Abb. 185. Aufbahren einer Leiche auf der Gazellehalbinsel.]

In einer Küstengegend der Admiralitätsinseln, wo die Häuser auf Pfählen

in die See hineingebaut sind und es besondere Hütten für die Frauen

gibt, wird der Tote in einem solchen Frauenhaus mit dem Kopfe nach

der See zu aufgebahrt; hier verbleibt er bis zur völligen Verwesung.

Die Weiber bewachen die Leiche, entfernen das faulende Fleisch,

versenken es in Körben in das Meer, das Skelett aber waschen sie mit

Seewasser und begraben es in Körbe verpackt in der Erde, mit Ausnahme

des Schädels, der Rippen und der Knochen der Unterarme, die in einen

zweiten Korb gelegt und in die See hinabgelassen werden, bis alles

gebleicht und sauber geworden ist. Dann legt man die Knochen mit

scharf riechenden Kräutern in eine hölzerne Schüssel und bringt sie

in das Haus, in dem der Verstorbene lebte. Aus den Zähnen verfertigen

sich die Geschwister eine Halskette. Bei einer späteren Festlichkeit

werden die zurückbehaltenen Knochen unter die nahen Verwandten

verteilt, die sie zum Andenken an den Verstorbenen tragen. Der Schädel

indessen wird für eine noch spätere, ganz besonders wichtige Zeremonie

zurückgelegt, zu der ausgedehnte Vorbereitungen getroffen werden. Zu

diesem Zweck wird eine prächtig geschnitzte Plattform hergestellt, die

den Schädel aufnehmen soll. Am anderen Morgen kniet der Veranstalter

der Festlichkeit nieder, ein Zauberer setzt sich auf seine Schultern

und hält sich an seinen Haaren fest; dadurch will er jenem Kraft

verleihen, damit er seinen Pflichten beim Fest gewachsen ist. Darauf

ertönt Trommelschlag in der ganzen Umgegend, die Gäste strömen herbei,

und wenn sie versammelt sind, hält der Veranstalter (gewöhnlich der

Sohn des Verstorbenen) eine Ansprache, in der er den Toten und die

Anwesenden, auch sich selbst lobt und ihre Feinde schmäht. Schließlich

tritt unter Trommelwirbel der Zauberer hervor und nimmt den Schädel

in die Hand, worauf der Festgeber ihn mit einem in Öl getauchten

Drakänenzweig schlägt und dabei die Worte ausruft: „Du bist mein

Vater“; nach einer Weile wiederholt er den gleichen Vorgang und ruft

dieses Mal: „Empfange diese Speise, die dir zu Ehren zubereitet wurde“,

und beim dritten Male: „Beschütze mich, beschütze mein Volk, beschütze

meine Kinder“. In jeder Pause werden die Trommeln geschlagen, und

ein Trommelzeichen beschließt auch die Feier, worauf das eigentliche

Freudenfest einsetzt. Der Schädel wird stets sorgfältig aufbewahrt.

Auf dem Bismarckarchipel gibt es in manchen Gegenden auch

Gesellschaften, die gewissermaßen den Geheimbünden gleichen, nur daß

sie ihre Tätigkeit ausschließlich zum Andenken Verstorbener entfalten.

Diese Gesellschaften halten das ganze Jahr hindurch Aufführungen und

Zeremonien auf ihren geheimen Plätzen ab, aber einmal im Jahre nehmen

sie zu Ehren der Toten eine öffentliche heilige Handlung vor, bei

welcher geschmaust und getanzt wird (Abb. 186). Wenn sie die heiligen

Masken auf den Tanzplatz bringen, so tun sie es unter Wehklagen und

lautem Ausrufen der Namen der Gestorbenen, zu deren Ehren sie die

Masken angefertigt hatten; die Weiber schreien ebenfalls, raufen sich

die Haare aus und reißen sich sogar die Kleider vom Leibe, gleichsam

als ob sie den Verstand verloren hätten. Auf der Gazellehalbinsel wird

der Tote nochmals in sitzender Stellung aufgebahrt (Abb. 185) und

geschmückt, die Maskentänzer führen ihm zu Ehren einen Tanz auf, dem

andere Zeremonien folgen. Auch die Duk-Duk-Leute führen beim Tode ihrer

Mitglieder Tänze auf (Abb. 184).

[Illustration:

Aus: Parkinson, Dreißig Jahre in der Südsee.

Abb. 186.

Maskierte Tänzer einer geheimen Gesellschaft auf Neumecklenburg,

die im Gegensatz zu den anderen Gesellschaften ihre Tänze nur zu Ehren

ihrer Toten aufführen.]

Auf den Salomonen endlich sind die Trauergebräuche im allgemeinen den

oben geschilderten ähnlich. Auch hier trauern die Weiber, indem sie

sich Kopfhaar, Gesicht und Oberkörper mit einer aus Kokosnußöl und

Holzkohle bereiteten breiigen Masse einreiben und dumpfe, eintönige

Klagelieder, die den Lebensgang des Abgeschiedenen sowie seine Taten

verherrlichen, anstimmen. Die Leiche wird darauf auf einen Holzstoß

gelegt und dieser angezündet; die Männer werfen Yamswurzeln, Taro,

Bananen und andere Früchte, Wohlhabendere auch Hunde und Schweine in

die Glut, damit diese Speisen dem Verstorbenen als Wegzehrung für seine

lange Reise dienen. Die Weiber sitzen unterdessen, in burnusartige

Gewänder aus Bananenblättern gehüllt, um den Scheiterhaufen und setzen

ihre klagenden Sterbegesänge fort. Die Überreste des Toten werden aus

der Asche von den männlichen Anverwandten sorgfältig gesammelt und in

einem Mattenkorb aufbewahrt. Zum Andenken an ihn errichtet man über

der Verbrennungsstätte kleine zusammenhängende Häuschen aus Bambus

und den trockenen Blättern der Sagopalme, in denen der Korb mit den

Knochenresten zeitweilig aufgestellt wird. Wenn Wind und Wetter diese

kleinen Ahnenhäuschen zerstört haben, werden die Knochenreste in

ein Kanu gelegt, von jungen Männern in die See hinausgefahren und

hier versenkt. -- Auf Holländisch-Neuguinea werden die Leichen in

hausförmige, überdachte Särge gelegt, die jedoch manchmal so schmal

sind, daß nur die Knochen darin untergebracht werden können (Abb. 187).

[Illustration:

Aus: Van der Sande, Nova Guinea.

Die Sitten der Völker, Erster Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 103 / 207 题