mit einem Stabe, der ein Waninga trägt.]
Bei der Beschreibung der Zeremonien erwähnten wir bereits
verschiedentlich heilige Gegenstände, vor allem das Schwirrholz, das
besonders bei den Jünglingsweihen eine wichtige Rolle spielt. Denn
bei dieser Gelegenheit erfahren die Knaben zum ersten Male, daß jene
geheimnisvollen Töne, die einem überirdischen Wesen zugeschrieben
werden und oft genug ihnen großen Schrecken einflößten, durch diesen
unscheinbaren Gegenstand hervorgerufen werden. Wir sprachen auch
bereits von dem +Tschuringa+ (Abb. 203), das dem eigentlichen
Schwirrholz in der Form wohl gleicht, aber kein Loch für die Schnur
besitzt, also nicht geschwungen werden kann. Der Name für diesen
Gegenstand stammt aus der Aruntasprache und bedeutet „heilig“. Es ist
oft mit eingeritzten Mustern schön verziert. Die Stämme von Mittel-
und Westaustralien verwenden das Tschuringa nur bei ihren heiligen
Handlungen, vor allem sind die Gebräuche, die damit im Zusammenhange
stehen, bei den Arunta hoch entwickelt. Hier besitzt jede Person, Mann,
Weib und Kind, sein eigenes Tschuringa, mit dem ein jedes verbunden
ist; die Frauen und Kinder aber dürfen das ihrige nicht zu Gesicht
bekommen. Alle Tschuringa, die einer Totemgruppe angehören, werden an
einem besonderen Ort aufbewahrt. Dieser gilt ebenfalls für heilig; ein
Jäger zum Beispiel würde auf der Jagd nach einem Känguruh, wenn er
sich solchen Aufbewahrungsorten näherte, ihm nicht weiter nachstellen,
sondern davon Abstand nehmen. Während der Zeremonien werden diese
Tschuringa, die sonst wie ein großer Schatz ängstlich gehütet werden,
hervorgeholt, betrachtet und befühlt; dabei sprechen die Eingeborenen
nur im Flüsterton und betragen sich höchst feierlich. Aus Höflichkeit
pflegt eine Totemgruppe einer anderen wohl ihr Tschuringa zu leihen,
sie erhält es dann unter vielen feierlichen Zeremonien wieder zurück
(Abb. 225).
[Illustration:
Aus: Spencer & Gillen, Central-Australia.