Die Indonesier Luzons sind alle fest angesiedelte +Ackerbauer+, aber
dabei durchweg noch Kopfjäger oder waren es wenigstens bis in die
neueste Zeit hinein; denn die amerikanische Regierung sucht natürlich
mit allen Mitteln diesem Unwesen Einhalt zu gebieten. Die +Igorroten+
wohnen im nördlichen Luzon in festen Dörfern, deren Bevölkerung drei-
bis viertausend Köpfe ausmacht. Jedes Dorf enthält in seiner Mitte das
Gemeindegerichtshaus (Abb. 328), in welchem der Häuptling zusammen
mit den Ältesten die Streitigkeiten schlichtet und die sonstigen
Gemeindesachen ordnet. Auch dienen diese Häuser ähnlichen Zwecken,
wie in Ozeanien die Junggesellenhäuser; es wohnen und schlafen in
ihnen die Unverheirateten, es werden in ihnen die Gäste empfangen und
beherbergt und schließlich auch die Kriegstrophäen aufbewahrt. Der
Zutritt zu diesen Häusern ist dem weiblichen Geschlecht verboten; die
unverheirateten Mädchen schlafen ebenfalls in besonderen Hütten. Die
+Tinguianen+ hausen in den rauhen Gebirgsabhängen des nordwestlichen
Luzon. Sie haben es in geschickter Weise verstanden, sich trotz der
ungünstigen Geländeverhältnisse den Boden zu Ackerzwecken nutzbar
zu machen. Um Ackerland zu gewinnen, ziehen sie an den Bergabhängen
eine Steinmauer, hauen dahinter den Steinboden ab und füllen ihn auf,
bis sie eine Terrasse hergestellt haben; hinter dieser errichten sie
eine zweite Steinmauer, die sie wieder auffüllen, und fahren so fort,
bis sich schließlich Stufe über Stufe die Abhänge hinauf erhebt. Für
die Bewässerung dieser +Terrassenfelder+ sorgt man in der Weise, daß
man das Wasser eines Bergstromes auf die höchste Terrasse leitet
und es, wenn diese Terrasse genügend begossen worden ist, auf die
nächst darunterliegende laufen läßt und so weiter. Manchmal ist es
erforderlich, lange Dämme aufzuwerfen und zwischen ihnen gleichsam
wie in einer Wasserleitung den Gebirgsbach große Strecken weit zu
dem Punkt, wo man ihn sich nutzbar machen will, hinabzubefördern.
Der beständige Kriegszustand, unter dem die Tinguianen mit ihrer
Nachbarschaft leben, weil sie eifrige Kopfjäger sind, hat sie
gezwungen, sich in befestigte Ansiedlungen zurückzuziehen. Ihre
Verfassung ist eine oligarchische; kein Häuptling steht an der Spitze
der Gemeinde, sondern einige wenige ältere Männer regeln die Geschäfte.
Bei den bis in die jüngste Zeit üblichen +Kopfjagden+ gingen die
Krieger zunächst mit dem Speere vor; bei Handgemenge aber verließen sie
sich auf ihren Schild, ihre Kopfaxt und ihr Jagdmesser. Mit dem Schild,
der an seinem oberen Rande mit drei Sprossen ausgestattet ist (Abb.
329), versuchten sie dem Gegner zwischen die Beine zu fahren, um ihn
hinzuwerfen, ihm dann weiter mit der Axt einen Schlag auf den Kopf zu
geben, um ihn kampfunfähig zu machen. Sodann trat das untere Ende des
Schildes in Wirksamkeit. In seine beiden Sprossen wurde der Hals des
Opfers wie in eine Knopfgabel eingezwängt, und dann der Kopf vom Rumpfe
abgetrennt. Wenn die Sieger mit ihren Trophäen (Abb. 331) heimgekehrt
waren, wurde eine große Feier abgehalten, die wie üblich in Tanz,
Gesang und Schnapstrinken bestand. Die besondere Vorliebe der Filippino
für Tanz und Musik erwähnten wir bereits oben. Unter den üblichen
Musikinstrumenten kommt auch die Nasenflöte vor (Abb. 330), auf der
eine klagende Melodie gespielt wird, dadurch, daß man leise mit einem
Nasenloch hineinbläst, während das andere verstopft ist, um keine Kraft
zu vergeuden. Nach Beendigung des Kriegstanzes werden die erbeuteten
Köpfe in kleine Stücke gespalten und eines davon als Andenken an die
Tapferkeit der Sieger jedem Gaste überreicht, der es mit nach Hause
nimmt. Bei anderen Stämmen, zum Beispiel den Ifuago, werden die von den
Kopfjägern heimgebrachten Schädel in den Häusern aufbewahrt (Abb. 332).
[Illustration:
Phot. Bureau of Science, Manila.
Abb. 323. Kalingamann mit Tatauierung,
die bei diesem Stamme sehr verbreitet ist und bald nur als Schmuck,
bald als Auszeichnung, bald zu medizinischen Zwecken ausgeübt wird.]
[Illustration:
Phot. Bureau of Science, Manila.
Abb. 324. Mangyanfrau von Mindoro,
eines Stammes aus dem Innern, der wahrscheinlich Negerblut in sich
aufgenommen hat. Zwischen den Lippen hält sie ein Stückchen Tabak, um
die Zähne damit zu schwärzen.]
Die Tinguianen bekunden eine große +Fertigkeit in der Herstellung von
Schmiedearbeiten+, und dabei ist das dazu zur Verwendung kommende
Handwerkszeug ein ganz primitives. Zwei ausgehöhlte Holzkloben oder
Palmenstämme, in denen Stempel mit einem Federbündel, das die Höhlung
genügend füllt, auf und nieder bewegt werden, bilden den Blasebalg. Das
untere Ende eines jeden Baumzylinders setzt sich in einen Bambusstab
fort, der mit ihm durch Tonmasse verbunden ist und horizontal bis
zum Schmelzofen zusammen mit dem Bambusstab des anderen Zylinders
verläuft. Wird der Stempel nach unten gestoßen, dann drängt er die
im Zylinder befindliche Luft nach dem Schmelzgut, wird er sodann
wieder hochgezogen, dann fallen die Federn zusammen und lassen die
Luft von oben eindringen, und so fort. Das glühend gemachte Eisen
wird auf einfachen großen Steinen, die als Amboß dienen, mittels
schwerer Steinhämmer zusammengeschweißt und darauf noch mittels kleiner
Metallhämmer weiter bearbeitet. Ist der auf diese Weise geschmiedete
Gegenstand fertig, so wird er noch durch wiederholtes Erhitzen gehärtet
und dann in kaltes Wasser gestürzt. Der Ruhm der Schmiedeerzeugnisse
der Tinguianen hat sich auf alle Nachbarstämme ausgebreitet und dazu
beigetragen, daß ihre Speere und Kopfäxte nicht nur auf Luzon, sondern
auch darüber hinaus im ganzen Archipel Absatz finden.
Die +Religion+ der Luzonvölker gipfelt in Animismus und Ahnenkultus.
Die Igorroten glauben außer an eine Reihe Gottheiten, die durch die
Ahnengeister mit ihnen in Verbindung steht, noch an ein höheres Wesen.
Man sucht diese Götter durch Opfer gut zu stimmen; rohgeschnitzte
Holzstücke stellen die Geister vor. In der Nähe eines jeden Dorfes
befindet sich ein geweihter Baum, in dem, wie man annimmt, die
Ahnengeister ihre Wohnung haben; vor das Wohnhaus legt man Reis und
andere Speisen für sie auf kleine Bänke hin (Abb. 333). Die Tinguianen
glauben mittels der Hilfe von bestimmten Medien mit den Geistern, deren
sie eine ganze Schar besitzen, sprechen zu können; die Geister nehmen
dabei von diesen Medien Besitz und verkünden durch deren Mund selbst,
was man tun soll. Zu diesem Zwecke begibt sich der Vermittler in einen
in der Nähe des Dorfes gelegenen Hain und bringt dort den Pinaing auf
einem Altar Opfer dar. Diese sind eigenartig geformte Steine (Abbild.
337); in ihnen sieht man den Aufenthaltsort der Geister, die das Dorf
beschützen; ihre Köpfe werden eingeölt, ihr Hals mit Rindenbändern
umwunden und vor ihnen außerdem noch Blut von einem geopferten Schweine
zusammen mit Reis ausgeschüttet. Bevor man das Tier tötet, wird es auf
die Erde gelegt, Betelnuß und Kalk kommt darauf zu liegen (Abb. 334),
sodann wird es vom Medium mit geölten Fingern bestrichen, das dabei
die Götter auffordert, dem bevorstehenden Opfer ihre Aufmerksamkeit
zu schenken (Abb. 336). Wenn man annehmen kann, daß die Geister von
dem geopferten Tiere genügend genossen haben, wird das Schwein für die
Beteiligten weiter zurechtgemacht und verspeist. Natürlich finden im
Anschluß hieran auch wieder Tänze statt. Der Glaube an die Macht und
das Interesse der Geisterwelt ist so stark beim Volke eingewurzelt,
daß jedes Ereignis des gewöhnlichen Lebens von Kundgebungen dieser
Anschauungen begleitet wird.
[Illustration:
Phot. Bureau of Science, Manila.