In einer Küstengegend der Admiralitätsinseln, wo die Häuser auf Pfählen
in die See hineingebaut sind und es besondere Hütten für die Frauen
gibt, wird der Tote in einem solchen Frauenhaus mit dem Kopfe nach
der See zu aufgebahrt; hier verbleibt er bis zur völligen Verwesung.
Die Weiber bewachen die Leiche, entfernen das faulende Fleisch,
versenken es in Körben in das Meer, das Skelett aber waschen sie mit
Seewasser und begraben es in Körbe verpackt in der Erde, mit Ausnahme
des Schädels, der Rippen und der Knochen der Unterarme, die in einen
zweiten Korb gelegt und in die See hinabgelassen werden, bis alles
gebleicht und sauber geworden ist. Dann legt man die Knochen mit
scharf riechenden Kräutern in eine hölzerne Schüssel und bringt sie
in das Haus, in dem der Verstorbene lebte. Aus den Zähnen verfertigen
sich die Geschwister eine Halskette. Bei einer späteren Festlichkeit
werden die zurückbehaltenen Knochen unter die nahen Verwandten
verteilt, die sie zum Andenken an den Verstorbenen tragen. Der Schädel
indessen wird für eine noch spätere, ganz besonders wichtige Zeremonie
zurückgelegt, zu der ausgedehnte Vorbereitungen getroffen werden. Zu
diesem Zweck wird eine prächtig geschnitzte Plattform hergestellt, die
den Schädel aufnehmen soll. Am anderen Morgen kniet der Veranstalter
der Festlichkeit nieder, ein Zauberer setzt sich auf seine Schultern
und hält sich an seinen Haaren fest; dadurch will er jenem Kraft
verleihen, damit er seinen Pflichten beim Fest gewachsen ist. Darauf
ertönt Trommelschlag in der ganzen Umgegend, die Gäste strömen herbei,
und wenn sie versammelt sind, hält der Veranstalter (gewöhnlich der
Sohn des Verstorbenen) eine Ansprache, in der er den Toten und die
Anwesenden, auch sich selbst lobt und ihre Feinde schmäht. Schließlich
tritt unter Trommelwirbel der Zauberer hervor und nimmt den Schädel
in die Hand, worauf der Festgeber ihn mit einem in Öl getauchten
Drakänenzweig schlägt und dabei die Worte ausruft: „Du bist mein
Vater“; nach einer Weile wiederholt er den gleichen Vorgang und ruft
dieses Mal: „Empfange diese Speise, die dir zu Ehren zubereitet wurde“,
und beim dritten Male: „Beschütze mich, beschütze mein Volk, beschütze
meine Kinder“. In jeder Pause werden die Trommeln geschlagen, und
ein Trommelzeichen beschließt auch die Feier, worauf das eigentliche
Freudenfest einsetzt. Der Schädel wird stets sorgfältig aufbewahrt.
Auf dem Bismarckarchipel gibt es in manchen Gegenden auch
Gesellschaften, die gewissermaßen den Geheimbünden gleichen, nur daß
sie ihre Tätigkeit ausschließlich zum Andenken Verstorbener entfalten.
Diese Gesellschaften halten das ganze Jahr hindurch Aufführungen und
Zeremonien auf ihren geheimen Plätzen ab, aber einmal im Jahre nehmen
sie zu Ehren der Toten eine öffentliche heilige Handlung vor, bei
welcher geschmaust und getanzt wird (Abb. 186). Wenn sie die heiligen
Masken auf den Tanzplatz bringen, so tun sie es unter Wehklagen und
lautem Ausrufen der Namen der Gestorbenen, zu deren Ehren sie die
Masken angefertigt hatten; die Weiber schreien ebenfalls, raufen sich
die Haare aus und reißen sich sogar die Kleider vom Leibe, gleichsam
als ob sie den Verstand verloren hätten. Auf der Gazellehalbinsel wird
der Tote nochmals in sitzender Stellung aufgebahrt (Abb. 185) und
geschmückt, die Maskentänzer führen ihm zu Ehren einen Tanz auf, dem
andere Zeremonien folgen. Auch die Duk-Duk-Leute führen beim Tode ihrer
Mitglieder Tänze auf (Abb. 184).
[Illustration:
Aus: Parkinson, Dreißig Jahre in der Südsee.
Abb. 186.
Maskierte Tänzer einer geheimen Gesellschaft auf Neumecklenburg,
die im Gegensatz zu den anderen Gesellschaften ihre Tänze nur zu Ehren
ihrer Toten aufführen.]
Auf den Salomonen endlich sind die Trauergebräuche im allgemeinen den
oben geschilderten ähnlich. Auch hier trauern die Weiber, indem sie
sich Kopfhaar, Gesicht und Oberkörper mit einer aus Kokosnußöl und
Holzkohle bereiteten breiigen Masse einreiben und dumpfe, eintönige
Klagelieder, die den Lebensgang des Abgeschiedenen sowie seine Taten
verherrlichen, anstimmen. Die Leiche wird darauf auf einen Holzstoß
gelegt und dieser angezündet; die Männer werfen Yamswurzeln, Taro,
Bananen und andere Früchte, Wohlhabendere auch Hunde und Schweine in
die Glut, damit diese Speisen dem Verstorbenen als Wegzehrung für seine
lange Reise dienen. Die Weiber sitzen unterdessen, in burnusartige
Gewänder aus Bananenblättern gehüllt, um den Scheiterhaufen und setzen
ihre klagenden Sterbegesänge fort. Die Überreste des Toten werden aus
der Asche von den männlichen Anverwandten sorgfältig gesammelt und in
einem Mattenkorb aufbewahrt. Zum Andenken an ihn errichtet man über
der Verbrennungsstätte kleine zusammenhängende Häuschen aus Bambus
und den trockenen Blättern der Sagopalme, in denen der Korb mit den
Knochenresten zeitweilig aufgestellt wird. Wenn Wind und Wetter diese
kleinen Ahnenhäuschen zerstört haben, werden die Knochenreste in
ein Kanu gelegt, von jungen Männern in die See hinausgefahren und
hier versenkt. -- Auf Holländisch-Neuguinea werden die Leichen in
hausförmige, überdachte Särge gelegt, die jedoch manchmal so schmal
sind, daß nur die Knochen darin untergebracht werden können (Abb. 187).
[Illustration:
Aus: Van der Sande, Nova Guinea.