für mehrere Monate in einer goldenen Urne auf der Spitze einer
kunstvollen goldenen Pyramide im Palaste.]
Er tut dies, wenn er heiraten will. Etwa um das zwanzigste Lebensjahr
herum pflegen die Jünglinge, zwischen vierzehn und siebzehn die jungen
Mädchen die +Ehe+ einzugehen. Sie verheiraten sich in Siam fast
alle; alte Jungfrauen kommen daher in diesem glücklichen Lande kaum
vor. -- In den meisten Fällen ist die Ehe lediglich eine Abmachung
zwischen den Familien, die ursprünglich eine ältere, diplomatisch
sehr gewandte Frau zustande brachte, jetzt aber mehr und mehr von
den Eltern direkt getroffen wird, die diese Dinge frei miteinander
erörtern. Auch Neigungsheiraten kommen heutzutage mehr in Aufnahme.
Einer +Ehezeremonie+ legt der Siamese wenig Gewicht bei, daher
verkürzt er sie vielfach oder läßt sie gänzlich fort; denn um einer
Ehe die gesetzliche Gültigkeit zu verschaffen, bedarf es nur des
Beisammenwohnens. Da aber manche Eltern natürlich das Verlangen
haben, die Hochzeit ihres Kindes zu einem Ereignis zu machen, so spielt
sie sich in sehr vielen Fällen wenigstens zum Teil mit Feierlichkeiten
verknüpft ab. Wenn man die Zeremonie in ihrem vollen Umfange
betrachtet, findet die Hochzeit im Hause der Braut statt und dauert
zwei Tage. Freunde und eine bezahlte Musikbande geben dem Bräutigam das
Geleite dorthin, wo die Freunde sich versammelt haben und sich in den
Empfangsräumen an Essen, Trinken und Betelkauen gütlich tun, während
die Eltern das von beiden Teilen beigesteuerte Kapital für das junge
Paar nachzählen und prüfen. Sobald das Brautpaar erscheint, wird es
mit einer geweihten Schnur zusammengebunden, kniet nieder, wird mit
Reis beschüttet und von den Gästen aus einer Seemuschel mit Weihwasser
begossen. Darauf werden beide getrennt; der Bräutigam bringt seiner
Geliebten mit Hilfe einer Kapelle die Nacht über ein Ständchen. Am
nächsten Morgen werden die amtierenden Mönche festlich bewirtet, und
den ganzen Tag über herrscht eine ausgelassene Lustbarkeit. Am Abend
endlich wird die Braut in aller Form zum Hochzeitsgemach geleitet. Das
junge Paar lebt lange mit der Familie der Frau zusammen, oft bis zur
Geburt des ersten Kindes.
[Illustration:
Phot. Antonio.
Abb. 406. Leichenzeremonie im Hause eines reichen Siamesen.
Der Sarg pflegt auf einem hohen, reich verzierten Unterbau, umgeben von
Leuchtern, für längere Zeit aufgestellt zu werden.]
[Illustration:
Phot. R. Lenz.
Abb. 407. Der künstlerische Gerüstaufbau für die Einäscherung der
Leiche des verstorbenen Königs Chulalongkorn.]
Da die +Vielweiberei+ von Buddha nicht ausdrücklich verboten ist,
so gilt sie für erlaubt, und ein Mann kann daher so viele eheliche
Verbindungen eingehen, als er sich Frauen zu leisten vermag. Die erste
Frau behält aber immer das Vorrecht und bleibt das anerkannte Oberhaupt
aller auf sie noch folgenden. Altert eine Frau, dann hält sie es für
ratsam, ihrem Manne Nebenfrauen zu verschaffen, einmal weil sie dadurch
das Heim für diesen noch weiter anziehend zu gestalten hofft und zum
anderen, weil sie sich dann als Oberhaupt einer großen Häuslichkeit
aufspielen kann. -- +Scheidung+ erfolgt mit beiderseitiger Zustimmung
und hat die Teilung des Besitztums zur Folge, ausgenommen, wenn es
sich um Nebenfrauen handelt, die auf Wunsch des Mannes einfach beiseite
geschoben werden können ohne jedwede Vergütung. Alle Kinder sind
erbberechtigt, aber die von der ersten Frau erhalten den größten Anteil.
[Illustration:
Phot. R. Lenz.
Abb. 408. Einäscherungszeremonie für einen vornehmen Siamesen.