Da die Birmanen sich einer ausgezeichneten Gesundheit erfreuen, viel
auf dem Lande leben und die Städte, bis auf einen gelegentlichen
Besuch, zu meiden pflegen, so haben die +Ärzte+ wenig mit Krankheiten
zu kämpfen. Es ist dies auch ein Glück für die Patienten, denn die
einheimischen Heilkundigen sind alles andere als wissenschaftlich
ausgebildete Mediziner. Man unterscheidet ihrer zwei Arten, die
Drogisten und die Deitisten, dazu kommen für ernste Notfälle noch die
Geisterdoktoren. Die Drogisten verabreichen, gewöhnlich zum Schaden
ihrer Klienten, diesen alle nur denkbaren und unmöglichen Heilmittel,
die aus tierischen, pflanzlichen und anorganischen Substanzen
zusammengebraut sind. Ein Medikament, das aus hundertsiebenundvierzig
Bestandteilen sich zusammensetzt, muß doch eine Wirkung äußern,
entweder so oder so. Die Deitisten verlassen sich in der Hauptsache
auf Glaubensheilungen und beschränken ihre Verordnungen, wie es
scheint, auf Nahrungsvorschriften, die darauf hinauslaufen, daß der
Kranke nur solche Lebensmittel genieße, deren Namen mit einem der
Buchstaben beginnen, die dem Wochentage zuerteilt sind, an dem er
geboren wurde. Der Geisterdoktor ist der gefürchtetste von allen, denn
er pufft und knufft den armen Kranken, dem er Beistand leisten soll,
nach allen Regeln der Kunst unter dem Vorwande, er treibe den Geist
des Fiebers, der Kolik und so weiter, der von seinem Körper Besitz
ergriffen habe, aus. Daher ruft man ihn, der am unbeliebtesten ist,
erst, wenn es sozusagen Matthäi am letzten steht.
[Illustration:
Phot. P. Klier.
Abb. 440. Birmanenmädchen in Anbetung vor einem Götterschrein.
Sie halten in den gefalteten Händen Opferkerzen. Neben dem ersten
Mädchen liegt eine große grüne Zigarre, die es sich sofort anzündet,
wenn es sein Gebet beendet hat.]
[Illustration:
Phot. R. Grant Brown.
Abb. 441. Einweihungszeremonie.