Abb. 325. Kopfputz der Kalinga.]

[Illustration:

Phot. Fay Cooper Cole.

Abb. 326. Ein Opfer an die Geister in einem Tinguianenhaus.

Man beachte die am Arm übereinander liegenden Perlenbänder des das

Opfer Darbringenden.]

Alle Igorrotenstämme stehen auf einer +hohen Stufe der Moral+. Die

Keuschheit der Mädchen wird ängstlich behütet; um Anfechtungen nicht

ausgesetzt zu sein, müssen die unverheirateten Mädchen die Nächte in

besonders hierzu bestimmten Schlafhäusern zubringen (Abb. 338). Ein

Fehltritt wird mit schweren körperlichen Züchtigungen und sogar mit

dem Tode bestraft. Bei einem bestimmten Stamme hat der Verführer die

Pflicht, das Mädchen zu heiraten oder ihr als Buße ein vollständiges

neues Gewand und ein trächtiges Schwein zu schenken; auch muß er ein

der Liebelei etwa entsprungenes Kind unterhalten. Sobald zwei Verliebte

die Zustimmung ihrer Eltern erhalten haben, müssen sie eine Art

Probeehe eingehen. Es wird ein großes Fest veranstaltet, während dessen

die beiden allein in eine Hütte eingesperrt werden und sich etwa vier

bis fünf Tage lang bis zum Schluß des Festes darin aufhalten; Speisen

werden ihnen verabreicht. Nach Ablauf dieser Frist steht es jedem Teile

frei, von der Heirat Abstand zu nehmen, er muß dann aber Buße an seinen

Partner zahlen. Tritt der junge Mann zurück, so hat er dem Mädchen

eine Anzahl Gegenstände zum Geschenk zu machen und die gewiß nicht

geringen Kosten des Festes zu bestreiten, tritt dagegen das Mädchen

zurück, so fallen ihr die Unkosten der Feier zu. Wird das Mädchen

aber schwanger, so muß der Mann sie heiraten. Bei einigen Stämmen der

Igorroten kann der Mann seine Frau sechs Monate nach der Hochzeit

wieder verlassen, falls sie innerhalb dieser Zeit nicht guter Hoffnung

geworden ist. Ist dieser Fall aber eingetreten, dann ist er für immer

an sie gebunden und kann getötet werden, sofern er die Ehe einseitig

aufhebt. Von den +Geburtsgebräuchen+ der Igorroten ist wenig bekannt.

Kommt ein Kind mit umschlungener Nabelschnur zur Welt, so wird es

sofort begraben, weil man von ihm fürchtet, daß es später seinen

Eltern nach dem Leben trachten könnte. Zwillinge werden gleichfalls

als unglückbringend angesehen und aus dem Wege gebracht, es müßte denn

sein, daß sich ein Nachbar ausfindig machen läßt, der sie adoptiert; in

diesem Falle stehen keine schlimmen Folgen von ihnen zu befürchten.

[Illustration:

Phot. Bureau of Science, Manila.

Abb. 327. Ein Ifugao auf seiner roh aus Holz geschnitzten Ruhebank,

die sich nur Leute von Vornehmheit leisten können.]

Bei den Tinguianen werden bereits für ganz junge Kinder von den

Eltern die Ehen abgeschlossen; man bezahlt für das Mädchen eine

Kaufsumme. Aber erst von der Pubertät an leben beide Teile zusammen.

Naht der Zeitpunkt des Eheabschlusses, so überreicht der Bräutigam

seinen Schwiegereltern eine wertvolle Kanne und darf sie von diesem

Zeitpunkte an nicht mehr bei Namen nennen. Die Eltern des Mädchens

machen eine Schüssel Reis zurecht und füllen in eine Kokosnußschale

Wasser; beides stellen sie zwischen das Paar auf die Erde (Abb. 339).

Das Mädchen nimmt eine Handvoll Reis, drückt die Körner zu einem

Ballen zusammen und läßt sie zwischen die Bambusstäbe des Fußbodens

hindurchfallen, als Opfer für die Geister. Der Jüngling ballt ebenfalls

eine Reiskugel zusammen und wirft sie in die Höhe. Bricht sie nach dem

Herabfallen auseinander oder kommt sie ins Rollen, so gilt dies als

ein böses Vorzeichen dafür, daß das Paar sich untreu werde oder daß

seine Kinder sterben werden; bleibt sie aber an der Stelle liegen, wo

sie hingefallen ist, dann liegt die Zukunft für die jungen Eheleute

günstig. Sie trinken von dem kalten Wasser aus der Kokosschale, und

die eigentliche Ehezeremonie ist vorüber. -- Die Ifugao des nördlichen

Luzon (Abb. 340) feiern die Hochzeit mit einer größeren Festlichkeit.

[Illustration:

Phot. Bureau of Science, Manila.

Abb. 328. Ein Igorrotengerichtshof.

Diese Gebäude, zu denen der Zutritt den Frauen verboten ist, dienen

auch als Aufenthaltsort für die Männer und als Schlafstätte für die

Jünglinge.]

[Illustration:

Phot. Fay Cooper Cole.

Abb. 329. Ein Krieger der Tinguianen.

Das Verlangen nach Köpfen veranlaßt die jungen Leute häufig, Angriffe

auf fremde Siedlungen zu unternehmen. Der Angriff erfolgt mittels des

Speeres; beim Kampf in geschlossenen Reihen aber bedient man sich der

Kopfaxt, des Schlachtmessers und des Schildes.]

Ein +Begräbnis+ in einem Tinguianendorf ist ein großes Ereignis.

Der Tote wird in seine besten Gewänder gekleidet und in sitzender

Stellung gegen die Wand des Zimmers gelehnt (Abb. 341); um und über

ihn werden Decken und andere wertvolle Geschenke aufgehäuft, deren

Geisterseelen seiner Seele zu den Ahnen nach Maglawa, dem künftigen

Heim, zu folgen haben. Während des Begräbnisses, das gewöhnlich drei

Tage dauert, muß die Witwe unter einer weißen Decke verbleiben und

wird samt der Leiche Tag und Nacht von Wehklagenden bewacht, aus dem

Grunde, daß nicht böswillige Geister dem Toten schaden und den Tod

der Hinterbliebenen herbeiführen können. Am Morgen des dritten Tages

versammeln sich alle Freunde und Verwandte im Hause des Toten, worauf

ein jeder männliche Gast etwa hundertfünfzig Hiebe erhält, „damit sie

alle ebenso betrübt seien, wie die Familie des Toten“ (Abb. 344). Mit

Einbruch der Nacht setzt sich eine alte Frau vor die Leiche, bedeckt

sich ihr Gesicht mit den Händen und beginnt laut zu klagen und den

Geist des Verstorbenen zu bitten, in ihren Körper einzutreten. Daß

dieser Wunsch erfüllt ist, zeigt sich sodann daran, daß sie sich wie

besessen gebärdet und ohnmächtig zusammensinkt. Einen Augenblick läßt

man sie in diesem Zustande, darauf bringt man Feuer und Wasser und

verscheucht dadurch den Geist; die Verzückte macht aber zuvor noch den

Anwesenden Mitteilung von des Toten letztem Willen. Der Tote wird in

einer Gruft unter dem Hause begraben, in der bereits einer oder mehrere

seiner Vorfahren ruhen; die Familie bleibt noch viele Tage lang mit

verschiedenen strengen Tabu belegt, und das Grab wird dauernd bewacht,

damit sich ihm keine feindlichen Geister nähern.

[Illustration:

Phot. Bureau of Science, Manila.

Abb. 330. Tinguian auf einer Nasenflöte spielend.

Das bei diesem Volksstamme sehr beliebte Musikwerkzeug wird mittels

eines Nasenloches geblasen.]

Auf der +Insel Mindanao+ sind die wichtigsten Stämme die +Subanun+ auf

der westlichen Halbinsel des Eilands, die +Bogobo+ an den Abhängen

des Berges Apo. Die +Kleidung+ dieser Leute ist die übliche der

Filippino; besonders malerisch soll die Tracht der Bogobostämme sein.

Die Männer halten ihr Haar mit Tüchern zusammen (Abbild. 343), deren

Spitzen sie mit Perlen und Troddeln verzieren; oft tragen sie über

einem enganschließenden Hemd einen kunstvoll mit Perlen besetzten oder

bestickten Rock, der vorn offen ist. Die Beinkleider sind gleichfalls

an ihrem unteren Rande mit einem perlenverzierten oder ausgestickten

Streifen besetzt. An Stelle der Taschen trägt jeder Mann auf seinem

Rücken einen kunstvoll mit Perlen besetzten hanfenen Beutel, der mit

Troddeln und Schellen (eigenem Erzeugnis der Eingeborenen) umrandet

ist. Die Kleidung der Bagobofrauen ist nicht minder künstlerisch. Die

bis auf den Rock reichende und am Halse fest anschließende Jacke,

wodurch der Oberkörper vollständig verhüllt wird, ist auf den Schultern

und den Ärmeln, am Halse und Taillenschluß ebenfalls bestickt, oft auch

mit komplizierten Mustern in Muschelscheiben oder Perlen verziert.

Männer wie Frauen tragen außerdem um den Hals Perlenschnüre, die oft

frei bis auf die Brust herabfallen, sowie Schellenarmbänder. Die

Frauen lieben es auch, sich die Arme mit Messing- und Muschelschmuck,

die Beine und Knöchel mit Spangen zu überladen, an denen Klappern und

Schellen sitzen.

[Illustration:

Phot. Bureau of Science, Manila.

Die Sitten der Völker, Erster Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 148 / 207 题