Ein anderer heiliger Gegenstand, auf den schon hingewiesen wurde, ist
das +Waninga+. In seiner einfachsten Form besteht es aus zwei in
der Mitte in Gestalt eines Kreuzes zusammengebundenen Stöcken, auf
welches Haar- oder Pelzsträhnen webartig gewickelt sind. Bald wird es
in der Hand (Abb. 224), bald auf dem Kopfe (Abb. 227) getragen. Im
westlichen Australien weist dieser Gegenstand entwickeltere Formen auf.
In dem in Abbildung 227 dargestellten Falle sind fünf kleine Waninga
zu einem einzigen Ganzen zusammengefügt. Die Bedeutung des Waninga,
das ebenso wie das Schwirrholz und das Tschuringa weder Frauen noch
Kinder erblicken dürfen, ist eine dunkle. Bei manchen Zeremonien
soll es nach Aussage der Eingeborenen das Totem darstellen, mit dem
sie in Zusammenhang steht, also eine Ratte oder eine Schlange. In
Westaustralien scheint das Waninga eine ähnliche Rolle wie die Masken
Melanesiens und anderer Länder zu spielen. Solche kommen übrigens
auch im äußersten Norden von Queensland vor, offenbar liegt hier ein
Einfluß von Neuguinea her vor, mit dem Australien durch die Inseln der
Torresstraße in Verbindung steht (Abb. 226).
[Illustration:
Phot. W. E. Roth.