Als in besserem Zustande erwiesen sich die Wandbilder beim Tucheraltar,

nämlich eine =Pilgerstätte= und mehrere =Heiligenfiguren=. Den

interessantesten Fund bildeten aber die in der Farbe auffallend gut

erhaltenen =Malereien aus der Apostelgeschichte= (Abb. 106), welche

hinter dem Petrusaltar zum Vorschein kamen. Da dieser Altar mit seiner

alten Mensa nicht versetzt werden konnte, so mußten auch hier die

Bilder von der Wand abgezogen werden. Sie wurden auf eine Mörtelschicht

gebracht und hinter dem Muffelaltar aufgestellt. Das gleiche geschah

mit dem erwähnten in Öl gemalten Pilgerbild. Die Restaurierung fast

aller Wandmalereien führte Kunstmaler Pfleiderer aus. Die Abendmahl- und

Ölbergdarstellung hinter dem Tucheraltar, ein Ölgemälde aus dem Jahre

1423 wurde unter Preisgabe einer schlechten Übermalung vom Jahre 1627

durch Konservator =Mayer= restauriert.

Neben so erfreulichen Funden förderte das Abschaben der Tünche aber

auch wieder manche =bauliche Schäden= zutage. Namentlich im romanischen

Mauerwerk, sowohl beim Brauttor wie beim Dreikönigschor, fanden sich

größere =Hohlräume=, die die Tragfähigkeit der Mauer schwächten und

geschlossen werden mußten. Offene Lagerfugen waren an vielen Stellen

zu verdichten. Immerhin waren im Ostchor lange nicht so eingreifende

Schäden vorhanden wie in der Westhälfte, aus welcher eine Hauptaufgabe,

die Erneuerung der jetzt zur Ostchorrestaurierung zugezogenen

=Vierungspfeiler=, noch zu lösen war. Eine Untersuchung der Fundamente

dieser Pfeiler sowie des Baugrundes führte nicht zu Bedenken. Die

Bodenuntersuchung ergab mittelgroben trockenen Sand am Dreikönigsportal

auf 9 m Tiefe, zwischen den Vierungspfeilern auf 4 m und am südlichen

Turm auf 5·7 m, so daß sich für die nach der Tradition stattgehabte

Fundierung des letzteren auf Pfählen keine Bestätigung ergeben hatte.

Es konnte somit die Auswechselung am =nördlichen Pfeiler= nach dem

früher beschriebenen Plane innerhalb der Eisenarmierung beginnen,

nachdem vorher die benachbarten Böden abgebolzt und die auf denselben

lastenden durch Balkenlöcher, große Risse und offene Fugen geschwächten

Mauern instand gesetzt worden waren. Bei den Auswechselungen war größte

Vorsicht erforderlich. Durch Hebelübertragung vergrößernde Zeigertafeln

sollten jede Bewegung anzeigen. Auf Steinmaterial und Mörtelmischung

wurde alle Sorgfalt verwendet und von den notwendigen neuen etwa 300

Quadern, die der Mörtelerhärtung wegen in möglichst großen Abständen

eingesetzt wurden, kam täglich nur ein Stück zur Auswechselung. Trotzdem

trat eines Tages eine Bewegung in der Mittelschiffmauer ein, welche

durch weitere Abbolzungen und Ausmauerungen zur Ruhe gebracht wurde. Der

Zustand des =Pfeilerkernes=, welcher jetzt vollständig erkannt werden

konnte, erwies sich noch schlechter als man vermutet hatte, sodaß keine

der angewendeten Vorsichtsmaßregeln hätte entbehrt werden können. Im

Juli 1905 waren die Arbeiten am nördlichen Pfeiler beendet.[VI]

[VI] Unterdessen ist über diese baulichen Arbeiten in der »Zeitschrift

für Bauwesen« 1908, S. 529 ff. eine mit ausführlichen Zeichnungen

versehene Abhandlung des Architekten Professor =Otto Schulz=

erschienen.

Nach den gewonnenen Erfahrungen und dem Ergebnis der unterdessen

stattgehabten weiteren Untersuchungen am =südlichen Vierungspfeiler=

ließ sich die vollständige Erneuerung auch dieses Pfeilers, der bereits

im Sommer armiert worden war, nicht umgehen. Es wurde daher ungesäumt

nach der Abnahme der Kanzel und der Herstellung der nötigen Abbolzungen

mit der Auswechselung begonnen, deren Fertigstellung erst im Juni 1906

zu erwarten war. Zugleich fand eine Instandsetzung der ganz zerrissenen

und durch mehrfache Erweiterungen der Orgel in ihrer Stärke verringerten

Westwand statt, welche schon vor einigen Jahren mehrfach verschlaudert

worden war.

Von archäologischem Interesse ist es, daß die beschriebenen baulichen

Ausbesserungen nebenbei zur Entdeckung der Reste von romanischen

=Rundfenstern= im nördlichen Querschiff und von vielen romanischen

=Profil=- und =Zahnschnittsteinen= führten, welch letztere beim

gotischen Umbau in der Giebelwand, auch an einer Stelle in einem

freistehenden Pfeiler, verwendet worden waren. Soweit es möglich war,

wurden solche Steine nicht mehr verputzt, sondern sichtbar belassen.

Unterhalb des Pfinzingchörleins fand sich eine Begräbnisstätte.

Neben diesen eigentlichen Bauarbeiten, deren Tempo aus

Sicherheitsgründen bei den Vierungspfeilern nicht beschleunigt

werden konnte und die infolgedessen zwei Jahre beanspruchten,

nahmen die übrigen Instandsetzungsarbeiten an den dekorativen und

Mobiliargegenständen einen ungestörten Fortgang.

Viele Arbeit verursachten die rings an den Chorwänden angebrachten

steinernen =Baldachine= und =Konsolen=, deren zierliche Einzelheiten

vielfach zertrümmert waren (Abb. 47). Es fehlten größtenteils die

Riesenspitzen, viele Ornamente und die Strebepfeiler. Die zu den

Baldachinen gehörenden Postamente zeigten an den Ecken genau so,

wie dies bei den Postamenten der zweiten Figurenreihe der äußeren

Strebepfeiler der Fall ist, Säulenbasen. Da die Baldachinenden nun

unterhalb eine glatte Fläche ohne abschließendes Glied (Rosette oder

Profil) hatten, so lag bei oberflächlicher Betrachtung der Gedanke

nahe, daß ursprünglich freistehende Säulenschäfte Basis und Baldachin

verbanden, wie dies besonders in der französischen Gotik vorkommt.

Diese auch von Kunsthistorikern ausgesprochene Annahme erwies sich

jedoch als irrig. Denn abgesehen davon, daß in vielen Fällen schmale,

oft dreieckige oder viereckige Postamente zu breiten, vieleckigen

Baldachinen gehören, trifft da, wo Baldachin und Postament in der

Grundform übereinzustimmen scheint, die vom Baldachin aus gefällte

Senkrechte fast nie auf die Basis. Daß die Basen gewissermaßen als

Rückbleibsel des hier vermuteten Entwicklungsganges anzusehen sind, war

nicht zweifelhaft. Schlechte Ergänzungen in Holz aus der Barockzeit

wurden bei der Restaurierung der Baldachine beseitigt, jedoch in der

Sammlung aufbewahrt.

Sodann kam die Restaurierung der großen Anzahl von =Statuen= aus

Holz, Stein und Ton an die Reihe, welche an den Pfeilern und Wänden

des Ostchores angebracht sind. Die =Kreuzigungsgruppe von Veit Stoß=

(Abb. 55, 56, 57), die den bisherigen Heideloffschen Hauptaltar

schmückte, wurde, da dieser nicht mehr aufgestellt werden sollte,

allein oberhalb des Altares angebracht. Bei ihrer Restaurierung kam

unter der Heideloffschen Bronzierung und einer dicken Farbkruste die

alte Polychromie, zum Teil sogar noch sehr gut erhalten, zum Vorschein.

Sehr erfreulich war es auch, als innerhalb des Christuskörpers eine

Papierurkunde gefunden wurde, durch welche die Autorschaft des Veit

Stoß bei dem 1526 geschaffenen Kunstwerke bestätigt wird. Diese Urkunde

befindet sich nach stattgehabter photographischer Aufnahme auch heute

noch an ihrer alten Stelle.

[Illustration: Abb. 47. Statue des Apostels Paulus mit Baldachin und

Konsole im Ostchor.]

Die übrigen =Statuen= im Ostchore sind teilweise von den

Patrizierfamilien an ihren Platz gestiftet und stehen zu den Stiftern

als Patrone in näherer Beziehung; zum anderen Teil sind sie aber ganz

zufällig an ihren Standort gelangt und waren ursprünglich an anderer

Stelle, ja in anderen Kirchen angebracht. Daß man dabei mit den

manchmal vorzüglichen Kunstwerken nicht glimpflich umgegangen ist,

zeigte der ruinöse Zustand der meisten Statuen, denen Hände, Arme und

Füße sowie die beigegebenen Attribute oft abgeschlagen, auch hie und

da willkürlich abgeändert waren. Wenn man, wie es in einer Rechnung

des 17. Jahrhunderts heißt, bei der stattfindenden Restauration dem

Hafner Auftrag erteilte, »die Götzen mit neuen leimenen (aus gebranntem

Ton) Händen zu versehen«, so konnte dies den Wert der Kunstwerke nicht

erhöhen; es waren oft rohe Naturabgüsse, welche weder in der Größe, noch

in der Bewegung zu dem geschändeten Kunstwerk paßten.

Bei der gegenwärtigen Restaurierung wurde der Grundsatz befolgt, da,

wo nach Abnahme späterer Zutaten bei einer wertvollen Figur, über

deren dargestellte Person kein Zweifel bestand, eine künstlerische

Ergänzung einwandfrei erschien, den ästhetischen Genuß durch die

letztere wieder zu ermöglichen. Bei minderwertigen Statuen oder da, wo

durch eine Änderung archäologische Zweifel hätten hervorgerufen werden

können, wurde davon abgesehen. An allen Statuen kamen die ursprüngliche

Polychromie, dazu die Damastmuster der Gewänder zum Vorschein und

fanden sorgfältige Restaurierung, wobei allerdings auch spätere farbige

Übermalungen, welche zum Teil mit alten Nachrichten belegt waren,

beachtet wurden.

Am ersten freistehenden Pfeiler gegen Norden befindet sich eine

außerordentlich schöne =Madonnenstatue=, aus Birnbaumholz geschnitten

(Abb. 97), innerhalb eines Gehäuses, dessen steinerne Konsole und

Baldachin noch vorhanden sind, während die =1519= von Hans von Kulmbach

gemalten Flügel fehlen. Ihre Entdeckung scheint in den Nummern 254 und

255 (Joseph und Zacharias) der alten Pinakothek in München gelungen zu

sein. Die Madonna, unter deren Füßen zwei kleine Engel eine Mondsichel

halten, während zwei andere ihr eine Krone aufs Haupt setzen, trägt auf

beiden Händen das Jesuskind. Diese Statue, welche selbst die späteren

Zeiten von der Übertünchung ausschlossen, zeigte noch die ursprüngliche

Polychromie; die Ergänzung konnte sich auf einen fehlenden Fuß des

Christuskindes beschränken.

Als gröber in der Ausführung erweist sich die am gegenüberstehenden

rechten Pfeiler befindliche allerdings frühere steinerne =Madonna=,

deren hölzernes Christuskind nachträglich, und zwar viel später,

aufgesetzt worden ist. Der bekrönende Baldachin, unten von Stein, im

oberen Aufsatz von Holz, zeigt sehr zierliche Ornamentformen.

Der Befund und die Restaurierung der übrigen Statuen an der Innenseite

der Ostchorwand unter den wiederhergestellten Baldachinen soll

nachstehend, an der Nordseite bei der großen Sakristei beginnend,

beschrieben werden.

Unter dem ersten Baldachine findet sich eine Statue aus Stein, offenbar

der Apostel =Jakobus= der Ältere mit der Pilgertasche. Schon auf einer

Zeichnung des 18. Jahrhunderts ist jedoch auf seiner linken Hand ein

nachträglich aufgesetztes Kirchenmodell zu sehen. Vielleicht wollte man

einen Sebaldus daraus machen. Die heutige Restaurierung beschränkte sich

auf die Ergänzung des Pilgerstabes.

Die hölzerne Statue des =Salvator= mit bewegtem Faltenwurf und

ausdrucksvollem Gesichte erforderte ebenfalls, abgesehen von einer

sorgfältigen Reinigung und Auffrischung der Polychromie, nur geringe

Restaurierung. Die Statue wurde 1657 nach den Tucherschen Rechnungen mit

einem steinernen Jakobus aus dem »Werkhaus in der Carthausen« nach St.

Sebald geschafft. Der in Kupfer getriebene Heiligenschein stammt aus

jener Zeit.

Ähnlich im Charakter, aber noch viel ausdrucksvoller und gewaltiger auch

in dem lebhaft flatternden Faltenwurf, ist die ebenfalls hölzerne Statue

des =Andreas= von =Veit Stoß= (Abb. 89). Ihre Detailbehandlung erwies

sich nach der Abnahme der Tünche sowohl in den realistisch behandelten

faltenreichen Fleischteilen des Greises wie bei den Haaren als so fein,

daß von jeder Übermalung abgesehen und nur eine zarte Lasierung, wie sie

auch ursprünglich vorhanden gewesen zu sein schien, angewendet wurde,

welche der Statue im allgemeinen den Holzcharakter wahrte. Einige Teile

der Füße und Hände waren zu erneuern.

Die nunmehr folgende =Johannisstatue= (Abb. 90) ist von gebranntem Ton

und aus mehreren Stücken mit horizontalen Fugen zusammengesetzt. Sie

stellt den Apostel mit dem Giftkelch in der linken Hand dar, während

die Rechte eine segnende Stellung einnimmt. Beide Hände sowie Teile

der Gewandung waren zu erneuern, wobei vorhandene Reste und eine alte

Aufzeichnung über die ehemalige Stellung Aufschlüsse geben konnten.

Gegenüber steht die derb ausgefallene steinerne Statue =Johannes des

Täufers=. Sie war in mehrere Teile zerbrochen, welche sich jedoch, ohne

daß bedeutende Ergänzungen nötig waren, wieder zusammensetzen ließen.

Diese beiden Johannes zu beiden Seiten des Tucherfensters scheinen den

ersten plastischen Schmuck der Tucherschen Begräbnisstätte gebildet

zu haben, welchem sich dann 1657 die vorbeschriebenen drei Statuen

anschlossen.

Die folgende steinerne kleinere =Apostelstatue=, welche in Größe

und Charakter zu den Aposteln im Mittelschiff paßt, hatte nur eine

linke Hand, die ein Buch trägt. In der rechten Hand trug sie im 17.

Jahrhundert ein mächtiges hölzernes Kreuz, doch war diese willkürliche

Zutat nicht mehr vorhanden. Die Hand wurde ergänzt, ohne daß etwa durch

Zugabe eines Attributs eine bestimmte Person gekennzeichnet worden wäre.

Vermutlich ist die schöne Figur eine Petrusstatue.

Die hinter dem Tucherschen Altar befindliche dritte =Johannesstatue=

(der Apostel) ist von Holz und ohne Zusammenhang mit ihrer Umgebung. Sie

läßt sich auf den ersten Blick als zu einer Kreuzigungsgruppe gehörig

erkennen. Beide Hände fehlten und waren zu erneuern.

Die nächsten beiden Statuen bilden eine Gruppe: =Verkündigung=. Am

Sockel des Engels befindet sich das Starksche, an dem der knienden Maria

das Imhoffsche Wappen. Die Ausbesserung der Polychromie hat sich nur auf

Kleinigkeiten beschränkt, so daß z. B. die Bemalung der Gesichter als

durchaus ursprünglich anzusehen ist. Das Zepter des Engels ist erneuert.

Die beiden kleinen Statuen oberhalb des Sakramentshäuschens sind von

Stein. Die rechts befindliche stand bis jetzt in einer Nische in der

Ecke hinter dem Muffelaltar, während beim Sakramentshäuschen sich die

nicht besonders schöne Tonfigur befand, welche jetzt an der Wand vor dem

Muffelaltar aufgestellt ist. Der Grund für die vorgenommene Umstellung

liegt in der schon bei oberflächlicher Betrachtung erkennbaren

Übereinstimmung der beiden offenbar ein Ehepaar darstellenden Statuen.

Bei der weiblichen Statue waren die Hände verletzt, bei der männlichen

waren die Unterarme vom Hafner ergänzt. Beide machten einen jämmerlichen

Eindruck. Auf ihren Häuptern fanden sich die Spuren ehemals vorhandener

Kronen. Beide Figuren waren an ihrem unteren Ende in Stuck um 25 cm

verlängert. Beim Abnehmen der Stuckmasse traten die alten steinernen

Füße zutage. Die Frage nach den dargestellten Persönlichkeiten schien

sich unter Beachtung aller Umstände (Vorhandensein ähnlicher Statuen

in St. Sebald und St. Lorenz) mit =Heinrich und Kunigunde= beantworten

zu lassen. Daher hat sich der Unterzeichnete bei der Instandsetzung

für eine Ergänzung in diesem Sinne entschlossen. Während die Kaiserin

in die rechte Hand das Zepter erhielt, wurde dem Kaiser das Modell des

Bamberger Doms gegeben (Abb. 48, 49).

[Illustration: Abb. 48. Statue des Kaisers Heinrich vor der

Restaurierung.]

[Illustration: Abb. 49. Statue des Kaisers Heinrich nach der

Restaurierung.]

Das nächste Joch in der Mittelachse der Kirche weist die steinernen

Statuen des =Petrus= und =Paulus= auf, welche geringe Ergänzungen an

den Attributen erforderten. Unterhalb des Paulus ist das Wappen der

Nürnberger Familie Usmer angebracht.

Daneben stehen zwei große hölzerne Statuen, ein =Thomaschristus= und

eine klagende =Maria= (Abb. 91, 92). Unterhalb des ersteren fand sich

auf der Konsole unter dem Verputz das Zeichen des =Veit Stoß=; auf der

Konsole der Maria die Jahreszahl 1495. Die Statuen bilden offenbar mit

den darunter befindlichen Vesperbildern von Veit Stoß (Abb. 95) eine

gemeinsame Gruppe. Beim Thomaschristus fehlte die linke Hand und die

Hälfte eines Fußes, auch bei der Maria waren Ergänzungen erforderlich.

Beide übertüncht vorgefundenen Statuen haben ihren Holzcharakter wieder

erhalten. Bemerkenswert erscheint, daß bei der Maria der über den

linken Arm hängende Gewandzipfel nachträglich angesetzt ist. Nimmt man

denselben weg, so weist die Komposition des Faltenwurfs an dieser Stelle

eine große Leere auf.

Die nun folgenden kleinen Statuen sind ebenfalls von Holz, stammen aber

sowohl wegen ihrer Größe als wegen ihrer flachen Ausdehnung aus einem

der vielen ehemaligen Altäre der Kirche. Sie stellen einen =Papst=

und einen =Bischof= dar; eine genaue Feststellung konnte mangels

weiterer Attribute nicht erfolgen. Erneuerungen bei den Händen und an

den Gewändern waren erforderlich; auch die Pontifikatstäbe wurden neu

beigegeben.

Die folgende Statue hinter dem Muffelaltar zeigt ebenfalls einen nicht

näher feststellbaren =Bischof= und ist von Stein. Sie befand sich bis

jetzt rechts vom Hallerschen Fenster, und an ihrer Stelle war, wie

oben erwähnt, der sogenannte Kaiser Heinrich aufgestellt. Auch bei

der nächsten =Statue aus Ton= (bis jetzt am Sakramentshäuschen an

Stelle Kaiser Heinrichs) läßt sich die dargestellte Persönlichkeit

nicht feststellen. In Haltung und Ausführung macht die Figur keinen

glücklichen Eindruck, jedoch dürfte dies hauptsächlich auf die in

früherer Zeit ergänzten »leimenen« Hände zurückzuführen sein, von deren

Entfernung abgesehen wurde.

Um so interessanter sind die beiden folgenden, wohl auf einen und

denselben Meister zurückzuführenden Statuen =Erasmus= (Abb. 93) und

=Sebaldus=. Der erstere ein Bischof, trägt in der rechten Hand einen

Haspel, das Werkzeug seines Martyriums, und in der linken ein Buch.

Sebaldus, als Pilger dargestellt, trägt ein eigentümliches Kirchenmodell

mit einem Dachreiter. Nachträglich und unorganisch war demselben

ein Turm beigefügt, der bei der Restaurierung weggelassen wurde. Der

abgeschlagene Pilgerstock wurde ergänzt. Erwähnenswert scheint, daß das

Wappen unter dem Erasmus, ursprünglich Haller-Tetzel, durch Übermalung

und Aufsetzen eines Lämmchens zu einem Schürstab-Großischen Wappen

umgeändert ist.

Die nächsten Statuen von Stein, =Maria= (Abb. 94) und =Elisabeth=,

bilden wieder eine Gruppe: die Behaimsche =Heimsuchung=. Bei der

Elisabeth waren beide Hände zu erneuern, im übrigen waren nur einige

Ergänzungen an den Gewändern und bei der Maria Ergänzungen an den Händen

herzustellen.

Hieran schließt sich die Volckamersche =Verkündigung=, zwei große

Statuen von Stein; der Engel, der die fehlenden Hände erhielt, von

denen die linke Hand das Zepter trägt, und Maria, bei welcher ebenfalls

einige, jedoch geringe Ergänzungen vorgenommen werden mußten.

Ferner befinden sich unterhalb des Gesimses noch zwei kleinere Statuen

von Stein: ein Behaimscher =Thomaschristus= und eine =Matrone=,

letztere mit dem Volckamerschen Wappen. Neben derselben konnten betende

Stifterporträts aufgedeckt werden.

Auch die steinernen =Vesperbilder= von =Veit Stoß= (Abb. 95) machten

eine Reihe von Ausbesserungen bei verstümmelten Händen, Gewandteilen

und Schwertern erforderlich. Bei der =Sebaldusstatue= (Abb. 86) am

nördlichen Vierungspfeiler konnte sich die Restaurierung auf eine

Ergänzung des Pilgerstabes beschränken.

Im übrigen ist noch zu erwähnen ein hölzerner kleiner =Thomaschristus=,

der seinen Platz, weil er sich an keiner anderen Stelle geeigneter

anbringen ließ, von jeher auf dem Petrusaltar gefunden hat. Bei dieser

Figur, ebenso wie bei der schönen =Erzstatue Marias= von =Stephan Godl=

(Abb. 98), beschränkte sich die Restauration auf eine Reinigung.

Das =Sakramentshäuschen=, eine Stiftung von Muffel und Groland (Abb.

50), ist in seiner architektonischen Gliederung außerordentlich

zierlich und reich ausgestattet. Leider waren viele Skulpturteile

verloren gegangen oder zertrümmert und daher mannigfache Ergänzungen

erforderlich. Die vollständige Polychromie fand sich nach Entfernung

eines Ölfarbanstriches vor und wurde aufgefrischt. In der Nische, welche

mit dem Standort des Thomaschristus korrespondiert, fehlt die wohl eine

klagende Maria darstellende Statue.

Beim Schrein des =Petrusaltares= (Abb. 53, 54) waren sowohl die

Skulpturen innerhalb des Schreines und die Predella wie auch die nach

Augsburg zur Restauration gesendeten zwölf schönen Flügelbilder mit

brauner Ölfarbe gleichmäßig überstrichen. Beim Abnehmen der letzteren

kam an den Skulpturen die Polychromie in guter Erhaltung zum Vorschein,

so daß z. B. das Glanzgold nur ganz weniger Ausbesserungen bedurfte. Die

Mitra, die von zwei Engeln getragen wurde, fehlt. Leider fanden sich

auch die sicherlich mit wertvollen Malereien geschmückten Predellatüren

nicht mehr vor.

Im Herbst 1905 wurde auch die =nördliche Sakristei= instand

gesetzt. Unter der Tünche zeigte sich bald die alte Polychromie,

welche aufgefrischt wurde. Leider hat die Sakristei, die mit ihrem

durch eine durchbrochene Treppe zugänglichen Obergeschoß und dem

=Kaiserchörlein= eine eigenartige reizvolle Bauanlage bildet, früher

viele störende Umänderungen erfahren. Die Öffnungen der Treppenwand

waren wegen baulicher Mängel vermauert und hätten ohne anderweitige

Stützkonstruktionen nicht geöffnet werden können. Eine Tür führt

jetzt von der Straße in den ehemals abgeschlossenen intimen Raum. Die

=Piscina=, früher von der Sakristei und vom Chor aus benutzbar, ist mit

ihrem Abzugsgraben noch vorhanden, dient aber jetzt, zum Teil vermauert,

als Nische für einen Gasofen. Die alte ehemalige Ofennische wurde an der

Ostwand entdeckt und als Bücherschrank verwendet.

[Illustration: Abb. 50. Sakramentshäuschen im Ostchor.]

An Stelle der kleinen alten Fenster fanden sich auf der Nordseite große

Fenster vor; eine weitere in die östliche =Altarnische= gebrochene

Fensteröffnung nimmt jener alle Stimmung. Andererseits aber hatte die

Sakristei zu diesen Änderungen durch ihre Feuchtigkeit und dumpfe Luft

Veranlassung gegeben. Rekonstruktionen waren also nicht veranlaßt und

die neueren Arbeiten beschränkten sich daher, abgesehen von einigen

nötigen Auswechslungen am Mauerwerk und dem Verdichten vieler offener

Lagerfugen, auf die Herstellung einer Vertäfelung und eine Verbesserung

der Ofenanlage.

Im Chor fanden sich die =Stühle= Hans Tuchers, Sebald Schreyers und

mehrere andere alte Stühle, welche noch in der Mitte des vorigen

Jahrhunderts vorhanden waren, leider nicht mehr vor. Die alten

=Handwerkerstühle= (Abb. 125) erfuhren ebenso wie die =Tucherschen

Renaissancestühle= eine gründliche Reparatur, wobei die an den letzteren

angebrachten zwei kleinen Schnitzereien, =St. Sebald= vom ehemaligen

Schreyer-Stuhl (Abbildung auf dem Titelblatt) und ein =Wappen= vom

Grundherrnstuhl, abgenommen und neben den Hauptaltar versetzt wurden.

Heideloffsche Seitenwangen an verschiedenen alten Stühlen wurden

entfernt und durch einfache, möglichst indifferente Formen ersetzt.

Besonders schwierig gestalteten sich die Arbeiten an den =gotischen

Chorstühlen= (Abb. 121, 122, 123), die sehr reich geschnitzt waren und

jetzt noch Reste von außerordentlich wertvoller figürlicher Plastik

aufweisen. Kein Mobiliargegenstand hatte sich aber, von einzelnen

Statuen abgesehen, in einem so zertrümmerten, zusammengeflickten

und wieder vernachlässigten Zustand gefunden wie diese Stühle.

Zunächst mußten die Originalteile festgestellt werden, dann wurde

eine Instandsetzung vorgenommen, bei der die fehlenden Teile in ihren

Hauptformen in Eichenholz ergänzt, aber nicht im Detail ausgeschnitzt

wurden. Es sollte sich die Restaurierung innerhalb des wiedergewonnenen,

würdigen allgemeinen Eindruckes vom alten Original absondern, so daß

besonders bei den Figuren keinerlei Vermischung mit neueren Zutaten

auftrat.

Die Sebalduskirche in Nürnberg · 第 13 / 29 段