Abb. 248. Sechzehnjährige Sundanesin.]

[Illustration:

Phot. A. C. Pratt.

Abb. 249. Eingeborene der Tenimberinseln,

die ständig auf dem Kriegsfuß miteinander leben. Sie treiben Ackerbau,

Jagd und Fischfang und besitzen auch einige Fertigkeiten in der

Bearbeitung von Eisen und Kupfer. In religiöser Beziehung sind sie

Animisten. Ihre Häuser sind auf Pfählen erbaut.]

Ungleich höher als diese Kultur der Indonesier steht die der

eigentlichen +Malaien+ (Abb. 251), selbst in ihren tiefsten Schichten.

Sie führen bereits eine seßhafte Lebensweise, soweit sie Ackerbau

betreiben. Ihre wichtigste Kulturpflanze bildet der Reis; er wird

entweder auf trockenen (Ladangs) oder unter Wasser stehenden (Sawahs)

Feldern angebaut. Andere Nutzpflanzen sind Süßkartoffeln, Zuckerrohr,

Bananen, Kokos- und Betelpalmen, sowie Gemüse der verschiedensten Art.

An Haustieren besitzen sie Büffel, Pferde, Ziegen, Schafe, Hunde,

Hühner und so weiter. -- Das typische +Haus+ der Malaien ist der

Pfahlbau mit Giebeldach. Ähnlich wie in Ozeanien dienen diese Häuser

verschiedenen Zwecken. Es gibt Familien-, selbst ganze Sippenhäuser

von großen Dimensionen, in denen mehrere Familien zusammenwohnen, und

als gemeinsamen Aufenthaltsort die lange Galerie (Abb. 250) benutzen

-- im Bedarfsfalle wird ein Stück angebaut --, Junggesellenhäuser, in

denen die Unverheirateten hausen, sowie Besuchsgäste Unterkunft finden,

die öffentlichen Angelegenheiten besprochen werden, auch vereinzelt

Häuser für ledige Frauen, ferner Speicher zur Aufbewahrung von Reis

und anderen Früchten und kleine Totenhäuschen, die nach dem Muster

eines wirklichen Hauses gebaut sind. Die Häuser stehen in Dörfern, den

sogenannten Kampongs, zusammen. Die von der Hindukultur beeinflußten

Javaner wohnen in Häusern auf ebener Erde; auf einzelnen kleinen Inseln

treffen wir auch Rundhütten an.

[Illustration:

Aus: Hose, The Pagan Tribes of Borneo.

Abb. 250. Die lange Galerie eines Familienhauses als gemeinsamer

Aufenthalt für seine Bewohner.

Ein Haus in durchschnittlicher Größe nimmt ungefähr zweihundert

Bewohner auf, es ist im Rechteck gebaut, manchmal über

dreihundertfünfzig Meter lang und in der Mitte durch eine die ganze

Länge durchgehende Mauer in zwei Hälften, deren eine die offene Halle

ist, getrennt.]

[Illustration:

Phot. Edward Elven.

Abb. 251. Malaiische Frauen aus Sumatra,

wo die Malaien am stärksten verbreitet sind. Von gedrungener,

muskulöser Gestalt, mit kleinen Händen und Füßen, besitzt der Malaie

große Gelenkigkeit und Ausdauer. Er ist intelligent, tätig und fleißig,

großer Ergebenheit, aber noch stärkeren Hasses fähig und von scheuer,

empfänglicher, rachsüchtiger und verräterischer Natur.]

Die Malaien sind mit einem unterrockartigen Gewande, dem Sarong (Abb.

252), einem Kopftuch oder einer Mütze und einem Umschlagtuche um den

Oberkörper bekleidet; die mehr zivilisierten Stämme tragen jetzt auch

Hosen. Die Frauenkleidung ist die gleiche, nur fällt bei ihr meistens

das Kopftuch fort, dafür aber tritt eine Jacke (Abb. 253) hinzu.

Die Stoffe für diese Gewänder sind Erzeugnisse der einheimischen

Webekunst. -- Ein auf Java beschränktes, aber hier seit undenklichen

Zeiten allgemein geübtes Hausgewerbe ist das +Batiken+ (Abb. 254)

des einheimischen oder eingeführten Kattuns, das ist das Herstellen

warmer Farbentöne auf diesem mittels eines eigenartigen Verfahrens.

Auf dem Stoffe werden zunächst die Muster, zumeist Arabesken, sodann

aber auch Pflanzen, Tiere und szenische Darstellungen, mittels Wachs

abgedeckt, meistens freihändig, bei komplizierteren Mustern auch

nach Aufzeichnen mittels Holzkohle. Das Abdecken von schmäleren

Flächen, Linien oder Punkten geschieht mit einer Art Füllfederhalter,

einem Näpfchen mit lang ausgezogener Ausgußöffnung zur Aufnahme des

Wachses, das beständig in kleinen Tonschalen über kleinen Herden

flüssig gehalten wird, bei größeren Flächen mittels Pinsels. Das fertig

abgedeckte Tuch wird nun ins Farbbad in einen großen Kupferkessel

gebracht; dadurch nehmen diejenigen Stellen, an denen das Wachs

aufsitzt, keine Farbe an, sondern bleiben weiß, wenn dieses wieder

entfernt worden ist. Dies geschieht durch Eintauchen und Umherschwenken

des gefärbten Stoffes in kochendem Wasser. So einfach das Batiken

auch erscheint, so ist es doch äußerst mühsam und zeitraubend, zumal

wenn das Tuch mehrfarbig ausfallen soll, da sich dann der Prozeß des

Abdeckens, Färbens, des Wachssammelns und so weiter mehrfach wiederholt.

[Illustration:

Phot. Ch. Hose.

Die Sitten der Völker, Erster Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 122 / 207 题