In Nord-Neumecklenburg und auf Neuhannover wird der Körper eines Toten
auf Speeren aufgebahrt, von den Angehörigen von Haus zu Haus getragen
und am nächsten Tage auf eine Plattform vor seinem Hause gelegt,
unter der man einen Holzstoß errichtet. Je angesehener die Stellung
war, die der Verstorbene bekleidete, um so höher fällt die Plattform
aus. Nachdem sodann der Holzstoß in Brand gesteckt ist, besteigt ein
männlicher Verwandter die Plattform und berührt den Kopf des Toten von
Zeit zu Zeit unter Gesang mit einem Speer, so lange, bis die Flammen
ihn zum Herabsteigen zwingen. Endlich fängt auch die Plattform Feuer,
bricht zusammen, und mit ihr fällt der Leichnam in die Glut. Er wird
sodann herausgenommen, ein Stück von ihm losgelöst und unter die
Jünglinge des Dorfes verteilt, der übrige Körper aber noch einmal ins
Feuer gelegt und zu Asche verbrannt. Alle diese Vorgänge begleiten
lautes Wehklagen und Geschrei. Schließlich folgt ein Gelage. Über der
Asche des Feuers und des Toten wird ein Dach errichtet. Nach einigen
Wochen vermischt man die Aschenreste mit Kokosnußmilch; mit diesem Brei
schmieren sich die Leidtragenden den ganzen Körper ein. Die Trauer hält
eine bestimmte Zeit lang an und findet ihren Abschluß in einem Schmaus.
-- Auf Neumecklenburg treffen wir auch noch andere Bestattungsgebräuche
an. In manchen Teilen der Insel wird der Tote in einer Hütte eingebaut,
oder in einem Kanu aufgestellt, auch mit Ocker eingerieben, oder die
Daumen werden ihm zusammengebunden, so daß seine Hände wie zum Gebet
erhoben erscheinen, und der ganze Körper wird verbrannt. Anderwärts
fertigt man eine Figur des Verstorbenen in Lebensgröße an, bringt
sie morgens auf eine Plattform und verbrennt sie abends. In den
Rosselbergen legt man den Toten, in sitzender Stellung ganz und gar
mit gepulvertem Kalk bestrichen und in Blätter eingehüllt, auf einem
Querbalken unter das Dach seines Hauses, wo er jahrelang aufbewahrt
bleibt.
[Illustration:
Aus: Parkinson, Dreißig Jahre in der Südsee.
Abb. 184. Feierlichkeit zu Ehren des auf dem Totenstuhl ruhenden
Verstorbenen von hohem Rang bei einer Duk-Duk-Gesellschaft.]
[Illustration:
Aus: Parkinson, Dreißig Jahre in der Südsee.