Indonesien.
Unter Indonesien verstehen wir die weite Inselflur, die sich zwischen
Südostasien beziehungsweise Hinterindien, Neuguinea und Australien
ausbreitet und die großen (Sumatra, Java, Borneo, Zelebes) und kleinen
Sundainseln (Bali, Lombok, Sumbawa, Sumba, Flores, Timor und andere
mehr), sowie die Molukken (Ceram, Amboina, Djijolo) und die Philippinen
(Luzon, Mindanao, Sulu und so weiter) umfaßt. Man nennt dieses
Gebiet auch den Malaiischen Archipel, weil er von einem besonderen
Menschenschlag, der malaiischen Rasse, bewohnt wird. Diese Rasse, die
offenbar aus der gelben Grundrasse, wie die Chinesen und Japaner,
hervorgegangen ist, zeigt in körperlicher Hinsicht große Ähnlichkeit
mit den Polynesiern, die einen Zweig von ihnen bilden. Während letztere
aber infolge längerer Isolierung auf ihren einsam gelegenen Inseln
einen mehr einheitlichen Typus angenommen haben, trifft dieses für
die Malaien weniger zu, weil sich in den von ihnen bewohnten Gebieten
im Laufe der Zeiten reichlich Gelegenheit sich mit anderen Rassen zu
vermischen bot. Im allgemeinen gleicht daher der Typus der Malaien dem
der Polynesier, mit dem Unterschied, daß er sich vielfach verwischt
hat, indem er sich teils verfeinerte durch Kreuzung mit Hindu-, das
heißt mit indogermanischem Blute -- die Javaner dürften für seine
Vertreter gelten, besonders in ihren höheren Schichten -- (Abb. 248),
teils gröber wurde durch Vermischung mit den primitiven Inlandstämmen,
den Resten der Urbevölkerung der Inseln (Abb. 311 und 312). Unter
dieser letzteren lassen sich wiederum zwei Typen unterscheiden, ein
kurzköpfiger brauner mit krausem Haar und ein langköpfiger dunklerer
mit langem, straffem Haar; jener gehört der afrikanischen, dieser
der südasiatischen Grundrasse an; die Verwandten des ersteren sind
die Zwergvölker Mittel- und Zentralafrikas, sowie die Bewohner der
Andamanen, die des letzteren die Wedda auf Ceylon, die Semang-Senoi auf
Malakka, die Australier und Tasmanier. Beide Typen sind im Laufe der
langen Zeiten vielfach Vermischungen miteinander eingegangen, so daß
es schwer hält, im einzelnen Falle mit Bestimmtheit zu sagen, welchem
Typus der Vertreter eines Inlandstammes angehört. Gemeinsam ist beiden
Typen die niedere Körpergröße. Am reinsten hat sich die afrikanische
Grundrasse noch in den sogenannten Negrito der Philippinen (Aëta,
Baluga, Mammamua und so weiter) erhalten. Reste der +Urbevölkerung+
trifft man auf den meisten Inseln noch an; die bekanntesten Stämme
sind auf Sumatra die Kubu und Gajo, auf Borneo die Punam, Ot,
Bakatan, Ukit, Kajan, auf Zelebes die Toala und so weiter. Alle diese
Stämme stehen auf einer recht niederen Kulturstufe, ähnlich wie die
Australier. Größtenteils schweifen sie ohne feste Wohnsitze in kleinen
Familienhorden umher, für die Nacht benutzen sie höchstens eine aus
Laubblättern hergestellte primitive Regenschutzhütte und leben von den
Erträgnissen des Sammelns oder der Jagd auf kleine Tiere. Bei letzterer
bedienen sie sich ihrer einzigen Waffe, des hölzernen Wurfspießes; zum
Ausgraben der Wurzeln benutzen sie Grabstöcke. Ihre Kleidung besteht
bei den auf niedrigster Stufe stehenden Stämmen in einem zwischen den
Beinen durchgezogenen Gürtel aus geklopfter Rinde (Abb. 249) und in
einer Kopfbinde aus dem gleichen Stoff. Haustiere und Kulturpflanzen
kennen die Urstämme nicht, höchstens besitzen sie Hunde und Hühner,
die sie durch Tausch mit den kultivierteren Nachbarstämmen erhielten.
Schmuck findet sich bei ihnen nur in bescheidenem Maße vertreten oder
fehlt gänzlich. Ihre soziale Ordnung beruht auf der patriarchalischen
Familie.
[Illustration:
Aus: Stratz, Rassenschönheit des Weibes.