und westlichen Abbruchstelle Auskunft. Aber ein Hauptgesimsstück,
das den Anstoß an das Wimperggesims zeigte, war neben dem Brauttor
glücklicherweise erhalten geblieben und bildete für die Neuherstellung
wertvolle Anhaltspunkte.
Unterhalb des abgetragenen Daches fanden sich auch bei den beiden
mittleren Mittelschiffpfeilern die Ansätze von ehemaligen romanischen
Strebebögen, die vom Seitenschiff aus das Mittelschiff stützten.
Außerdem beschäftigte die Bauleitung die Anfertigung der Pläne für die
Wiederherstellung des großen =Giebels= und der =Galerie= am Ostchor.
In einer im Dezember stattgehabten Sitzung des Bauausschusses legte
Professor Hauberrisser die Vorschläge für Wiederherstellung der Galerie
des nördlichen Seitenschiffes und Flachlegung des Daches sowie für die
Arbeiten am Westgiebel vor. Eine im März stattgehabte Untersuchung der
=Türme= hatte auch die Baufälligkeit der dortigen Galerie und große
andere Schäden des Mauerwerks wie der Dachstühle dargetan.
=1894.= Während des Winters 1893 auf 1894 und selbst das ganze Frühjahr
hindurch bis in den Sommer hinein war die Hütte mit der Herstellung
der vielen reichen =Baldachine= und =Konsolen= (Abb. 27, 36, 37) am
Ostchor beschäftigt. Sobald die sieben Baldachine je eines Pfeilers
fertiggestellt und versetzt waren, konnten die Gerüste entfernt werden,
und so fiel von Norden nach Süden nach und nach die Hülle von Gerüsten,
die den Ostchor vier Jahre hindurch verdeckt hatte. Ende Juli wurden
die Baldachine und Figuren am letzten Strebepfeiler bei der Schautüre
versetzt. Auch wurden die Abfallrohre bei jedem Pfeiler in Kupfer neu
hergestellt.
In den Monaten April und Mai wurden die zwei aus der nördlichen
Sakristei herausragenden Strebepfeiler ausgewechselt. Hierbei wurden
auch die Giebelabdeckungen erneuert und das Dach, welches die Mauern
bisher überdeckt hatte, tiefer gelegt, so daß die an den alten
Abdeckungen schon vorhandenen inneren Gesimsprofile nun sichtbar sind.
Auch die Rinne und das Abfallrohr wurden in Kupfer neu hergestellt.
[Illustration: Abb. 38. Nördliches Seitenschiff vor der Restaurierung.]
Die weitere Arbeit der Hütte bestand zunächst in der teilweisen
Neuherstellung und Ausbesserung der Wandflächen unterhalb des
Kaffgesimses bis zum Sockel des Ostchores, die durch die früher
eingebauten Kramläden erheblich gelitten hatten.
Hiermit fanden die Arbeiten am Ostchor, da die Restaurierung der
=Portale= auf späterhin verschoben wurde, ihren vorläufigen Abschluß,
und die Hütte begann mit der Anfertigung der Werkstücke für die
Wiederherstellung des =Westgiebels=, und zwar zunächst des nördlichen
Teiles desselben.
Diese Arbeit füllte den Sommer und Herbst aus; es gelang, die
Neuherstellung der =Galerie= (an Stelle der früher vorhandenen
Ziegelbedachung) sowie des =Eingangstürmchens= und die übrigen
Ausbesserungen dortselbst bis auf das Verfugen noch vor Winter zu Ende
zu führen.
Nunmehr nahm die Hütte die Werkstücke für die Galerie sowie die Giebel
und Pfeilerendigungen des nördlichen Seitenschiffes in Arbeit als
Aufgabe für den Winter 1894/95.
[Illustration: Abb. 39. Nordansicht.]
Der =Fachwerkaufbau= für den Sängerchor am nördlichen Seitenschiff war
anfangs des Jahres abgebrochen worden.
Die Bauleitung war während des ganzen Jahres mit den Vorbereitungen für
die vorbeschriebenen Arbeiten der Hütte beschäftigt.
Außerdem wurden, nachdem im August am =nördlichen Turm= in der Höhe
der Glockenstube feste Gerüste aufgeschlagen waren, die nun zugänglich
gewordenen Teile des Turmes, deren große Schadhaftigkeit früher schon
festgestellt worden war, vermessen und zeichnerisch dargestellt.
Mit Steinmetzmeister Göschel war ein neuer Vertrag für die weiteren
Wiederherstellungsarbeiten im März abgeschlossen worden. Das
Steinmaterial wurde seit dem Frühjahr ausschließlich aus den Brüchen von
Wendelstein bezogen.
Im August beschloß der Bauausschuß, sowohl die Lattung wie die
Ziegeldeckung des großen =Ostchordaches= auszubessern und eine Anzahl
neuer Dachfenster anzubringen. Im Innern des Dachbodens wurden auf
allen Balkenlagen bequeme Laufgänge hergerichtet und der Boden selbst
oberhalb der Gewölbe mit einer neuen Bretterung versehen. Die beiden
=Dachendigungen= waren bei dieser Gelegenheit genau nach den vorhandenen
Resten zum Teil erneuert worden.
Am =Schreyerschen Grabmale= (Abb. 69) wurden im Herbst zwei neue
Baldachine an Stelle der alten verwitterten eingesetzt; auch die
Holzdecke dieses Vorbaues und das Kupferdach wurden neu hergestellt.
Im April nahm der Kultusminister von den Arbeiten Einsicht. Um
einen Überblick über die Art der Wiederherstellung in späterer
Zeit zu ermöglichen, richtete die Bauleitung im Laufe des Jahres
in dem unbenutzten Raume oberhalb der nördlichen Sakristei (der
alten Schatzkammer) eine =Sammlung von Modellen, Zeichnungen und
Photographien= ein, welche eine Ergänzung der bereits im Lapidarium
bestehenden Sammlung bildet.
=1895.= Nachdem die Hütte im Winter 1894/1895 einen großen Teil der
für den Ausbau des =nördlichen Seitenschiffes= nötigen Werkstücke
hergestellt hatte, konnte im Frühjahr mit dem Versetzen, und zwar bei
der =Galerie= zunächst dem Brauttor, begonnen werden (Abb. 39).
Von Joch zu Joch wurden Galerie und Pfeiler neu aufgestellt und jedesmal
dahinter der neue Dachstuhl aufgerichtet. Bei dem letzteren war eine
etwas umständliche Konstruktion erforderlich, weil trotz des nunmehr
viel niedrigeren Daches unterhalb desselben der =Durchgang= vom Turm zur
Sängerbühne erhalten werden mußte.
Mit dem =Niedrigerlegen= des Daches wurden endlich die romanischen
=Fenster= des Mittelschiffes wieder frei, wodurch das letztere volles
Licht erhielt und die schöne romanische Architektur im Innern zur
Geltung gelangte.
Ein kleiner Aufenthalt ergab sich im Juli bei der Anschreibtür, weil
die dort erforderliche besonders eingreifende Abbrucharbeit der beiden
Portalpfeiler große Vorsicht bezüglich des Gewölbeschubes erheischte. Es
wurde aller Gefahr durch eine vom Straßenboden aus aufgestellte eiserne
Stützkonstruktion vorgebeugt.
Über die ehemalige Form der Galerie dieses Portales hatten
glücklicherweise ein erhaltenes Gesimsstück und der Maßwerkanschluß
Aufklärung gegeben.
Bis zum Eintritt des Winters wurden von den fünf Jochen vier
fertiggestellt. Zugleich mit den Arbeiten an der Galerie waren auch
die =Maßwerke der Fenster= (Abb. 21) einer gründlichen Ausbesserung zu
unterziehen. Die Gerüste konnten nun bis zur halben Fensterhöhe fallen.
Der Deckung des Daches wurde besondere Sorgfalt zugewendet. Die so
charakteristische =Ziegeldeckung= sollte beibehalten werden, aber bei
der flachen Neigung erwies sich noch ein besonderer Schutz gegen
eindringendes Wasser notwendig. Daher wurde das Dach zuerst mit
verbleitem Eisenblech und hierauf erst mit Ziegeln gedeckt. Die Rinne
wurde ähnlich wie am Ostchor gestaltet und aus Kupfer hergestellt.
Die Anfertigung der am nördlichen Seitenschiff zu erneuernden =Statuen=,
welche nach den alten verwitterten und ergänzten Vorbildern genau
kopiert wurden, übertrug der Bauausschuß zum Teil dem Bildhauer
Leistner, zum Teil dem Steinmetzmeister Göschel. Der Kultusminister
besuchte die Kirche im Januar.
Am 18. Mai erhielt sie den Besuch des Prinzen Ludwig von Bayern und am
30. Juli der beiden ältesten Söhne des Deutschen Kaisers.
Unterdessen hatte sich die Bauleitung mit den Plänen befaßt, welche
zur Umgestaltung, beziehungsweise zum Aufbau des =Treppentürmchens=
am nördlichen Turm erforderlich waren. Daneben wurde die =südliche
Sakristei= in ihrem äußeren Mauerwerk restauriert, der Kamin derselben
verändert und das Dach niedriger gelegt.
In den Bauausschußsitzungen war wiederholt die Frage der Beheizung der
Kirche, zunächst allerdings ohne Ergebnis, besprochen worden.
Als die Versetzarbeiten des Frostes wegen eingestellt werden mußten,
war die Hütte in die Winterarbeit -- Wiederherstellung des letzten
Joches des nördlichen Seitenschiffes, der Wimpergkränze, der beiden
Pfeiler dortselbst und der Baldachine und Konsolen des Seitenschiffes
-- eingetreten. Auch für den nördlichen Turm wurden schon eine Anzahl
Steine bearbeitet. Für das nächste Jahr wurden außer der Beendigung des
nördlichen Seitenschiffes die Arbeiten am =nördlichen Turm= (Abb. 28)
und am =südlichen Westgiebel= in Aussicht genommen.
=1896.= Da in diesem Jahre in Nürnberg die zweite bayerische
=Landesausstellung= stattfand, wurden die Arbeiten am westlichen Joch
sowie die Auswechslung von zwei Mittelteilen der Strebepfeiler zwischen
Brauttor und Anschreibtür und schließlich die Wiederherstellung der
Galerie über der letzteren so beschleunigt, daß beim Besuche des
Prinzregenten =Luitpold= am 13. Mai das nördliche Seitenschiff bis
auf den Magistratschor und das Treppentürmchen am nördlichen Turm von
Gerüsten ganz befreit war.
Nun wurde zunächst das Treppentürmchen ausgebessert und um ein
Stockwerk erhöht zur Ermöglichung eines Austrittes in die Dachrinne
des Seitenschiffes. An Stelle der alten Backsteinpyramide trat ein
steinerner Dachhelm mit Kreuzblume (Abb. 39).
Zugleich wurde im nördlichen Turm der Zugang zum Seitenschiff durch
Anlage neuer Treppen und Fußböden verbessert und der Gang zur
Sängerbühne durch eine Rabitzwand gegen den Dachraum abgeschlossen. Die
Triforien erhielten neue Zugangstreppen.
Unterdessen hatte sich herausgestellt, da die Gerüste am Treppentürmchen
eine genaue Untersuchung ermöglicht hatten, daß der =Turm= zu beiden
Seiten seiner nordwestlichen Strebepfeiler 4-6 m lange und bis zu 5 cm
breite =Risse= aufwies. Hier befanden sich zwei vermauerte, mit
Rundbögen überdeckte ehemalige =Öffnungen=, welche in nordwestlicher
Richtung einen Schub ausübten. Die den letzteren verursachende Belastung
mag vergrößert worden sein durch die Erhöhung des Turmes in der
gotischen Zeit, durch Glockengeläute und Winddruck. Obschon die offenbar
schon alten Risse keine augenblickliche Gefahr mit sich brachten, war
dringend nötig, weiteren Bewegungen Einhalt zu tun.
Es wurde daher eine doppelte =eiserne Verschlauderung= hergestellt, die
das ausgewichene Turmeck umfaßte und im Innern die östliche und südliche
Turmwand als Rückhalt benutzte.
Unterdessen war der sehr ruinöse =Magistratschor= (Abb. 40, 41) bis auf
den Grund abgetragen worden und wurde ganz neu wieder hergestellt mit
neuen Fenstermaßwerken -- die alten fehlten vollständig -- und einer
nach gegebenen Anhaltspunkten erneuerten =Galerie=.
Das Dach hinter der letzteren wurde mit Kupfer gedeckt.
Die Hauptarbeit der Hütte für den Herbst und Winter bildeten die Friese,
Gesimse und Maßwerke der =nördlichen Turmgalerie= (Abb. 29).
Diese Werkstücke waren meist sehr umfangreich, so daß die durch die
Kündigung des Lagerplatzes an der Moritzkapelle hervorgerufene Beengung
des Werkplatzes sehr unangenehm empfunden wurde.
Die =Gerüste= des Turmes waren wiederholt geprüft und zu größerer
Sicherheit möglichst bequem eingerichtet, auch mit Sprachrohr und
elektrischer Glocke versehen worden.
Gegen Ende November wurde mit der Abnahme der alten Galeriemaßwerke
begonnen. Diese sowie die Reste des Magistratschores wurden der Stadt
überlassen und fanden an der Stadtmauer beim Walchtor Aufstellung. Die
meisten =Statuen= am nördlichen Seitenschiff und Brauttor sowie die
überlebensgroße =Thomaschristusstatue= an der nördlichen Sakristei
waren im Laufe des Jahres erneuert worden. Die Anbringung neuer Statuen
=Luthers= und =Melanchthons= an der Anschreibtüre wurde beschlossen,
ihre Herstellung jedoch auf das nächste Jahr verschoben. Auch sollten
die =Epitaphien= und sonstigen =Reliefs= an der Kirchenwand teils
ausgebessert, teils erneuert werden. Beim Eintritt des Winters waren die
Hütte mit Herstellung der noch fehlenden Werkstücke für die Turmgalerie
und die Modelleure mit Ergänzung der Reliefs beschäftigt.
Durch eine neue Kanalisation der Abfallrohre zum Hauptkanal auf der
Nordseite wurde eine Verbesserung des Wasserablaufes hergestellt.
=1897.= Im Frühjahr konnte mit dem Versetzen an der nördlichen
Turmgalerie begonnen werden. Ein Hindernis erwuchs durch eine vorhandene
starke Verschlauderung der alten Gesimsstücke, welche während der
Bauarbeiten in Funktion erhalten werden mußte, anderseits aber die
Auswechselungsarbeiten sehr erschwerte. Es gelang durch eine besondere
Art des Zusammengreifens der neuen Werkstücke die Schwierigkeit zu
überwinden.
Ende Mai konnte schon mit Herstellung der breiten Kupferrinne begonnen
werden. Dann wurden die durchbrochenen Brüstungen versetzt und die
oberen Blattkonsolen der Bogenfriese teilweise erneuert. Im Juli begann
die Abrüstung.
Zugleich mit dem Abrüsten fand eine umfangreiche Auswechselung von
Werkstücken auf den vier Seiten des Turmes von der Galerie abwärts
statt, so daß abgesehen vom Dachhelm der Turm Ende November frei von
Gerüsten war. Die Restauration des Portals wurde, wie die der Portale
überhaupt, auf später verschoben.
Die Bauhütte hatte schon seit dem Frühjahr Werkstücke zum Ausbau der
Südseite des =Querschiffsgiebels= in Arbeit genommen.
Es handelte sich hier um Neuherstellung der Giebelabdeckung, eines
Fensters, der Maßwerkgalerie und der Endigung des romanischen
Strebepfeilers. Im Juli konnte mit dem Versetzen begonnen werden; im
November war der ganze südliche Westgiebel wieder abgerüstet.
Zur Instandsetzung des mit Zinn gedeckten =Dachhelmes des nördlichen
Turmes= wurde bereits im Sommer ein leichtes Gerüst gebaut, da ohne
Gerüst über den Umfang der Ausbesserung kein Urteil gewonnen werden
konnte. Der Zustand erwies sich als so mangelhaft, daß der Bauausschuß
beschloß, die Deckung ganz zu erneuern. Zugleich sprach er sich aus
historischen Gründen für Beibehaltung von =Zinn= als Deckungsmaterial
aus. Dieser Beschluß wurde jedoch nochmals schwankend, als sich
herausstellte, daß eine große Anzahl von Löchern im Zinn auf eine
eigentümliche Art von Korrosion zurückzuführen war, die nach Ansicht
von Sachverständigen durch den Einfluß großer Kälte entsteht und sich
wie eine Infektion auf andere Zinnteile überträgt.
Die Entscheidung der Materialfrage wurde daher bis zum nächsten
Frühjahre verschoben.
Im Oktober wurden die =Glocken= im nördlichen Turme, deren Geläute
während der dortigen Bauarbeiten unterblieb, untersucht und ebenso wie
die Glockenstühle ausgebessert.
Um beim Gerüstabbruch am nördlichen Turm das Holzwerk zur
Wiederverwendung am südlichen Turm leicht transportieren zu können und
für den Arbeitsbetrieb eine bequemere Verbindung zu erhalten, wurden im
Sommer beide Türme durch eine hölzerne Brücke verbunden.
Über die Anlage einer Heizung der Kirche wurde im Bauausschuß im Laufe
des Jahres wiederholt, jedoch ohne Erfolg beraten. Eine weitere Frage
bildete die Restaurierung der wertvollen =Glasmalereien=. Vorderhand
waren jedoch keine Mittel da, um dieser Aufgabe näher zu treten.
Unterdessen hatte die Bauleitung alle Vorarbeiten gefertigt, damit
die Hütte während des Winters die Werkstücke zur Restaurierung des
=südlichen Seitenschiffes= herstellen konnte.
Am südlichen Turm und am Löffelholzchor wurden Gerüste aufgeschlagen
(Abb. 32).
=1898.= Bei den Wiederherstellungsarbeiten am südlichen Seitenschiff
handelte es sich zunächst um die Tieferlegung des Daches und die
Instandsetzung der halbvermauerten Mittelschiffenster, ferner um die
Neuherstellung der nur als Reste vorhandenen Strebepfeilerendungen,
um Ersatz des unförmlichen den Blasbalg der Orgel enthaltenden
Fachwerkaufbaues durch einen kleinen steinernen Aufbau sowie um einen
neuen Steinhelm auf dem Treppentürmchen am Südturm, schließlich um
Restaurierung der Fenstermaßwerke und des Portales.
Der größte Teil dieser Arbeiten konnte im Laufe des Jahres vollendet
werden. Im Frühjahre wurden die Mittelschiffenster ausgebrochen, im Juli
mit dem Aufschlagen des neuen Dachstuhles beim Orgelaufbau begonnen.
Eine Verzögerung trat jedoch ein, als sich herausstellte, daß in
früherer Zeit der Querschiffgiebel der Orgel wegen durch Ausbrüche so
geschwächt worden war, daß mehrere handbreite Risse entstanden waren.
Auch war der Steinverband in bedrohlicher Weise gelockert.
Die dem Absturz nahen Werksteine wurden durch eine Zementbacksteinwand
unterfangen und der ganze Giebel durch zwei miteinander verbundene
horizontale Schlaudern, die vom Mittelschiff bis zur Außenwand
reichten, zusammengehalten. Im August wurde der Blasbalg in dem
neuerrichteten Dachaufbau wieder hergestellt. Auch das Versetzen der
neuen Pfeilerendigungen, Fialen und Riesen war vor Eintritt des Winters
beendet.
In einer Ecke des Südturmes innerhalb des Mauerwerkes fand sich eine
mit Schutt angefüllte =Treppe=, die vom Turm in die Gewölbezwickel des
Mittelschiffes führte.
Zur Neuherstellung der =Dachdeckung= am =nördlichen Turm= hatte der
Bauausschuß sich unterdessen für die Verwendung von reinem Zinn
ausgesprochen. Bei der im Mai begonnenen Abdeckung des alten Zinns
zeigte sich, daß mehrere Hölzer des Dachstuhles angefault waren und
ausgewechselt werden mußten.
Im Juni konnte die neue Holzverschalung aufgebracht werden. Die
Neudeckung des Helmes, welche Flaschnermeister =Orelli= ausführte, war
bis zum Herbst vollendet.
Auch die Wetterfahne hat derselbe nach dem Muster der alten, die
verrostet war, neu hergestellt.
[Illustration: Abb. 40. Pfinzingkapelle vor der Restaurierung.]
[Illustration: Abb. 41. Pfinzingkapelle nach der Restaurierung.]
Das alte Zinn wurde um den Preis von 3700 Mk. verkauft.
Die =nördliche Sakristei= bot, feucht, halbfinster und vielfach
vergittert, einen sehr unangenehmen Aufenthalt. Es wurden daher im März
und April die Fenster verbreitert, die Gitter teilweise entfernt und der
Fußboden ausgehoben und betoniert.
Die Modellkammer war mit der Herstellung von ornamentalen Modellen auch
in diesem Jahre beschäftigt. Daneben wurden in derselben die Statuen der
Jungfrauen vom Brauttor, welche sich bei dieser Gelegenheit als ehemals
=polychromiert= erwiesen, instand gesetzt und eine derselben an Stelle
eines vorhandenen alten Gipsabgusses neu gefertigt.
Dem Bildhauer Leistner wurden die Statuen =Luthers= und =Melanchthons=,
welche das Portal am nördlichen Seitenschiff zieren sollten, in Auftrag
gegeben.
Die Rüstung des Südturmes wurde bis zur Galerie beendet, so daß die
Bauleitung noch vor Jahresschluß mit den Aufnahmen dortselbst beginnen
konnte.
Schließlich sei noch erwähnt, daß innerhalb des Nordturmes größtenteils
neue hölzerne Treppenläufe und unterhalb der Glocken eine Holzabdachung
hergestellt wurde. Im südlichen Seitenschiff erhielten die Triforien
ähnlich wie auf der Nordseite Verbindungstreppen zum Dachraum.
Beim Eintritt des Winters war die Werkhütte, deren Bestand infolge der
mangelnden Mittel verringert worden war, mit den Werksteinen für den
Helm des südlichen =Treppenturmes= beschäftigt.
=1899.= Die vorhandene kleine Anzahl von Steinmetzen fertigte den
Winter über neben den für das =südliche Seitenschiff= noch fehlenden
Werkstücken die Werksteine zur Restaurierung des =Brauttores= (Taf. IV).
[Illustration: Abb. 42. Erneuerte Madonnenstatue am Brautportal.]
Bei letzterem handelte es sich nicht nur um Auswechselung der
beiderseitigen Postamentprofilierungen unter den Jungfrauenstatuen,
sondern auch um Neuherstellung fast aller Baldachine. Auch das
durchbrochene zierliche Maßwerk mußte in seinem Hauptteile erneuert
werden.
Die Statuen =Maria= (Abb. 42) und =Sebaldus= waren schon früher in
Kalkstein erneuert worden und standen zum Versetzen bereit.
Bei der in Verbindung mit der Restaurierung stattfindenden Reinigung
stellte sich heraus, daß der größte Teil des Portales ursprünglich
=polychromiert= war.
Außer an den Jungfrauenstatuen sind die Spuren hauptsächlich an der
Christusfigur und an den Wappen noch sichtbar.
Das steinerne Dach wurde mit Kupferplatten überdeckt, und Ende Juli
wurde nach Entfernung der Gerüste das restaurierte Portal dem Verkehr
wieder übergeben.
Die noch ausstehenden Auswechselungsarbeiten am =südlichen
Seitenschiff=, an den Mittelteilen der Pfeiler, den Fensterbögen und den
Fenstermaßwerken sowie dem Portale nahmen die Arbeit einiger Steinmetzen
bis in den Herbst in Anspruch.
Bei der Reinigung des südlichen Seitenschiffportales fand sich auch hier
eine gut erkennbare, ehemals gewiß glänzende =Polychromie= vor. Selbst
die Säulen waren mit einem bewegten Linienornament geschmückt.
Das Portal erhielt ein neues Kupferdach. Auch die kupfernen Dachrinnen
und der Kehlanschluß am Südturme wurden vervollständigt, so daß im
Herbst das südliche Seitenschiff bis auf die Erneuerung des westlichen
modernen Fenstermaßwerkes und der Kaff- und Sockelgesimse fertiggestellt
war.
Im März konnten schon nach den bis dahin fertiggestellten Zeichnungen
die Steine für die =Galerie des Südturmes= bestellt werden; allein die
Lieferung aus den in einen neuen Besitz übergegangenen Wendelsteiner
Brüchen ging nur sehr langsam von statten. Die Zahl der Steinmetzen war
im Juli auf 25 Mann erhöht worden. Ihre Arbeit bildeten die 78 großen
Werkstücke der 3 Gesimsschichten an der südlichen Turmgalerie, die bis
zum Ende des Jahres nahezu vollendet wurden.
Im Juli wurde das im Nordturm unterhalb der Glocken hergestellte
Holzdach mit Zinn verkleidet. Auf Veranlassung und mit den Mitteln
des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg wurde im November durch
die Bauhütte im Ostchor eine =Nachgrabung= nach den =Fundamenten= der
östlichen Hälfte der alten romanischen Kirchenanlage vorgenommen.
Vor der Türe der südlichen Sakristei gezogene Gräben legten bald die
Grundmauer der südlichen =Querschiffapsis= bloß. Bei der Aufgrabung
zwischen Sebaldusgrab und Hochaltar fanden sich Grundmauern der
=Hauptapsis=, welche die Reste einer Mensa enthielt und den
kleeblattförmigen Abschluß einer zweischiffigen =Krypta= bildete.
Um bei der durch Zeit und Mittel beschränkten Aufgrabung ein möglichst
vollkommenes Ergebnis zu erzielen, wurden die Gräben auf die Südseite
beschränkt, hier aber um so gründlicher hergestellt. Auf diese Weise
konnte die ganze Längsmauer der sich bis zu den Vierungspfeilern
hinziehenden Krypta aufgedeckt werden, wobei auch die aus den Schiffen
hinabführenden =Treppen= sichtbar wurden. Von den Ergebnissen dieser
Aufdeckungen wurden durch die Bauleitung Vermessungen, =Aufzeichnungen=
und ein plastisches Modell hergestellt, welch letzteres in der
Modellsammlung der Kirche seinen Platz fand (Taf. II u. III, Abb. 1).
Die aufgedeckten Mauerteile waren vor dem Zuschütten auf Einladung des
Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg von einer großen Zahl von
Sachverständigen und Interessenten besichtigt worden.
Gegen Ende des Jahres begann die Hütte mit der Herstellung der
durchbrochenen Brüstungsstücke der Galerie für den =Südturm=.
=1900.= Im Frühjahr 1900 konnte mit dem Versetzen der Gesimsstücke und
der Galerie am südlichen Turm begonnen werden. Die Arbeit ließ sich
nur auswechslungsweise vornehmen, wobei die in der Mauer liegenden
vier Schlaudern, die übrigens unter sich nicht verbunden waren, eine
Erschwerung bildeten. Am Turmaufbau oberhalb der Galerie mußten auf
allen vier Seiten eine große Anzahl von Werkstücken, Bogenfriese,
Gesimsstücke, Fenstergewände und auch glatte Quadern wegen der
vorhandenen großen Verwitterung erneuert werden.