Abb. 398. Szene aus dem Schaukelfest.]

[Illustration:

Phot. F. Ebit.

Abb. 399. Szene aus dem Fest des ersten Pflügens.

In Vertretung des Königs wird der Ackerbauminister zum Festplatze

getragen.]

Andere Feste religiöser Natur, die die Siamesen feiern, sind

entweder aus dem Brahmakultus übernommen oder beruhen auf deutlicher

Geisteranbetung. Im April findet das Songkranfest statt, nach einem

brahmanischen Gott so benannt, der auf die Erde kommt, um das neue

Jahr einzuweihen. Einige Tage vorher verkünden die Brahmanenpriester

des Hofes die Anwesenheit dieses Gottes auf der Erde. Daraufhin macht

sich das ganze Volk daran, die Erde mit Trankopfern zu begießen und

damit auch Personen zu bedenken, denen ihre Ehrfurcht gilt. Mit

besonderem Ernst wird diese Zeremonie im Königspalast vorgenommen,

indem man die Erde und das Staatsoberhaupt feierlichst mit Weihwasser

besprengt. Andernorts nimmt diese Zeremonie aber mehr die Form einer

Belustigung an, bei der die weibliche Jugend die Führung hat und die

sie so lange betätigt, bis sie und alle, die sich ihr nähern, ganz und

gar durchnäßt sind. Die Verkündigung der Rückkehr des Gottes in den

Himmel macht dem Spiel ein Ende. -- Im Oktober wird die Versöhnung des

Flußgeistes mit großartiger Feierlichkeit begangen; man nennt diese

Zeremonie Loi Kratung oder das „Schwimmen der Körbe“, weil man auf

dem Flusse Dankopfer in Körben aussetzt und diese hinabtreiben läßt.

In Bangkok, wo man diese Festlichkeit in der Nacht vornimmt, wird ein

jeder Korb noch beleuchtet, so daß der ganze Strom einem funkelnden

Lichtmeer gleicht, und diese Wirkung wird noch durch Feuerwerk erhöht.

-- Das alljährlich stattfindende Schaukelfest, das eine althergebrachte

Einrichtung ist, soll den Dank für die letzte Ernte und gleichzeitig

die Fürbitte um einen reichlichen Ertrag im nächsten Jahre bedeuten

(Abb. 397). Der Gott Indra, in Gestalt eines vornehmen Siamesen,

überwacht die Feier und marschiert im Zuge, der sich von einem entfernt

gelegenen Tempel bis zu dem Platze begibt, wo die große Schaukel steht,

mit. Vier Männer, deren Tracht auf einen Zusammenhang mit Regengöttern

hinweist, werden auf die Schaukel gehoben -- diese selbst ist gegen

dreißig Meter hoch und das Schaukelbrett befindet sich etwa fünf Meter

über der Erde --, ergreifen die herabhängenden Seile und setzen sie

in Bewegung. Sobald sie genügend in Schwung geraten ist, sucht einer

einen kleinen Beutel zu erfassen, der an einer langen Bambusstange in

der Nähe der Schaukel hängt und Münzen enthält (Abb. 398). Glückt es

ihm, ihn zu erfassen, dann ruft die zahlreich versammelte Menge vor

Freuden Beifall, verfehlt er ihn aber, dann erhebt sich Bedauern. Daß

das Volk so lebhaften Anteil an dem Gelingen dieses Versuches nimmt,

hängt mit dem Aberglauben zusammen, daß dadurch eine zwischen Indra und

den Regengöttern abgeschlossene Wette ausgetragen werden soll. Wenn die

Münzen ergriffen werden, so haben letztere gewonnen.

[Illustration:

Phot. W. A. Graham.

Die Sitten der Völker, Erster Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 167 / 207 题