Die =Säule= ist meist als Halbsäule mit dem Pfeiler oder der

Pfeilervorlage verbunden und trägt als solche Gurte und Rippen. Sie

stützt auch leichtere Lasten, und hier mehr in dekorativer als in

konstruktiver Verbindung, so an den Kleeblattblendbögen, an den

Schildbögen, an den Arkadenvorlagen. Freistehend findet sie sich nur

in der Triforien- oder Zwerggalerie und im Engelschor vor. Als reines

Zierglied steht sie an den Wandungen der Westportale. Die Behandlung

des Schaftes ist glatt, die Form zylindrisch, ohne Schwellung und ohne

Verjüngung, an der Triforiengalerie auch achteckig. Im Westchor, wo die

Säule, als Dreiviertelsäule an die Wand angelehnt, die Gewölberippen

trägt, ist ihr Schaft mit einem scharf profilierten Ring in der

Mitte umgürtet. Ebenso an den beiden noch vorhandenen westlichen

Vierungspfeilern.

Die =Kapitäle= (Abb. 8, 9, 10, 11, 12) gruppieren sich in

Knospenkapitäle und solche mit Blattornament, beziehungsweise in Kelch-

und Würfelkapitäle. Der Kern des Knospenkapitäls ist die Kelchform, die

Behandlung des Reliefs zum großen Teil eine mehr zeichnende, abgesehen

natürlich von den Knospen, welche zuweilen über den Rand der Deckplatte

vortreten. Bei den Blattornamentkapitälen geht die Kelchform in die des

Würfels über infolge plastischer Behandlung der Blätter; dabei zeigt

sich eine Vorliebe für das bandförmige Blattornament, indem Stengel

und Ranken wie gestickte Bänder gearbeitet, die Blätter gleichsam mit

Schnüren von Perlen oder Edelsteinen besetzt sind. Eine freiere zum Teil

phantastische Behandlung weisen nur die Kapitäle in der Triforiengalerie

auf, wo auch die Würfelform mehr Anwendung gefunden hat. Häufig

vertreten hier Fratzen die Stelle von Kapitälen.

Die =Basen=, von der bei romanischen Bauten üblichen attischen Art,

sind nicht mehr starr und hoch, sondern biegsam und zeigen bereits die

flache, gedrückte Gestalt, welche dem Druck elastisch nachgegeben hat

und mit dem unteren Wulst über den Rand des Sockels hinausgedrängt

worden ist. Manche Basen weisen Eckknollen auf.

Unter den =Konsolen= (Abb. 13, 14) sind die am häufigsten vorkommenden

die Hornkonsolen, in welche die für die Diagonalrippen bestimmten

seitlichen Halbsäulenvorlagen oder Dienste unmittelbar über dem Gesims

der Arkadenpfeiler endigen. Sie sind meist glatt behandelt, die Spitze

nach außen gebogen. Einige tragen auch schlichtes Blattornament. Die

Gurtdienste im Mittelschiff werden zuweilen von hockenden bärtigen

Gestalten gestützt. Die übrigen Konsolen haben einfache Form, in einen

schaftartigen Rundbogenfries gehüllt.

Von den =Türen= kommen nur die jetzigen beiden West- oder Turmportale

(Abb. 15, 16, 17, 18) in Betracht. Dieselben treten mit ihrem

verschrägten Gewände und ihrem bogenförmigen Abschluß als Umrahmung

vor die Fläche der Turmmauer vor. Gewände und Bogenleibung sind durch

drei rechtwinkelige Einsprünge aufgelöst. In den Winkeln stehen zu

beiden Seiten je drei Säulen, welche mehrfach profilierte Bögen tragen.

Plastischer Schmuck ist nur an den Kapitälen vorhanden, und zwar sind

dieselben an der einen Seite als Knospenkapitäle, auf der anderen

Seite als Blattornamentkapitäle unterschieden. Die Bogenfelder ruhen

auf Pfeilern auf, welche aber mit den flankierenden Säulen nur das

bekrönende Gesims gemein haben. Durch die beiden Turmportale hat die

Westseite nachträglich die Bedeutung einer Fassade gewonnnen.

=Bisheriges Ergebnis.= Die im Vorausgehenden gegebene Beschreibung

des Baues führt zu dem Ergebnis, daß die ältere Kirche St. Sebald im

großen und ganzen ein der romanischen Stilart angehöriger Bau ist. Es

haben allerdings die drei gotischen Grundelemente: der Spitzbogen, der

Strebebogen und das einfache System bereits Eingang gefunden. Allein

diese Anleihen haben nicht den Organismus des Gliederbaues völlig

durchdrungen, sie sind nicht durchweg zu konstruktiver Notwendigkeit

geworden. Hat man doch beim späteren Umbau der Seitenschiffe den

Überfluß der Strebebögen erkannt und ihre Beseitigung herbeigeführt.

Auch der Eindruck des Innern, wo erst das einfache System dem Beschauer

sichtbar wird, ist trotz der reichen Hochwandgliederung und trotz der

starken Höhenentwicklung nicht der eines gotischen Baues. Der Bau ist in

seinem innersten Kern romanisch. Den romanischen Charakter bestätigen

auch die Ornamente.

=Stilkritik.= Die erste Periode der Nürnberger Bau- und Kunstgeschichte

fällt in das 12. Jahrhundert. Die ehemalige Schottenkirche St. Egidien

mit der Euchariuskapelle und die Doppelkapelle auf der Burg sind ihre

Repräsentanten. Die Egidienkirche brannte 1696 ab. Nur Abbildungen

aus der Zeit vor und unmittelbar nach der Brandkatastrophe haben uns

ein Bild der romanischen, in gotischer Zeit mehrfach umgebauten und

erweiterten Klosterkirche überliefert, allein sie genügen nicht,

um genau Konstruktion oder gar Ornamentik erkennen zu lassen.

Wir wissen nur, daß die Kirche eine dreischiffige Basilika mit

östlichem Querschiff, westlichen Türmen und Vorhalle war; vielleicht

eine Säulenbasilika, in welcher die Seitenschiffe gewölbt, das

Mittelschiff dagegen flach gedeckt war. Mit ziemlicher Sicherheit

aber wird man annehmen können, daß die Kirche des um 1140 von Kaiser

Konrad III. gestifteten und mit Regensburger, teilweise auch mit

Würzburger Schottenmönchen besetzten Klosters auch in der Bauweise

als Schottenkirche gekennzeichnet und mit St. Jakob in Regensburg eng

verwandt war. Deutlich ist der Einfluß der Schotten an der Doppelkapelle

auf der Burg, der Margareten- und Kaiserkapelle (etwa 1170 bis etwa

1180). Weniger in der Gewölbekonstruktion, als besonders durch Gestalt

und Ornamentik der Kapitäle und durch die Anlage des Oratoriums mit

den kurzen, gedrungenen Säulen wird man sofort an die Regensburger

Schottenkirche erinnert. Dagegen deutet die gegen Ende des 12.

Jahrhunderts erbaute Euchariuskapelle mit ihren Rippengewölben und den

hohen, reich profilierten Sockeln, Basen und Kämpfern auf Bamberg.

[Illustration: Abb. 7. Ansicht vom südlichen Seitenschiff gegen Norden.]

Von wie hoher Bedeutung auch für die Kunstgeschichte Nürnbergs in der

zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts die Beziehungen zu Regensburg

gewesen sind, eine =Nürnberger Bauschule= scheint sich aus jener nicht

allzu umfangreichen, im wesentlichen auf die beiden ersterwähnten

Kirchen beschränkten Bautätigkeit nicht entwickelt zu haben. Es ist

anzunehmen, daß die Bauleute für die Doppelkapelle auf der Burg und für

die Egidienkirche von auswärts, das heißt von Regensburg, gekommen waren

und nach Vollendung der Bauten wieder weitergezogen sind, also weder aus

der Bevölkerung Nürnbergs hervorgegangen sind, noch sich in Nürnberg

dauernd angesiedelt haben.

[Illustration: Abb. 8. Kapitäl der Dienste im Mittelschiff.]

Mit der Wende zum 13. Jahrhundert war auf einige Jahrzehnte eine

Stockung im Bauleben Nürnbergs eingetreten, bis sich mit der

Niederlassung der Bettelorden, vor allem aber mit dem Bau von St.

Sebald eine um so regere Tätigkeit entfaltete. So kam es, daß sich an

die von den Schotten angewendete Bauweise keine Tradition knüpfte und

man die technischen Vorteile und die dekorative Eigenart, welche jene

mitgebracht, völlig vergaß. Und als das Bedürfnis nach einem größeren

Gotteshaus wach wurde, war in Nürnberg ein gänzlicher Mangel an

geschulten Baumeistern wie Steinmetzen, welche einen umfassenden Auftrag

hätten übernehmen und durchführen können. Dazu handelte es sich jetzt

nicht mehr um eine Kirche für einen geschlossenen Orden, sondern um die

Kirche für eine Pfarrgemeinde. Stand bereits die zum Egidienkloster

gehörige Euchariuskapelle unter dem Einfluß des Bamberger Domes, so war

es ganz natürlich, daß die unterbrochenen Beziehungen zu dem erst 1237

vollendeten Dom wieder aufgenommen wurden, um so mehr als Bamberg die

Diözesanhauptstadt von Nürnberg war.

=St. Sebald und der Dom zu Bamberg.= Bei der Gründung der Diözese

Bamberg durch Kaiser Heinrich II. im Jahre 1007 wurde der neue Sprengel

gegen den von Eichstätt mit dem Laufe der Pegnitz abgegrenzt. Was also

vom jetzigen Stadtgebiet Nürnbergs nördlich dieses Flusses lag, gehörte

zu Bamberg, was dagegen auf der anderen Seite lag, zählte vorerst zu

Eichstätt. Dieses Verhältnis scheint jedoch nicht lange bestanden zu

haben, denn schon 1162 wird die Kapelle zum Heiligen Grab, an deren

Stelle sich jetzt die Pfarrkirche St. Lorenz erhebt, als zu Fürth

eingepfarrt erwähnt, und Fürth gehörte damals zur Diözese Bamberg. Im

13. Jahrhundert kommt also für Nürnberg als Diözesanhauptstadt nur

Bamberg in Betracht.

Im ersten Drittel dieses Jahrhunderts entwickelte sich in Bamberg im

Anschluß an den Dombau ein reges Kunstleben. Der unter Kaiser Heinrich

II. erbaute, 1081 abgebrannte, unter Bischof Otto dem Heiligen wieder

aufgebaute und 1185 abermals durch eine Feuersbrunst zerstörte Dom

wurde gleich nach dem Brande von neuem aufgebaut. Begonnen wurde mit

der Ostpartie. Nach Vollendung derselben vor 1202 trat eine kurze

Unterbrechung ein. Man ging nun energisch an die Vollendung des ganzen

Baues. Auf die provisorische Einweihung von 1232 folgte am 6. Mai

1237 die letzte und endgültige.[7] Es ist ganz natürlich, daß bei dem

Bau eines Gotteshauses von den Dimensionen des Bamberger Domes, der

noch dazu in verhältnismäßig kurzer Zeit zur Ausführung gelangte und

infolgedessen eine zahlreich besetzte Bauhütte erforderte, sich eine

eigene Bauschule heranbildete, die im Bedarfsfalle imstande war, auch

nach auswärts Parliere und Steinmetzen abzugeben. Was liegt da näher,

als daß die Nürnberger Pfarrgemeinde, als man nach einem monumentalen,

nur mit dem Aufgebot gediegener und geschulter Kräfte zu erbauenden

Gotteshaus verlangte, zur Dombauschule der Diözesanhauptstadt in engste

Beziehungen trat.

[Illustration: Abb. 9. Romanisches Kapitäl mit Blatt- und Bandornament.]

[Illustration: Abb. 10. Romanisches Kapitäl mit Blatt- und Bandornament.]

[Illustration: Abb. 11. Gotisches Kapitäl im Seitenschiff.]

Wir fassen zunächst die beiden Grundrisse, beziehungsweise

Plandispositionen ins Auge.

Beim Bamberger Dom ist die Plandisposition des alten Heinrichsbaues --

doppelchörige Basilika mit westlichem Querschiff -- beibehalten worden.

Es kann daher weder in der doppelchörigen Anlage, noch im westlichen

Querschiff eine auf Rechnung des Neubaues kommende Besonderheit

erblickt werden, es ist vielmehr auf andere ähnliche Beispiele, nämlich

einerseits auf die Dome von Mainz (erster Bau 978-1009) und Worms

(996-1016), andererseits auf die schwäbisch-bayerischen Bauten, so auf

den Dom von Augsburg (994 bis 1006), auf Obermünster (1010 und 1020)

und St. Emmeram in Regensburg (1002 und 1020), unter deren Einfluß der

Heinrichsbau des Bamberger Domes zweifelsohne stand, zu verweisen.[8]

Das Schwergewicht bei der Anlage einer Kirche nach Westen zu verlegen,

wurde, wenn nicht ähnliche zwingende Gründe vorhanden waren, von jener

Zeit ab vermieden. Um so auffälliger muß es erscheinen, daß bei dem Bau

einer Kirche wie St. Sebald, der von Grund aus einen Neubau bildet, zwar

nicht das Hauptgewicht auf den Westchor verlegt, aber doch demselben

eine dem Ostchor beinahe gleichkommende Bedeutung zuteil wird, ja daß

überhaupt ein Westchor noch Anklang findet. Denn spätere doppelchörige

Anlagen sind nicht bekannt.

[Illustration: Abb. 12. Romanisches Kapitäl mit Knollenornament.]

Wie schon erwähnt, stand zuvor an Stelle der Kirche St. Sebald eine

Kapelle. Dieselbe war von Anfang an dem hl. Petrus geweiht und bewahrte

Reliquien von ihm. Im letzten Viertel des 11. Jahrhunderts fand

allmählich auch der hl. Sebald Verehrung, er wurde bald zum Stadtpatron

erhoben, ohne daß auf die Verehrung des hl. Petrus verzichtet worden

wäre. Auch vom hl. Sebald waren Reliquien vorhanden. Es mußte daher,

als man eine Gemeindekirche größerer Ausdehnung als Ersatz für die

kleine Kapelle erbauen wollte, gleich von vornherein auf beide Heilige

Rücksicht genommen werden. So blieb nichts anderes übrig, als den

Grundriß einer doppelchörigen Kirche zu wählen, und hierzu bot der

Bamberger Dom das geeignetste Vorbild. Man begnügte sich aber nicht mit

der bloßen Kopie, sondern ging in einer Hinsicht sehr selbstständig vor.

Beim Bamberger Dom liegt, weil die Plandisposition des Heinrichsbaues

beibehalten wurde, das Querhaus im Westen. Vom 11. Jahrhundert an jedoch

wurden überall nicht nur doppelchörige Anlagen soviel wie möglich

vermieden, sondern auch die Kirchen regelmäßig nach Osten angelegt.

Infolgedessen ist der Grundriß von St. Sebald gegenüber dem Bamberger

Grundriß in der Himmelsrichtung gerade umgekehrt. Und da im Laufe des

12. Jahrhunderts der hl. Sebald Stadtpatron geworden war, nach welchem

auch die Kirche benannt werden sollte, so wurde seiner Verehrung der

größere Ostchor eingeräumt, während dem hl. Petrus der kleinere Westchor

zufiel.[9]

[Illustration: Abb. 13. Romanische Hornkonsole.]

[Illustration: Abb. 14. Romanische Konsole.]

Eine weitere Selbständigkeit liegt in dem Mangel eines zweiten

Turmpaares am Querschiffe von St. Sebald, welches dafür zwei Apsiden als

Nebenchöre hat.

Dagegen spricht wieder deutlich für die enge Verwandtschaft, daß bei den

östlichen Apsiden der Kirche St. Sebald genau wie bei der Ostapsis des

Bamberger Domes die halbrunde Form gewählt, während hier wie dort der

Westchor polygon abgeschlossen wurde.

Abgesehen von dieser Ähnlichkeit im Grundriß haben die beiden Westchöre

auch fast den gleichen Aufbau, wenn wir die durch den Unterschied der

Größenverhältnisse gegebenen Abweichungen außer acht lassen. Außen:

Mangel an Strebepfeilern, Abtrennung eines oberen Stockwerkes mit

Oberfenstern durch ein kräftiges Gesims, an den Ecken Dienste, welche

nicht bis zum Dachgesims reichen; ein Unterschied besteht in den hier

runden, dort spitzbogigen Fenstern und darin, daß bei St. Sebald auch

das untere Stockwerk Oberfenster hat. Innen: sechsteilige Gewölbe in den

Rechtecken, Dienste mit Schaftringen und Kleeblattblendarkaden an den

Wänden der Apsis.

Sowohl hier wie dort ist die Außenwand des Mittelschiffes so schlicht

wie möglich behandelt. Wandgliederung fehlt. Die Anzahl der Fenster

stimmt überein, es trifft auf jedes Joch ein Fenster. Die Fenster

sind bei beiden Bauten rundbogig, mit glatten Wandungen, und sitzen

unmittelbar auf dem Ansatz der Seitenschiffdächer auf. Ein ebenfalls

übereinstimmender Rundbogenfries, welcher sich unter dem Dachgesims

hinzieht, bildet den einzigen Schmuck der Hochwand.

Ferner ist im Außenbau der Ansatz der Chornische, beziehungsweise

des Chordaches an den Mittelschiffgiebel der gleiche (bei St. Sebald

im Westen, beim Dom zu Bamberg im Osten), und ebenfalls belebt der

eben erwähnte Rundbogenfries die Giebellinie. Übrigens hat aller

Wahrscheinlichkeit nach beim Bamberger wie beim Nürnberger Westchor der

Abschluß in einem Kranz von Giebeln mit Giebeldächern bestanden, wie die

Endigungen der Eckdienste beweisen; zum mindesten war eine derartige

Bekrönung bei beiden Apsiden geplant wie an rheinischen Bauten des

Übergangsstiles.

Sonst fällt von den Übereinstimmungen am Außenbau noch der an den beiden

Westapsiden unter dem das untere vom oberen Stockwerk trennenden Gesims

sich hinziehende Rundbogenfries auf, der auch auf die flankierenden

Türme übergreift und dessen Bogenansätze von blattwerkgeschmückten

Konsolen getragen werden.

In allen übrigen Punkten kommt beim Außenbau der Unterschied zwischen

der reich ausgestatteten Bischofskirche und der einfachen, schlichten

Pfarrkirche zum Ausdruck.

Bezüglich der Einzelglieder und der Dekoration im Innern der beiden

Kirchen kann nur eine teilweise Übereinstimmung festgestellt werden:

die Kleeblattblendarkaden im Westchor (bei Bamberg auch an den

Westchorschranken)[10] in der Anlage sowohl wie in der Detailbildung,

Abschluß der Dienste in halber Höhe durch stützende Konsolen, auch

Hornkonsolen (bei Bamberg nur im Westchor, bei St. Sebald durchgehends)

und Abrundung der Scheidbögenkanten in Wulste.

Zum Schlusse sei noch betont, daß sämtliche Steinmetzzeichen von St.

Sebald sich unter den zahlreichen Zeichen des Bamberger Domes vorfinden.

Durch diese Nebeneinanderstellung wird die von der Kunstgeschichte

ausgesprochene Vermutung, daß die Kirche St. Sebald in ihrer ersten,

durch spätere An- und Umbauten noch nicht erweiterten Gestalt durch den

Bamberger Dom wesentlich beeinflußt ist, vollauf bestätigt. Es gilt dies

in erster Linie von der Plandisposition, in zweiter Linie vom Außenbau.

Was vom Dom zu Bamberg aus dessen erster Bauperiode vor und kurz nach

1200 auf die Kirche St. Sebald übertragen wurde, ist die doppelchörige

Anlage und die Idee, die Chorapsis mit zwei Türmen zu flankieren. Beides

wurde in selbständiger und eigenartiger Weise vom Baumeister von St.

Sebald verwertet. Alle übrigen Übereinstimmungen der beiden Bauten gehen

auf die zweite Bauperiode des Bamberger Domes zurück, welche die Zeit

vom Ende des zweiten Jahrzehnts bis 1237 umfaßt. Und da die Nürnberger

Steinmetzzeichen nur am westlichen, der zweiten Bauperiode angehörenden

Teil des Bamberger Domes vorkommen, so steht fest, daß die zweite

Bamberger Bauperiode und die erste Hälfte der Nürnberger Bauzeit durch

keinen größeren Zeitraum getrennt sein können.

Es erübrigt nun beide Bauwerke auf ihre =Verschiedenheiten und

Abweichungen= zu untersuchen.

Technik und Konstruktion der Gewölbe ist bei beiden Kirchen so ziemlich

die gleiche: Bruchsteingewölbe in reicher Mörtelbettung, spitzbogige

Kreuzrippengewölbe mit schwacher Busung und nahezu horizontalem

Scheitel. Allein die angewandten Systeme sind grundverschieden: beim Dom

zu Bamberg das gebundene, bei St. Sebald das einfache System.

Ferner ist bei St. Sebald an einigen Stellen der Versuch gemacht worden,

durch Stützwerk eine Verringerung der Mauerstärke herbeizuführen und

so den Gliederbau mehr zu betonen: an den Türmen und am Querschiff

durch Strebepfeiler, am Mittelschiff sogar durch Strebebögen. Am Dom zu

Bamberg fehlt -- abgesehen von den beiden Stützpfeilern an den Osttürmen

aus dem Jahre 1274 -- jede Strebe; es entspricht fast durchwegs die

Mauerstärke der Stärke der alten Grundmauer, so daß Strebepfeiler oder

Strebebögen auch überflüssig waren.

Was die Maßverhältnisse und die Raumwirkung anlangt, so macht

sich am Bamberger Dom im Querschnitt ein Streben nach imposanter

Breitenentwicklung geltend. Die Höhe des Mittelschiffes verhält sich

zu dessen lichter Weite wie 2 : 1. Anders bei St. Sebald. Hier ist

bei einem Verhältnis von 3 : 1 eine ganz bedeutende Höhenentwicklung

festzustellen.[11]

Im engsten Zusammenhang mit den Unterschieden im Querschnitt stehen

die in der Hochwandgliederung. Der breiten Anlage im Querschnitt beim

Dom zu Bamberg entspricht im Mittelschiff die breite Wandfläche eines

Joches, welche sich über zwei Arkadenbögen erhebt und um so breiter

erscheint, weil sie vom Gesims bis zum Fenster völlig leer geblieben,

d. h. weil jede Gliederung streng vermieden ist. Bei St. Sebald

entspricht der Höhenentwicklung des Mittelschiffes die schmale Bildung

einer Jochwand, die schon dadurch schlank erscheint, daß sie sich bei

enger Aneinanderreihung der Stützen nur über =einer= Arkade erhebt und

außerdem durch Belebung mit einer Triforiengalerie und Gliederung des

Lichtgadens kurzweiliger wirkt.

Der Gesamteindruck des Außenbaues ist beim Bamberger Dom bedingt --

und zwar für den in spätromanischer Zeit errichteten Hochbau nicht in

der günstigsten Weise -- durch die vom alten Heinrichsbau beibehaltene

Anlage. Der ganze Bau ist langgestreckt und so scheinen gegenüber der

leeren Mittelschiffhochwand die mehr oder minder reich behandelte Ost-

und Westpartie in einem losen Zusammenhang zu stehen. Grundverschieden

hiervon ist der Gesamteindruck des Außenbaues von St. Sebald, oder

besser gesagt, wird er gewesen sein. Starke Anklänge an Bamberg hat

eigentlich nur die Westpartie. Das Gesamtbild jedoch bietet eine ganz

andere Massenwirkung und Silhouette. Vor allen Dingen fehlt ein zweites

Turmpaar. Die Ostpartie mit den drei Apsiden ist Bamberg gegenüber ein

neues, jedenfalls selbständiges Motiv. Und dann, dies dürfte wohl der

Hauptunterschied sein, stellt St. Sebald von den Fundamenten an einen

einheitlichen Bau dar, der auch nach außen hin die charakteristischen

Merkmale des spätromanischen oder Übergangsstiles zur Schau trägt:

die Entfernung vom östlichen Querschiff zu den Westtürmen ist im

Verhältnis zu Bamberg eine überaus kurze, was bei der gleichen Anzahl

von Mittelschiffjochen in der Verschiedenheit der Systeme liegt, die

Baumassen sind demnach eng zusammengruppiert, und diese Wirkung wird

noch verstärkt durch Strebepfeiler und Strebebögen.

Ein nicht gerade wesentlicher Unterschied ist an den Westchören zwischen

den spitzbogigen Bamberger und rundbogigen Nürnberger Fenstern zu

verzeichnen.

Diese mannigfachen, teilweise schwerwiegenden Unterschiede der beiden

Kirchen lehren, daß St. Sebald in vielen Punkten noch auf andere Bauten

zurückgehen muß. Die kunstgeschichtliche Bedeutung des Bamberger

Domes liegt vor allen Dingen in der eigenartigen Verschmelzung

fremder Einflüsse, die nicht nur verschiedenen lokalen, sondern auch

verschiedenen zeitlichen Ursprunges sind. Fällt die Anlage unter

den Einfluß Regensburgs im Anfang des 11. Jahrhunderts, so zählt

anderseits der Hochbau zu den bedeutendsten Schöpfungen des deutschen

Übergangsstiles, wobei der Außenbau des Ostchores vom Ende des 12.

Jahrhunderts stark an die Ostpartie des Mainzer Domes und an andere

rheinische Bauten erinnert; und während einzelne Bauglieder des

Westchores aus dem zweiten und dritten Zehnt des folgenden Jahrhunderts

der Ebracher Schule angehören, weisen die Einwölbung des Westchores und

der Ausbau der Westtürme aus den dreißiger Jahren desselben Jahrhunderts

auf Nordfrankreich, speziell auf Laon. Es ist ganz klar, daß von einem

derartigen Bauwerk mit so vielen stilistischen Verschiedenheiten nur

verhältnismäßig wenige Einzelheiten auf den Bau von St. Sebald übergehen

konnten: ein Teil der Plandisposition, die Anlage des Westchores und

Teile am Außenbau. Und dann war eben bei St. Sebald die Einführung

zeitgemäßer Neuerungen möglich, weil nicht, wie beim Bamberger Dom,

alte Grund- und Hochmauern einen Zwang auf die Gestaltung des neuen

Hochbaues ausübten. Da nun bis zum damaligen Zeitpunkt eine Bauschule

in Nürnberg nicht bestanden hat, so müssen jenen Neuerungen, welche

St. Sebald gegenüber Bamberg aufzuweisen hat, andere verwandtschaftliche

Beziehungen zugrunde liegen.

=St. Sebald und die Klosterkirche zu Ebrach.= Die Entwicklung der

Baukunst in der romanischen Epoche wurde vorzugsweise in den großen

Städten gefördert, welche Bischofssitze waren. Man braucht da nur an

die Städte Mainz, Speyer oder Köln zu erinnern und man kennt sofort die

Bedeutung ihrer romanischen Bauwerke und den Einfluß derselben auf die

ganze Entwicklung.

Daneben machte sich aber eine Bewegung geltend, deren Einfluß nicht

geringer als jener geschätzt werden darf. Es ist die Bewegung, welche

durch die Bauschulen des Benediktiner- und des Zisterzienser-Ordens

hervorgerufen wurde.[12] Ja, der Einfluß derselben ist in gewisser

Hinsicht von weit höherer Bedeutung für die Kunstgeschichte als der der

Dombauschulen; denn dieser war selten über ein eng begrenztes Gebiet,

meist nicht über die Grenzen der Diözese hinausgegangen, der Einfluß

jener Ordensbauschulen war aber nie lokal beschränkt, er erstreckte sich

weithin nach allen Richtungen in die verschiedensten Länder, er darf

mitunter geradezu als international betrachtet werden. Und waren es dort

die Kirchen und Dome, welche von ihrer Zentral- oder Metropolitankirche

Neuerungen empfingen und mit größerer oder geringerer Modulation in

sich aufnahmen, so waren es hier die Kirchen des Landes, gewöhnlich die

Klosterkirchen, denen -- natürlich ebenfalls in lokaler Anpassung -- das

charakteristische Gepräge der entsprechenden Ordensbauschule aufgedrückt

wurde.

Die Sebalduskirche in Nürnberg · 第 2 / 29 段