Die birmanische +Heirat+ ist eine rein bürgerliche Zeremonie, nur
das Öffentliche dabei macht sie bindend. Nachdem im Elternhause das
Brautgemach hergerichtet worden ist, werden alle Verwandten und Freunde
zu einem großen Feste eingeladen, bei dem die eigentliche Trauung nur
eine unbedeutende Rolle spielt. Sobald ein Astrolog den Augenblick für
günstig erklärt hat, legt das Paar seine Hände flach aneinander und
steckt sich gegenseitig Reiskörner aus einer Schüssel in den Mund.
Damit ist der Zeremonie Genüge geleistet. Viel wichtiger ist noch die
Übergabe des bei der Verlobung ausbedungenen Geldes und der Geschenke
durch die Eltern des Bräutigams.
Auf dem Lande herrscht noch der Brauch, daß Junggesellen in der
Hochzeitsnacht Steine auf das Dach der Neuvermählten werfen. Diese
Sitte, von der man sich durch ein paar Rupien loskaufen kann, scheint
nicht unflätigen Motiven entsprungen zu sein, sondern ihre Entstehung
der folgenden Sage zu verdanken. Zu Anfang der Welt hatte es fünf
Männer und nur vier Frauen gegeben; als sie sich nun zu Paaren
zusammengeschlossen hatten, konnte der übrig bleibende Junggeselle
seinen Groll und seine Gefühle nicht meistern und hatte in der Nacht
seinem Unwillen in der geschilderten Weise Ausdruck gegeben.
[Illustration:
Phot. P. Klier.