Die +Bogobo+ (Abb. 347) sind zwar nominell einem Herrscher unterstellt,
aber die Unterhäuptlinge erkennen nicht immer seine Herrschaft an.
Neben ihnen (Datus genannt), die Recht zu sprechen und darauf zu achten
haben, daß Übertreter des Gesetzes bestraft werden, verfügen auch
noch +Priesterinnen+ über eine gewisse Macht. Es sind dieses meistens
Frauen in mittleren Jahren, die unter anderem große Fertigkeit in der
Webekunst besitzen und von den Geistern sich berufen fühlen, eine
„Mabalian“ zu werden; sie sind auch in der Arzneikunde bewandert und
pflegen die Kranken. Als Auszeichnung dürfen sie eine besondere Tracht
tragen, die sich keine andere Frau beilegen darf, sonst würde sie von
den Geistern bestraft werden. Die Pflicht dieser Priesterinnen ist es,
die Zeremonien zu leiten, die zur Besänftigung der Geister beständig
abgehalten werden, und ihnen im besonderen Opfergaben darzubringen.
Auch bei der Geburt sind sie hilfreich. Ist ein Kind geboren, dann
reibt die Priesterin dessen Augen und die der Zuschauer mit einer
besonderen Art von Erde ein, damit sie nicht blind werden, und erhält
dafür eine Belohnung in Geld.
[Illustration:
Phot. Bureau of Science, Manila.
Abb. 332. Geschmückte Schädeltrophäen in einem Ifugaohaus.
Wenn einer der Ihrigen im Kampfe fiel und seinen Kopf einbüßte, wird
von den Ifugao der kopflose Körper unter großer Beteiligung feierlich
begraben und an den nächsten Tagen eine Rachezeremonie abgehalten.]
Bei den +Subanun+ (Abb. 345) unterziehen sich beide Eltern vor der
+Geburt+ ihres zu erwartenden Kindes einer Reihe Einschränkungen
bezüglich der Kost sowohl wie der Beschäftigung. Der Gatte darf nicht
anders als ruhig und gebückt einhergehen, vielleicht aus Furcht, er
könnte die Aufmerksamkeit böser Geister auf sich lenken. Er darf das
Sparrenwerk seines Hauses, ebensowenig andere Dinge, nicht festbinden,
weil er sonst dadurch Verwicklungen bei der Geburt herbeiführen würde
und anderes mehr. Die Geburt spielt sich selten im eigenen Hause ab,
vielmehr wird für die Mutter kurze Zeit vor ihrer Niederkunft abseits
eine kleine Hütte erbaut, in die man allerlei Zaubermittel hängt. Der
Grund für diese Absonderung liegt vielleicht in der Furcht, die Frau
könnte während der Geburt im Wohnhaus sterben. Nach ihrer Niederkunft
muß die junge Mutter noch tagelang in der Hütte verweilen und wird
dabei der Hitze eines großen Feuers ausgesetzt, ein recht unangenehmes
Verfahren, das wohl zur Austrocknung vorgenommen wird und meist
große Brandwunden hinterläßt. +Knaben und Mädchen+ der Subanun gehen
jahrelang vollständig nackend, sie sind nur mit Zaubermitteln behängt
gegen böse Geister. Sie erhalten nicht eher einen Namen, als bis sie
vier oder fünf Jahre alt geworden sind. Für Knaben und Mädchen gibt es
keine besonderen Schlafräume, wie bei anderen Philippinenstämmen; sie
schlafen mit den Eltern zusammen.
[Illustration:
Phot. Fay Cooper Cole.
Abb. 333. Tinguianenaltare für den Geisterkult,
auf denen Opfer dargebracht und vor denen Tänze abgehalten werden.]
Mit der +Heirat der Subanun+ sind keine bemerkenswerten Sonderbräuche
verbunden; das Wichtigste ist dabei die symbolische gegenseitige
Reisfütterung des Paares aus einer gemeinsamen Schüssel, wozu der
Priester den Segen der Geister anruft. Die Eltern vereinbaren das
Nötige bezüglich des Brautpreises. Die Schwiegereltern werden mit
großer Achtung behandelt; der junge Ehemann redet den Vater und die
Mutter seiner Frau nicht mit ihrem Namen an, die Frau erweist den
Eltern ihres Mannes die gleiche Höflichkeit. Von Polygamie, die wohl
gestattet ist, wird selten Gebrauch gemacht, weil dies ein Luxus ist,
den sich nur die Reichen leisten können. Da die Ehe der Subanun mehr
auf Verstandesgrundlage denn auf solcher des Gefühls beruht, so erklärt
es sich, daß sie von langer Dauer ist und durch Untreue nicht getrübt
wird. Diese Sicherheit wird durch das Bewußtsein noch erhöht, daß die
Partei, die danach trachtet, die Ehe zu lösen, Entschädigung zahlen muß
oder eines Teils des ihr Ausgesetzten verlustig geht.
[Illustration:
Phot. Fay Cooper Cole.