Abb. 446. Verbrennung der Leiche eines Mönchs in Birma.]

[Illustration:

Phot. A. Cabaton.

Abb. 447. Königliche Elefanten in vollem Staat.

Elefanten sind in Kambodscha ziemlich selten und daher sehr wertvoll.

Jeder weiße Elefant gehört dem König, der jeden reich belohnt, der ihm

ein solches heiliges Tier sichert.]

Französisch-Indochina.

Französisch-Indochina, ein schmaler Küstenstreifen, der sich östlich

von Birma und Siam an der chinesischen Südsee hinzieht, steht, wie sein

Name besagt, jetzt unter französischer Oberhoheit. Das Land zerfällt

politisch in Kambodscha, Kotschinchina, Annam und Tonkin und umfaßt an

Völkern die Kambodschaner oder Khmer, die Annamiten, die Tonkinesen,

die Laotier und einige mehr oder weniger „wilde“ Stämme.

+Kambodscha+, vordem ein mächtiges Reich am Unterlaufe des Mekong -- im

sechzehnten Jahrhundert erstreckte es sich über einen Teil von Siam,

über Annam und Laos -- hatte unter der Dynastie der Khmer eine hohe

Stufe auf dem Gebiete der Künste und Wissenschaften erreicht; von dem

Abglanz dieser hohen Kultur legen zahlreiche Ruinen Zeugnis ab. Sodann

aber warfen sich die Siamesen zu den Herren dieses Landes auf und

zuletzt eigneten es sich die Franzosen an.

Die +Kambodschaner+ sind mittelgroße (Männer im Durchschnitt

hundertdreiundsechzig Zentimeter), dabei aber kräftig gebaute Leute mit

kurzem Schädel, geradestehenden, selten geschlitzten Augen, breiter,

an der Wurzel eingesattelter, wenig vorspringender Nase, straffem,

tiefschwarzem Haar und rötlichbrauner Hautfarbe; im allgemeinen läßt

sich an ihrem Äußeren ein gewisser negerähnlicher Einschlag (Mischung

mit Negritos!) nicht verkennen. Die Männer tragen eine fest anliegende

Jacke und einen Sampot, das ist ein Stück Zeug, das sie um die Hüften

und darauf zwischen den Beinen derart hindurchschlingen, daß bauchige

Hosen daraus entstehen; die Frauen tragen außer dem Sampot noch einen

Überwurf oder öfters eine große farbige Schärpe, die Rücken und Arme

freiläßt. Beide Geschlechter lassen sich das Kopfhaar bürstenartig

kurz schneiden; ein etwaiges Streichen mit der Hand über die Haare,

auch wenn es aus Zärtlichkeit geschehen sollte, wird als schwere

Beleidigung, als Zauberei aufgefaßt. -- Die Kambodschaner wohnen in

+Häusern auf Pfählen+, die stets einstöckig sind, in der Annahme, daß

es einem Menschen Unglück bringen würde, wenn einer ihm über seinem

Kopfe umherginge. Die Kambodschaner sind nämlich sehr +abergläubisch+.

Wie die Siamesen, Annamiten und so weiter glauben sie an Glücks- und

Unglückstage, achten auf Wahrzeichen und lassen sich das Horoskop

stellen.

Ihre +Religion+ ist eine Mischung von Buddhismus und Brahmanismus,

ähnlich wie die Religion der Singhalesen. Nach außen bekennen sie sich

zu ersterem, aber der Aberglaube an gute und böse Geister, die in ihrer

Umgebung leben und Ehrerbietung erfordern, ist allenthalben unter ihnen

verbreitet. Zu den wohlwollenden +Geistern+ zählen die Nak Ta, deren

Aufenthaltsort man in schöne alte Bäume legt. Früher brachte man ihnen

anscheinend Menschenopfer dar, jetzt beschränkt man sich auf solche in

Gestalt von Büffeln, Ziegen, Hühnern, Reis und Obst. Ein einflußreicher

Geist ist ferner der Arak, ein gleichsam gottgewordener Ahne, der die

Familien beschirmt und der besonders in Krankheitsfällen angerufen

wird. Größere Macht als den guten Geistern wird von den Kambodschanern

den bösen (Pray) zugeschrieben; daher sind sie besonders bemüht, diese

zu versöhnen und in guter Stimmung zu erhalten. Die gefährlichsten

Geister sind die von Frauen, die im Kindbett gestorben sind oder einen

gewaltsamen Tod durch den Werwolf, den Chul und die Hexe gefunden

haben. Alle Krankheiten, alles Ungemach schreibt man ihnen zu; daher

spielt auch die Magie in der Heilkunde der Kambodschaner eine große

Rolle.

[Illustration:

Phot. A. Cabaton.

Abb. 448. Sänften in Gestalt geflochtener Bambuskörbe,

in denen bei den buddhistischen Aufzügen in Kambodscha die Opfergaben

(Früchte, Reis, Münzen) den Priestern dargebracht werden.]

Eine große Vorliebe bekunden die Kambodschaner für das Feiern von

Festen; nicht nur alle Tage, die die Lehre Buddhas als heilig

vorschreibt, werden festlich, unter anderem durch Aufzüge (Abb.

448), begangen, sondern auch alle diejenigen Volksbräuche, die auf

animistischer Grundlage beruhen. Eine große Feierlichkeit knüpft sich

an das „Wasserfest“. Es ist dies eine Regatta religiösen Charakters,

die alljährlich vor dem Könige in Pnom Penh auf dem Tonle Sap

stattfindet. Im Palast spielt sich dann auch die Segnung des „Wassers

des Eides“ ab; ein jeder Bewohner des Landes, der im Dienste des Königs

steht, schwört ihm Treue, indem er das Wasser trinkt, das ihn bei Bruch

des Eides vergiften würde. -- Wie in Siam ist jeder weiße Elefant

Eigentum des Königs (Abb. 447).

[Illustration:

Phot. A. Cabaton.

Abb. 449. Leichenzug in Kambodscha.

Im Vordergrunde wird in einer Sänfte unter einem großen Schirm der

„Führer der Seele“ einhergetragen. Er steht mit dem Sarg durch ein

langes weißes Band in Verbindung, dessen eines Ende auf seinem Kopf,

das andere an einem baumwollenen Halsband des Toten befestigt ist.]

[Illustration:

Phot. A. Cabaton.

Abb. 450. Szene aus einem Begräbnisse in Kambodscha.

Auf der Sänfte wird der Katafalk mit dem Toten getragen. Oft wartet

man in einer Familie, bis mehrere Tote für die sehr kostspielige

Verbrennung beisammen sind.]

[Illustration:

Phot. A. Cabaton.

Die Sitten der Völker, Erster Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 188 / 207 题