Abb. 299. Malaiisches Orchester, Gamelang genannt.]

Ist der +Kranke+ trotzdem +gestorben+, dann wird eine Trommel oder

ein Gong geschlagen, um den abgeschiedenen Seelen in der Unterwelt

davon Kunde zu geben; die Zahl der Schläge richtet sich nach der

gesellschaftlichen und öffentlichen Stellung des Verstorbenen. Solange

der Leichnam aufgebahrt liegt, ist er mit seinen schönsten Kleidern und

dem prächtigsten Schmuck angetan, eine kostbare Perle ist ihm dabei

unter jedes Augenlid geschoben. In der Nähe des Sarges brennt stets ein

Feuer; außerdem liegen dort kleine Päckchen von gekochtem Reis sowie

Zigaretten für den persönlichen Gebrauch der Seele. Letztere senden

Freunde und Bekannte oft zu Hunderten ins Haus. Während der ganzen

Zeit der Aufbahrung bleiben stets zwei oder drei Leute, die beständig

jammern, an der Seite des Sarges. Am Tage der Beerdigung erscheint die

Dajong, setzt sich neben den Toten und singt, um dadurch der Seele den

Weg über den Fluß in die andere Welt zu weisen; gleichzeitig zeigt sie

einem der Angehörigen, wie er die Schnüre oben am Sarg zu lösen habe,

um der Seele das Scheiden zu erleichtern. Dies soll der Augenblick

sein, in dem diese den Körper endgültig verläßt. Hierauf werden noch

zwei kleine Figuren, von denen die eine eine Frauen-, die andere eine

Männergestalt darstellt, an Kopf- und Fußende des Sarges gebunden (Abb.

304), anscheinend ein Überbleibsel der früheren Sitte, Sklaven zu

opfern, damit die Seele in der anderen Welt auch Bedienung habe. Der

Sarg wird durch den Fußboden aus dem Hause gelassen -- brächte man ihn

die Hausleiter herunter, dann würde das Gespenst den Weg nach innen

leichter zurückfinden --, an das Flußufer gebracht, hier in ein Boot

gesetzt, das mit buntfarbigen Tüchern und Flaggen geschmückt ist, und

zum Grabe gerudert. In den nachfolgenden Booten sitzen die trauernden

Angehörigen, die die ganze Zeit über schweigen müssen.

[Illustration:

Mit Erl. der Kgl. Niederl. Postlinie.

Abb. 300. Szene aus dem Spiel „Srikandi und der Riese“,

das bei den Javanern sehr beliebt ist.]

[Illustration:

Aus: de Wit, Java.

Abb. 301. Wajangtänzer,

die während der Pausen des Wajangspiels auftreten.]

[Illustration:

Phot. A. W. Nieuwenhuis.

Abb. 302. Phantastischer Tanz der Kenjahmedizinmänner,

um die Seele eines Sterbenden zurückzurufen.]

Ganz eigenartig ist das Grab eines Kajanhäuptlings. Es besteht in

einem langen Holzklotz, der mit seinem kurzen Ende senkrecht in die

Erde geschlagen wird. Seine Größe richtet sich nach Rang und Stand des

Verstorbenen und fällt am längsten bei Personen von ganz besonderer

Bedeutung aus. Das obere Ende dieses dicken Holzpfeilers ist so

weit gespalten, daß der Sarg hineinpaßt (Abb. 305). Hier wird er

eingesetzt, über ihn kommt eine große Grabtafel zu liegen mit kunstvoll

geschnitzten Holzseiten, die den Sarg in der Baumspalte umschließen.

Man pflegt auch noch die Waffen und andere Besitzgegenstände des Toten

ans Grab zu hängen (Abb. 307), und, falls er deren nicht viel besitzt,

fügen Angehörige und Freunde etwas hinzu. Der Schatten dieser Dinge

soll dem Verstorbenen auf seiner mühsamen Reise ins Jenseits von Nutzen

sein. Die Klemantanen zerbrechen oder verunstalten die Sachen, die sie

aufs Grab legen, angeblich, weil in der anderen Welt alles umgekehrt

wäre, wahrscheinlich aber, damit niemand in die Versuchung komme,

etwas davon zu stehlen. -- Noch am Grabe müssen die Leidtragenden von

der Dajong geläutert werden; zu diesem Zwecke besprengt diese sie mit

Wasser, in dem die Kinnladen eines geopferten Schweines liegen. Während

die Dajong diesen Akt vollzieht, murmelt sie Worte, in denen sie die

Hoffnung ausdrückt, daß den Leidtragenden Unglück erspart bleiben

möge. Diese treten einzeln den Rückweg an, dabei gehen sie unter einem

Stock hindurch, der gabelförmig aus einem Stück Holz des Grabpfeilers

gespalten wurde, treten sodann auf ein lebendes Huhn, bespeien es und

rufen es an, daß es das Böse abwende. Die Trauerzeit findet ihren

Abschluß damit, daß ein menschlicher Kopf ins Haus gebracht wird, woran

sich ein allgemeines Freudenfest und ein Schmaus anschließen. Der

Kopf oder ein Teil von ihm wird dann mit den Blättern der Silatpalme

geschmückt und an dem Grabe aufgehängt. Eigenartig ist auch die Art und

Weise, wie die Kajan das Besitztum des Verstorbenen, falls er keine

Bestimmungen hierüber hinterlassen hat, verteilen. Die Dajong wird

gerufen; sie läßt ein kleines Modellhaus anfertigen, in das Zigaretten,

Speise und Getränk gestellt werden, setzt es in die Nähe des Raumes,

den der Tote bewohnte, und bittet seine Seele flehentlich, ins Haus

zu kommen, von dem Essen zu nehmen und ihre Wünsche zu äußern. Von

Zeit zu Zeit tut sie dann so, als lausche sie, sieht ins Haus hinein

und verkündet den Verwandten, die Seele sei gekommen und genieße von

der bereitstehenden Mahlzeit. Sodann teilt sie den Versammelten die

angeblichen Wünsche des Toten mit; diese werden ohne Murren befolgt.

Die Kenjah entledigen sich ihrer Toten in ziemlich derselben Weise, nur

die Klemantanen behalten manchmal den Sarg auf der Galerie des Hauses

zurück, bis die Zeit der Trauer verstrichen ist; der Sarg wird mit

Wachs versiegelt, nach einiger Zeit aber geöffnet, dann die Knochen

herausgenommen und gereinigt. Die während der Fäulnis ausfließende

Flüssigkeit wird durch ein Bambusrohr in die Erde geleitet. Die

gesäuberten Knochen werden in einen kleineren Sarg oder einen Krug

gelegt und nach dem Begräbnisplatz gebracht. Hier wird dieser neue Sarg

in ein großes allgemeines Mausoleum aus Holz (Abb. 308) oder in einen

ausgehöhlten Baumstamm gestellt.

[Illustration:

Phot. A. W. Nieuwenhuis.

Die Sitten der Völker, Erster Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 137 / 207 题