Abb. 387. Siamesisches Mädchen.]

Die +Nationaltracht+ der Männer ist der Panung, ein etwa ein Meter

breites und zweieinhalb Meter langes Stück Tuch, das mit seiner Mitte

um den Körper gelegt und vorn so befestigt wird, daß die beiden Enden

herunterhängen, die dann wie ein Strick gedreht, zwischen den Beinen

durchgeführt, hinten hochgehoben und in der Taille mitten auf dem

Rücken zusammengerafft werden. Sieht man einen so bekleideten Mann von

vorn, so hat man den Eindruck, als ob er in Kniehosen einherginge.

Früher pflegten die Frauen ebenfalls mit einem Panung sich zu

bekleiden, der als Rock eingerichtet war, und trugen dazu noch eine von

der Schulter herabhängende kleine, die Brust bedeckende Schärpe (Abb.

387). Heutzutage wird dagegen noch eine Jacke und eine reich bestickte

europäische Bluse getragen; Damen der besseren Gesellschaft gehen

indessen vollständig nach der neuesten abendländischen Mode angezogen.

Auch die Männer in den Städten tragen meistens unter dem Panung weiße

Drillichhosen nach europäischem Schnitt, baumwollene Strümpfe, und

Schuhe, die Beamten sämtlich Uniform. Kleine Kinder dagegen gehen für

gewöhnlich nackt einher, wenn man nicht gerade eine herzförmige Scheibe

aus Gold oder Silber, die die kleinen Mädchen umgehängt erhalten, als

Kleidungsstück ansehen will. Auf dem Lande aber herrscht noch die alte

Mode vor. Die Laosfrauen tragen noch heute einen Rock, die Männer einen

Gürtel über dem Panung. Eine alte Bestimmung schreibt eine gewisse

Farbe für die einzelnen Wochentage vor, für Sonntag rosa, für Montag

silbergrau, Dienstag rot, Mittwoch grün, Donnerstag verschieden,

Freitag hellblau, Sonnabend dunkelblau. -- Die Karenfrauen pflegen ihre

Gewänder mit hübschen Stickereien zu verzieren (Abb. 391).

[Illustration:

Phot. R. Lenz.

Abb. 388. Ein Meaoweib mit eigenartigem Kopfputz,

der aus Bambusringen besteht, die mit Tuch aneinander befestigt und mit

Perlen und Silberkörnern sowie Hahnenfedern reich verziert sind. Seine

obere Partie gleicht einem Körbchen.]

Die Leidenschaft der Siamesen für +Schmuck+ ist groß. Mag eine Person

sonst noch so arm sein, stets wird sie mit dem einen oder anderen

Schmuckstück aus Edelmetall sich zieren. Selbst kleine Kinder behängt

man bereits mit Ringen um Finger, Arme und Beine aus Gold oder Silber.

Die Erwachsenen schmücken sich außerdem noch mit wertvollen Halsketten,

Ohrringen, Gürteln und so weiter (Abb. 388). Ganz eigenartig ist das

Tragen langer Fingernägel, das ebenso wie in China als ein Zeichen von

Vornehmheit gilt, sowie das schon erwähnte Schwärzen der Zähne (bei den

Männern).

[Illustration:

Phot. Gebr. Haeckel.

Die Sitten der Völker, Erster Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 163 / 207 题