Bei den weniger zivilisierten Birmanenstämmen dagegen trifft man
vielfach noch umfangreiche +Ehezeremonien+ an, sie sind hier überall
stark mit Brahmanismus durchsetzt. Schon bei den Schan ist dies der
Fall, noch mehr aber bei den Katschin. Bei den Katschin wird das
Hochzeitsfest damit eingeleitet, daß man Hühner, Schweine, selbst
Ochsen oder Büffel schlachtet, den Hausgeistern Opfer darbringt und
ihnen unter Gesang und Gebeten für das Wohl der zukünftigen Eheleute
die Braut vorstellt. Darauf bereitet man vor dem Hause einen Kamphan
vor, das heißt man steckt in einer Länge von etwa hundertfünfzig
Zentimetern Bündel von Halmen in die Erde und legt in der Mitte dieser
Reihe ein Brett über den Boden. Gegen Mittag erscheinen nun einige
Matronen, die noch einen Gatten am Leben haben und eine zahlreiche
Kinderschar besitzen, mit einem Gefäß voll Branntwein und einem
zweiten voll Bier bei dem Lakya Wa, einem angesehenen Dorfbewohner,
zu dem die Braut am Vorabend gebracht wurde, geben ihr davon zu
trinken und holen sie ab. Zwei Ehrenjungfrauen folgen ihr, die eine
mit Zeremonialhellebarden auf der Schulter, die andere mit Säbeln
und anderen Geschenken in ihrem Tragkorb. Sobald man sie ankommen
sieht, opfert man beim Kamphan zweien Geistern Hühner, oft auch ein
ganzes Schwein und spritzt Blut umher. Sodann führt eine der Matronen
die Braut an der Hand mitten durch den Kamphan, dadurch wird sie
gereinigt und für die Zukunft von den Hausgeistern, die ihr folgten,
befreit. Gleitet sie auf der Planke beim Überschreiten aber aus,
dann gilt dies für eine böse Vorbedeutung (kurzes Leben); bleibt ihr
Kleid von den Blutspritzern frei, dann glaubt man, daß sie lange
leben und eine große Nachkommenschaft haben wird. Nun wird die Braut
auf einer neuen Treppe ins Haus geführt; besteigt sie diese mit dem
rechten Fuß, dann bekommt sie als erstes Kind einen Knaben, im anderen
Falle ein Mädchen. An der Schwelle empfängt sie die Schwiegermutter
und legt ihr ein silbernes Halsband als Zeichen der Aufnahme um; im
Zimmer der Schwiegereltern legt die Braut die Geschenke nieder, die
ihre Brautjungfern mitbrachten, und wird dem Gatten zugeführt, den
sie oft jetzt erst zum ersten Male erblickt. Man läßt beide sich auf
eine Matte niedersetzen, gibt ihnen Branntwein zu trinken und von
einem Stück Tabak zu kauen. Darauf verteilen die junge Frau und die
Ehrenjungfrauen an alle Teilnehmer zahlreiche Prims, die die Eltern des
Gatten geliefert hatten, und gehen an den Brunnen, wo sich die junge
Frau von etwaigen Sünden, die ihr anhaften, reinigt und Wasser schöpft,
das sie am Abend beim Zeigen ihrer Kochkünste verwertet. Inzwischen
haben einige Mundschenken Bier oder Branntwein herumgereicht und die
Köche das Fleisch der Opfertiere und Reis zu Gerichten gekocht, die von
den Anwesenden genossen werden. Die Freunde der Familie veranstalten
eine Sammlung zur Deckung der Unkosten. Die Eltern der jungen Frau
nehmen nicht an diesen Feierlichkeiten teil, am Abend senden ihnen
die jungen Leute aber eine Keule und den Schwanz vom Opferschwein und
einen Teil des Brautpreises; der Rest wird nach und nach bezahlt. Zur
Nacht setzen sich die Festlichkeiten fort. Die junge Frau muß zunächst
ihre Talente im Kochen entwickeln; sie stellt einige Gerichte mit
Hilfe ihrer Brautjungfern her und verteilt sie an die Festgenossen.
Diese kosten sie und pflegen dann auszurufen: „Ah, wie vorzüglich,
möge die Jungvermählte lange leben, eine zahlreiche Nachkommenschaft
haben“ und so weiter. Wenn alle Welt satt geworden ist, hält ein Dumsa
noch die Zeremonie des ~num lani de~ ab. An jeder Seite des Herdes im
Zimmer der Eltern stellt er zwei Paare von alten Zeremonialwaffen und
einen Bambusstab auf, an dem ein Bündel Hirse befestigt ist, und legt
davor weibliche Kleider und Schmucksachen, einen Topf, einen Dreifuß,
Krüge mit Bier und Branntwein, einen Schweineschlegel und so weiter.
Neben dem Herde nehmen die junge Frau und ihr Gefolge Platz. Der Dumsa
macht nun allerhand Hokuspokus. Er ladet wohlwollende Geister ein,
treibt übelgesinnte aus, erzählt eine Geschichte von dem Ursprung
der Ehe, die ganz verschieden ausfällt, je nachdem es sich um einen
Mann aus dem Volke oder um einen Vornehmen handelt, und wendet sich
schließlich unter Hinweis auf die beim Herde niedergelegten Gegenstände
an die junge Frau mit den Worten: „Dies ist alles für euch. Möget
ihr hart werden wie diese Waffen, mögest du schön bleiben wie diese
Schmuckstücke, gut sein wie dieser Branntwein und dieses Fleisch, möge
euch dieser Topf lange zum Kochen des Reises für eure Schwiegereltern
dienen und möget ihr euch vermehren wie die Körner der Hirse.“ Nach
Beendigung dieser Zeremonie reicht man dem jungen Paar Branntwein,
Bier und ein Blatt mit einer Mischung von Reis und Hühnerfleisch. Der
Mann reicht der Frau die Tassen mit den Flüssigkeiten an die Lippen,
um sie davon kosten zu lassen, und bietet ihr etwas von der Speise
an, dasselbe tut die Frau mit dem Ehegatten. Der Rest der Speisen
und Getränke wird an die Ehrenjungfrauen und an die Jugend verteilt.
Damit ist die Hochzeitsfeierlichkeit beendet. Am anderen Morgen findet
Empfang der Vornehmen des Ortes und der Freunde statt, die von den
Getränken kosten und ihrerseits den Jungvermählten alles Glück wünschen.
Bei den Karen, wo +Endogamie+ herrscht, bestehen bestimmte
Heiratsverbote, die aber nach den verschiedenen Stämmen ganz
verschieden ausfallen. Der eine Stamm gestattet die Heirat nur unter
nahen Verwandten, ein anderer erlaubt eine eheliche Vereinigung
nicht nur außerhalb der Familie, sondern auch außerhalb des Stammes
und selbst der Rasse. Bei den Tschinvölkern anderseits treffen wir
+Exogamie+ an, das heißt die Heirat ist zwischen Mitgliedern des
gleichen Stammes, des gleichen Dorfes oder der gleichen Gruppe
verboten. Geradezu beängstigend sind die Eheverbote bei den Bergkaren.
Hier sind der Heirat so zahlreiche Schranken gesetzt, daß es viele alte
Junggesellen gibt, die deswegen keine passende Frau finden konnten
und daher Zeit ihres Lebens in den Junggesellenhäusern zubringen.
Diese Einrichtung der +Junggesellenhäuser+ finden wir nicht nur
bei den Karen, sondern auch bei verschiedenen anderen birmanischen
Volksstämmen, wie den Luschai, Kuki, Padaung. Bei den Bergkaren sind
die Junggesellen durch eine besondere Tracht kenntlich gemacht; sie
tragen eine Art Muscheljacke mit Samenkörnern oder Muschelgeld besetzt,
Halsketten aus farbigen Steinen, Perlen oder Schilfsamen, an denen ein
Eberhauer auf die Brust herabhängt, in den Ohren große silberne Tuben
und bei manchen Stämmen über der Stirn noch eine mit Muschelgeld und
einem Reisstengelbündel verziertes Band. Heiratet ein Junggeselle, dann
bekommt zunächst seine Frau den ganzen Schmuck, später geht er auf den
ältesten Sohn über.
[Illustration:
Phot. R. Grant Brown.