Das Begräbnis eines angesehenen Mannes pflegt keine besonders
großartige Feier zu sein, dagegen wird reichlicher Pomp beim +Tode
eines Mönches+ entfaltet (Abb. 445). Je älter ein Mönch und je
größer die Zahl der Fasten war, die er im Kloster ausübte, um so länger
wartet man mit seinem Begräbnis, denn es müssen zuvor noch die Gelder
für die Feier eingesammelt werden. Hat ein Bettelmönch kein Vermögen
hinterlassen, so wird das Kloster, selbst wenn es Geld besitzt, doch
dem Volke nicht die Gelegenheit nehmen, sich durch eine gute Tat
verdient zu machen. Unter Umständen kann oft ein Jahr vergehen, oder
noch mehr Zeit, ehe genügend Mittel zusammengekommen sind, um dem
Haupte eines Klosters die gebührenden Ehren zu erweisen. Daher wird
der fromme Mann sofort, meistens indem der Leichnam in Honig gelegt
wird, einbalsamiert (Abb. 444). Der Sarg, der aus einem Stück Holz
geschnitzt ist, wird noch von einem vergoldeten und reich verzierten
Behälter in Form eines Gerüstes mit einem Baldachin umgeben und in
einem provisorischen Gebäude, Nirwanakloster genannt, untergebracht.
Ringsherum werden überraschenderweise sehr oft eine Anzahl ganz
unzüchtiger Bilder angebracht; sie sollen indessen die Versuchungen
darstellen, denen der heilige Mann widerstand. Hier verbleibt der Sarg,
bis alle Vorkehrungen zu der „Rückkehr in die große Herrlichkeit“,
wie man die Feuerbestattung eines Mönches zu nennen pflegt, getroffen
sind; dies ist im Februar oder März der Fall, wenn der Reis eingeerntet
ist und die Landbevölkerung viel Geld in den Händen hat. An dem
festgesetzten Tage errichtet man auf einem Hügel oder einem freien
Platze einen mächtigen Scheiterhaufen in Gestalt eines hohen Turmes
mit sieben Dächern (Abb. 446 und farbige Kunstbeilage), der aufs
bunteste mit Blattgold, Flitter und Bildern ausgeschmückt ist; in den
unteren Stockwerken wird er mit Brennstoffen und wohlriechenden
Hölzern ausgefüllt. Der vergoldete Behälter mit dem Sarg wird auf
einem riesengroßen Wagen von so viel Menschen, als nur die Rotangseile
erfassen können, herangeschleppt. Noch geschäftiger gestalten sich die
allgemeinen Bemühungen, sobald der Wagen an der Verbrennungsstätte
anlangt. Hunderte von Männern, Frauen und Kindern legen Hand an, heben
den Sarg von dem Wagen und bringen ihn an seinen Platz. Dabei ertönt
ein großes Geschrei der Teilnehmer, Musikbanden lassen ihre Weisen
erschallen, und man bekommt den Eindruck, daß es sich hier um etwas
ganz anderes, als um ein Begräbnis handeln müsse. Inzwischen haben
Mönche in Bambushäusern, die ringsherum provisorisch erbaut wurden, die
ganze Zeit hindurch aus frommen Büchern vorgelesen und gleichzeitig
eine Unmasse an Opfergaben der verschiedensten Art eingeheimst. Darauf
wird der Scheiterhaufen mittels Raketen angezündet. Diese Raketen
sind mit Schießpulver gefüllte Bambusstäbe; an der Herstellung einer
einzelnen arbeitet für gewöhnlich ein ganzes Dorf. Die Rakete, die die
Spitze in Brand setzt, bringt dem betreffenden Dorfe Glück. Sobald eine
Rakete zündet, erhebt sich unter dem Volk ein mächtiges Freudengeheul,
wenn sie aber versagt, ein lautes Hohngelächter. Die Leiche ist bald
verbrannt, denn in der heißen Jahreszeit, in der die Feuerbestattung
erfolgt, ist alles trocken wie Zunder. Die in der Asche gesammelten
Knochen werden in der Nähe eines geweihten Ortes begraben, oder es wird
über ihnen ein viereckiger Turm ohne Spitze oder eine Pagode errichtet.
Dieses Grabmal trägt aber niemals eine Inschrift, so daß nur die Leute
im Orte imstande sind zu sagen, zu wessen Andenken solch ein Bau
zustande kam. [Illustration:
Phot. D. A. Ahuja.