Allerdings sind die bei der Inangriffnahme der Restaurierung gestellten
Aufgaben an St. Sebald noch nicht alle gelöst. Die kostbaren =Gobelins=
(Abb. 132 bis 136) befinden sich auch heute noch in einem traurigen
Zustande. Wohl hat die Restaurierung eines kleinen Stückes gewissermaßen
als Probestück durch Frau Irmisch in München stattgefunden und
berechtigt zu der Annahme, daß auch die weiteren Ausbesserungen nicht
wie bisher nur in Paris oder Italien, sondern in Deutschland gemacht
werden können. Allein für diese künstlerische und kostspielige Arbeit
fehlen vollständig die Mittel. Man mußte sich bei der gegenwärtigen
Restaurierung darauf beschränken, die zerrissenen und zerschnittenen
Stücke notdürftig wieder zu verbinden und mit Borten und Futterstoff neu
zu versehen.
Das gleiche gilt bezüglich der wertvollen und prächtigen =Glasmalereien=
im Ostchor (Abb. 107 bis 109), bei denen an vielen Stellen sich von
außen durch die Einwirkungen der Atmosphäre eine dicke undurchsichtige
Kruste gebildet hat, während die Schwarzlotaufmalung im Innern sich so
abgelöst hat, daß sie sich mit dem Finger, wie der Kreidestrich auf
einer Schiefertafel, wegwischen läßt. Baldige Hilfe tut not, wenn diese
unschätzbaren Kunstwerke nicht zugrunde gehen sollen. Andererseits
muß mit größter Vorsicht dabei zu Werke gegangen werden. Vielleicht
verspricht ein neues Verfahren, welches die Hofglasmalerei Zettler
in München gerade mit Rücksicht auf die Glasmalereien von St. Sebald
erprobt hat und das in einer durchsichtigen leichten Überglasung der
einzelnen Glasstücke besteht, zur Konservierung der Malereien gute
Dienste zu leisten.
Die Frage einer Beleuchtung und Beheizung der Kirche ist wiederholt
beraten, jedoch noch keiner Entscheidung entgegengeführt worden.
=Nürnberg=, den 15. Juli 1906. Prof. J. =Schmitz=, Architekt.
5. Nachtrag vom 15. Januar 1912.
Jedes Gebäude, auch wenn es noch so solid konstruiert ist, verlangt eine
=Instandhaltung= zur Abwehr der regelmäßigen Schäden, die durch Wind
und Wetter sowie durch andere äußere und innere Einflüsse hervorgerufen
werden. Je zierlicher die Formen und je eleganter die Konstruktionen
sind, desto größer ist auch die Gefahr einer Beeinträchtigung. Dazu
kommt die bedauerliche Tatsache, daß infolge der heute den zahlreichen
Kaminen entströmenden schwefeligen Gase besonders die Sandsteine in oft
erschreckender Weise angegriffen werden und verwittern, wovon man sich
in Nürnberg allenthalben überzeugen kann.
Die Verwaltung des Vereinigten protestantischen Kirchenvermögens
hat sich denn auch der Einsicht nicht verschlossen, daß auch zur
Instandhaltung der Sebalduskirche mit einem regelmäßigen Baubetrag
gerechnet werden muß, und bringt mit demselben eine Reihe von kleineren
Reparaturen zur Ausführung. Auf diese Weise wird es hoffentlich
gelingen, nach und nach auch verschiedene Epitaphien am Äußeren der
Kirche, an denen Arbeiten bislang noch nicht vordringlich schienen,
die aber allmählich doch zugrunde gehen werden, vor Verfall zu retten.
Unterdessen ist ein langgehegter Wunsch der Gemeinde in Erfüllung
gegangen: die Kirche hat eine =Heizung= erhalten. Diese, die erste
elektrische Kirchenheizung in Deutschland, hat in weiten Kreisen großes
Interesse hervorgerufen (Zentralblatt der Bauverwaltung, Berlin,
1912, S. 58 f.). Aus Rücksicht auf die zahlreichen Kunstschätze der
Kirche, bei denen eine Schädigung durch periodische Erwärmung des
ganzen Luftraumes befürchtet wurde, entschloß man sich zu einer
Fußschemelheizung, die allgemeine Befriedigung gefunden hat. Als ganz
besonders erfreulich muß dabei hervorgehoben werden, daß die Erscheinung
des Kircheninnern, abgesehen von einigen kleinen nicht störenden
Holzkästchen, nicht die geringste Änderung oder Beeinträchtigung erfuhr.
Sind die Betriebskosten auch vorläufig noch etwas hoch, so besteht doch
die Hoffnung, daß mit einer Verbilligung der elektrischen Kraft in
absehbarer Zeit gerechnet werden kann.
[Illustration: TAFEL XIII. Baukosten der Wiederherstellung der
Sebalduskirche. 1885-1906.
Zusammenstellung der einzelnen Arbeiten.
Zusammenstellung der Einnahmen und Ausgaben.
Zusammengestellt bis zum Jahre 1905 von Kirchenrat Michahelles.]
Schwieriger scheint die Frage der =Beleuchtung= der Kirche sich lösen zu
lassen und zwar besonders deshalb, weil die Beschaffung entsprechender,
würdiger Beleuchtungskörper große Mittel erfordert. Auch die
Instandsetzung der kostbaren Glasmalereien ist bis zum Erscheinen dieses
Buches aus dem gleichen Grunde zurückgestellt geblieben.
[Illustration: TAFEL XIV. Sebaldusgrab von Peter Vischer.]
IV.
Das Inventar der Kirche.
1. Altäre und Kanzel.
Ausstattungs- und Einrichtungsgegenstände der Kirche St. Sebald sind so
zahlreich, daß man ihr die nun bald 400 Jahre währende Zugehörigkeit
zum Protestantismus kaum anmerkt. Wesentlich dem konservativen Sinn
der Nürnberger Patrizierfamilien ist es zu danken, daß die Kirche noch
heute eine stattliche Reihe ansehnlicher Werke birgt. Selbstverständlich
gab es auch Zeiten, wo das Interesse an der Vergangenheit und ihren
Zeugen erlahmte und manches kostbare Stück verloren ging. Die
Kirchenreformation im 16. Jahrhundert hatte die Beseitigung einer großen
Anzahl von Altären verlangt und die nach der Mitte des 17. Jahrhunderts
durchgeführte Neuausstattung im Barockstil kostete ebenfalls mehreren
historisch und vielleicht auch künstlerisch bedeutenden Gegenständen die
Existenz.
Die Veränderung des Inventars wird jeweils bei den einzelnen Gruppen
geschildert.
* * * * *
Die Kirche hatte vor der Reformation =13 Altäre=. Eine Reihe von
geeigneten Plätzen für Altäre war durch die Anlage des Baues gegeben. 3
Ostchornischen, 1 Westchor, 2 Krypten nahmen schon im romanischen Bau 6
Altäre auf, ferner der Platz vor dem Ostchor einen, dann noch einen die
Ostkrypta, zusammmen acht. Dazu kamen im Laufe des 14. Jahrhunderts noch
4 Altäre an den Pfeilern des Schiffes und 1 Altar, welcher den Hochaltar
des Westchores verdrängte.
Die Altäre am Ende des 15. Jahrhunderts waren:
=Sebaldsaltar.= Er war der Hochaltar und befand sich im Ostchor des
romanischen Baues, von 1372 an im neuen Ostchor an Stelle des jetzigen
Hauptaltares. 1379 erneuert und geweiht. Die hierüber ausgestellte
Urkunde wurde bei der letzten Wiederherstellung im Sepulkrum der Mensa
aufgefunden und nebst den gleichfalls vorgefundenen Reliquien wieder
in den Altar eingeschlossen.[VII] Die wohl erhaltene Urkunde hat unter
Auflösung der Abkürzungen folgenden Wortlaut (vgl. Abb. 144 auf S. 212):
Anno domini millesimo trecentesimo septuagesimo nono dedicatum
est hoc altare in honore sancti Sewaldi, Fabiani et Sebastiani et
quatuor doctorum et sancti Eloy et sancti Seuerij per venerabilem
dominum dominum Lampertum episcopum Bambergensem, qui reliquias
dictorum sanctorum in dicto altari reclusit indictione secunda
quinto kalen. septembris eiusdem anni, in quorum testimonium
sigillum dicti domini praesentibus est appensum.
[VII] Ebenso wurden im Petrusaltar und im Sakristeialtar nicht mehr mit
Sicherheit zu entziffernde Urkunden samt Reliquien vorgefunden
und mit diesen wieder in die betreffenden Altäre eingeschlossen.
Schopperpfründe, gestiftet am 5. Mai 1337 von Albert Schopper, 1360 neu
dotiert durch Friedrich Schopper.
Vorchtelpfründe, gestiftet 1371 von Heinrich Vorchtel, 1425 neu dotiert.
1613 wurde der Altar vom Maler Leonhard Prechtel restauriert. Aus den
Schriftstücken hierüber (im Stadtarchiv Nürnberg) geht hervor, daß der
Altar ein Flügelaltar war, und daß sich auf den Flügeln Malereien auf
Goldgrund befanden. Auf die Predella, die ganz zu erneuern war, malte
Prechtel zwei »Historien«. Siehe den Hauptaltar, S. 134.
[Illustration: Abb. 53. Petrusaltar (geöffnet).]
=Nikolausaltar.= Er stand in der nördlichen Apsis des romanischen
Ostchores, dann im neuen Ostchor im nördlichen Umgang als linker
Seitenaltar. An seiner Stelle erhebt sich jetzt der 1659 im Barockstil
errichtete Nikolaus- oder Tucheraltar (siehe S. 134).
Kandelgießerpfründe, 1406 von Hartmann Kandelgießer gestiftet.
=Stephansaltar.= Er stand in der südlichen Seitenapsis des romanischen
Ostchores. Seit 1372 im südlichen Umgang des neuen Ostchores. An seiner
Stelle erhebt sich jetzt der 1663 errichtete Altar (siehe S. 135).
1255 eingeweiht. Ablässe 1448, 1452, 1460, 1479, 1481 und 1487. Drei
Pfründen, die des Heinrich von Tuttenstetten, Pfarrer 1300-1307, welche
1364 bestätigt wurde, die des Paul Muffel, deren Stiftungsjahr unbekannt
ist, und die Pfründe des Ambrosius Stromer von 1509.
[Illustration: Abb. 54. Petrusaltar (geschlossen).]
Der Altar hatte ein auf Holz gemaltes Bild, welches Nikolaus Muffel
zwischen 1436 und 1439 für 200 fl. angeschafft hatte. Er kam, als 1663
der Barockaltar errichtet wurde, in die Lorenzkirche.
=Petersaltar.= Ein Petersaltar stand schon in der alten Peterskapelle.
Wahrscheinlich wurde dieser in die romanische Kirche, und zwar in den
Westchor transferiert. 1274 wurde er durch einen neuen Altar ersetzt.
1303 Ablaß, 1475 Ablaßbestätigung. 1372 wanderte der Altar in den neuen
Ostchor hinter den Hochaltar, an dieselbe Stelle, an welcher jetzt
der Ende des 15. Jahrhunderts errichtete Altar steht. Über diesen
siehe S. 135. 1378 wird jedoch der Westchor noch Peterschor (neben
Katharinenchor) genannt.
1340 stiftet Otto Kramer von Koburg eine Pfründe, dieselbe wird 1360
bestätigt; 1356 stiftet Adelheid Löhneisen eine Pfründe, 1372 Berthold
Pfinzing. Das Jahr der Stiftung der Movendelpfründe der Dorothea Däschin
ist nicht bekannt.
=Katharinenaltar.= Er stand anfangs in der Westkrypta, von der Mitte des
14. Jahrhunderts an schon im Westchor zusammen mit dem Petersaltar.
Ablaßbestätigung 1298. Ablässe 1341, 1342. Pfründen: Schatzpfründe,
gestiftet von Konrad Schatz, bestätigt 1360; Kandelgießerpfründe,
gestiftet 1386. Siehe den Löffelholzaltar.
=Johannisaltar.= Dem hl. Johannes dem Evangelisten geweiht. Er stand im
Mittelschiff zwischen den zum Chor führenden Stufen (_sub pulpito_ oder
_quae [ara] in medio ecclesiae sancti Sebaldi locata est_).
Ablaß: 1289. Pfründen: Pömerpfründe, gestiftet 1348 von Heinrich Pömer,
und die Fleischmannpfründe, gestiftet von Albert Fleischmann, Pfarrer
von 1397 bis 1444.
Der Johannisaltar scheint 1542 mit den beiden Frauenaltären und dem
Zwölfbotenaltar beseitigt worden zu sein.
=Zwölfbotenaltar.= Den zwölf Aposteln geweiht. Er stand an einem
Schiffspfeiler.
Ablässe 1352 und 1370. Meintaler-Pfründe, 1352 von Konrad Meintaler
gestiftet, 1359 von der Witwe des Stifters neu dotiert.
Er stand zu Beginn des 16. Jahrhunderts an einem der beiden ersten
Ostchorpfeiler und hatte 1542 dasselbe Schicksal wie die beiden
Frauenaltäre.
=Erhardaltar.= Er stand im Schiff in der nördlichen Pfeilerreihe. Es ist
der jetzige Halleraltar, der zwar noch in der nördlichen Pfeilerreihe
steht, aber nicht mehr am alten Pfeiler, wo bis heute eine Erhardstatue
verblieben ist (vgl. S. 154). Noch im 17. Jahrhundert stand der
Erhardaltar um einen Pfeiler weiter östlich als jetzt. 1336 gestiftet
(siehe Urkunde S. 235).
Ablaß: 1360. Pfründen: Nützelpfründe, Stiftungsjahr unbekannt;
Hallerpfründe, 1358 von Ulrich Haller gestiftet; Dietleinpfründe, 1363
von Hans Dietlein gestiftet. Siehe den Halleraltar, S. 138.
=Kunigundenaltar.= Den Heiligen Heinrich, Kunigunde und Otto geweiht. Er
stand an einem der Schiffspfeiler.
Dietlerpfründe, 1347 gestiftet von der Hensel Dietler; Tesauruspfründe,
1354 oder vor 1354 gestiftet von Konrad Tesaurus [Schatz];
Hallerpfründe, vor 1383 gestiftet von Ulrich Haller, und die
Nützelpfründe, 1389 gestiftet von Elisabeth Haller.
=Bartholomäusaltar.= Den Heiligen Bartholomäus und Pankratius geweiht.
Er stand an einem der Schiffspfeiler.
Ablässe 1460, 1476 und 1477. Pfinzingpfründe, 1435 von Berthold Pfinzing
gestiftet.
=Marien- und Dreikönigsaltar=, gewöhnlich =Frauenaltar= genannt. »Ad
honorem beatae Mariae virginis et trium regum«. In der romanischen und
gotischen Zeit in der Krypta, d. h. in der Ostkrypta, und zwar in der
mittleren Apsis. In der späteren gotischen Zeit ist stets von zwei
Frauenaltären die Rede.
Ablässe 1283, 1284, 1289, 1341 (Wandelkerzen), 1370 und 1379. Vier
Pfründen: Bretheimpfründe, gestiftet von Konrad Bretheim 1358, bestätigt
1359; die Teufelpfründe, gestiftet von Konrad Teufel 1359, bestätigt
1370, neu dotiert von Hans Teufel 1440; die Movendelpfründe des Paul
Volckamer, deren Stiftungsjahr unbekannt ist, und Kolerpfründe,
gestiftet von Elisabeth Koler 1402.
Die beiden Frauenaltäre standen zu Beginn des 16. Jahrhunderts an den
beiden ersten Säulen des Ostchores, an denen heute noch Marienstatuen
angebracht sind. Sie wurden mit dem gegenüberstehenden Zwölfbotenaltar
und dem dazwischen befindlichen Altar, wahrscheinlich dem Johannesaltar,
auf Beschluß des Rates 1542 beseitigt, weil die Kirchenbesucher den
Geistlichen auf der Kanzel nicht sehen konnten.
=Jakobsaltar.= Den Heiligen Jakobus, Jodokus, Martinus und Christophorus
geweiht. In der Ostkrypta, dem Frauenaltar gegenüber.
1343 gestiftet von Jakob Kramer. Ablässe 1353, 1355 und 1365.
Kramerpfründe, 1381 von Bernhard Kramer gestiftet.
[Illustration: Abb. 55. Abb. 56. Abb. 57. Kreuzigungsgruppe von
Veit Stoß. Über dem Hauptaltar im Ostchor.]
=Allerseelen-Altar.= In der Westkrypta. Ablaßbrief vom 3. Mai 1360, in
dem die Krypta als »ergastulum« (also etwa: Verließ, unterirdischer
Raum) bezeichnet wird. Vgl. Beilage 28.
Im Liber privilegiorum A des Fürstbischofs Lambrecht von Bamberg
(Kreisarchiv Bamberg) findet sich die Abschrift einer Urkunde, nach
welcher 1401 am 23. Mai eine Pfründe auf dem =Georgsaltar= in der Kirche
des hl. Theobald in Nürnberg gestiftet worden ist. Jedenfalls ist
Theobald verschrieben für Sebald, allein ein Georgsaltar in der Kirche
Sankt Sebald ist sonst nirgends belegt.
Die =jetzigen Altäre= der Kirche sind:
Der =Hauptaltar=. Im Ostchor.
An seiner Stelle stand der zur Barockaustattung der Kirche gehörige,
1663 von Georg Wirsching, Schreiner von Neumarkt i. O., errichtete
Hauptaltar als Nachfolger des gotischen, 1379 dem hl. Sebald geweihten
Hochaltares (Abb. 30). Der Barockaltar war 1660 für 1000 fl. in Arbeit
gegeben worden. Nach der Aufstellung wurden 200 fl. nachbezahlt.