Ganz anders gestaltet sich das Begräbnis bei den Seedajak. Nach dem
Tode wird der Körper gewaschen, mit Reis auf der Brust bestreut
-- damit sollen die Götter für begangenes Unrecht des Toten
versöhnt werden -- und in kostbare Gewänder gekleidet; alle seine
Habseligkeiten, die er in der besseren Welt gebrauchen könnte, werden
zusammengelegt. Manchmal wird auch ein Klageweib von Beruf gedingt,
das, auf einer Schaukel am Kopfende sitzend, dann und wann die
verschiedenen Teile des Hauses anruft und ihnen Vorwürfe macht, daß
sie nicht genug getan hätten, um die Seele des Verstorbenen länger zu
fesseln, und schließlich die Geister bittet, die Seele unbeschadet
fortzugeleiten. Am Abend wird neben der Leiche ein Feuer angezündet,
am nächsten Morgen etwas zu essen hingestellt, auch gekochter Reis ihr
in den Mund gesteckt, damit der Tote auf seiner langen Reise etwas zur
Stärkung habe. Das Gefäß, in welchem die Speise gekocht wurde, wird
stets zerschlagen, damit es späterhin niemand mehr benutze.
[Illustration:
Phot. A. W. Nieuwenhuis.
Abb. 304. Pengsärge auf den Vorsprüngen der Kalksteinfelsen am
Mahakamfluß.
Die beiden Figuren im Vordergrunde stellen Sklaven dar, die dem
Verstorbenen in der neuen Welt aufwarten sollen.]
[Illustration:
Phot. W. H. Furneß.
Abb. 305. Schön verzierter Grabpfahl mit aufgesetztem Sarg eines
Kajanhäuptlings.]
Auf dem Wege zum Grabe wird Asche von dem Feuer, das am Tage vorher
neben der Leiche brannte, dem Sarge nachgestreut; dies geschieht,
damit die Seele des Toten das Haus nicht wieder erkenne und
zurückkehre, um Unheil anzurichten. Frauen dürfen dem Begräbniszug
nicht folgen, sondern bleiben zurück und erheben ein lautes Wehklagen,
sobald die Leiche herausgetragen wird. Der Leichenzug begibt sich
entweder zu Fuß oder im Boot nach dem Begräbnisplatz. Hier wird dem
Geist Pulang Gana, dem das Land gehört, Reis auf die Erde gestreut als
Preis für das Grab, das er überläßt. Sodann wird ein Huhn geschlachtet,
um die bösen Geister zu versöhnen. Die Särge werden etwa einen Meter
tief in die Erde versenkt; dies geschieht möglichst schnell, damit
man nicht etwa noch den Ruf eines Unglücksvogels vernehme. Krüge
und Messinggongs, desgleichen Geräte, die für die Beschäftigung des
Verstorbenen bezeichnend sind, werden auf sein Grab gelegt, Essen und
Trinken wird ihm an die Seite gestellt und das Ganze mit einem Zaun
umgeben. Wenn die Leidtragenden nach Haus gehen, pflanzen die letzten
von ihnen Pfähle in die Erde, damit die bösen Geister ihnen nicht in
die Wohnung folgen. Am dritten Tage nach dem Begräbnis bringen die
Nachbarn ein Hackmesser, eine Axt, eine Tasse, einen Teller voll Reis
und andere Eßwaren in den Raum, den der Tote bewohnte, und ersuchen die
Verwandten, ihm davon etwas zu essen zu geben und fortan nicht mehr zu
weinen. Sodann öffnen sie das Fenster mit dem Hackmesser und werfen die
Speise für den Toten und seine Geistergefährten durch dasselbe hinaus.
Die Verwandten nehmen in dem Zimmer fortan ihre Beschäftigung wieder
auf. Zwölf Monate nach dem Todesfall findet noch ein allgemeines Fest
statt, Gawai Autu genannt (Abb. 306), zu Ehren aller, die seit dem
letzten Male, wo dasselbe veranstaltet wurde, gestorben sind. Auf jedes
Grab stellt man seltsam geformte Körbe, welche die Gebrauchsgegenstände
jedes Toten enthalten, damit er im Land der abgeschiedenen Seelen,
im Sabayan, die Möglichkeit finde, sich seinen Lebensunterhalt zu
verschaffen. Damit ist die Trauer beendet.
[Illustration:
Phot. Ch. Hose.