Abb. 395. Ein Buddhistenmönch bei der Predigt.]

Diese +Buddhistenmönche+ sind Menschen, die sich vor der Welt

zurückgezogen haben, um die Sünde zu meiden und dadurch göttliche

Belohnung zu erringen. Ihre Mission besteht etwa nicht darin, daß sie

den Menschen dienen; wenn sie es tun, dann geschieht dies nur aus dem

Grunde, um für sich dadurch einen Vorteil zu erreichen. Die sündigen

Laien, die nicht genug Kraft in sich verspüren, der Welt zu entsagen,

können aber doch für ihr eigenes Seelenheil Vorteil herausschlagen,

wenn sie jene unterstützen. Ursprünglich waren die Buddhistenmönche

Bettler, die in Lumpen gehüllt im Lande umherzogen und von den

erbettelten Almosen lebten; jetzt aber kleiden sie sich in bessere

Stoffe und leben in behaglichen Klöstern; dabei verschmähen sie oft

genug die Brocken und die grobe Kost, die sie sich den Satzungen ihres

Ordens gemäß eigentlich erbetteln müßten. Die Klöster stehen unter

geregelter Aufsicht; in ihnen werden strenge Lebensregeln befolgt,

die den Insassen ein Faulenzen nicht gestatten. Die Mönche sind

bestrebt, ihren Sinn von weltlichen Dingen durch Nachdenken abzulenken;

während der einsamen Stunden, die sie in ihren Zellen zubringen,

werden ihnen verschiedene Themata zur Betrachtung zugewiesen, in die

sie sich vertiefen müssen. Durch andauerndes Studium können sie sich

verschiedene Grade von Gelehrsamkeit erwerben, die sie zu höheren

Stellen in der Kirche befähigen. In der trockenen Jahreszeit aber wird

das Klosterleben aufgehoben und an Stelle der Betrachtungen nehmen

die Mönche das alte Bettlerleben wieder auf. Sie wandern von Ort zu

Ort, legen dabei oft genug große Strecken zurück, ehe die einsetzende

Regenzeit sie in ihre Klöster sich wieder zu flüchten zwingt. Sie

führen auf ihren Reisen wenig mit sich außer einem großen weißen

Schirm, der sie am Tage gegen die brennende Sonne schützt und ihnen in

der Nacht als Zelt dient. Für alles, was sie sonst benötigen, rechnen

sie auf die Almosen der Frommen. Sind die Mönche an einem Orte, dann

halten sie zweimal täglich einen kurzen Gottesdienst in den Tempeln ab,

die zum Kloster gehören; an Feiertagen predigt der höchste der Mönche

oder der Abt von einem Platze zu Füßen des Buddhabildes aus (Abb. 395).

[Illustration:

Phot. R. Lenz.

Abb. 396. Das Sandfest der Siamesen.

Im März jeden Jahres bringt man Sand auf die Vorplätze der Tempel und

formt daraus kleine Haufen in Gestalt von Pagoden, die man mit Fähnchen

und so weiter schmückt im Glauben, sich dadurch ein Verdienst zu

erwerben.]

[Illustration:

Phot. T. A. Gerald Strickland.

Abb. 397. Aufzug beim Schaukelfest.

Die Männer im Vordergrund stellen Doktoren der alten Zeit dar. Alle

Arten von Armen von der Vergangenheit bis auf den letzten Tag werden in

dem Zuge gezeigt.]

Gelangt ein Siamese zu Reichtum, so läßt er sich die +Erbauung eines

Klosters+, eines Tempels oder einer Pagode angelegen sein und hofft

dadurch einen wesentlichen Vorteil zugunsten seines Seelenheils zu

erlangen. Um ein verfallenes kirchliches Gebäude wieder herzustellen,

gibt er aber kein Geld aus, weil er fürchten muß, daß er, wenn er

dieses für das Werk eines anderen verwendete, er nur zu dessen Heil

beitragen würde. Überhaupt muß der Buddhist, wenn er zukünftiges Glück

erlangen will, sich bereits in diesem Leben verdient machen. Die

beliebteste Art und Weise, dies zu ermöglichen, wenn er nicht gerade

in ein Kloster gehen will, besteht eben darin, den Mönchen Geschenke

zu machen, die diese in jeder dargebotenen Form annehmen, sei es, daß

es sich um ein wenig gekochten Reis oder um ein prachtvolles Kloster

mit allem Zubehör handelt. Man hat auch bestimmte Tage und bestimmte

Jahreszeiten, an denen man diese besondere Form, Gutes zu tun, zum

Ausdruck bringt, dabei verbindet man aber auch mit diesen Pflichten

allerhand +Vergnügungen+ (Abb. 396). Vier Tage im Monat sind heilige

Tage, an denen die Leute ihre besten Kleider anlegen und zum Tempel

wandeln, um hier kleine Opfer darzubringen. Am Anfang und Ende

der buddhistischen Fastenzeit bietet sich zu ähnlichen Gebräuchen

Gelegenheit. Im April wird die Geburt des Buddha und sein Tod durch

einen dreitägigen Gottesdienst im Tempel gefeiert, und am Abend finden

Feuerwerk, festliche Beleuchtung und Theater statt. Im Oktober sind

alle Menschen eifrig dabei, den Mönchen Kleider zu schenken; es ist

dies das bedeutendste Fest der buddhistischen Religion, das Tot Krathin

oder das „Niederlegen des heiligen Tuches“. Dieses Fest dauert ungefähr

einen Monat und verschlingt eine Unmasse Geld, das für das gelbe Tuch

der Mönche ausgegeben wird. Jeder von ihnen bekommt viel mehr davon

als er irgend nur gebrauchen kann. Die Hauptsache aber dabei ist, daß

das ganze Volk vom König abwärts sich dadurch sehr verdient macht und

trefflich unterhält. Zum Prabahtfest, das in den Monat Oktober fällt,

unternimmt das Volk Pilgerfahrten in die Berge bei Bangkok, um dort

in einem Tempel zu beten, der auf den angeblichen Fußspuren Buddhas,

allerdings auf solchen von mehr als einem Meter Länge, erbaut ist. Kurz

vor Vollmond bringen Sonderzüge die Pilger zum geweihten Ort; während

der nächsten Tage drängen sie sich auf den Stufen des Tempels, um

Geschenke niederzulegen, Spielsachen, Bilder, Uhren und andere seltsame

Gegenstände, die in Bangkok gekauft wurden, oder um Goldschaum auf jede

nur erreichbare Stelle der Tempelmauer zu kleben. Die Nächte bringen

sie mit Lesen der heiligen Schriften oder mit Unterhaltungen und Flirt

bei hellem Mondschein zu.

[Illustration:

Phot. R. Lenz.

Die Sitten der Völker, Erster Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 166 / 207 题