Die Eigenart der buddhistischen Lehre nimmt dem Siamesen, wenn es
mit ihm zum +Sterben+ geht, viel von der Todesfurcht; er beschäftigt
sich in diesen Augenblicken mehr mit seiner Wiedergeburt als mit dem
Schrecken der bevorstehenden Auflösung und verspürt bei seinem nahen
Ende den Trost einer gütigen Philosophie, die vielfach dazu beigetragen
hat, bereits sein Leben zu einem ruhigen zu gestalten. +Nach dem Tode+
wird der Körper gewaschen, in ein sauberes weißes Tuch gehüllt und mit
einer Münze im Munde, um damit den Zoll zum Paradiese zu zahlen, in den
Sarg gelegt. Um diesen, der mit schwarzem Tuch bedeckt und mit Zierat
aus Silberpapier geschmückt zusammen mit Kerzen und anderen Dingen,
die dem Verstorbenen wert waren, im Prunkzimmer des Hauses steht (Abb.
406), halten Freunde ein bis zwei Tage und Nächte Wache. Dazu lesen
eingeladene Mönche am Abend Totenmessen. Währenddessen empfangen
die Angehörigen die Beileidsbesuche ihrer Bekannten, denen sie eine
kleine Erfrischung vorsetzen. Außerdem wird sogleich nach dem Tode
eine Musikkapelle geholt, die ihre Weisen ertönen lassen muß, einmal
um die Trauernden aufzuheitern, zum andern aber auch, um die bösen
Geister fernzuhalten. Manchmal müssen auch Klageweiber ein möglichst
lautes Geheul anstimmen. Ist die Totenwache vorüber, dann wird der Sarg
in den Tempel gebracht, bisweilen jedoch, vor allem am Hofe und in
wohlhabenden Familien, behält man ihn noch längere Zeit, selbst Monate
hindurch, im Hause aufgebahrt (Abb. 405). Wird der Sarg herausgetragen,
dann tut man dies durch ein Loch in der Wand und führt ihn mehrere Male
um das Haus herum, bevor man ihn in den Tempel bringt (Abb. 386), wo
er auf einem Scheiterhaufen verbrannt wird (Abb. 407 und 408). Vorher
trägt man ihn auch hier noch dreimal um diesen herum. Man will dadurch
den Geist im unklaren über die eingeschlagene Richtung lassen, damit
er den Weg nach Hause nicht wiederfindet. -- In Bangkok gibt es eine
regelrechte Saison für +Verbrennungen+ derer, die im vergangenen Jahre
starben (Abb. 409). Es wird dann eine große Pracht entfaltet, das
Feuer des Scheiterhaufens wird von wohlriechenden Kerzen unterhalten,
Musik, Tanz und Schmaus begleiten die Feier und der Armen wird durch
reichliche Spenden gedacht. Es ist gleichsam Ehrensache, so viel Geld
wie möglich dafür auszugeben, und es kommt oft vor, daß die ganze
Hinterlassenschaft eines Menschen von den Erben vergeudet wird, um ihm
einen geziemenden Abschied aus diesem Leben zu bereiten.
[Illustration:
Phot. F. Chit.
Abb. 409. Krematorium zu Bangkok,
in dem die Einäscherung derjenigen Personen, die im vergangenen Jahre
starben, festlich begangen wird.]
Die Verbrennung von Königen und Prinzen ist ein höchst wichtiges
Ereignis und gestaltet sich fast zu einem Volksfest, das sich nicht
selten auf die Dauer eines Monats erstreckt; während dieser Zeit
werden Tausende von Menschen täglich auf königliche Kosten gespeist
und bewirtet. Die Leichen des Königshauses kommen nicht in Särge,
sondern zusammengekauert in kupferne, stark vergoldete Urnen.
Jedes Stadium einer königlichen Verbrennung, der Leichenzug, die
Übergabe auf den Scheiterhaufen, das Anzünden des Feuers und das
Einsammeln der Aschenreste, jede dieser Handlungen ist eine Feier
für sich, die manchmal einen ganzen Tag in Anspruch nimmt. Jedesmal
ist der Hof vollzählig zugegen, die Damen ganz in Weiß gekleidet
und das Haar geschoren. Die Asche wird in kleinen goldenen Urnen im
Palast aufbewahrt und ist von Zeit zu Zeit Gegenstand ehrfürchtiger
Zeremonien. Von den Gebeinen der Könige werden Teile unter die
Mitglieder der königlichen Familie und an Günstlinge aus dem Adel
verteilt. -- Die Angehörigen einfacher Leute bewahren ebenfalls die
Asche ihrer Verstorbenen in kleinen Urnen auf, die in ihren Häusern
Platz finden.
[Illustration: Abb. 410. Gebrauch der Ruder bei den Eingeborenen der
südlichen Schanstaaten Birmas.
Anstatt mit der Hand rudern sie mit den Füßen und vermögen dies
stundenlang fortzusetzen.]
Birma.
Die Birmanen gehören zur Gruppe der Schanvölker und gleichen +in
ihrem Äußeren+ im großen und ganzen den Siamesen. Sie sind kräftig,
wohlproportioniert und von ziemlicher Größe, die Höchstgewachsenen
unter den Stämmen Hinterindiens. Ihre Hautfarbe ist braun, ihr Kopfhaar
dicht, lang und schwarz. Ihre Gesichtszüge sind etwas edler als die der
Siamesen, so daß sie, im besonderen Frauen, oft angenehm auffallen.
Die +Kleidung+ ist bei beiden Geschlechtern die gleiche. Den Oberkörper
bedeckt eine lose anliegende Jacke, den Unterkörper umhüllt von der
Hüfte bis zu den Knien ein Stück Tuch oder noch häufiger Seidenstoff.
Das Haar wird entweder auf dem Kopfe in einen Knoten geschlungen oder
fällt chignonartig in den Nacken herab. Den Kopf umschlingt beim
männlichen Geschlecht ein turbanartig umgebundenes Tuch (Abb. 412), die
Frauen gehen barhäuptig, flechten sich aber Ketten und Blumen in die
Haare (Abb. 411). Eine ganz eigenartige Form besitzen die geflochtenen
großen Hüte der Schan, die zugleich als Schutz gegen den Regen dienen.
Eine stete Begleiterscheinung der Birmanen ist sein Regenschirm aus
braungefirnißtem, mit bunten Streifen besetztem Papier. +Schmuck+
fehlt natürlich nicht, besonders beim weiblichen Geschlecht. Bei den
Padaungfrauen sind schwere massive Ringe sehr beliebt, die um den Hals,
die Unterarme und die Beine getragen werden und zusammen ein Gewicht
von vierzig bis fünfzig Pfund ausmachen. Ganz besonders fallen davon
die Ringe auf, die den Nacken wie ein steifer Stehkragen umgeben;
sie werden nicht auf einmal, sondern nacheinander umgelegt, bis zu
zweiundzwanzig Stück (Abb. 414). Nicht minder merkwürdig muten die
Fußringe der Loilongfrauen an (Abb. 413). -- Ein jeder Birmane, der
etwas auf sich hält, läßt sich +tatauieren+, und zwar in Blau auf
den Oberschenkeln, von der Hüfte bis zum Knie, und in Rot auf dem
Oberkörper und den Armen (Abb. 416). Die eintatauierten Muster pflegen
Tiere, im besonderen Tiger darzustellen, die von allerlei Schnörkeln
umgeben sind.
[Illustration:
Phot. Major Pearce.
Abb. 411. Mann und Frauen in der üblichen Landestracht auf einem
Ochsenwagen, wie er auf dem Lande gebräuchlich ist.]
[Illustration:
Aus „Kolonie und Heimat“.