Abb. 306. Dajak in Festtracht

mit erbeuteten Köpfen in den Händen, bei einem Gawai-Autu-Fest, das

jedes oder alle zwei Jahre zu Ehren der Geister der Verstorbenen

stattfindet, die nach dem Glauben der Dajak die Köpfe, welche in ihrem

Hause hängen, umgeben. Sie hoffen dadurch in der Gunst jener Geister zu

bleiben und Glück zu haben.]

Bei den +Javanern+ spielen sich die Leichenfeiern nach mohammedanischem

Ritus ab. Nach dem Tode finden sich die Imame, das heißt die

Geistlichen ein, sprechen einige Suren aus dem Koran über den

Verstorbenen, waschen ihn -- neuerdings besorgen dies häufig die

nächsten Angehörigen -- und hüllen ihn in ein Leichentuch, das

sieben- bis achtmal um den ganzen Körper, einschließlich des Kopfes,

geschlungen wird. Nach vierundzwanzig Stunden trägt man den Toten auf

einer Bambusbahre, die durch einen Sonnenschirm beschattet wird, um ihn

vor Sonne und Regen zu schützen, zum Grabe; Priester gehen voran und

sprechen Gebete, Freunde und Angehörige folgen. In der Regel wird die

Leiche, nur in ein Grabtuch eingehüllt, in einer Nische beigesetzt, die

seitlich im Grabe ausgehöhlt ist und mit Brettern ausgeschlagen wird,

ehe man das Grab zuschaufelt.

[Illustration:

Phot. A. W. Nieuwenhuis.

Abb. 307. Grab einer angesehenen Kenjahfrau,

behängt mit zahlreichen Kleidungsstücken, darunter Hüten, unter

denen sich auch solche von Freundinnen befinden, die sie als Zeichen

besonderer Hochachtung hinhängen.]

Bei den +Balibegräbnissen+ haben sich noch die charakteristischen

Gebräuche der hindostanischen Religion erhalten, nämlich den Toten

zu verbrennen und seine Asche in die See zu schütten; eine Ausnahme

erfährt dieser Gebrauch nur bei Kinderleichen und zu Zeiten einer

Epidemie, zum Beispiel bei Pocken. Da eine Verbrennung mit großen

Unkosten verknüpft ist, so bleibt die Leiche oft lange genug, unter

Umständen fünf bis zehn Jahre, unbeerdigt liegen, ehe sie verbrannt

wird. Da im letzteren Falle von ihr schließlich nichts mehr übrig ist,

verbrennt man für sie eine Puppe aus Palmblättern; dies geschieht auch

bei Balileuten, die fern von der Heimat sterben. Die Einäscherung

geht auf einem pyramidenförmigen Gestell aus Bambus und Rotang, Sema

genannt, vor sich, nachdem alle religiösen Förmlichkeiten erfüllt

sind. Stirbt ein Prinz oder eine Prinzessin königlichen Geblütes, dann

drängen sich die Frauen des ersteren und Sklaven unter lauten Klagen

um den Toten und fordern eindringlich, mit ihrem Herrn oder Gatten

ebenfalls sterben zu dürfen; der König trifft dann die Entscheidung

hierüber. Wer dazu von ihm auserwählt wird, bekundet fortan große

Ergebenheit und gilt für heilig; da er mit seinen nackten Füßen unter

diesen Umständen nicht länger den Erdboden berühren darf, so werden

sie in weißes Leinen gehüllt. Die Frauen des Verstorbenen bringen der

Leiche ihres Mannes täglich Speise, küssen sie und benetzen sie mit

ihren Tränen bis zum Tage der Einäscherung. Der frühen Zersetzung des

Körpers beugt man durch Räuchern mit Benzoe vor. Am Vorabend vor dem

Begräbnis schlägt die tiefe Trauer in Fröhlichkeit und Tänze um die

hierfür auserlesenen Opfer um; man bietet ihnen leckere Speisen an und

zwingt sie, viel starken Branntwein zu trinken, während die Priester

ihnen die Freuden ausmalen, die ihrer in der anderen Welt warten. Am

Tage des Leichenbegängnisses wird jeder der Mitsterbenden einzeln in

einer Sänfte zum Scheiterhaufen getragen, nachdem den Göttern Opfer

dargebracht wurden. Am Verbrennungsplatze geht das Opfer zunächst um

seinen für ihn in Gestalt eines Troges errichteten Scheiterhaufen

herum, steigt hinein, entblößt seinen Oberkörper und wird erstochen;

darauf stürzen sich die weiblichen Verwandten hinzu, waschen den

Körper und bedecken ihn bis zum Kopfe mit Holz, das darauf angezündet

wird. Früher erlaubten die Gattinnen der verstorbenen Prinzen oder

Prinzessinnen es nicht, daß jemand sie anrührte, um sie zu erstechen,

weil sie sich dadurch für entweiht glaubten; sie sprangen vielmehr

aus freien Stücken in den angezündeten Scheiterhaufen hinein. Unter

dem Druck der holländischen Regierung ist diese Witwenverbrennung

königlicher Anverwandten auf Bali fast gänzlich abgekommen.

[Illustration:

Phot. Ch. Hose.

Abb. 308. Mausoleum der Klemantanen,

in dem zehn und mehr Särge einer Familie Aufnahme finden.]

Die +Bataker+ beerdigen entweder oder verbrennen ihre Leichen, sofern

es sich um wohlhabende Personen handelt; im ersteren Falle legt man

in den Sarg wohlriechenden Kampfer und leitet die sich entwickelnden

Fäulnisgase durch ein Bambusrohr in die Erde. Arme Leute werden einfach

in eine Matte gehüllt und begraben. Die Bataker standen früher in

dem Ruf, ihre bejahrten Eltern zu essen, wenn diese nicht mehr für

sich selbst sorgen konnten, damit sie ihnen nicht zur Last lägen. Um

die Jahreszeit, wenn die Orangen reif waren, mußte die betreffende

alte Person, die für den Festtagsbraten bestimmt war, auf einen Baum

klettern, die Familie sang unten im Refrain. „Wenn die Frucht reif ist,

dann fällt sie vom Baume.“ Darauf ließ sich das Opfer auf die Erde

herabfallen, es wurde geschlachtet und verzehrt.

[Illustration:

Phot. Fay Cooper Cole.

Abb. 309. Musizierende Negrito.

Ihr Lieblingsinstrument ist ein horizontal aufgehängter, kleiner,

abgeschälter Baumstamm, den die Weiber mit kurzen Stöcken im Takt

schlagen, während einer oder zwei Männer sie auf kupfernen Gongs

begleiten. Eigenartig ist, daß sie sich die vordere Schädelhälfte

rasieren.]

Die Philippinen.

Die Gruppe der Philippinen, die mehr als tausend Inseln umfaßt, liegt

nördlich von den großen Sundainseln und wird im Westen und Norden von

der chinesischen Südsee, im Süden von der Celebessee und im Osten vom

Stillen Ozean bespült. Als ihre Urbewohner sind die Negrito anzusehen,

eine Menschenrasse, die für stammverwandt mit der südafrikanischen

Zwergrasse gelten kann, und bei dem Erscheinen neuer Ankömmlinge in

die Berge und in die unzugänglicheren Teile des Archipels zurückwich.

Die ersten Eindringlinge, die das idyllische Leben dieser Ureinwohner

störten, waren Indonesier, also Angehörige der indoaustralischen

Grundrasse, deren Vertreter wir auf den Inseln des malaiischen

Archipels soeben kennen gelernt haben. Ihre wichtigsten Stämme sind

heutigentags die Ibang, Ifugao, Igorroten, Tinguianen, Bogobo, Tagalen

und Mandaya. Sie kamen vom südostasiatischen Festlande und von den

südlich der Philippinen gelegenen Inseln her. Zu ihnen gesellten sich

später malaiische Völker hinzu, unter ihnen befanden sich auch die Moro

oder mohammedanischen Malaien, die man hauptsächlich auf Palawan und

Mindanao antrifft. Im sechzehnten Jahrhundert landeten die Spanier auf

den Inseln und schließlich folgten ihnen noch Chinesen und Japaner, die

der bereits ziemlich gemischten Bevölkerung noch weiteren Einschlag

brachten. Daher kommen heutzutage alle möglichen Kreuzungen zwischen

den angeführten Rassen vor, an denen neuerdings auch die Nordamerikaner

Anteil nehmen.

[Illustration:

Phot. Bureau of Science, Manila.

Abb. 310. Bontokigorroten von Nordluzon beim Tanz.

Jeder von ihnen trägt dabei eine Ganza oder Bronzegong, das er mit

einem Knüppel anschlägt. Den Griff einer Ganza bildet ein menschlicher

Unterkiefer.]

Die +Negrito+ finden sich noch auf den Inseln Luzon, Tablas, Panay,

Mindanao und einigen anderen, wie Palawan, wo sie verschiedene Namen,

wie Aëta, Ita, Agta, Baluga, Hilluma, Mamamura und so weiter, führen.

Ihre Zahl ist höchstens auf zehntausend Köpfe zu veranschlagen; mit

Riesenschritten eilen sie leider ihrem Untergange entgegen. Wie die

afrikanischen Pygmäen sind die Negrito von kleiner Statur (Abb. 311),

die Männer messen im Durchschnitt hundertundvierzig, die Weiber

hundertundsiebenunddreißig Zentimeter. Jedoch weisen sie einen guten

Körperbau auf, mit regelmäßig geformten Gliedmaßen, breitem Brustkasten

und gut entwickelter Muskulatur. Ihre Hautfarbe ist braunschwarz,

ebenso ihr Kopfhaar, das kurz und wollig, aber nicht in dem Grade

spiralig gedreht erscheint, wie das der afrikanischen Zwerge, manchmal

auch schon mehr oder weniger wellig oder beinahe flockig ausfällt

(Abb. 312). Offenbar deutet dieses Verhalten Mischung an, wie auch die

ungleiche Schädelform, die fliehende Stirn und die stark vorspringenden

Augenbrauenbogen vermuten lassen. Die Nase ist kurz, aufgestülpt und

platt, die Augen von rundlicher Form. Der Bart ist spärlich entwickelt.

[Illustration:

Phot. Fay Cooper Cole.

Abb. 311. Gruppe von Leuten der Zwergvölker von Palawan.

Die Männer kleiden sich für gewöhnlich in Rindentücher und ebensolche

Kopftücher, die bei besonderen Gelegenheiten verziert sind, wozu dann

noch Blumen im Haar, leuchtende Blätter und Halsketten kommen.]

[Illustration:

Phot. Bureau of Science, Manila.

Abb. 312. Negritofrau.

Die Sitten der Völker, Erster Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 139 / 207 题